Finanzkrise

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#greece #thisisacoup #merkelstreichelt oder doch #netzfragtmerkel?

Die griechische Regierung war nach dem Votum der Griechen gegen weitere Sparmaßnahmen vermutlich voller Hoffnung und dachte sich: „Bei diesem Treffen müssen sie endlich einsehen, dass eine weitere Sparpolitik sinnlos ist! Reformen sind notwendig, aber unser Land ist am Ende, wir können so nicht weiter machen. Mit der Abstimmung hat das griechische Volk klar gemacht, dass es sich nicht in den Hungertod sparen lässt!“ Und Angela Merkel einfach nur so: „EU says no.“

Ich habe schon mehrfach gehört, dass Alexis Tsipras unverschämt sei, weil seine Regierung keine Erfolge vorweisen kann (was so gedeutet wird, als habe er sich einfach geweigert, jegliche Reformen umzusetzen), aber auch, dass er ein „Wendehals“ sei, also gerade die Meinung vertritt, die am günstigsten ist, egal welche Meinung er vorher hatte. Denn nachdem gerade seine Regierung gewählt worden war, weil sie flammende Reden gegen die Sparpolitik der EU hielt, kam Tsipras aus der letzten EU-Verhandlung zurück und verkündete im Parlament, dass man doch wieder sparen müsse. Was natürlich nicht gerade auf Begeisterung stieß. Es mag sein, dass Tsipras in den gefühlt 200 Verhandlungen bis zur Einigung einfach nur mit Merkel, Hollande und Schäuble Cocktails geschlürft hat, um Zeit zu schinden, bis der Rest der Welt angemessen nervös ist und seine Landsleute ihm abkaufen, dass er in der Zeit verhandelt hat.

Aber da ich mir erstens Angela Merkel nicht im Hularöckchen-Party-Outfit vorstellen möchte und man halt selbst bei Politikern manchmal noch an das Gute im (Hosen-)Anzug glauben sollte, gehe ich jetzt einfach mal davon aus, dass sie verhandelt haben. Nach den Verhandlungen sah man auch häufig Bilder von Tsipras in den internationalen Medien, in denen er wie ein gebrochener Mann wirkte. Einfach völlig fertig und mit der Gewissheit, dass er seinem Volk genau die Maßnahmen würde andrehen müssen, die er eigentlich verhindern wollte. Wie beschissen muss man sich da fühlen? Zumal er dann auch fast noch die Merkelsche Rhethorik anwenden darf, die wir alle so gerne hören: „Das ist alternativlos.“ Denn die Alternative ist ebenso furchtbar wie die neue Abmachung: Entweder Griechenland erklärt den totalen Bankrott oder sie setzen die sehr dubiosen Sparmaßnahmen der EU um. Juchhe.

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Manchmal möchte ich gar keine Journalistin mehr sein …

Manchmal möchte ich auf eine einsame Insel ziehen. So ohne Medien, Panikmache, Hysterie und Verurteilungen. Einfach alles ignorieren. Leider geht das nicht. Ich habe es im Fall des abgestürzten Germanwings-Flugs versucht, indem ich nicht bei Twitter online gegangen bin oder nur sehr wenig dort gelesen habe. Trotzdem habe ich natürlich mitbekommen, wie viele Redaktionen mit dem Thema umgegangen sind. Und da ist mir ehrlich gesagt mal wieder klar geworden, warum laut einer Umfrage nur rund ein Viertel der Deutschen Journalisten für glaubwürdig hält. Wenn mir jemand während solch eines Medien-Amoklaufs erklärt, dass Journalisten vernünftige Menschen und vollkommen vertrauenswürdig sind, würde ich demjenigen vielmehr an die Stirn fassen und ihn wegen Fieberträumen ins Bett schicken. So weit isses schon gekommen. Allein die Wochen und Monate vor dem Absturz war die Berichterstattung über Griechenland schon so ein Reizthema.

Denn mittlerweile ist Jan Böhmermann, den ich vor ein paar Monaten noch als den Ar…den netten Herrn kannte, der aggro auf Youtubern rumhackt, für mich und viele andere glaubwürdiger geworden als zum Beispiel Günther Jauch. Wir wissen alle warum. Nachdem Böhmi noch einmal mit meiner Ansicht nach vielleicht sogar bei irgendwem ankommenden Argumenten gegen andere Youtuber wetterte, veröffentlichte er den grandiosen Songerfolg „V for Varoufakis“ und mischte sich damit in das Thema Griechenland ein. Mittlerweile hat das Video (vermutlich auch dank der Untertitel in Griechisch, Deutsch, Portugiesisch und Spanisch) über 2 Mio. Aufrufe und es ist auch einfach ein Ohrwurm … Für alle, die es immer noch nicht gesehen haben sollten: Darin macht er sich über deutsche Klischees lustig und stellt den griechischen Finanzminister Varoufakis als Übergott dar, der Deutschland fertig machen wird. Hintergrund ist natürlich, dass während der Griechenlandkrise alle darüber wetterten, man habe „den gierigen Griechen“ ja schon genug Geld gegeben und nun sei aber auch mal gut. Ab dem Zeitpunkt, wo ich Böhmermanns humoristischen Ansatz mit der Berichterstattung in diversen Medien verglichen habe, war er mir dann plötzlich um einiges sympathischer.

Die anstrengendsten „Journalisten“ zuerst: Die Bildzeitung hatte zum Beispiel ernsthaft zu einer Selfie-Aktion aufgerufen, bei der man sich zusammen mit einer Seite aus der Bild fotografieren sollte, auf der ein riesiges „NEIN!“ prangte – ohne Capslock und Ausrufezeichen können die Bild-Leute ja anscheinend nicht. Mit diesem „NEIN!!!11!!1!!einself!“ sollte „den Griechen“ gezeigt werden, wo der Hammer hängt und dass alle Deutschen natürlich dagegen seien, einem so faulen Land wie Griechenland weitere Milliarden Euro in den Hintern zu schieben. Ich finde es erschreckend, dass Menschen daran teilgenommen haben, aber gut, so sind wir halt als Spezies, ziemlich egoistisch, kurzsichtig und durch unsere Uninformiertheit manchmal einfach nur scheiße. Falls ihr einen Artikel ohne Aufregung und mit gut durchdachter Wortwahl meinerseits möchtet, solltet ihr diesen hier vielleicht überspringen. ^^ (mehr …)