Splatter-Orgie – Review von „Berserk Max“ Band 1

Soeben habe ich den ersten Band des Mangas „Berserk Max“ von Kentaro Miura durchgelesen. Der Titel sagt eigentlich schon alles: Es geht um einen Berserker, der wild um sich metzelt und dabei ein Schwert von der Größe einer Bankett-Tafel schwingt. Die ganze Sache hat mich sehr an Claymore erinnert, nur dass hier halt ein klassischer männlicher Hauptcharakter mit null Emotionen im Mittelpunkt steht und keine blonden, gutaussehenden Frauen.

Berserk Max, Band 1; Kentaro Miura;

Berserk Max, Band 1; Kentaro Miura; Panini Verlag

Der Schwertkämpfer, der passenderweise Guts (also „Gedärme“ o.O) heißt, ist auf einem Rachefeldzug. In der mittelalterlichen Welt bringt er jeden um, der ihm im Weg ist, auf dem Weg zu den bösen Drahtziehern. Die bösen Drahtzieher sind, soweit ich das durchblicken konnte, sehr eklige Dämonen, die Spaß daran haben, Menschen zu quälen und bei lebendigem Leib aufzufressen. Kein Wunder, dass die nicht beliebt sind. Bedauerlicherweise sind es oft besonders mächtige Menschen, die unter dem Einfluss der finsteren Kräfte stehen, weswegen Guts sich dann zunächst einmal durch Reihen von Fußvolk (aka Leibwachen) metzeln muss – was er natürlich erledigt, ohne mehr als einen Kratzer davonzutragen.

Held mit tragischer Geschichte

Unser bisher noch recht unsympathischer Held Guts hat allerdings selbst eine schlimme Geschichte, die jedoch im ersten Band noch nicht genauer erklärt wird. Er wurde wohl als Opfer für irgendwen gebrandmarkt und durch dieses Brandmal ist er nun verflucht. Auf seiner Reise begegnet ihm der kleine, herumflatternde Elf Puck, womit wir dann auch einen niedlichen und amüsant-depperten Nebencharakter hätten. Sehr wichtig, damit der Manga nicht komplett in völlig humorloser Düsternis versinkt, was bei dem hohen Splatteranteil durchaus passieren könnte. Guts selbst zeigt jedenfalls gar keine Gefühle und gibt sich als eiskalter Killer auf einer Rachemission. Puck erspürt zwischendurch immer mal wieder Gefühlsfetzen, vermutlich mit irgendwelchen Spezial-Elfensinnen. Doch man kann nur ahnen, dass Guts eigentlich eine ziemlich gequälte Seele ist. Wenn er nicht gerade kämpft, macht er sich nämlich über Puck und alle Weichherzigen und Schwachen lustig, was man als 1 A Verleugnungs-Reaktion bezeichnen könnte. Oder eben als Badass-Asshole-Verhalten. Ich denke im Verlauf der nächsten Bände wird sich rausstellen, was davon stimmt. ^^ Tippen würde ich auf ersteres, da sich solche Hauptcharaktere besser verkaufen als komplett unsympathische Hinterteile. ;)

Reden ist nichts für Elfen

Eine Sache, die mich etwas genervt hat, war die manchmal leicht holperig wirkende Sprache. Vor allem Pucks dauerndes „Nee!“ ging mir etwas auf den Keks, aber vermutlich braucht jeder hyperaktiv herumschwirrende Charakter einen Tick. Es gab auch keine falsche Übersetzung oder Grammatikfehler, für mich stimmte einfach oft der Tonfall nicht hundertprozentig. Oder die Ausdrucksweise. Beispielsweise hätte ich gedacht, dass der Regent der Stadt Guts nicht mit den Worten „Biste Söldner?“ anspricht, sondern vielleicht unfreundlich, aber nicht so flapsig unelegant. Andere Szenen, in denen Leute oder Dämonen dramatisch vor sich hin starben, wirkten widerum etwas steif auf mich. Aber vielleicht liegt das einfach nur daran, dass der Manga schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat und die Übersetzung eine Punktlandung war – nur eben für die Sprachgewohnheiten von vor 10 Jahren. ^^

Blut und Gedärme

Der Zeichenstil ist zwar relativ westlich, aber an sich sehr cool, da recht realistisch. Allerdings ist er an vielen Stellen vielleicht auch ein wenig zu realistisch, wenn man einen schwachen Magen hat. ^^ Denn dieser Manga ist wirklich ein Splatter-Roman. Gleich auf den ersten drei (!) Seiten wird gevögelt und BLAMM ein Monster abgeschlachtet. Kaum fünf Seiten später hat Guts auch schon den ersten Gegner mittig halbiert und alles mit Blut versaut. Sowieso müsste man für eine Realverfilmung von Berserk ohne Special Effects wohl Tankwagen voll Kunstblut ankarren. Ein paar kleinere Explosionen gibt’s auch, Köpfe und Gedärme fliegen ab und an durch die Gegend, verstümmelte Menschen kommen vor und hab ich eigentlich schon die widerlich dargestellten Monster erwähnt? :D Die Zeichnungen der zuweilen sehr tentakelig-glibberigen Monster erinnern mich übrigens vom Stil (und vor allem von den evil glowing eyes her) auch an Claymore.

Juchhe! Guts muss Skelettkrieger niederprügeln! ^^

Juchhe! Guts muss Skelett-krieger niederprügeln! ^^

Alles in allem also definitiv kein Manga, den man beim Essen oder im Zug neben kleinen Kindern lesen sollte. Den ersten Band würde ich auch noch nicht als Meisterwerk bezeichnen, auch wenn das auf der Rückseite des Mangas steht. ^^

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Darf ich anmerken, dass ich den Manga nicht aufgrund dieser ein wenig angestaubten und überdramatisierten Beschreibung gekauft habe? Sorry! ^^

Der Manga ist eigentlich schon ein Klassiker, da der erste Originalband aus dem Jahr 1989 stammt, die Reihe ist aber trotzdem noch nicht abgeschlossen. Das Ding hat bereits eine Laufzeit von 25 Jahren! Krass, oder? „Berserk“ erscheint in Deutschland seit 2001 und mittlerweile sind 37 Bände veröffentlicht. Von der Neuauflage im „2 Mangas pro Band“-Format „Berserk Max“ gibt es schon 18 Bände. Bei Amazon findet man aber leichter die Neuauflage, Band 1 vom Original-„Berserk“ gibt es nur noch gebraucht oder vielleicht in einem Comicladen eures Vertrauens. ;)

Insgesamt war ich nicht so dermaßen begeistert, dass ich jetzt schon nach dem zweiten Band hechle, ich werde ihn mir beizeiten aber vielleicht trotzdem zulegen, um zu schauen, wie sich die Story so weiterentwickelt und ob ich mich an die Sprache noch gewöhne. Außerdem soll der Manga im Verlauf der Geschichte noch wesentlich besser werden. Wer also ohnehin schon mit dem Gedanken gespielt hat, sich Berserk zuzulegen und keine Scheu vor blut- und schleim-lastigen Gemetzeln hat oder wer auf stereotypisch männliche Männercharaktere mit viel zu großen (und bestimmt auch männlichen) Schwertern steht, der sollte reinlesen. Wer auf der Suche nach emotionaleren oder tiefgründigeren Geschichten ist, der ist hier gerade eindeutig in der falschen Abteilung gelandet. Wie wär’s stattdessen mit Shakespeare? ;) Falls ich irgendwann dazu komme noch mehr aus dieser Reihe zu lesen, erhaltet ihr natürlich wie immer ein Update, in dem ich euch verrate, ob die Story aus meiner Sicht noch spannender wird.

Bis dahin: Keep on otaku-ing!
Eure 0utofjoint! ^-^

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2 Kommentare

  1. Oh ein Klassiker! Und der hat ja eine enorme Fangemeinde. Mich hat der aber irgendwie nie so richtig angesprochen. Würde mich aber interessieren wie du den zweiten Band findest und ob sich die Story wirklich noch entwickelt. (Geschickt oder … andere zum lesen zu animieren, damit man nicht selber kaufen muss … gemein ;) )

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    1. :D Doch doch, sehr listig! Wenn ich mit den andern gefühlt 100 Mangas durch bin, die ich noch lesen wollte, komme ich drauf zurück ;) Dass Berserk sehr viele Fans hat, hab ich auch gehört, das war einer der Gründe warum ich ihn mitgenommen hab. Aber dann allein deswegen den Manga toller zu machen wär ja Käse. ^^

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