Shakespeare auf Japanisch – Blast of Tempest Review

Ich bin im Buchladen bestimmt 10 Mal um diesen einen Manga herumgeschlichen und habe mich beherrscht, ihn nicht direkt mitzunehmen. Doch jetzt sind endlich drei Bände von „Blast of Tempest – The Civilization Blaster“ erschienen, der vierte soll Ende des Monats rauskommen und ich habe mir den ersten gekauft. Warum ich so lange gezögert habe? Ich muss gestehen, dass ich den Anime dazu gesehen habe und „Zetsuen no Tempest“ genial fand. Allerdings war es kein Anime, der mich bereits während der ersten Folge begeistert hat. Während der ersten Folge war ich vielmehr verwirrt, was da gerade überhaupt abgeht. Da ich damit gerechnet habe, dass es mir beim Manga ähnlich ergeht, wollte ich lieber abwarten, damit ich direkt mehrere Bände nachlegen kann. Auch wenn ich die Story bereits kenne. Bin eben ungern frustriert. ^^

Cover von "Blast of Tempest; Carlsen Manga; Kyo Shirodaira/Ren Saizaki/Arihide Sano

Cover von „Blast of Tempest“ Band 1; Carlsen Manga; Kyo Shirodaira/Ren Saizaki/Arihide Sano

(Ich habe übrigens bereits den zweiten Band hier liegen und angefangen ihn zu lesen. Dazu ganz kurz: Bitte nicht vom misslungenen Cover abschrecken lassen. Da anscheinend auf jedem der Bände Yoshino und/oder Mahiro zu sehen sein sollen, gucken sie auf dem zweiten meiner Meinung nach ein wenig zu lasziv in die Kamera. Nein, die sind beide nicht schwul und es gab im Anime auch keinen Sex. So.^^ Musste ich kurz loswerden.)

Sanfter Zeichenstil

Nun, es gibt sehr viele Grauschattierungen, weswegen die Zeichnungen auf mich nicht so kräftig wirken, wie die anderer Mangas. Auch die Schriftart in den Sprechblasen ist sehr fein. Außerdem hatte ich manchmal den Eindruck, dass der Zeichner (Ren Saizaki) dazu neigt, nur Teile von Gesichtern oder deren Umrisse zu zeichnen. Abgesehen davon baut er öfters sehr viel frickeligen Kleinkram ein, der dem ganzen eine faszinierende Detailschärfe verleiht. So zum Beispiel die Muster auf einem Vorhängeschloss, auf Waffen und Schmuck oder die Rinde an Bäumen im Hintergrund und so weiter. Alles in allem hat der Manga schon seinen eigenen Stil, dieser ist jedoch nicht so einhundertprozentig mein Fall. Ich stehe wohl eher auf dicke Linien und keine hauchzarten Nuancen oder so. ^^

Ausschnitt aus "Blast of Tempest"; Carlsen Manga. Ich habe extra einen Teil des Shakespeare-Zitats ausgewählt. ;)

Ausschnitt aus „Blast of Tempest“. Ich habe extra einen Teil des Shakespeare-Zitats ausgewählt: „Die Zeit ist aus den Fugen, o verfluchte Schicksalstücken … dass jemals ich geboren ward, um sie zurechtzurücken!“ ;)

Delinquent und braver Denker unter Magiern

Die Hauptcharaktere, die auch auf dem Cover zu sehen sind, sind Mahiro (der Blonde links) und Yoshino. Zwei sehr unterschiedliche Jungs, die aber trotzdem irgendwie beste Freunde sind. Mahiros Schwester Aika wurde ein Jahr vor Beginn der Geschichte umgebracht und der Täter wurde bis heute nicht gefasst. Daher ist Mahiro auf Rache aus und würde alles tun, um Aikas Mörder zu finden und Selbstjustiz zu üben. Während Mahiro eher als selbstgerechter Delinquent rüberkommt, dem es auch mal Spaß macht sich mit vorbeikommenden Gegnern zu prügeln, ist Yoshino sehr ruhig, analytisch und durchdacht. Er ist derjenige, der Mahiro davon abhält, direkt auf alle loszupreschen, die ihm im Weg sind.

Hakaze Kusaribe ist die mächtigste Magierin der Welt, die aber leider von ihrem Konkurrenten Samon ausgetrickst und in einem Fass auf einer einsamen Insel im Nirgendwo ausgesetzt wurde. Dort kann sie so gut wie nichts ausrichten, hat es aber geschafft über eine Flaschenpost und ein magisches Kommunikationsgerät mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen – genauer gesagt, ist sie so Mahiro begegnet. Sie hat ihm versprochen mithilfe von Magie den Mörder ihrer Schwester zu finden, wenn er ihr dafür hilft, Samons Pläne zu vereiteln.

Dann gibt es da noch „Fräulein Yamamoto“. Die über die Magier Bescheid weiß und Mahiro und Yoshino direkt am Anfang mit ihrer Waffe bedroht und sie verfolgt. Was jedoch genau ihre Absichten sind, wird im ersten Band noch nicht klar.

Die Welt geht unter, weil BÄUME

Es geht um den Untergang der Welt. Mal wieder. :D Irgendwie kommt man bei Shounen Mangas kaum darum herum. In diesem Manga wird jedoch nicht nur hirnlos gekämpft und er hat für mein Gefühl noch eine ganz andere Dimension. Weil wenn schon Shakespeare zitiert wird, muss das ja was besonderes sein, oder? ;) Es treten gegeneinander an: zwei Gottheiten. Diese haben jedoch keine Persönlichkeit und interagieren nicht miteinander, denn es sind … Bäume. Klingt erstmal lame, aber dadurch konzentriert sich alles auf die gegeneinander antretenden Parteien und die fand ich auf keinen Fall lame.

Hakaze, Mahiro und Yoshino kämpfen für den „Baum des Anfangs“ und Samon und seine Klanmitglieder für die Wiederauferstehung des vor Urzeiten zerstörten „Baum des Endes“. Hm, „Baum des Endes“ klingt schon mal schlecht, oder? Dieser steht für das Chaos, während der Baum des Anfangs für die Ordnung steht. Hakaze ist davon überzeugt, dass die Welt untergehen wird, wenn der Baum des Endes wieder erweckt wird, während Samon anscheinend keine Probleme damit hat, dass die Welt untergeht – warum sonst sollte er es wagen an der Wiederauferstehung von so etwas gefährlichem zu arbeiten? Mahiro ist ohnehin egal auf wessen Seite er steht und ihm würde es auch nichts ausmachen, wenn die Welt untergeht, solange er vorher den Mörder seiner Schwester gefunden hat. Yoshino hilft Mahiro und dementsprechend auch Hakaze, doch er ist der einzige, der alldem gegenüber skeptisch ist.

Nicht nur, dass im ganz normalen Japan plötzlich Magier auftauchen und sein Kumpel Mahiro durch magische Utensilien auf einmal Ein-Faustschlag-KO’s austeilt und Kugeln abwehren kann, nein, dann tauchen auch noch Schmetterlinge zur falschen Jahreszeit auf und gelten als Vorboten für die Früchte des besagten Baums des Endes. Diese sehen aus wie seltsame schwebende Ananas mit Augen (siehe Bildausschnitt oben rechts) und überall wo sie auftauchen verwandeln sich Menschen ohne magische Fähigkeiten in Stahl. Ziemlich gruselig also. Ich an Yoshinos Stelle würde mich entweder unter dem nächstbesten Tisch verstecken (und dort wahrscheinlich zu Stahl werden) oder auch ein wenig Skepsis gegenüber mir unbekannten Magiern walten lassen, die plötzlich erklären, dass der einzige Weg zur Rettung der Welt ausgerechnet in Mahiros Händen liegt. Der dann auch großzügigerweise erklärt, die Welt zu retten, weil ihm das in den Kram passt, um sein eigenes Ziel zu erreichen.

Confusing Shakespeare, anyone?

Ein bisschen viel auf einmal, oder? Genau deswegen und weil am Ende des ersten Bandes noch einmal ein Cliffhanger kommt, der mich persönlich bereits im Anime ziemlich verwirrt hat, braucht es mehrere Bände, bis man so richtig in der Story drin ist. Wenn man sich allerdings darauf einlässt, kommen (sofern der Manga weiterhin 1:1 dem Anime entspricht) sehr gefühlvolle Hintergrundstories der Protagonisten und einige Shakespeare-Analogien hinzu. Wer also die volle Dröhnung haben möchte, kann sich vor dem Manga noch mal eben schnell „Hamlet“ und „Der Sturm“ durchlesen. Aus ersterem wird immer wieder zitiert und letzteres handelt auch von einem Magier, der auf einer einsamen Insel ausgesetzt wurde – und ist eine der wenigen Nicht-Tragödien Shakespeares! Gerade das Geheimnis um Aikas Tod und die Gefühle von Yoshino und Mahiro spielen eine große Rolle. Nebenher hat die ganze Welt irgendwann mit den Auswirkungen der beiden Bäume zu kämpfen und es wird noch einige Twists geben, die zumindest den Anime für mich immer spannend gehalten haben.

Wer also eine etwas komplexere und nicht so leicht zu durchschauende Story möchte, die ausnahmsweise einmal nicht nur aus Krachbummpeng besteht, der ist mit „Blast of Tempest“ gut beraten. ;) Falls ich irgendwas nicht sinnvoll erklärt haben sollte, immer raus damit! Und falls ihr den Manga schon kennt und auch eine Meinung dazu habt, dann kommentiert doch einfach. :)

Einen schönen Sonntag wünscht euch
eure 0utofjoint =)

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3 Kommentare

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