Bekloppter geht’s nich? – Review Ein irrer Flitzer

Da denkt man grade, man hätte mit „Assassination Classroom“ oder „Magical Girl of the End“ alle Beklopptheitssparten im Mangabereich abgedeckt und dann veröffentlicht Tokyopop „Ein irrer Flitzer„. Ihr wisst, was ein Flitzer ist, oder? Jemand der splitterfasernackt durch die Gegend rennt und dafür sorgt, dass die Leute in der Fußballspielübertragungszentrale (oder bei ähnlichen öffentlichen und eigentlich familiengeeigneten Veranstaltungen) in hektische Aktivität ausbrechen, zwecks Verpixelung gewisser Körperteile. ^^ Und über so was gibt es jetzt einen Manga? o.O

Ein irrer Flitzer Band 1; Hitoma Iruma/Hiroto Ida; Tokyopop

Ein irrer Flitzer Band 1; Hitoma Iruma/Hiroto Ida; Tokyopop

Ich dachte mir nur etwas hochnäsig „Das kann ja nix werden!“, aber hab den Manga trotzdem im Laden mal aufgeschlagen und festgestellt: Das Ding hat ja ne Story! :O Und bei der geht es sogar überhaupt nicht um irgendwelche Spielfelder und Kameraaufnahmen. ^^

So viel nackte Haut o.o

Auf dem Cover klebt übrigens wirklich ein Zensiert-Sticker. :D Da wäre ich ja glatt versucht, den mal abzuknibbeln, einfach um zu gucken, ob da wirklich was drunter ist … andererseits will ich den Manga ja nich kaputt machen und außerdem … wenn was drunter ist, fänd ich’s wahrscheinlich auch wieder unschön, das auf dem Cover zu haben. xD Der nette junge Mann vom Cover rennt, wie ihr sicher schon vermutet, auch im inneren des Mangas öfters nackt herum, allerdings wird sein bestes Stück immer zensiert. Entweder durch die beliebte „da steht gerade zuuufällig eine Blumenvase/jemand hält den Ellenbogen davor/huch, da is ja glatt was im Bild“-Technik oder einfach, indem nur eine weiße Stelle gezeigt wird. Ob das im japanischen Original auch so ist, kann ich euch nicht sagen, ich gehe allerdings davon aus, da die japanischen Medien laut der seriösen Quelle Internet berüchtigt für ihre Verpixelungswut sind. ^^ An nackten männlichen Oberkörpern und Hintern sollte man sich dennoch nicht stören, die finden sich genug. Ob Hiroto Ida diese für euch ansprechend darstellt, könnt ihr hier in der Leseprobe nachschauen. ;) Von diesem Zeichner hatte ich bisher noch nichts gelesen und ich habe auch von seinen bisher gezeichneten Mangas noch nichts gehört – aber das muss ja nichts heißen. Vielleicht kennt ihr ihn ja?

What the fuck is this story?

Jaha, das kann man sich schon mal fragen. :D Es geht um einen Studenten, der gerne Schriftsteller werden möchte, aber denkt, dass er kein Talent hat, weil er bisher bei allen Wettbewerben sofort rausgeflogen ist. Neu immatrikuliert als BWLer sitzt er nun einsam auf einer Semester-Party, auf der auch Shoko Kai anwesend ist. Bei ihr handelt es sich um einen aufstrebenden Star in der Literaturwelt und zufällig auch um eine seiner neuen Kommilitoninnen. Als er gerade im tiefsten Selbstmitleid versinken will, taucht plötzlich der Flitzer auf der Party auf und setzt sich ziemlich betrunken, aber entschieden zu ihm. Wie sich das gehört, verliert dieser vor Ende der Party das Bewusstsein und unser armer Hauptcharakter nimmt ihn aus Mitleid mit in seine Wohnung, damit er nicht nackt auf der Straße schlafen muss.

Am nächsten Tag entpuppt sich der Flitzer als ziemlich nerviger und vorlauter Zeitgenosse, der irgendwie gar keine Lust zu haben scheint, sich wieder auf den Heimweg zu machen. Dank geliehenen Klamotten begegnen sich die beiden aber sogar mal an der Uni und es stellt sich heraus, dass sie Kommilitonen sind. Um die geliehenen Klamotten wieder zurück zu bringen, taucht Flitzer-kun natürlich wieder bei dem gebeutelten Schriftsteller in spe auf und durchforstet dessen PC und Notizbücher, wodurch er herausfindet, dass sein unfreiwilliger Vermieter gerne Schriftsteller werden möchte. Alle Proteste in Richtung „Warum liest du Arsch meine geheimen Notizen?!?!“ ignoriert er und beginnt stattdessen seinen Wohltäter und Klamottenspender zu ermutigen den Traum vom Schreiben nicht aufzugeben. Jetzt aber nicht aus Dankbarkeit oder so, sondern weil ihm danach ist. Was dachtet ihr denn? ;) Er versucht Schreiberling-kun dazu zu bringen, Shoko Kai zu bezirzen, damit sie seine Geschichten liest, für toll befindet und ihn zum nächsten großen Star macht.

Das hält unser ernster Hauptcharakter mit Hose natürlich für einen völlig bescheuerten Plan, trotzdem versucht er, die sehr unbegeisterte Shoko Kai zu überreden, dass sie seine Geschichten liest und ihm eine Rückmeldung gibt, damit er sich verbessern kann. Diese Überredungen werden zu einem Hin und Her mit lustigen Verwicklungen und dämlichen Gesprächen, wie sich das für einen Comedy-Manga gehört. Unser bekleideter Möchtegern-Schriftsteller ist recht verklemmt und unser Exhibitionismus-Pro ist das komplette Gegenteil. Er ist jedoch davon überzeugt, dass Kleidungsträger-kun es mit seinen Geschichten schaffen kann und baut dessen Selbstbewusstsein auf. Im Laufe der Zeit färbt er quasi ein wenig ab und lässt den am Anfang verzweifelt wirkenden Schriftsteller etwas entspannter und selbstbewusster werden. Wir dürfen also gespannt sein, was sich da im zweiten Band noch entwickelt. Soweit ich weiß, ist der Manga in zwei Bänden abgeschlossen, weswegen wir vermutlich im zweiten Band (angekündigt für Januar 2015) mit einer niederschmetternden Absage von Shoko Kai oder dem großen Buchvertrag für Hosen-kun rechnen können. ;)

Bro, you so deep, I can’t even see you.

Doch es gibt noch eine andere Ebene, die ich durch zielstrebiges Überinterpretieren und den Konsum zu vieler Filme gefunden oder selbst hinzugedichtet habe. :D Wer keine Angst vor seltsamen Theorien und eventuellen Spoilern hat, darf mir jetzt gerne beim rumrätseln zuhören. Äh, mitlesen. Alle andern springen bis zum Fazit. ;)

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Was mir am Manga aufgefallen ist: Die beiden Hauptcharaktere haben keinen Namen. Deswegen auch mein unpraktisches Rumformulieren da oben. Ich habe den Manga noch einmal von vorne bis hinten durchgeblättert, selbst die Tante, die zwischendrin kurz auftaucht, nennt den bekleideten Hauptcharakter schlicht „du“. Nur Shoko Kai hat einen Namen. Der Exhibitionist taucht natürlich conveniently genau in dem Moment auf, in dem Klamottenträger-kun sich der Verzweiflung hingeben und seinen Traum vom Schriftstellerdasein aufgeben will. Außerdem interagiert Flitzer-kun mit niemand anderem. Er taucht zwar am Anfang auf der Party auf und die anderen erinnern sich an „den Flitzer“, man sieht ihn aber danach immer nur in Kleidungs-kuns Wohnung oder während die beiden in der Uni miteinander reden und abgesehen von der Party ist er noch gar nicht vor Shoko Kai aufgetaucht. Und bei seinem ersten Auftauchen weint er – aus nicht näher erklärten Gründen. Mysteriös oder einfach nur irre? ^^ Dann gab es da noch eine Szene, in der unser Schriftsteller Shoko Kai konfrontiert, die am Ende sehr surreal wirkt. Da die Begegnung in einer Art Geisterbahn stattfindet, kann man sich aber nie sicher sein, ob einem da nicht nur der Zeichner einen Streich spielen wollte und die Geisterbahn realistischer darstellt als nötig.

Last but not least: Flitzer-kun hat innerhalb kürzester Zeit alle Geschichten seines neuen besten Kumpels gelesen und ist fest davon überzeugt, dass dieser es schaffen kann als Schriftsteller anerkannt zu werden und er rennt gerne nackt rum und gibt Kleidungs-kun den eindringlichen Ratschlag doch etwas exhibitionistischer zu sein. Womit er nicht (nur) meint, dass dieser sich ausziehen soll, sondern auch, dass er in seinen Geschichten mehr von sich preisgeben soll. Die Welt der Schriftsteller ist für diesen nackt herumlaufenden, sich selbst als Idioten bezeichnenden Kerl eine „Welt der Nackten“, da jeder gute Schriftsteller ein Stück seiner selbst mit in seine Werke schreibt. Was volle Kanne philosophisch klingt und diesen Charakter noch absurder wirken lässt. Trotzdem hat er damit Recht, denn ohne Meinungen zu haben oder sich selbst ausdrücken zu wollen ist das mit dem Schreiben schwierig. Findet zumindest eine generell gerne emotionalen Blödsinn schreibende 0utofjoint. :)

Daher meine These. *räusper* Der Flitzer ist eigentlich ein Teil von unserem Hauptcharakter. Sein Unterbewusstsein sozusagen. Also der Teil, den er immer unterdrückt hat und der jetzt in seiner depressivsten Stunde ans Licht drängt. Oder zumindest könnte man es sehr schön so deuten. Denn den Streit zwischen unserer Seite, der alles peinlich ist und die nicht an uns glaubt und der anderen so ein bisschen asi eingestellten Egoisten-Seite, der so was völlig latte ist und die nur dazu da ist, um coolen Shit zu erleben, mal ehrlich, diesen Streit kennt doch jeder in irgendeiner Form. Oder? ;) Also falls im zweiten Band doch noch herauskommt, dass Flitzer-kun und Kleidungs-kun unterschiedliche Namen haben, dann hab ich wohl einfach nur zuviele gute Mindfuck-Filme geguckt. :D Andernfalls werde ich mit einem triumphierenden „HA! Ich habs euch doch gesagt!“ ins zweite Mangareview einreiten und viele hochgezogene Augenbrauen kassieren, falls das hier keiner gelesen hat. :D

Fazit: Auch nackte Idioten können sinnvolle Dinge von sich geben

Sooo, was ist denn nun mein Fazit? Nun, gerade weil mich als angehende Schreibkraft ja immer diese „Verfolge deinen Traaauuum *sing*“ und „Tschakkaaa, du kannst schreiben!“ Dinger interessieren, werde ich auf jeden Fall den zweiten Band kaufen. Einfach weil ich gespannt bin, wie es mit dem Selbstbewusstsein des Hauptcharakters weitergeht und ob seine Geschichten nun wirklich schlecht sind oder eben gut. Denn eine Meinung dazu haben wir bisher nur von einem Kerl gehört, der sich selbst mit den Worten „Hallo, ich bin ein Idiot“ vorstellt, von daher … who knows? ;) Außerdem bin ich natürlich gespannt, ob meine geheime Geheimthese zutrifft (die übrigens voll unspektakulär ist, also nicht ärgern falls ihr sie nicht gelesen haben solltet^^) uuuund ob Flitzer-kun im zweiten Band endlich mal mehr als 5 Seiten lang eine Hose tragen wird. :D Fragen die die Welt bewegen! Die Story stammt übrigens vom Schriftsteller (Autobiographie much?) Hitoma Iruma, der auch die Story zu „Precious Lies“ geliefert hat. Zu diesem Manga gibt es bei Amazon sehr unterschiedliche Meinungen, fühlt euch also gewarnt, dass sein Schreibstil und seine Art von Geschichten vermutlich nicht jeden ansprechen. Nachtrag: Hier geht es übrigens zum Review von Band 2. :)

Ein abgedrehter, aber irgendwie halt doch ein wenig tiefgründig rüberkommender Manga, an den ihr euch gerne ranwagen könnt, wenn euch mal der Sinn nach etwas völlig anderem steht. Falls ihr ihn auch lest, wäre ich gespannt, was ihr davon haltet und ob ihr meine Einschätzung teilt! :)

Einen Flitzer-freien Tag und ein schönes Halloween wünscht euch
eure 0utofjoint =)

https://i2.wp.com/www.funelf.net/photos/the-bat-cat.jpg

PS: Happy ungruseliges Halloween und so! :D

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17 Kommentare

  1. Ebenfalls Happy Halloween! :)
    Ich finde deine These eigentlich ganz cool – und die klingt gut begründet (kenne den manga nicht), also warum nicht? Bin mal gespannt, ob du Recht hast ;)
    Von dem Motiv mit der Katze habe ich ein T-Shirt. da steht außerdem noch drunter „Battitude“ … unnützer Kommentar am Rande XD

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    1. Daaanke! ^-^ Ich auch und ich werd mich so freuen, wenns stimmt :D
      Echt jetzt?! :D wie gut! Ich poste die jedes Halloween immer wieder gerne, weil ich sie so putzig äh megagruselig finde. Ebenso wie dieses Bildchen von der Babyfledermaus mit „Stop touching me! I am the night!“ Falls du das kennst :D

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    2. Dankeee! ^-^
      Ich bin auch sehr gespannt, ob ich Recht habe – und falls ja, werde ich mich total drüber freuen. :D
      Oh, wie gut! :) Ich find die Katze so putzig, äh, gruselig mein ich natürlich, dass ich die jedes Halloween wieder gerne auspacke. ^^ Genauso wie die hier http://bit.ly/1tsaat8 <3

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  2. Das ganze erinnert mich gerade sehr an „A beautiful mind“, zumindest wäre die These mit dem Herrn Flitzer deckungsgleich. Allerdings hoffe ich nicht, das der Manga so endet. :/ Es wäre arg deprimierend. Und solche „Tschakaaaa-Werke“ sind absolut praktisch im Leben finde ich, die brauch man manchmal einfach. :)

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    1. Okay, jetzt muss ich wieder eingestehen ein absoluter Filmbanause zu sein. Ich hab „A beautiful mind“ nie gesehn. :/ Aber neeein, ein deprimierendes Ende möchte ich auch nicht! Gerade weil ich doch auf ein „Tschakaaa“-Buch bzw. Manga hoffe. ;)

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      1. Film ohne deprimierendes Ende aber mit einer ähnlichen Thematik ist „Mein Freund Harvey“ allerdings in s/w. :D Da kommt grad der Filmnerd in mir heraus^^ Und du bist nicht die einzige die hofft.

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  3. Ui, okay, da muss ich mich doch mal informieren. ^^ Und b/w Film klingt besonders spannend. :D Ich werde ja dann reviewen, wenn ich den zweiten Teil gelesen hab und werde unspoilerig duch meine Stimmung rüberbringen, ob es gut ausging. Oder so. ;)

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