Monat: März 2017

Küchenrolle, Kekse und Kirschblüten

Agentin 0. Joint war wieder einmal unterwegs, um eine wichtige Mission zu erfüllen. Ohne ihre Fähigkeiten würde das Land dem Untergang geweiht sein! So oder so ähnlich habe ich versucht, mich zu motivieren, als ich an den ersten blühenden Bäumen vorbei Richtung Supermarkt lief. Gedanklich epische Musik beim Überqueren einer Straße zu unterlegen, auf der weit und breit nichts gefährlicheres als ein kleines Mädchen auf einem pinkem Tretroller in Sicht ist, will eben gelernt sein! Und wenn man noch dazu vor sich hin schnieft, weil gerade eben jene Frühjahrs-Saison beginnt, in der die Pollen einem zu schaffen machen, ist das sogar schon der Experten-Verblendungsmodus. Das Schniefen bringt mich aber schon zum Grund für meine äh nahezu gefährliche Reise ans andere Ende von … äääh also … halt so zehn Minuten zu Fuß von mir zuhause entfernt. Ich lass es ja schon bleiben, alles umdichten zu wollen. :D

Warum teile ich meine Einkaufsliste mit euch? Man weiß es nicht …

Ich brauchte auf jeden Fall Küchenrolle. Ja, Küchenrolle. Schon mal was unepischeres gehört? Nein? Kommt gleich. Die Küchenrolle nutze ich hier nämlich als Taschentuchersatz, weil man hier in Japan irgendwie keine Taschentücher verwendet, weil das bääääh ist. Und die Taschentücher, die man kaufen kann, sind gefühlt 0,5-lagig und halten dementsprechend einer trötenden 0utofjoint’schen Allergienase nicht im Entferntesten stand.

Weil ich außerdem Hunger hatte, mein Tee alle war und ich neuen „Brotaufstrichersatz“ brauchte und man das alles nicht in jedem Laden hier findet, kamen halt noch versehentlich-vegane Kekse (anders vegan kriegt man hier kaum), Reistee und Tomatenmark auf die Einkaufsliste. Und weil ich durch einen 100-Yen-Shop gegangen bin, landeten auch noch Onigiri-Behälterchen (bzw. Omusubi) in meinem Einkaufskorb, weil ich in letzter Zeit immer Reisbällchen mit zur Arbeit nehme. Zu sehen alles auf dem qualitativ hochwertigsten Foto, das in den letzten Jahren von jemandem in meiner Tokioter Vorstadts-WG-Küche vor der Zubereitung eines Genmaicha (gerösteten Reistees) aufgenommen und mit den schlechtestmöglichen Filtern der Foto-App eines Handys verschlimmbessert wurde.

Während ich so durch die Gegend gelatscht bin, ist mir jedenfalls ein bisschen was aufgefallen. Erstens: Ich bin immer noch fasziniert von der japanischen, sehr oft zufällig zusammengewürfelt aussehenden Architektur. Zweitens: Ich bin immer noch fasziniert, wie krass nah an der japanischen Realität manche Animeserien doch sind, wenn ich mich hier so umschaue. Drittens: In nicht einmal zwei Monaten bin ich wieder in Deutschland. (mehr …)

Takamatsu, Japan

Hallo Vergangenheits-Ich – Eine Quasi-Roast-Yourself-Challenge

Habt ihr das manchmal, dass ihr euch an Dinge erinnert, die ihr irgendwann mal gemacht habt und euch fragt, wie zum Teufel ihr damals auf so eine strunzdumme Idee (schönes Wort btw) gekommen seid? Also ich hab das nich. Ich liege nur manchmal abends im Bett und erinnere mich spontan daran, wie peinlich ich mich in bestimmten Situationen verhalten habe, versenke mein Gesicht trotz nicht-vorhandener Zuschauer und mangelnder Beleuchtung in den Händen und frage mich: „Warum sind eigentlich Leute mit dir befreundet?“

Aber abgesehen von diesen leichten Selbstzweifeln und der entnervenden Beschäftigung mit längst vergangenen Geschehnissen, an denen man eh nichts mehr ändern kann, gehe ich relativ selten davon aus, dass ich aufhören sollte, mit dem Rest der Welt zu kommunizieren. Heute bin ich geradezu überschwänglich, ich weiß! Meistens überdenke ich Dinge dann, wenn ich einen Anlass dazu habe, also zum Beispiel neue Informationen bekomme oder zufällig an ein Thema erinnert werde, mit dem ich mich schon einmal beschäftigt habe, und feststelle, dass meine jetzige Meinung vielleicht gar nicht mehr meiner damaligen entspricht. (Darüber, dass sich Menschen ändern können, habe ich sogar schon mal einen Artikel geschrieben! :D)

Dumm ist das dann, wenn man über solche Themen bereits Artikel verfasst hat. Zu meinem Glück ist mein Gedächtnis so schlecht, dass ich nicht auch nur annähernd aufzählen könnte, über welche Dinge ich bereits Artikel geschrieben, geschweige denn, was ich daran so von mir gegeben habe. Jaja, ich bin schon eine gute Autorin. Das ist doch die Definition von „gut“, wenn man die eigenen Texte nochmal lesen und darüber lachen kann, als hätte man die eigenen Witze noch nie gehört. Oder? (mehr …)