Varoufakis

Manchmal möchte ich gar keine Journalistin mehr sein …

Manchmal möchte ich auf eine einsame Insel ziehen. So ohne Medien, Panikmache, Hysterie und Verurteilungen. Einfach alles ignorieren. Leider geht das nicht. Ich habe es im Fall des abgestürzten Germanwings-Flugs versucht, indem ich nicht bei Twitter online gegangen bin oder nur sehr wenig dort gelesen habe. Trotzdem habe ich natürlich mitbekommen, wie viele Redaktionen mit dem Thema umgegangen sind. Und da ist mir ehrlich gesagt mal wieder klar geworden, warum laut einer Umfrage nur rund ein Viertel der Deutschen Journalisten für glaubwürdig hält. Wenn mir jemand während solch eines Medien-Amoklaufs erklärt, dass Journalisten vernünftige Menschen und vollkommen vertrauenswürdig sind, würde ich demjenigen vielmehr an die Stirn fassen und ihn wegen Fieberträumen ins Bett schicken. So weit isses schon gekommen. Allein die Wochen und Monate vor dem Absturz war die Berichterstattung über Griechenland schon so ein Reizthema.

Denn mittlerweile ist Jan Böhmermann, den ich vor ein paar Monaten noch als den Ar…den netten Herrn kannte, der aggro auf Youtubern rumhackt, für mich und viele andere glaubwürdiger geworden als zum Beispiel Günther Jauch. Wir wissen alle warum. Nachdem Böhmi noch einmal mit meiner Ansicht nach vielleicht sogar bei irgendwem ankommenden Argumenten gegen andere Youtuber wetterte, veröffentlichte er den grandiosen Songerfolg „V for Varoufakis“ und mischte sich damit in das Thema Griechenland ein. Mittlerweile hat das Video (vermutlich auch dank der Untertitel in Griechisch, Deutsch, Portugiesisch und Spanisch) über 2 Mio. Aufrufe und es ist auch einfach ein Ohrwurm … Für alle, die es immer noch nicht gesehen haben sollten: Darin macht er sich über deutsche Klischees lustig und stellt den griechischen Finanzminister Varoufakis als Übergott dar, der Deutschland fertig machen wird. Hintergrund ist natürlich, dass während der Griechenlandkrise alle darüber wetterten, man habe „den gierigen Griechen“ ja schon genug Geld gegeben und nun sei aber auch mal gut. Ab dem Zeitpunkt, wo ich Böhmermanns humoristischen Ansatz mit der Berichterstattung in diversen Medien verglichen habe, war er mir dann plötzlich um einiges sympathischer.

Die anstrengendsten „Journalisten“ zuerst: Die Bildzeitung hatte zum Beispiel ernsthaft zu einer Selfie-Aktion aufgerufen, bei der man sich zusammen mit einer Seite aus der Bild fotografieren sollte, auf der ein riesiges „NEIN!“ prangte – ohne Capslock und Ausrufezeichen können die Bild-Leute ja anscheinend nicht. Mit diesem „NEIN!!!11!!1!!einself!“ sollte „den Griechen“ gezeigt werden, wo der Hammer hängt und dass alle Deutschen natürlich dagegen seien, einem so faulen Land wie Griechenland weitere Milliarden Euro in den Hintern zu schieben. Ich finde es erschreckend, dass Menschen daran teilgenommen haben, aber gut, so sind wir halt als Spezies, ziemlich egoistisch, kurzsichtig und durch unsere Uninformiertheit manchmal einfach nur scheiße. Falls ihr einen Artikel ohne Aufregung und mit gut durchdachter Wortwahl meinerseits möchtet, solltet ihr diesen hier vielleicht überspringen. ^^ (mehr …)