Geschichte für Anfänger – „Archenemy & Hero“

Ich gestehe. Beim letzten Bahnhofsaufenthalt war ich so frustriert, dass ich spontan drei Mangas mitgenommen habe. Neben Tokyo ESP und Black Lagoon auch „Archenemy & Hero“. Was für einen Manga will ich euch dieses Mal weiterempfehlen? Einen absolut coolen, wie ich finde!

Ich habe im Laden kurz reingelesen, weil ich mir unsicher war, ob mich eine Geschichte, die im Quasi-Mittelalter spielt und in der es um Dämonen und Helden geht, auch interessieren wird. Der Anfang hat mich überrascht, denn die Geschichte beginnt mit der Szene, die eigentlich erst am Ende jeder Heldenreise steht. Der Held, der übrigens auch einfach „Held“ genannt wird, steht dem Dämonenkönig gegenüber, der -surprise, surprise- kreativerweise wohl auch nur „Dämonenkönig“ heißt.

Der Erzfeind

Der Dämonenkönig, also eigentlich sehr definitiv die DämonenkönigINININ, ist auf dem Cover zu sehen und besteht eigentlich nur aus Brüsten und Hörnchen aufm Kopp. Also so auf den ersten Blick. Das nervt mich ja immer ein wenig, weswegen ich nicht unbedingt soooo begeistert war, den Band aufzuschlagen. Aber da das restliche Design und die Figuren ganz hübsch gezeichnet waren, hat mich das dann doch nicht davon abgehalten reinzulesen.

Cover Archenemy & Hero; Story: Mamare Touno; Manga: Akira Ishida; Panini Comics/Planet Manga

Cover Archenemy & Hero; Story: Mamare Touno; Manga: Akira Ishida; Panini Comics/Planet Manga

Beispielseite aus Band 1 von "Archenemy & Hero"; Sehr schön zu sehen, wie Dämonenkönig sich Sorgen macht unattraktiv zu sein xD

Beispielseite aus Band 1 von „Archenemy & Hero“; Sehr schön zu sehen, wie Dämonenkönig sich Sorgen macht unattraktiv zu sein xD

Tja. Und nun stehen sich die beiden Erzfeinde gegenüber und es sollte eigentlich zum Showdown kommen. So mit Schwertkampf und magischen Verwünschungen und Blut und Schweiß und Gespraddel und so. Aber da war der Autor der Geschichte anscheinend doch zu realistisch für. Oder er fand sich zu sehr zum Lehrmeister berufen, um sich mit solchen Klischees aufzuhalten. Denn statt brüllend loszustürmen, um den Helden zu Hackfleisch zu verarbeiten, macht der Dämonenkönig ihm ein Angebot.

Der Held

Der Held geht erst einmal davon aus, dass das vollbusige Wesen mit den Hörnern ihn veralbern oder umgarnen möchte und ist deswegen natürlich recht kritisch. Doch während er dem Dämonenkönig zuhört, merkt er, dass dieser (argh, warum muss das der männliche Titel sein?) ähm, dass diesE es ernst meint. Sie möchte die Welt retten und den seit einiger Zeit tobenden Krieg zwischen Dämonen und Menschen beenden. Außerdem möchte sie mehr von der Welt sehen als nur ihre Burg.

Der Plan

Nachdem der Held den rationalen Argumenten des DK’s erlegen ist und ihr glaubt, dass sie gute Absichten hat, schließen die beiden einen Pakt. Der Held gehört ab sofort ihr – volle Kanne romantisch formuliert und das mit Absicht – und die beiden ziehen nun zusammen los, um die Welt zu verbessern. Das war ganz kurz und knapp, worum es im ersten Band geht.

Und was is daran jetzt so toll?

… werdet ihr mit Sicherheit fragen. Das was ich an diesem Manga so genial finde, ist die Tatsache, dass der Dämonenkönig in jedem Kapitel eine Dinge erläutert. Unterhaltsam werden einem so die Hintergründe der Landwirtschaft, die Funktion von Geld, der Aufbau der Klassengesellschaft und geschichtliche Ereignisse, wie die Einführung der Kartoffel in Europa erklärt. Am Ende eines jeden Kapitels gibt es noch einmal eine Seite, auf der die wichtigsten Dinge des Kapitels zusammengefasst werden, dieses Mal nur als Text.

Ich muss zugeben, dass mir die Funktionsweise von Geld doch schon bekannt war und ich auch einige der anderen Fakten schon kannte. Aber bei mir ist der Geschichtsunterricht doch eine Weile her, deswegen kann eine Auffrischung ja nicht schaden. ^^ Dieser Manga sticht dadurch hervor, dass die Verschmelzung von knuffiger Story mit Lehrauftrag (zumindest für mich) sehr gut funktioniert. Die beiden Hauptcharaktere sind zwar noch recht einfach gezeichnet und lernen sich gerade erst kennen, aber ich mag die Idee, dass die beiden versuchen die Welt zu verbessern und dem Leser währenddessen zeigen, welche Vorgänge unsere Gesellschaft im Lauf der Geschichte entscheidend beeinflusst haben. Allerdings sollte man beachten, dass dieser Manga recht textlastig ist, vor allem mit den Zwischenerläuterungen nach den einzelnen Kapiteln. Die Zwischenkapitel kann man natürlich auch überblättern.

Jaja, da versucht wieder einer „lustig“ Unterricht zu machen …

Das allerwichtigste bei solchen Projekten ist, dass die Story auch glaubwürdig ist. Ich habe schon öfter solche „oooh, wir machen das Lernen spannend!“-Dinger gelesen oder gesehen. Meistens geht so etwas total in die Hose. Das liegt einfach daran, dass in vielen Fällen die Story vollkommen unabhängig von den Dingen ist, die man dem Leser beibringen möchte oder – eigentlich noch schlimmer! – , dass die Story um die Fakten herum geschrieben wurde. Das ist an sich ja ein netter Ansatz, endet aber oft darin, dass die Geschichte ohne die Fakten überhaupt nicht funktionieren würde und keinen Sinn ergäbe! Wenn das Storytelling mies ist, begeistert man seine Leser garantiert nicht für die Fakten, die man als gewiefter Autor in sein Werk „eingestreut“ hat. Entweder die Fakten fügen sich gut in das Gesamtwerk ein oder man sollte den Ansatz noch einmal überdenken und doch lieber Lehrbücher mit kurzen Auflockerungscomics oder eben nur lustige Stories schreiben. Beides an sich geht natürlich auch oft genug schief, aber die Kombination aus beidem halte ich für eine Spezialfähigkeit, die sich nicht jeder aneignen kann. Es ist schließlich auch nicht jeder lustig genug, um den Alleinunterhalter zu geben, warum sollte da jeder ein Buch schreiben können, bei dem man sich unterhalten fühlt?

Deswegen bin ich so positiv überrascht von dem Buch: Es hat eine nachvollziehbare Einbindung des Faktenwissens in die Story. Denn es geht um geschichtliche Entwicklungen, die wirklich in ähnlicher Art und Weise stattgefunden haben und demnach glaubwürdig sind. Zweitens gibt es zwei knuffige Hauptcharaktere, die es sich zur Aufgabe gemacht haben auf völlig Heldenepos-untypische Art und Weise die Welt zu retten. Da der eine Hauptcharakter von Wirtschaft und Bildung („Was’n das??“) überhaupt keinen Peil hat, sondern bisher als Held immer nur die Abmetzel-Schiene gefahren ist ohne nachzudenken, ist es auch logisch, dass der Dämonenkönig alles erklären muss.

Durch die Verwendung von Textpassagen am Ende der jeweiligen Kapitel wird die Story auch nicht so überfrachtet, dass man den Faden verliert oder es zu trocken wird. Natürlich muss man sich immer noch auf die Sache einlassen und mögen, was man sieht, aber alles in allem finde ich die Umsetzung gelungen und hätte vielleicht damals in meinem Geschichtsunterricht wesentlich mehr aufgenommen, wenn wir die einzelnen Fakten auch einmal in eine Gesamtstory eingebunden hätten. Denn von den Sachgeschichten aus der „Sendung mit der Maus“ habe ich glaube ich mehr behalten als von zusammenhanglos auswendiggelernten Jahreszahlen im Unterricht.

Kurzer Lehrauftrag meinerseits ;) : Der Manga basiert übrigens auf einer Story von Mamare Touno namens Maoyū Maō Yūsha, die bereits als Anime umgesetzt wurde und von verschiedenen Verlagen und mit verschiedenen Mangaka als Manga herausgebracht. In Deutschland ist allerdings bisher nur ein Manga, gezeichnet von Akira Ishida, erschienen. Genauer gesagt, ist bisher nur der erste Band draußen, der Rest soll im Laufe des Jahres bei Panini Comics/Planet Manga erscheinen.

So, ich hoffe ich habe mich nicht zu häufig wiederholt und mein Review hat euch gefallen. Wenn ihr also mal eine etwas andere Heldengeschichte lesen wollt (in der zwar die obligatorischen Brüste vorkommen, über deren Vorhandensein sich aber auch sehr nett lustig gemacht wird^^), dann kann ich euch den Kauf von Archenemy & Hero nur ans Herz legen. :)

Also viel Spaß beim lesen, lernen und kreativ werden!
Eure 0utofjoint! ^_^

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2 Kommentare

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