Viel Kitsch, wenig Action – Graphic Novel Review

Vor Kurzem habe ich mich zum ersten Mal an eine Graphic Novel gewagt. Bisher habe ich mich mit dem Format noch nicht beschäftigt, aber durch Zufall habe ich im Buchladen gesehen, dass ein Buch, das ich ohnehin schon kannte, als Graphic Novel umgesetzt wurde. Ideal also, um die beiden Formate miteinander zu vergleichen.

Es handelt sich bei dem Buch um „Clockwork Angel“ von Cassandra Clare.

wpid-20140503_113637.jpg

Clockwork Angel, Autorin: Cassandra Clare, Walker Books

Worum geht’s bei den Schattenjägern?

Es ist das erste Buch einer neuen Buchreihe, die sich „Chroniken der Schattenjäger“ nennt und das Prequel zu dem grässlich wirkdenden Film, der nach den Hunger Games als nächster Teenie-Hype im Kino auftauchte. Ich muss gestehen, die Filme habe ich nicht gesehen, aber von den „Mortal Instruments“ bzw. „Chroniken der Unterwelt„-Büchern habe ich mehrere gelesen. Ich mochte den Schreibstil, es gab angenehm viel Action und bis zum dritten oder vierten Buch konnte ich aufgrund der positiven Aspekte auch den Teenie-Kitsch ignorieren. Danach ging es mir dann irgendwann auch mal auf den Sack, dass die beiden Hauptcharaktere ja soooo verlieeeebt ineinander sind, aber leider leider leider niemalsnienicht mehr als nur einen Kuss auf den letzten 5 Seiten austauschen dürfen und danach is dann wieder grad irgendwas explodiert oder Charakter 1 hat einen Sinneswandel oder es spricht sonst irgendetwas dagegen, dass man ganz normal zusammen sein könnte. Denn sonst müssten die ja irgendwann auch mal weiter gehn als sich zärtlich zu umarmen und bei Twilight hat das ja anscheinend (hab ich mal aus den Trailern, um die man bedauerlicherweise doch nicht rumkam, geschlussfolgert) bereits beim ersten Mal zur Schwangerschaft geführt. Und ich bezweifle, dass sich Teenagerschwangerschaften außerhalb von MTV-Formaten als Storyline eignen – vor allem wenn es sich um seichte Unterhaltung handelt.

Jedenfalls war die zugrundeliegende Story abseits vom Kitsch ganz nett. Schattenjäger bzw. Nephilim jagen Dämonen und beschützen die Menschheit im Geheimen vor dem Weltuntergang und allem fiesen, was da so kreucht und fleucht. Natürlich sehen alle atemberaubend gut aus blablabla und hatten seit dem nullten Lebensjahr Kampfunterricht, weswegen sie es mit quasi jedem Bösewicht aufnehmen können. In dem Buch, das ich mir aus Neugier gekauft hatte, wird die Vorgeschichte erzählt, also sozusagen die Geschichte der Eltern von denen, die im Moment auf der Kinoleinwand rumspringen. Da auch damals schon alle atemberaubend gut aussahen, bietet sich das Ganze auf jeden Fall für Manga-ähnliche Zeichnungen an, denn der japanische Standard schließt in vielen Mangas irgendwie hässlich aussehende Charaktere aus. Was mich immer etwas irritiert, aber ist ja die Welt der Zeichner und wenn da jeder hübsch is, meinetwegen. ^^

Graphic Novel Clockwork Angel, Buchvorlage: Cassandra Clare, Zeichnungen: Hyekyung Baek, Arena Verlag

Graphic Novel Clockwork Angel, Buchvorlage: Cassandra Clare, Zeichnungen: Hyekyung Baek, Arena Verlag

Ich muss allerdings sagen, dass ich von den Zeichnungen nicht direkt begeistert war. Der Stil liegt mir wohl einfach nicht so sehr. Aber ich gebe zu, dass der Stil sehr gut zu den dramatischen Lovestory-Momenten, in denen man sich tief in die Augen blickt und das Schicksal der Wäält davon abhängt, ob X jetzt Y küsst oder nicht … äh ja, dazu passts. :D Ein random Beispiel hier:

Schnappschuss aus Clockwork Angel

Schnappschuss aus Clockwork Angel

Übersetzungswirrwarr

Eine kurze Anmerkung zunächst zur deutschen Übersetzung. Das Buch (ohne Bildchen) habe ich auf englisch gelesen. Und dort wird der „Clockwork Angel“ erwähnt. Also ein metallischer Anhänger mit Uhrwerk in Engelsform. Soweit alles klar. Who the fuck ist dann also auf die Idee gekommen, das Ding auf deutsch „Klockwerk-Engel“ zu nennen?!? Klockwerk? Tickt ihr noch richtig? (Sorry, der war schlecht.) Aber im Ernst jetzt, warum zum Henker erfindet man ein neues Wort, wenn es im Deutschen doch bereits das schöne Wörtchen „Uhrwerk“ gibt? Man hätte das Teil wahrscheinlich sogar „Clockwork-Engel“ nennen können und 90 % der Leser hätten es verstanden oder gegooglet. Das musste ich jetzt einfach nur kurz loswerden, weil es mich tierisch gestört hat, dass die Charaktere anscheinend mit den Bezeichnungen „mechanische Kreaturen“ und „Automaten“ nicht zufrieden waren, nein, man musste auch noch die gruselige Kreation „die Klockwerk-Menschen“ einführen. Naja. Whatever clockworks your boat, oder so … o.O

Mein Fazit zur Umsetzung

Vergleicht man die Graphic Novel mit einem Manga, ist es schon ziemlich fett. Aber lange nicht so fett, wie das englische Original. Ungefähr 230 Seiten mit Bildchen stehen 476 großzügig bedruckten Seiten Schrift gegenüber. Auch wenn ein Bild ja bekanntlich mehr sagt als 1000 Worte, kann man sich bereits denken, dass hier bei der Story ein paar Abstriche gemacht werden müssen. Und so ist es dann auch. Insgesamt hat die Story an sich meiner Meinung nach allerdings ohnehin nicht so viel Tiefgang, dass man sich da große Sorgen machen müsste, allzu viele Lebensweisheiten zu verpassen. :) Ich mochte das Buch, es war ein wenig viktorianisch angehaucht, der Liebeskitsch war noch erträglich (oder ich hatte ihn schon wieder verdrängt) und es gab ein paar ganz gute Action-Szenen. Aber ich hatte den Kauf des zweiten Teils eben nicht direkt in meinen Kalender eingetragen, woran man schon sieht, dass sich meine Begeisterung in Grenzen hielt.

Ich und gemein? Aber gerne doch

Ist es also gemein von mir, von der Graphic Novel trotzdem etwas zu erwarten? Natürlich! Aber ich hab ja auch nie behauptet, dass ich nett bin. Außerdem könnte es ja auch sein, dass genau die Dinge weggelassen werden, die mich am Buch gestört haben und die Story auf die für mich interessantesten Teile kondensiert wird. Zu meinem Bedauern ist das nicht passiert, stattdessen lag der Fokus gefühlt noch ein wenig mehr auf dem Kitsch, dafür wurde etwas an der Einleitung und an den Hintergründen gespart. Letzteres ist vielleicht auch einfach schlechter graphisch darzustellen, wenn man nicht dauernd Rückblenden in Gespräche einbauen möchte. Was ich persönlich dafür sehr positiv war, war die Tatsache, dass nicht einfach alle inneren Monologe weggelassen wurden. Natürlich faselt hier niemand seitenweise über die moralischen Implikationen einer Liebesbeziehung zwischen einem Schattenjäger und der nicht-Schattenjägerin als Hauptperson. Aber ich hätte es schade gefunden, wenn die Gedankenwelt der weiblichen Hauptperson völlig unbeleuchtet bleibt, da sie doch relativ häufig nachdenkt und zum Beispiel unsicher ist, wem sie trauen kann und wem nicht. Die Wortgewalt der Autorin, die gerne sehr dramatisch formuliert (was ja nichts schlechtes sein muss, wenn man Liebesdramen mag ;) ) fällt in der Novel allerdings ein wenig flach. Da sind mir verschlungene Sätze anscheinend doch lieber als aufgerissene Augen. Ein Punkt, bei denen die Zeichnungen aber vorne lagen, war der Humor. Denn die typischen Gesichtsausdrücke, von entnervten Charakteren im Hintergrund kommen auch bildlich gut rüber, ohne dass die Charaktere in diesem Moment etwas sagen. Der auflockernde Humor, der ab und an durchschien, gefiel mir in der Graphic Novel also besser. Alles in allem bringt der Zeichner die Stimmung und auch die actionlastigeren Szenen ganz gut rüber und die Graphic Novel eignet sich zur kurzweiligen Unterhaltung, sofern man in seiner Unterhaltung Liebesgeschmu finden möchte.

Graphic Novel vs. Manga

In Zukunft werde ich aber wohl eher Graphic Novels aussuchen, die nicht nur deswegen erscheinen, weil die Geschichten gerade in sind und man mit einem weiteren Format vielleicht in noch einer weiteren Sparte Geld verdienen könnte.

Was ich mich allerdings frage, ist, wo sich solche Buchadaptionen noch von Mangas unterscheiden. Denn dieses Buch ist keineswegs abgeschlossen, sondern wie erwähnt, der erste Teil einer Buchreihe. Der Stil des koreanischen (?) Zeichners ist auch sehr Manwha-mäßig, wie ich finde, allerdings nicht ganz so krass generisch gleichaussehend, wie er das bei vielen Mangazeichnern ist. Ich finde nämlich, dass sich viele japanische Zeichner oder koreanische Zeichner, die für japanische Magazine zeichnen sehr ähneln, während andere Zeichner oftmals individueller daherkommen. Deswegen nenne ich es jetzt einfach mal Manwha-Stil, nach dem koreanischen Namen für Manga. Ich hoffe das war nun nachvollziehbar.

Ich werde dann noch einmal was über eine Mangareihe schreiben, von der bisher drei Bände erschienen sind und die mich wesentlich mehr begeistert hat als „Clockwork Angel“. Freut euch also auf mein Review zur „BTOOOM!“-Reihe. Eines kann ich euch jetzt schon verraten: Der Titel hält was er verspricht und es gibt viel Kawumm. :D

Advertisements

3 Kommentare

  1. Manhwas unterscheiden sich nicht nur vom Zeichenstil sondern auch der Leserichtung – die Koreaner lesen nämlich wie wir von links nach rechts. =)(Natürlich gibt es auch genug Koreaner die für jap. Verläge arbeiten, allerdings bleibt da nicht viel ( bis auf der Stil)von dem typischen, koreanischen Flair übrig, das kann man vor allem an der Panelsetzung sehen. :( )

    Ich würde hier eher auf den Einfluss von amer. Comicstil schließen, was man vor allem an den Panels sehen kann, da die Novels ihren Ursprung sowieso von da haben. (Naja, wenn man davon ausgeht..Die Japaner haben sich ihre Manga auch nur von den Comics abgeguckt..So schließt sich der Kreis. XD..Und ich weiß dass auch nur, weil ich selber Comic zeichne und weil ich Panelsetzung so schwer finde, mir andere intensiv anschaue kukuku xD)

    Ich bin auch nicht der größte Fan von den Novels tbh :< Sicher sind die Geschichten komplexer und für ein älteres Publikum gedacht, aber meistens gehen die Stories in eine Richtung, die mich nicht bockt. :D Und dank dir weiß ich jetzt welche ich mir in keinem Fall kaufe, Danke :D

    Gefällt mir

    1. Hehe, ja, ich wollte da jetzt nicht so ins Detail gehen, aber du hast natürlich vollkommen Recht :) Es gibt einige Unterschiede, allein schon deswegen, weil die Koreaner ein wesentlich logischeres Alphabet haben und für Europäer gewohnt von links nach rechts schreiben. :)
      Von der Panelsetzung hab ich allerdings null Ahnung und auch die amerikanischen Conics sind für mich (noch) unbekannt. Also hast du da sicherlich auch Recht! ;)
      War ja auch meine erste novel und meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, also dauerts sicher was bis ich mir die nächste kaufe ^^
      Immer gern :D

      Gefällt mir

Mitreden :)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s