Tag: 14/02/2015

Foto: Pixabay/geralt

Klischees & TTIP: Argh, was tun die da?

Nach einer stressigen Woche habe ich mir Donnerstag Abend zusammen mit einem Freund einen veganen Döner gegönnt (oder auch „Vöner“ genannt, immer diese unglaublich kreativen Namensgebungen …). Mir gegenüber in dem Laden saß ein Sterotyp eines schwulen Kerls, der anscheinend ein großes Kommunikationsbedürfnis hatte und sich mit uns vermutlich über alles und jedes unterhalten hätte, wenn wir lange genug geblieben wären. An sich ist so ein kommunikationsfreudiger Mensch ja völlig in Ordnung, aber wandelnde Klischees amüsieren mich immer. ^^ Außerdem möchte ich euch noch seinen gut gemeinten Abschiedstipp mit auf den Weg geben. Bitte stellt euch diesen Satz also nun in einer nasalen Tonlage und im Hinterkopf die vorhergegangenen zweideutigen Witze über Schuhgrößen bei Männern vor: „Bei einem Date sollte man niemals direkt über seine politischen Ansichten sprechen!“ :3 Und ja, mein Hirn hat währenddessen am Ende seines Satzes automatisch „Schätzchen!“ ergänzt, obwohl er mich so gar nicht genannt hat. Es tut mir leid, aber mein Hirn kommt manchmal nicht mit klischeehafte Sachen klar! :D Damit hättet ihr nun jedenfalls DEN Valentinstagstipp von mir erhalten und ich hab das Thema zumindest mal erwähnt. Weil das muss man ja anscheinend, entweder um sich darüber zu beschweren oder um zu erzählen, was man tolles macht. Meistens allerdings ersteres, wie mir scheint … ^^

Vom Vöner zu TTIP

Wie unser Ratgeber überhaupt auf das Thema politische Ansichten kam? Nun, wir haben erwähnt, dass es nach dem Essen es direkt weiter gehen soll zu einem Diskussionsforum über das Thema TTIP, also das Freihandelsabkommen. Eine sehr spontane Aktion für mich, bei der ich übrigens noch auf ein weiteres wandelndes Klischee getroffen bin. Aber dazu später mehr. Es ging also um TTIP, was übrigens für „Transatlantic Trade Investment Partnership“ steht, aber das müsst ihr euch nicht merken, tun die meisten Politiker auch nicht. Oder zumindest können sie es vor laufender Kamera oft nicht wiedergeben. Ihr habt ja sicher mitbekommen, dass dieses Freihandelsabkommen in der Kritik steht und irgendwie von vielen Leuten nicht so toll gefunden wird. Ein großer Kritikpunkt ist jedenfalls, dass die Verhandlungen nicht öffentlich stattfinden und wir als Bürger wenig darüber erfahren, was eigentlich genau verhandelt wird. Was aber nicht 100%-ig korrekt ist, da es mittlerweile dank des hohen öffentlichen Drucks zumindest vage Zusammenfassungen auf der Homepage der Europäischen Kommission gibt. Sofern ich diese durchschaue, stehen dort aber meistens nur Pressemitteilungs-Blabla Dokumente, in denen erklärt wird, wie lange über bestimmte Themen verhandelt wurde und keineswegs, um welche Punkte es genau ging oder wofür welche Seite genau kämpft bzw. unglaublich motiviert verhandelt. Nachtrag 15.2.2015: Matt hat in den Kommentaren darauf hingewiesen, dass man nachschauen kann, wie viel Lobbyarbeit von welchen Lobbies betrieben wird. Auch wenn ich die Ergebnisse sehr deprimierend finde, möchte ich euch den Link zu den entsprechenden sehr interessanten Infografiken und Erläuterungstexten natürlich nicht vorenthalten. :)

Eigentlich geht es beim TTIP darum, den Handel zwischen den USA und der EU zu vereinfachen, damit Leute, die Dinge von einem Land ins andere exportieren möchten, nicht mehr so viel bürokratischen Müll bearbeiten müssen, bevor sie exportieren dürfen. Sojabohnen für das eventuell vorhandene Tofu in meinem Vöner könnten also beispielsweise auch billiger werden, wenn wir sie aus den USA importieren und somit könnte ich auch beim Vönerkauf sparen. (Ey, dieses Wort …) Außerdem müssen z.B. bei Autos keine doppelten Sicherheitstests durchgeführt werden, wenn beide Länder ähnliche Sicherheitsbestimmungen haben. Dadurch ließe sich für die Firmen viel Geld sparen und wir als Verbraucher würden angeblich auch Geld sparen, weil die importierten Sachen durch den Wegfall der Zölle und der zusätzlichen Tests auch billiger werden. Und natürlich würden die US-Amerikaner dann mehr unserer Sachen kaufen, wodurch wir wieder mehr Geld bei uns im Land hätten. Das wir dann für US-Produkte ausgeben. Oder so.

Ob ein Freihandelsabkommen allerdings wirklich zum Wirtschaftswachstum führen wird, ist eher umstritten und abhängig von der Studie, auf die man sich bezieht. Da ich leider nicht die Zeit habe, mich da nun durchzuwühlen, muss ich euch hier leider im Ungewissen lassen, ob es vielleicht doch eine sehr positive Auswirkung auf die deutsche Wirtschaft gäbe. Aber wie wir ja aus unserem Statistik-Buch wissen, sind Zukunftsprognosen eh meistens fürs Flauschekätzchen, weil sie selten eintreffen. Außerdem gibt es leider noch einige weitere riesige Kritikpunkte am TTIP. Und auch wenn ich es für total sinnvoll halten würde, wenn die USA endlich das metrische System übernehmen würden, anstatt immer mir Yard, Foot, Inch und was weiß ich noch herumzurechnen, ist mir doch allein das metrische System kein komplettes Abkommen wert. Denn TTIP gibt es leider nur ganz oder gar nicht. Einzelnen Punkten zustimmen und andere ablehnen ist bei der Genehmigung am Ende bedauerlicherweise nicht möglich. (mehr …)