Ich bereue nichts … alles … manches?

Trifft man manchmal richtige Entscheidungen und bereut sie dann trotzdem? Ich schon. Heute gibt es einen sehr persönlichen Eintrag. Auch ich muss mal was verarbeiten.

Ich habe heute eiskalt mit meinem Freund Schluss gemacht. Zumindest muss es ihm so vorgekommen sein, denn er fiel aus allen Wolken. Der Ahnungslose hatte mir sogar einen Strauß Blumen mitgebracht. Zum ersten Mal. Dadurch fühle ich mich jetzt noch mehr wie ein Monster. Bis der Strauß verwelkt ist, werde ich jedes Mal, wenn ich daran vorbeigehe sein lächelndes Gesicht vor mir sehen, als er sagte „guck mal, was ich dir mitgebracht habe“ und mich hassen. Sehr. In der Hoffnung, dass Blumensträuße, die mich nicht umbringen, mich stärker machen, hat meine sadistische Seite sogar das Zeug, das die Blumen extra lange durchhalten lässt, ins Blumenwasser gekippt. Man quält sich ja sonst nicht.

Schlusszumachen war eine Entscheidung, die ich schon länger mit mir herumtrug. Es passte einfach nicht mehr. Wir hatten fast keine gemeinsamen Interessen und ich hatte immer das Gefühl, dass er sich auch nicht für mich interessierte, weil er nie nachfragte, wenn ich ihm etwas erzählte und mir so gut wie nie zu verstehen gab, dass er mit mir einer Meinung war oder sich über die gleichen Dinge freute wie ich. Er beschwerte sich stattdessen über Dinge und Verhaltensweisen bei anderen Menschen, die mir nicht einmal auffielen, versuchte mir beizubringen, wie ich mich doch hübscher anziehen könnte und warum Politik durchaus interessant sei.

Zwei getrennte Welten

Wie man am letzten Beispiel sieht, hat er natürlich nicht mit allem Unrecht gehabt, sondern ich war ihm vielmehr oft dankbar dafür, dass er mir die Wahrheit sagte und kein Blatt vor den Mund nahm. Denn genauso wie er Dinge kritisierte, zeigte er mir am Anfang auch durch Gesten und Worte, dass er mich liebte und ich ihm wichtig war. Aber irgendwie reichte das auf Dauer nicht aus. Zumindest nicht für mein Herz. Kitschig ich weiß. Aber so ist es. All die Verhaltensweisen, die mir immer wieder das Gefühl gaben unwichtig zu sein, nahmen irgendwann überhand. Und das Schlimme daran war, dass er es nicht einmal merkte. Stattdessen beteuerte er, dass er mich noch immer liebte und gar nicht versuchte mich zu verändern, als ich ihn mit meiner Wahrnehmung der Situation konfrontierte. Wir lebten wohl einfach in zwei verschiedenen Gefühlswelten.

Er empfand etwas für mich und wollte, dass ich glücklich bin. Ich empfand etwas für ihn und wollte, dass er glücklich ist. Gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl, dass ich mich selbst unglücklich mache, wenn ich mich so verhalte, dass er glücklich wird. Und dass er gar nicht wahrnimmt, dass ich dabei unglücklich werde. Auf Dauer hätte das entweder dazu geführt, dass ich ihm alle paar Minuten gesagt hätte „das stört mich, lass das“ und wir uns bei gar nichts mehr einig gewesen wären oder dass sich all das noch mehr in mir aufgestaut hätte und aus meiner Liebe irgendwann Hass geworden wäre.

Ich habe Fehler gemacht, wahrscheinlich sogar mehr als mir selbst bewusst ist. Mein größter war der, nicht früher etwas gesagt zu haben. So sieht es zumindest mein Freund, verzeihung, Exfreund. Den Begriff zum ersten Mal zu verwenden ist echt unangenehm. Er denkt wir hätten an der Beziehung arbeiten können, wenn ich nur früher und deutlicher gesagt hätte, was mich stört. Er findet, dass ich der Beziehung so gar keine Chance gegeben hätte. Und ich gebe zu, ich hätte deutlicher sein können, vielleicht sogar müssen. Doch das habe ich nicht über mich gebracht. Gesagt habe ich schon etwas, nur kam das anscheinend nie an, sondern ging auf dem Weg von meiner Welt in seine verloren.

Tja. Und jetzt sitze ich hier und schreibe mir den Frust von der Seele. Den Frust, den ich mir doch selbst eingebrockt habe. Denn ich habe die Beziehung völlig rational beendet. Dass ich währenddessen die einzige von uns beiden war, die in Tränen ausgebrochen ist, heißt ja nicht, dass der Grundgedanke nicht gut war, oder? Zumindest hoffe ich das. Denn im Moment bereut mein Herz ziemlich, dass ich kein besserer Mensch bin und nicht einfach gesagt habe „Lass uns über die Beziehung sprechen und versuchen alles besser zu machen.“ Vielleicht hätte das ja gereicht. Doch mein bis gestern rationales Ich und die eigentlich unbeteiligten Menschen, die sich in den letzten Monaten meine Überlegungen zu meiner Beziehung angehört haben, gehen nicht davon aus.

Mein Unterbewusstsein ist doof

Trotzdem empfinde ich nach wie vor etwas für ihn, denn er hätte mir ja nie etwas bedeutet, wenn er kein toller Mensch wäre. :) Leider bedeutet das, dass es mir umso schwerer fällt, mich nicht in seine Situation hineinzuversetzen und loszuheulen, als müsste ich ein dreistöckiges Gebäude mit meinen Tränen löschen. Dabei weiß ich nicht einmal, ob man da Salzwasser nehmen darf oder ob sich dann jemand beschwert, dass ich seine geretteten Elektrogeräte kurzgeschlossen habe. Immerhin, mein Galgenhumor kommt so langsam zurück, dann bringt so ein Blogeintrag also doch etwas!

Am Ende des Gefasels steht also, dass ich es furchtbar bereue, jemanden den ich sehr mag, so sehr verletzt zu haben. Aber nur wer sich nie auf andere Menschen einlässt, wird niemals verletzt werden und die gleiche uralte „Weisheit“ gilt sicher auch umgekehrt. Von daher muss ich jetzt damit leben, dass mir mein Unterbewusstsein alle Szenen vorspielt, in denen mein Freund lieb zu mir war, mir aufgeholfen hat und generell gezeigt hat, dass er es wert ist, geliebt zu werden. Die Szenen, in denen ich genervt von seiner Art war, nicht wusste, worüber ich mit ihm reden sollte und vor den Kopf geschlagen war, wenn er nicht erkannte, über welches für mich wichtige Thema er sich gerade abwertend geäußert hatte, tja, die schwimmen wohl erst wieder oben, wenn ich mit dem Löschprozess fertig bin. Hoffentlich vermischen sie sich dann mit den schönen Szenen.

Eure im Moment arg emotionale und sich selbst Vorwürfe machende
0utofjoint

PS: Da ich nicht weiß, ob mein Freund diese Seite jemals besucht und darauf etwas gelesen hat, weiß ich auch nicht, ob er diesen Eintrag findet. Da er im Moment vermutlich nicht einmal mit mir reden möchte, gehe ich nicht davon aus, dass er sich hierhin verirrt. Falls doch: Ich hoffe du wirst glücklich! :)

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2 Kommentare

  1. Tja, so ist das wohl leider im Leben. Manchmal treffen wir Entscheidungen und später werden wir nie wissen ob sie gut waren oder ob wir nicht doch lieber anders gehandelt hätten. Aber damit muss jeder wohl leben. Was klar ist, ist dass niemand je so handeln kann das es jedem passen wird. Manchmal wird man gezwungenermaßen jemanden verletzen. Das einzig positive daran ist, das Verletzungen zumeist heilen und man drüber weg kommt. So hoffe ich für dich und ihn, dass eure Verletzungen gut verheilen.

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    1. Danke Miri! Oh ja, das hoffe ich auch! :)
      Mein Unterbewusstsein ist halt nur ein Vollidiot.
      UB: „Das tut so weh, warum hast du das gemacht??“
      Ich: „Das hatten wir zusammen entschieden, also mecker jetzt nich!“
      UB: „Aber das tut weeeeeehhh, da war ich bestimmt nie beteiligt! Hier ein paar Bilder davon, wie ihr voll glücklich wart!“
      Ich: „Was? Nei-argh … !“

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