„Mein erstes Mal“: Japan-Tag 2014

Den Bahnhof habe ich noch nie so bunt erlebt. Die Verkäuferin murmelte, während sie mir eine Brezel in die Hand drückte, „Umgeben von Aliens …“ – es gab also bereits mindestens 20 Cosplayer an der Station, wo ich einstieg. Erkannt habe ich davon spontan ein paar Sailorkriegerinnen, jemanden von der Scouting Legion von Attack on Titan, Allen Walker von D. Gray-man und einen Charakter aus LoL, dessen Namen ich aber nicht mehr weiß (vielleicht Teemo?).

I’m going on an adventure!

Im Zug konnte man dank der Milliarden Menschen, die zum Japan-Tag wollten, auch nur auf dem Boden oder der Toilette sitzen. Letzteres hat aber niemand probiert. Das kann ich bestätigen, weil ich die ganze Zeit gegenüber der Klotür stand. Zuerst neben einem großen Kerl mit langem Haaren und schwarzem Mantel der sich dann meinen Glitzer-Handspiegel geliehen hat, um seine Kontaktlinsen zu richten. :D Und danach hockte neben mir eine, die ihr übelst plüschiges „Pink Fluffy Unicorn“ Kostüm fertig gebastelt hat. So fluffeeeey! So was sieht man auch nich alle Tage. ;)

Allein die Hinfahrt war also schon lustig. Auch wenn ich mich an dieser Stelle bei meinen Mitfahrern entschuldigen möchte, denen ich ab und an dazwischen gequatscht habe bzw. wegen denen ich permanent grinsen musste, weil das Plüschkostüm doch widerspenstiger war als geplant. Aber ich saß halt nur 5 cm von fusselndem rosa Plüsch und herumfliegenden Tackernadeln entfernt, da kann ich einfach nicht so tun als würde ich voll ernst bleiben und als sei die Toilettentür plötzlich furchtbar interessant.

I’m melting in sunshiiiiine, wohooo!

Auf dem Japan-Tag war es vor allen Dingen eines: heiß!!! Wie mir dort aber versichert wurde, ist das normal und man bringt eigentlich IMMER als Souvenir einen Sonnenbrand mit. Ich fahre gerade heim und vermute aufgrund meines dröhnenden Schädels einen leichten Sonnenstich und/oder Wassermangel. Ich habe mir währenddessen so sehr einen Hut gewünscht … Nächstes Mal bringe ich also irgendeine Kopfbedeckung mit. Und Sonnencreme. Ich habe mir zwar welche geliehen, aber ich befürchte stellenweise bin ich trotzdem etwas rot geworden. Falls ich nächstes Jahr Zeit haben sollte, werde ich demnach höchstwahrscheinlich wieder hingehen. Vielleicht sogar zum allerallerersten Mal cosplayend, wer weiß. Denn eines ist sicher: Nirgendwo fällt man mit ausgefallenen Outfits weniger auf, als in solch einer Menschenmenge zwischen Anime-, Games- (und Cartoon-) Charakteren, Gothics, Punks, Metallern, Cybergothics, Bronies, rosafarbenen Rüschenexplosionen in Kleidform und Leuten, die mehr Haut als Stoff zur Schau stellen. :D

Note to self: Nächstes Mal sollte ich auf jeden Fall eine Kamera mitnehmen, um alle tollen Cosplays zu dokumentieren. Mein Handyakku hat wegen der dauernden Netzsuche natürlich ziemlich schnell gegen null tendiert und da ich Angst hatte, den Rückweg ohne Mobilfunkhilfe nicht zu finden, habe ich mich nicht getraut, das Ding dann auch noch zum fotografieren zu verwenden. Außerdem habe ich als Japan-Tag-n00b mich auch noch nicht getraut, einfach wildfremde Menschen anzusprechen, weil ich deren Kostüm toll finde. Ich bin halt noch schüchtern! :D

Entschleunigung soll ja toll sein …

Was habe ich am Japan-Tag noch erlebt? Nun, es war brechend voll und zeitweise brauchte man zehn Minuten für zehn Meter Weg. Nicht schön. Besonders vor den Merchandise-Ständen sammelten sich die Menschenmassen. Ganz besonders vor dem Applewar Pictures/Chosen-Stand, dessen Inhalt und Standpersonal man bereits gegen halb 1 (eröffnet wurde um 12 …) nicht mehr zu Gesicht bekam und an dem man im weiteren Verlauf des Tages nicht einmal mehr vorbeilaufen konnte, ohne 10 Minuten zu brauchen, weil ein Pulk von Leuten an, neben und drumherum stand. Wirklich anstrengend so was. Ich habe auch nur erkannt, um welchen Stand es sich handelt, weil ein entsprechendes Poster sehr weit vorne an einem Baum hing, auf das 2000 Fans irgendwas mit „Chan“ gekritzelt hatten. Fangirl-Alarm hoch 10 also. Tja, da machste nix, weiß ich halt immer noch nicht, was die an ihrem Stand genau anbieten. Außer der glorreichen Anwesenheit von Youtubern und deren Autogrammkarten natürlich. ^^
Außerdem wurde ich dauernd übersehen, angerempelt und weggeschoben. Ich glaube fast, nächstes Mal muss ich cosplayen, in neonreklamenbunt, damit ich nicht dauernd übersehen werde und mich keiner zerquetscht. ;_;

Nachtrag: Habe gerade gesehen, dass nachmittags sogar der oben erwähnte Stand geschlossen wurde und die Standbesitzer ihn erst nach anderthalb Stunden Diskussion wieder weit weg vom Gedränge aufbauen durften! :O Der Hintergrund, dass es zuviel Gedränge gab ist natürlich verständlich, aber trotzdem krass wie rigoros das wohl umgesetzt wurde und vor allem sehr umsatzschädigend, für diejenigen am Stand, die mit dem Verkauf ihrer Sachen ihren kompletten Lebensunterhalt verdienen. :(

Go, free hugs, go! ^-^

Eine Person hat mich allerdings von sich aus gefragt, ob sie mich umarmen darf (und ja, das Nupsi war weiblich und sah normal aus). Also immerhin eine positive Begegnung und ein weiteres Phänomen solcher Veranstaltungen: die „Free Hugs“-Menschen. Eine Aktion, die wohl ursprünglich von einem Australier begonnen wurde, der 2004 „random acts of kindness“ verteilen, also zu Deutsch „einfach mal nett sein“ wollte. Mittlerweile laufen auf jeder Con, Buchmesse, Veranstaltung jede Menge Menschen herum, die ein Schild mit „Free Hugs“ um den Hals tragen. Dass einige davon immer so aussehen, als würden sie einem dabei den Kopf abbeißen, verwirrt mich immer ein wenig, aber die meisten wollen wirklich einfach nur Umarmungen verteilen bzw. sammeln. Ich wüsste echt gerne, ob es Studien dazu gibt, in denen der Oxytocin-Wert der Kuschelmenschen vor, während und nach der Veranstaltung gemessen wurde. Denn bekannt ist ja bereits, dass man Umarmungen zum überleben braucht, sie Stress abbauen und man sich danach besser fühlt. Dafür müssen die Umarmungen aber theoretisch 20 Sekunden lang dauern. Ob das jetzt bei einer Free-Hugs-Kette sinnvoll ist, in der an die Hundert Leute stehen, sei dahingestellt. Auch ob das Oxytocin das Immunsystem so weit boostet, dass es den Kontakt zu hundert Menschen inklusive deren Krankheitserreger und den Erregern aller Leute, die sie davor schon umarmt haben, übersteht, muss jeder für sich entscheiden. ;) Es wäre aber jedenfalls eine Erklärung dafür, warum so viele Menschen mit diesen Schildern rumrennen. Kuscheln = Glückshormone = nochmaaaal! ^-^

There and back again

Die Rückfahrt war recht unspektakulär, zog sich aber hin. Denn bis man erst einmal zum Bahnhof kam, musste man sich wieder durch Menschenmassen kämpfen, sich orientieren (in meinem Fall keine leichte Aufgabe) und dann hoffen, dass der Zug nicht so voll ist, wie der auf der Hinfahrt. Bei mir war das glücklicherweise der Fall und ich konnte im überhitzten IC meine Kopfschmerzen genießen und in Ruhe diesen Artikel und den nächsten beginnen. Für alle, die auf dem Gleis gegenüber standen, sah die Sache wesentlich kuscheliger aus. Das einzige Foto, das ich an diesem Tag gemacht habe also noch einmal hier:

Am Düsseldorfer Hbf nach dem Japan-Tag 2014

Rechts: Mein Gleis
Links: Das Gleis mit ALLEN ANDEREN
Fazit: Ich stand ausnahmsweise einmal richtig und konnte mich erholen. :D

Das waren die kurzen ersten Eindrücke eines Japan-Tag-Neulings. Im nächsten Artikel werde ich mich feministisch und cosplaytechnisch aufregen. Eigentlich gehörte das noch zum Japan-Tag, aber ich wollte den Artikel nicht zu lang werden lassen, sonst liest datt ja keiner mehr.

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