Agent X Comics

Helden und ihre Inkompetenz im Alltag ;)

Was macht einen Helden aus? Ein Held überwindet jedes Hindernis und sei es auch noch so groß, er oder sie ist immer für Freunde da und -ganz wichtig!- er verprügelt die Bösen nur, aber in den seltensten Fällen bringt er sie wirklich um. Denn würde er das tun, wäre in den meisten modernen Heldenfilmchen eine unsichtbare Grenze überschritten, die dafür sorgen sollte, dass er auch weiterhin „der Gute“ bleibt. Ausnahmen beim Abmetzelverbot bilden natürlich monströse Gegner, die keine flammenden Reden schwingen können, wie beispielsweise Zombies oder übersetzungsgerätetechnisch benachteiligte Aliens oder so.

Wann ist ein Held ein Held?

Alles in allem würde ich jedoch sagen, dass es die Definition des strahlenden Helden schlechthin ist, dass er

1. seine Prinzipien niemals verrät, die dann aber natürlich irgendwas mit „Welt retten“ und so zu tun haben müssen. Punkt 1 trifft übrigens auch auf die Bösen zu. Diese haben schließlich auch oft ein Ziel vor Augen, auch wenn die „Rettung“ der Welt in deren Fall ein wenig Interpretationsspielraum bietet. Aber hey, Ziele sind Ziele, oder? ;)

2. keineswegs Unschuldige mit in seinen Kampf hineinzieht, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, sondern eher alles dafür tut, selbstlos andere zu retten. Vor allem wenn es kleine Kinder, gebrechliche Menschen oder der eigene Erzfeind sind. Letzterer gibt besonders viele Charisma-Bonuspunkte.

3. sich nicht von den Mind Games der fiesen Superschurken brechen lässt. Denn sehr oft kommt es zu Momenten wie „Megaschurk foltert Superheldos Freundin: Wird unser Held das durchstehen?“ oder „Superheldo erfährt, dass durch ihn jemand ums Leben kam und ringt nun mit seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit. Wer gewinnt? Die Zurechnungsfähigkeit oder seine Emotionen?“

Tja, mit die schlimmste Situation für uns als Zuschauer tritt dann ein, wenn ein Held unsere Erwartungen enttäuscht und doch in irgendeiner Weise nachgibt. Denn dann ist er kein Held mehr. Ein Held geht immer den schwierigeren Weg und egal wie schwer er es hatte, er lässt sich nie von seinen negativen Gefühlen überwältigen. Als Held schwebt man nämlich permanent zwischen Situationen hin und her in denen man einerseits auf seine Emotionen hören soll („Ich kämpfe für das Gute, weil ich die Welt so liebe! *Tränchen inne Augen hab*“) und sich andererseits nicht davon in den Wahnsinn treiben lassen soll, wenn die Bösen unschuldige Leute foltern, mit denen man sich eben noch nett unterhalten hat. Das stell ich mir schon ziemlich anstrengend vor.

Wie entsteht ein Held?

Anderen Charakteren verzeiht man diese „Schwäche“ allerdings schon. Nur eben diesem strahlenden Heldentyp nicht. Denn der ist das Vorbild, das alle anderen antreibt. Und wenn der Held versagt, wem sollen die restlichen Mitglieder der „Allianz des Guten“ oder der „Kampagne gegen die Sprengung der Welt“ dann noch folgen? An wen soll man glauben? Wir brauchen Vorbilder, die uns glauben lassen, dass eben nicht alle Menschen gleich schwach sind und uns Hoffnung geben, dass sich die Welt so doch noch retten lässt. Wer zusieht, wie die Lichtgestalt des Helden plötzlich zerfällt und es dann noch schafft nicht den Mut zu verlieren, sondern nach den gemeinsamen Idealen weiterzustreben – der hat wohl genug Stärke bewiesen, um der nächste Held zu werden. :)

I Couldn’t Become a
Hero, So I Reluctantly Decided to Get a Job.

Nun bin ich neulich über eine Serie gestolpert, in der eine sehr originelle Idee aufgegriffen wird, die mich zu dieser Grübelei veranlasst. ^^ (Nachtrag: Der englische Titel steht da oben in fett! Wurde ich schon gefragt. Dachte, wenn ich den nur unten verlinke und hier in Schriftgröße MEGA einfüge, wäre das offensichtlich. :D)Stellt euch vor, ihr seid die absolut awesomsten Helden eurer Abschlussklasse der Heldenschule und sprintet mit gezücktem Schwert und Kampfschrei auf den Thron des Dämonenkönigs zu, um ein für alle Mal klar zu machen, wer hier Held ist und wer Weichei. Und dann sitzt da keiner. Dort hängt nur son Zettel:

„Sorry, der Dämonenkönig wurde gerade besiegt.
Es herrscht jetzt Frieden.
Also dann, ein schönes Leben noch!

Das Management“

Da fällt einem doch glatt das Langschwert aus der Hand.

Ohne Endgegner keine Helden, das steht fest. Auf einmal steht man ohne Aufgabe da. Was tut man also in solch einem Fall? Entweder man hofft darauf, dass möglichst schnell wieder böse Gegner auftauchen – was an sich schon etwas pervers ist, denn man wollte ja für den Frieden kämpfen – bzw. man ist so zynisch, dass man dem Frieden nicht traut und wartet darauf, dass etwas explodiert. Oooooder … man muss sich einen Job suchen. So einen normalen. Einen langweiligen. Einen Job halt. Und so kommt es, dass in der Serie ein Heldenanwärter und die Tochter des Dämonenkönigs zusammen im Laden stehen und Elektrogeräte verkaufen. Oder es zumindest versuchen.

Denn die Umstellung vom Dämonen töten/Menschen foltern zur Arbeit hinter der Ladentheke ist nicht gerade die einfachste. Es lässt sich vielleicht mit dem Problem von Soldaten vergleichen, die ja auch sehr spezielle Fähigkeiten lernen, die ihnen nach einem Krieg im normalen Leben nicht im geringsten weiterhelfen. Mal ganz abgesehen von Traumatisierungen. Da die Serie aber eher als Comedy und fröhliche Unterhaltung mit vielen Brüsten gedacht ist, kommen tiefgreifende Traumata natürlich nicht vor. Aber trotzdem haben die beiden einfach nie etwas anderes gelernt, als diesen einen ihren Traumjob, den sie dann doch nicht machen durften.

Ganz pathetisch: Helden des Alltags

Ich finde die Idee sehr nett. Denn zwischen all den Helden-Epi…Epos? Epossesesi….Geschichten vergisst man vielleicht mal, dass es in unserer Welt eigentlich gar keinen Platz für schwertschwingende Helden gibt. Ich habe ja selbst in meinem Artikel „Warum guckst du Anime?/Warum liest du Manga?“ geseufzt, dass ich gerne auch so ein einfaches Leben hätte, bei dem immer vollkommen klar ist, wer der Bösewicht ist und man dem einfach nur eins überbraten muss … aber in so einer Welt leben wir bedauerlicherweise eben nicht. ^^

Dennoch ist die Story nicht deprimierend, sondern sie zeigt sehr schön, wie anfangs völlig überforderte Menschen (und Dämonen), die sich vielleicht für viel zu gut für diesen Job halten, langsam mit der Situation zurecht kommen. Als der Heldenanwärter die Haltung ablegt, dass der Job des Verkäufers unter seiner Würde ist, stellt er fest, dass er auf einmal fast zufrieden mit seinem Leben ist und ihm sein Job fast schon Spaß macht. Soll also heißen: Auch wenn wir alle keine Rockstars, Dragonslayers oder Movie Stars werden (okay, ich hab zuviel Fight Club geguckt :D ), sollten wir trotzdem veruschen das Beste aus unserer Situation zu machen. Denn wie wir an eine Sache herangehen, bestimmt sehr oft, ob wir darin gut sind oder damit zufrieden sind. Und in diesem Fall ist „Sache“ dann wohl unser gesamtes Leben. Indem wir uns im Alltag bestmöglichst schlagen, können wir versuchen im Kleinen zu Helden zu werden. Auch wenn wir gerne alle eine Spezialattacke und Special Moves hätten, würden die wenigsten von uns (außerhalb von Conventions ;) ) in Situationen kommen, wo man DRAGON SLAYERS ROOOAAAAAR nutzen kann, ohne verklagt zu werden. Davon sollte man sich einfach nicht deprimieren lassen. Das Internet hofft auf die Zombieapokalypse, weil ja alles so langweilig ist. Aber wenn wir nicht alle den ganzen Tag im Internet verbringen und uns damit abfinden würden, dass wir keine Rüstungen mit +5000 HP tragen, sondern Wäsche waschen müssen, dann könnten wir vielleicht auch an der Realität mehr Spaß haben. Was meint ihr? ^^

Ich nöle auch viel zu oft rum, weil ich natürlich gerne einen Job hätte, bei dem ich z.B. fürs Kaffee trinken, Mangas lesen, über Mangas schreiben und die coolsten Leute der Welt interviewen bezahlt werde. Dit is aber eher unwahrscheinlich. Deswegen mach ich das eben privat (bis auf das Kaffeetrinken, was aber leider keinen Gehaltsbonus gibt^^) und nerve das Internet mit meinen ewig langen Gedankenblubbs. Das hält das schon aus. Da steht viel Schlimmeres drin. :> Dafür freue ich mich dann privat umso mehr über das hier *aufs Blog zeig* und kann mich beruflich erst einmal darüber freuen, was ich alles neues lerne (und das ist ne Menge) und was für Sachen ich da noch ausprobieren kann. Was natürlich keinesfalls heißt, dass ich mir keinen Keks freuen würde, wenn ich plötzlich doch voll die Megamoves drauf hätte! :D

Falls ihr mir zustimmt, ihr da ganz anderer Meinung seid oder einen Denkfehler gefunden habt, dann immer rein in die Kommentare damit! :)

Ach ja, ich würde euch ja jetzt auch gerne ne Empfehlung für den Anime oder nen Link zum Manga geben, deren Story mich auf die Idee für den Artikel gebracht hat. Leider gibt es das Ding irgendwie nur auf Japanisch und selbst wenn ihr Kanji lesen könnt, dann müsstet ihr es bei Amazon.com bestellen, weil es beim deutschen Amazon nämlich nur Wallscrolls gibt. :/ Die amüsanten „mal eben so nebenher“ Mangas und Animes werden entweder viel zu selten übersetzt oder das dauert einfach zu lange (Band 1 ist nämlich erst aus dem Jahr 2013), weil man ja abwarten muss, wie die sich im Original so verkaufen und die Lizenzen erwerben muss und den ganzen Kram. Ich glaube darüber werde ich, wenn ich irgendwann mal viel Zeit zum recherchieren hab, auch mal einen Artikel schreiben. :) Ein wenig mehr Infos, auf die ich mich jetzt auch bezogen hab, findet ihr im englischen Wiki-Artikel dazu.

Einen schönen Feiertag noch (falls bei euch einer ist)!
Eure 0utofjoint =)

PS: Mir fällt gerade auf, dass ich völlig den Kampf des armen Peter Parker mit dem normalen Leben und dem Leben als Spiderman ignoriert habe. Der Kerl hat ja gleich beide Welten am Hals, also sorry, dass er nicht so ganz in meine Theorie passte und mir deswegen entgangen ist. O:)

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