Tag: 01/01/2015

Was will uns diese Graphic Novel sagen? – Review „Fun Home“

Nachdem ich irgendwo (leider keine Ahnung mehr wo genau) ein Review zu dieser Graphic Novel gelesen hatte und Lesestoff für diverse Zugfahrten brauchte, habe ich spontan „Fun Home – Eine Familie von Gezeichneten“ von Alison Bechdel mitgenommen. Typisch für mein exzellentes Gedächtnis hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon wieder vergessen, worum es in der Graphic Novel geht und habe mir auch nicht die Mühe gemacht, dieses Rätsel mithilfe des Klappentextes aufzulösen. Warum auch? Planlos is doch viel lustiger. :D Bedauerlicherweise ist die Graphic Novel trotz des irgendwie sympathisch dummen Wortwitzes im Untertitel (Hut ab für den Übersetzer! ^^) alles andere als leichte Kost. „Fun Home“ steht nämlich keineswegs für „Fun“, sondern ist die fast schon absurd wirkende familieninterne Abkürzung für „Funeral Home“, also für „Bestattungsunternehmen“. In einem solchen arbeitet nämlich der Vater des Hauptcharakters und dort spielte sich ein großer Teil von Alisons Kindheit ab. Die ganze Graphic Novel ist eine Art grafische Aufarbeitung von Alisons Kindheit. Also quasi eine AutobioGraphic Novel … ich sollte das mit den Witzen lassen. o.O

Fun Home - Eine Familie von Gezeichneten; Alison Bechdel; Carlsen Verlag

Fun Home – Eine Familie von Gezeichneten; Alison Bechdel; Carlsen Verlag

Genderbending für Fortgeschrittene

Ich habe am Anfang übrigens bewusst „Vater des Hauptcharakters“ und nicht „des Mädchens Alison“ geschrieben, denn auch wenn auf dem Klappentext von einer jungen Frau gesprochen wird, so fand ich es besonders beeindruckend, wie androgyn Alison sich selbst zeichnet. Denn bereits als Kind war sie ein „tomboy“, also ein sehr unmädchenhaftes Mädchen. Im Deutschen gibt es leider nur den Begriff „burschikos“ dafür, den ich ziemlich bescheuert und altbacken finde. Allerhöchstens „Flintenweib“ gibt einem eine Ahnung davon, was gemeint ist, auch wenn der Ausdruck eher negativ wirkt. ^^ Alison Bechdel hat es jedenfalls geschafft, mich stellenweise daran zweifeln zu lassen, ob „Alison“ wirklich ein Mädchen ist. Und da diese Auseinandersetzung mit „weiblich“ und „männlich“ ein elementarer Bestandteil ihrer eigenen Geschichte ist, ist allein das doch schon eine Kunst, oder? (mehr …)

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