Das Problem mit den never ending stories

Heute geht es um etwas, mit dem man sich Stunden, Tage, Wochen und sogar monatelang am Stück beschäftigen kann: Serien! Genauer gesagt, um das Problem, vor dem wahrscheinlich viele Autoren, Drehbuchregisseure und andere Serienerfinder stehen. Denn Buchreihen, TV-Serien und Filmsequels eint eines: sie dauern. Das ist einerseits ein Riesenvorteil für die Fans, denn es gibt noch sooo vieeel zu sehn!!!


Gleichzeitig ist es aber auch ein Nachteil. Oder hat nicht jeder von euch schon einmal eine Serie geliebt und dann festgestellt, dass ihr ab der 500. Staffel plötzlich dasitzt und denkt:


See more on Know Your Meme

Soll heißen: Damit sich keiner die Frage stellt, weswegen er oder sie so eine schlechte Serie guckt, müssen die Serienmacher/Autoren ihr Werk ständig neu erfinden und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Aspekte, die den Zuschauern bzw. Lesern bisher gefallen haben, nicht zu kurz kommen.

Gerade wenn der erste Teil oder die erste Staffel ein Überraschungserfolg war und nur begeisterte Kritik geerntet hat, wird es jedoch schwer, die Erwartungen in der nächsten Staffel zu erfüllen. Wenn die Story bereits im ersten Teil eigentlich abgeschlossen war, muss der Erschaffer eines Films entweder schon eine Weiterführung in der Hinterhand haben oder spontan etwas zusammenköcheln, das irgendwie auf dem ersten Teil basiert. Ersteres wäre eine Weiterführung à la „Wir wollten die Story ohnehin noch mehr auf die Herkunft des Helden und seine Eltern/Kinder/beste Freunde fokussieren“ und zweiteres eher „Tadhaaa, der Hauptcharakter is nach der Explosion seiner Raumstation, ohne Fluchtkapsel, Aussicht auf Rettung und sechsmonatigem Aufenthalt im Vakuum doch nich tot! Toll, oder?“. Das kann funktionieren, schließlich sprangen viele Leute auf die Elemente des ersten Teils an – muss es aber nicht.

Oh my god, they killed Kenny! Again.

Im Vergleich dazu liegt der Vorteil von Serien wie Southpark klar auf der Hand. Abgesehen von der generellen Surrealität der Serie können die Soutpark-Macher sich auf aktuelle Ereignisse beziehen und neben dem selbstverständlich gewohnt niveauvollen Humor immer wieder andere Themen behandeln. Niveauvoll … Gut, dass ich beim Tippen nicht meinen Gesichtsausdruck kontrollieren muss. :D Nun ja, die Themen sind ja wirklich sozialkritisch, aber die Umsetzung der Kritik ist doch teilweise arg … körperflüssigkeitenlastig. Ein weiterer Vorteil für Serien wie Southpark ist auch, dass es dort keinen kontinuierlichen Handlungsstrang gibt, was ihnen den Vorteil bietet, trotz gleichbleibender Grundkonstellation in jeder Folge mit einer weißen Leinwand zu starten. So können die Macher der Serie mit ihren Figuren tun was sie wollen. Genau deswegen kann eben in jeder zweiten Folge „OMG, they killed Kenny!“ geschrieen werden, ohne dass er in der Folge danach zwangsweise betrauert werden muss.

Für die Kreativen dahinter ist solch eine Serie natürlich trotzdem eine Mörderaufgabe, denn sie haben eben nicht die Sicherheit, dass Hauptcharakter X und Y nach dreijährigem Dating nun heiraten könnten und man bei einer kreativen Flaute schon irgendwas um diese Beziehung drumherum spinnen kann. Ist Grundstoryline nicht vorgegeben, bietet einem das also ebenso viel Freiheiten wie es einem Verpflichtungen zum kreativ sein aufbürdet. Ab und an gönnen sich natürlich auch einmal die Macher solcher Serien eine mehrfolgige Storyline und Kenny darf aus dem Reich der Toten weiter mitspielen oder es ergeben sich generelle Änderungen im Verlauf mehrerer Staffeln. Aber das ist eben nicht der Hauptfokus der Serie. Oft hat man aber das Glück bei losen Storylines spontane Eingebungen der Serienproducer bewundern zu dürfen, die nur dadurch möglich sind, dass zufällige Charaktere eingebaut werden können, die z.B. etwas mit aktuellen Vorfällen zu tun haben.

Mir fallen auch als Beispiel für solche Serien nur weitere Comicserien ein, muss ich gestehen. Wenn ich Animes schaue, haben die ein klares Thema mit (meistens) klarer Storyline, die durchgezogen wird. Bei amerikanischen Sitcoms kommen natürlich auch teilweise Gaststars vor und man hat selbstverständlich nicht in jeder Serie krasse Einschränkungen oder Vorgaben. Die Gegebenheiten so weit zu dehnen, dass man trotzdem etwas Neues schaffen kann, das ist ja gerade das, was wir gerne anschauen.

Von hoffnungsvoll zu verstörend in 5 Bänden

Genau das Gleiche gilt natürlich auch für Buchreihen, bei denen man sich irgendwann denkt „Warum lese ich das eigentlich noch? Da passiert doch eh immer dasselbe …“ Andernfalls kommt irgendwann ein Twist und die Art der Story ändert sich (wird zum Beispiel wesentlich düsterer) oder der Schreibstil des Autors ist so faszinierend und die Vorgänge, die ihm oder ihr einfallen so originell, dass man sich eben nicht langweilt.

Ich freue mich manchmal, wenn sich eine Story plötzlich wieder frisch anfühlt, weil der Autor eine große Änderung vornimmt. Andererseits habe ich bei manchen Serien auch schon den „Harry Potter Effekt“ gehabt. *räusper* Ich erläutere diesen Fachterminus kurz anhand meiner Reaktionen … ;)

Ich: Oh mein Gott, das ist die knuffigste Serie ever! Alle haben Hoffnung und sind ein bisschen naiv und total lustig und kämpfen für das Gute und haach, das fühlt sich so schön an. ^_^
Autor: Hm, das is sicher langweilig auf Dauer, da muss jetzt mal was passieren. *tipp tipp tipp*
Ich: Oooh, ein neues Buch! :) Oh..das is aber düster… oh, irgendwie sind die gar nich mehr so fröhlich … und alles is so bedrohlich und und und WARUM STIRBT DER??? :O :O :O Da darf keiner sterben, sterben is doof! ;_; *in Embryonalstellung in der Zimmerecke vor und zurück wieg*

Natürlich fand ich Harry Potter damals trotzdem übermegahypergut. Aber diesen Übergang von lustiger Jugendserie zu „wir werden dann mal erwachsen und ab jetzt müssen alle nur noch leiden“ finde ich manchmal wirklich krass. Es lässt zwar nicht jeder Autor den George R.R. Martin raushängen, aber wer Animes wie „Hunter x Hunter“ gesehen hat, die am Anfang derbe knuffig sind und auf einmal einen sehr sehr düsteren Twist bekommen, weiß wovon ich rede. Manchmal denke ich mir einfach, dass mein Leben doch schon realistisch genug ist und ich dann bitteschön wenigstens in manchen Serien vollkommen unrealistische („aber soooo schööööne!“) Handlungsstränge haben möchte, bei denen dann halt auch keiner sterben darf. Das dürfen die einfach nich. Verbiete ich denen. ;)

 Wiederhole ich mich?

Zuallerletzt dann noch eine Überlegung, die mich und euch direkt betrifft: Werden auch Blogs oder journalistische Texte langweilig? Natürlich. Garantiert viel öfter als sie das tun sollten. Tja, unnu? Was hält einen Journalisten oder Blogger denn davon ab, langweilig zu werden? Nun, erstens sollte der Schreibstil vielleicht nicht so öde sein, dass alles gleich klingt und man sollte nicht immer die gleichen Witze oder Texteinstiege bringen. Daran arbeite ich noch. :D Aber ich weiß, dass manche Schreiberlinge total darauf stehen, immer mit einer voll coolen aus-dem-Leben-gegriffenen Szene oder mit einem hyster..verzeihung, historischen Vergleich anzufangen, der im Zweifelsfalle niemandem ohne Kenntnisse der altgriechischen Geschichte weiterhilft. Beim entsprechenden Zielpublikum funktioniert das natürlich trotzdem – also z.B. Griechisch-Professoren, Fans von altgriechischen Heldensagen, Leute denen gesagt wurde, dass griechisch später voll hilfreich wäre und so weiter.

Beginne ich immer gleich? Hm. Da bin ich mir unsicher und müsste mal eine richtige Analyse machen. Bei den Mangareviews tue ich das mit Absicht, denn ich will zum Einstieg meistens erklären, wie ich auf den Manga gestoßen bin. Aber ich verspreche, wenn die nächsten 394 Mangas auch alle aus Bahnhofsbuchhandlungen stammen werden, dann erwähne ich das nicht mehr jedes Mal extra. :D

Um euch nicht zu langweilen, sollte ich wohl auch nicht immer das gleiche Thema behandeln. Was allerdings schwierig wird, wenn man ein Experte für ein Thema werden möchte. Und ich reviewe ja nun auch dauernd Mangas, ist das nicht auch immer das Gleiche? Ich hoffe nicht, da sich die Mangas ja vielleicht zumindest ein wenig voneinander unterscheiden und ich ja ab und zu auch noch anderes Gefasel loswerden will. ;) Und spätestens bei den anderen Themen springe ich ja wild durch die Gegend und schreibe immer das, was mir gerade durch den Kopf schwirrt.

Oooooooommmmm, die Weisheit des Tages, oooommmm

Wie schließe ich jetzt mein never ending Geschreibsel ab? Genau. Ich lasse euch einfach alle an der Weisheit unserer Vorfahren teilhaben, die da lautet: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Soll heißen: Auch wenn es die tollste Serie EWAHR ist, ist es manchmal besser, wenn sie ein passendes und gutes Ende hat, als wenn sie noch weitere 500 Folgen lang vor sich hin existiert, du aber irgendwann den Spaß vermisst, den du damals mit der Serie hattest. Damals, als die Serie noch jung und frisch war und noch nicht einzig deswegen weiterging, weil man damit noch ein wenig Profit machen kann, obwohl die eigentliche Story längst vorbei ist. (Dass ich Muttis Spruch mal in dem Kontext zitieren würde, hätt ich auch nich gedacht. :D ) Es gibt natürlich auch Menschen, die werden einfach nicht unkreativ und schaffen es auch im gefühlt einhundertachtundvierzigsten Band noch lustig, originell und begeisternd zu sein.  Empört mich immer wieder sowas.

Ich hoffe ihr habt Freitag nicht zuviel gefeiert und wünsche euch ein wunderschönes und unverkatertes Wochenende! :D

Eure 0utofjoint :)

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