Beschleunige in eine andere Welt – Manga-Review Accel World

Habt ihr euch nicht auch schon mal gewünscht ihr könntet die Zeit anhalten? Oder euch einfach aus der Welt ausklinken? Genau darum geht es in „Accel World„, einem Manga, bei dem ich den ersten Band mitgenommen habe, weil ich den Anime so gut fand. „Accel World“ bedient die typischen Emotionen, die Shounen Animes nun einmal ansprechen: Es geht um Freundschaft, Vertrauen, Feinde, die man wirklich verabscheuen lernt, ausweglose Situationen und eventuell vielleicht sogar umdie erste große Liebe. Um ehrlich zu sein, steht die Liebe ein wenig im Vordergrund, aber Anime wär ja nicht Anime, wenn das heißen würde, dass wir in den ersten sieben Milliarden Folgen mehr als Andeutungen und permanent rot werdende Charaktere erleben. Ignorieren wir also das pubertäre Hormongedöns und stürzen wir uns in die beschleunigte Welt von Accel World.

Cover Accel World Band 1

Cover Accel World Band 1; Zeichnungen: Hiroyuki Aigamo; Story: Reki Kawahara; Charakterdesign: HIMA; Tokyopop

Worum geht es, wenn man das ganze nicht pathetisch in Emotionen ausdrückt? ^^ Nun, es geht um den kleinen, runden Mittelschüler Haruyuki bzw. Haru, der sich so ziemlich am untersten Ende der Nahrungskette befindet und permanent schikaniert wird. Deswegen (Sozialkritik und so!) flüchtet er sich so oft es geht in die virtuelle Welt. Da wir uns ungefähr im Jahr 2055 befinden, tut er das allerdings nicht auf die altmodische Art, mithilfe eines Bildschirmes, pah! In 40 Jahren kann man direkt aus dem Hirn auf das Betriebssystem zugreifen, das einem ähnlich wie Hololens, Google Glass und andere Spielzeuge eine Oberfläche vor der Nase schweben lässt, die man dann anpatschen kann. Nur, dass man dafür eben keine olle Brille mehr braucht. ^^ Mithilfe eines sogenannten Direct Links kann man dann auch gleich komplett in eine virtuelle Welt eintauchen, so wie Haru das tut. Dort wuselt er als Avatar umher, der meiner Meinung nach irgendwie gemein und niedlich zugleich ist: Ein Schweinchen. Da Haru aber auch im nicht-virtuellen Leben weit entfernt vom Standard-Idealtypus des Helden ist, finde ich es sinnig, dass das am Anfang auch hier umgesetzt wird und man nicht direkt mit einem vollkommen anders aussehenden Heldenavatar konfrontiert wird.

Auf in die Kampfwelt!

Auf einem seiner Fluchtversuche stellt Haru plötzlich fest, dass sein Highscore bei einem seiner Lieblingsspiele geknackt wurde. Erstens wirft ihn das komplett aus der Bahn, denn das ist die einzige Sache, in der er wirklich wirklich gut ist – und zweitens steht kurz darauf Kuroyukihime vor ihm. Die hat nicht nur einen für nicht Japanische sprechende Menschen einen sehr unaussprechlichen und untippbaren Namen, sie ist auch zufällig DER weibliche Schulschwarm, den auch Haru aus der Entfernung angehimmelt hat. Ohne jeglichen Vorbehalt spricht sie ihn an und fragt ihn prompt ob er sich mit ihr treffen möchte. „Eeeehhh? Deeetooo?!?!“ Werden die Animefans unter euch sich jetzt vielleicht denken. Aber nein, es ist kein „Deto“ aka Date im traditionellen Sinne, Kuroyukihime möchte ihm nur anbieten, sich ein Programm herunterzuladen, das seine bisherige Welt vollkommen verändern wird. Also eigentlich genau das, worauf Haru immer gewartet hat, schließlich findet er die aktuelle Welt ziemlich bescheiden. Sobald er „Brain Burst“ installiert, stolpert er von einer irritierenden Situation in die nächste. Das Programm ist irgendwie ein Spiel, aber irgendwie auch ernste Realität. Ist man zum „Burst Linker“ geworden kann man „beschleunigen“ und sozusagen kurze Auszeiten von der realen Welt nehmen, in denen sich alles um einen herum sehr langsam bewegt – weil die eigenen Gedanken übertaktet werden. Halte ich übrigens für die genialste Manga-Logik-Erklärung ever, weil sie so gut passt. ^^ Mit dieser Beschleunigung ließe sich bei Prüfungen oder beim Sport betrügen, wenn man das denn wollte. Oder bei den Highscores bestimmter Spiele …

Natürlich kommt keine solche Fähigkeit ohne irgendwelche Kosten. Um bei „Brain Burst“ im Rennen zu bleiben, muss man gegen andere Spieler antreten und sie besiegen. Verliert man zu oft, ist man raus und verliert die Möglichkeit jemals wieder das Programm zu installieren. Was für eine Art Spiel die Burst Linker dabei spielen? Also bitte, wir sind hier in einem Shounen-Manga, wo kämen wir denn da hin, wenn es gar keine Kämpfe gäbe? Hier wird geprügelt, Schwertkampf betrieben, Kampfroboter sprengen Dinge in die Luft: Alles was das Herz eines kleinen Jungen anscheinend begehrt. ^^ Natürlich mit einem Fancy-Special-Avatar und neuen Fähigkeiten, aber das würde jetzt ja wirklich viel zu viel vorwegnehmen, was ihr im Manga lesen könnt. :)

Kühl und stark vs. herzerwärmend treu-doof-niedlich und tollpatschig

Was mir an Accel World so gut gefiel, waren die beiden Hauptpersonen. Während Kuro….der weibliche Hauptcharakter oberflächlich betrachtet alles hat, scheint sie mit ihrer gesamten Umwelt nur wenig zu interagieren. Haru ist zwar der absolute Loser, hat aber ein paar sehr gute Freunde, die ihm zur Seite stehen. Sein größtes Problem ist er selbst, da er sein Selbstbewusstsein schon im negativen Bereich rangiert. Er hält sich selbst für nicht würdig, um joa, eigentlich egal was. Kuroyukihime denkt da vollkommen anders und versucht ihm klar zu machen, dass er gar keinen Grund dazu hat, sich selbst so sehr zu hassen. Sie erklärt Haruyuki und den Lesern die Grundprinzipien des Spiels und strahlt dabei meistens Ruhe und Lebens- bzw. Spiel-Erfahrung aus. (Ein wenig Psychotherapie hier, ein bisschen Lovestory da.) Angenehm fand ich, dass Kuro…-chan zwar weit entfernt davon ist, normal zu sein, aber trotzdem weder eine irre Yuno Gasai noch einer der unzähligen vollkommen hilflosen Mädchen-Charaktere ist, die man so unglaublich oft findet und die man ohne große Mühe austauschen könnte, indem man ihre Klamotten tauscht, weil sie abgesehen davon null Alleinstellungswert haben. Nun ja. Sagen wir einfach, ich gehe mal davon aus, dass viele bei der Zwischenüberschrift zunächst denken könnten, die erste Person ist männlich und die zweite weiblich … und dass Haru kein Standard-Held ist, darüber habe ich mich ja schon weiter oben gefreut. ^^

Der Zeichenstil ist meiner Meinung nach sehr simpel, aber trotzdem hübsch. Das Cover, auf dem Kuroyukihime zu sehen ist, warnt einen allerdings schon vor: Es ist einer dieser grässlichen Mangas, wo zwei drittel des Kopfes aus AUUUUUUUUUGEN bestehen. O____O Erstaunlicherweise fand ich das überhaupt nicht schlimm. Das kann einerseits daran liegen, dass ich mich nun doch daran gewöhnt habe (Naaaaaaaaaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnnn!!! ;_;) oder daran, dass die Zeichnerin Hiroyuki Aigamo auf die vier Milliarden Lichtreflexe verzichtet, die sich in jedem zweiten Shojo-Manga in den Augen der Protagonist(inn)en spiegeln und bei denen ich immer das Gefühl habe, denen fällt gleich ein Kronleuchter ins Gesicht. Abgesehen davon, dass die männlichen Charaktere eher kleinere Augen haben (und Haru eigentlich nur riesige Kreise mit einem Punkt darin :D), sind die Mega-Augen von Kuroyukihime und der anderen Mädchen eher dunkel und schlicht gehalten, wodurch ich sie nicht so abnormal-aufdringlich finde. Ist aber sicher Geschmackssache. ^^ Ihr könnt das allerdings auch selbst beurteilen, da Tokyopop ja alle paar Mangareihen so nett ist und eine Leseprobe davon mit den ersten 30 Seiten online stellt. Leseproben, ich maaag Leseproben … *-*

Diese komischen Dinger mit den vielen Buchstaben drin ^^

Accel World basiert übrigens wie so viele Mangas auf einer Romanreihe von Reki Kawahara, von der bisher 17 Bände erschienen sind. Der Anime mit 24 Folgen behandelt dabei nur die ersten vier Bände der Romane – sollte der Manga also die komplette Story wiedergeben, dürfen wir uns auf eine sehr lange Reise einstellen. ^^ Von der Stimmung her schwankt der Manga zwischen einem etwas ernsteren Tonfall, wenn Haru sich mit seinen Problemen auseinandersetzt und alberner Tollpatschigkeit, wenn er mit etwas überfordert ist. Außerdem fiebert man natürlich mit, wenn Haru seine ersten Kämpfe in der neuen Welt bestreitet und naja, seine Treuherzigkeit Kuroyukihime gegenüber, die ihm diese neue Welt gezeigt hat, die ist schon sehr niedlich. Viele Aspekte werden wohl allerdings erst in den nächsten Bänden so richtig in Fahrt kommen. Ach ja, der ersten Band des Romans, der ein anderes Cover hat, aber genauso dünn ist, wie der Manga, lag bei mir direkt neben dem Manga selbst. Also nicht spontan zugreifen und verwechseln, es sei denn ihr wollt doch mal weniger Zeichnungen und viel mehr Buchstaben ausprobieren. ;)

Wer auf kurzweilige Unterhaltung mit etwas Action (vor allem gegen Ende des ersten Bandes), Selbstfindungs- und Freundschaftsverwirrungsphasen, gemischt mit ein paar High-Tech-inspirierten „Was wäre wenn?“-Fragen steht, der kann getrost den Sprung in die beschleunigte Welt wagen. :) Falls ihr das tut, wäre ich echt gespannt, wie ihr den Manga findet, weil ich mir doch vorstellen kann, dass er nicht den Massengeschmack schlechthin trifft. Findet ihr das Thema an sich spannend? Oder hängen euch Holodecks und virtuelle Realitäten nach Sword Art Online und halb Hollywood schon zum Hals heraus? :D Habt ihr eigentlich auch so eine Sache, die Mangas gar nicht haben dürfen, weil die euch sofort abschreckt? Bei mir sind das ja eigentlich die Hyperaugen, aber die haben mich dieses Mal wohl doch nicht genügend abgeschreckt. Was lest ihr im Moment? Auf welche Neuerscheinungen wartet ihr schon sehnlichst oder welche habt ihr gleich aus dem Regal gerissen? Hat euch schon mal ein Anime bewogen, den Manga zu kaufen? Also ich hatte das glaube ich erst ein Mal und war dann nicht konsequent genug, mir mehr als die ersten zwei oder drei Bände zu kaufen. ^^“

Ich wünsche euch einen beschleunigten Mittwoch, damit ihr schneller zum Ende der Woche gelangt! ;)
Eure 0utofjoint, die Burst Links vermutlich nutzen würde, um innerhalb von 5 realen Minuten 8 Stunden Schlaf nachzuholen … :D

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8 Kommentare

  1. Also ich kann inzwischen diese treudoofen, moralisch absolut korrekten Charaktere nicht mehr ab. Ich meine… „Töten ist sowas von falsch! Das sollte man nicht tun!“ Ach… ernsthaft? :D
    Und das dann auch noch in jeeeder Situation von sich geben. Scheiß egal, ob ihn da dutzende Statisten auf ihn ballern und er sich nicht wehrt, weil er dabei ja jemanden umbringen könnte…das ist mir zu schwarzweiß… Dabei geht es mir nicht um Realismus, wir reden hier schließlich über Manga/Anime ^^
    Was mich auch oft abschreckt, sind (ebenso treudoofe) hilflose Anime/Manga-Mädchen, denen man erstmal erklären muss, wie man Nahrung zu sich nimmt und die ohnen den männlichen Charakter nicht lebensfähig zu sein scheinen… *gääähn*

    An sich fände ich es schon interessant, mal mein Umfeld zu verlangsamen, aber meine Gedanken übertakten auch so schon oft genug… deshalb kann ich wohl auf zusätzliche Überlastungen verzichten xD

    Gefällt mir

    1. Heh, eine negative Rückmeldung zum Manga, cool! ^^ Ja, ich weiß eindeutig was du meinst. Das ist in etwa so wie Batman oder diverse andere Superhelden, die in den ersten 83 Minuten des Films mindestens 20 Helfershelfer des bösen Masterminds von Dächern werfen und DANN den bösen Mastermind nicht killen, weil das wäre ja Unrecht … ~.~ Auch wenn so ein treudoofer Charakter ja genau das nicht tun würde finde ich es ebenso unrealistisch/unsinnig. ^^ Bei Haru finde ich das aber nicht ganz so schlimm, denn er versucht zwar immer hier dieses Freundschaftsgedöns umzusetzen, aber während der Kämpfe verprügelt er seine Feinde so gut er kann und macht das (soweit ich mich jetzt an den Anime erinnere) auch dann, wenn er Mitleid mit denen hat. Da wirst du dann halt nur verschont, wenn du zu seiner Crew gehörst. :D

      Hach ja, diese grässlichen Mädchen-„Charaktere“. Ich glaube bei denen ist das mit den Riesenaugen auch anatomisch voll umgesetzt worden. Da ist einfach kein Platz mehr für Hirn und die können nur noch niedlich das wichtigste Lebewesen der Welt aka den Mann des Manga/Anime anäugeln. Ich hoffe immer, dass es solche Leute in der Realität nicht gibt. :D

      xD Okay. Dann lieber nicht, bevor dein Prozessor durchbrennt oder so. Musst du wohl weiterhin mit dem Rest von uns laaaaaaaaaangsam vor dich hin leben. :)

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