Verdammt, ich war zu begeistert … – „Ousama Game“

Kennt ihr das, wenn man etwas neues entdeckt, davon vollkommen begeistert ist und allen um sich herum erzählt, wie toll etwas ist? Ja? Kennt ihr das auch, wenn man dann ungefähr einen Tag später herausfindet, dass man voll ins Klo gegriffen hat und allen Müll empfohlen hat? Auch? Schön. Dann wisst ihr ja, wie ich mich gerade fühle. :D

Es geht (wieder) um „Ousama Game“. Wie Miss Booleana in ihrem Kommentar unter meinem Review zum ersten Band bereits angekündigt hatte, hat sie jetzt eine Rezension über die gesamte Reihe geschrieben. Was auch viel vernünftiger ist, aber ich hab halt nun mal keine Geduld, wenn ich mich wofür begeistere. Is doof, ne?

Wenn dir sogar Nicolas Cage nicht das Wasser reichen kann, was „absurd“ angeht

Jedenfalls habe ich nun auch alle Bände durch und stimme ihrer Rezension vollkommen zu. Die ersten Bände von „Ousama Game“ sind cool, wirken durchdacht und frisch. Wie erwähnt, Schüler werden ermordet, blabla. Aber dann! Plötzlich stellt man fest, dass die nich einfach ermordet werden, sondern es wird gezeigt, wie sich Leute einfach von selbst in Stücke zerhäckseln, ohne, dass sie von jemandem oder etwas berührt werden und man sieht wie sich bei anderen Leuten einfach mal so der Kopf von den Schultern löst. Mal abgesehen davon, dass das ganz schön kranker Scheiß ist und mit jedem Splattermovie mithalten könnte: Geht’s noch? Wo is denn jetzt die aufregende Suche nach dem Mörder geblieben?! Nobuaki findet dann Hinweise (während sich seine Klasse weiter dezimiert) in einer mysteriösen Location mit einer mysteriösen Geschichte und noch viel mehr Gruseleffekten. Und am Ende (es sind auch noch quasi nahezu fast ungefähr 3 Leute am Leben) schafft er es auch mithilfe der einzigen Person, die mysteriöser- und absurderweise voll den Durchblick hat, auch das „Ousama Game“ zu beenden. Also irgendwie. Vorher müssen allerdings von in Flammen stehenden Menschen vollkommen rationale Erklärungen abgegeben werden, warum das alles passiert ist – die übrigens vermutlich nur nach dem siebten Wodka (oder Sake) einen Sinn ergeben. Alles in allem wirkt es so, als sei den Machern der Story im vierten Band aufgefallen, dass sie ja (son Mist aber auch) noch ein Ende und ne Auflösung brauchen, mit der sie alles erklären können. Dann hat man erstmal mit noch mehr Splatter drumrumgemanga’t und dann im fünften Band eine hanebüchene Hintergrundstory zusammenfantasiert, die jeden Nicolas-Cage-Film vor Neid erblassen lassen würde.

So, nun habe ich meiner Enttäuschung Luft gemacht. Meine Entschuldigung geht hiermit an alle, die durch mein erstes Review dachten, „Ousama Game“ sei total toll. :(

Ich will euch allerdings noch ein paar positive Anmerkungen zu den Bänden mitgeben, denn es war ja nicht alles schlecht, sonst hätte ich keine fünf Bände davon durchgestanden! Also was an der Grundidee toll war – falls ihr selbst es als angehender Mangaka/Autor mal besser machen möchtet ;) – und ich mag gewisse Eigenheiten des Zeichenstils noch einmal loben. :)

Warum war denn auch Band 2 noch vielversprechend?

Ich war vom ersten Band ja schon sehr angetan und ich muss sagen, der zweite hielt für mich, was der erste Band versprach. In diesem Manga versuchen die Schüler, die am perfiden „Ousama“-Spiel teilnehmen, herauszufinden, wer derjenige ist, der ihnen jeden Tag neue Befehle per SMS zukommen lässt und bei Ungehorsam die Todesstrafe verhängt.

Würdest du deine Freundin oder lieber deinen besten Kumpel killen?

Vor allem Nobuaki macht in diesem Band einiges mit. Was ich sehr spannend finde, ist, dass endlich mal ein Hauptcharakter die Frage „Wenn du nur einen deiner Freunde retten könntest, wen würdest du wählen?“ nicht mit „Beide!“ beantwortet, obwohl die Antwort nicht zur Auswahl stand. Bereits im ersten Band musste Nobuaki Entscheidungen treffen, die er wahrscheinlich bereuen wird und im zweiten Band ist das nicht anders. Schon in der allerersten Szene, die eine Fortführung des guten Cliffhangers ist, zeigt er, dass er in Notfallsituationen sehr rationale Entscheidungen treffen kann – auch wenn er dabei heult. Gerade die Darstellung dieser Zwiespältigkeit und wie er mit „you are so fucked“-Situationen umgeht, in denen er nicht gewinnen kann, macht den Manga für mich überraschend gut. Ich habe beim ersten Band echt nur seichte Unterhaltung erwartet und bekam moralische Dilemmata (?) geliefert, die trotz ihrer knappen Darstellung mit anspruchsvolleren Büchern mithalten können. Okay, genug der Schwärmerei, dieser positive Effekt hatte sich dann ja bald auch wieder erledigt. :D

Im zweiten Band wird ein „Partyspiel“ namens „Ousama Game“ erwähnt und nach einigem rumgooglen (das natürlich zu 99 % erstmal Suchergebnisse mit eben diesem Manga hier lieferte), habe ich rausgefunden, dass es ein japanisches Trinkspiel namens „King’s Game“ oder eben „Ousama Game“ gibt, bei dem die Teilnehmer Lose ziehen und der Gewinner zum König ernannt wird, der den anderen Befehle erteilen darf. Ich befürchte unter manchen Betrunkenen dürfte das nahezu zu ähnlichen Situationen führen wie im Manga. :P Aber vielleicht hat der gute Kanazawa-san einfach nur oft bei dem Spiel mitgemacht oder zugeschaut und so die Idee für die Story bekommen.

Cover von Band 2 "Ousama Game"; Art: Hitori Renda; Story: Nobuaki Kanazawa; Calsen Manga

Cover von Band 2 „Ousama Game“; Art: Hitori Renda; Story: Nobuaki Kanazawa; Calsen Manga

Es gibt Gesichtsausdrücke! :D

Das Cover ist  hübsch und ansprechend, wie ich finde. (Also von der Zeichenart her, nicht vom Motiv. Ich steh jetzt nich auf nackte Frauen mit Totenschädeln. Ah und jetzt weiß ich auch schon, welcher Suchbegriff hier in der nächsten Zeit in meiner Statistik landen wird. :D) Was mir insgesamt positiv an den Zeichnungen aufgefallen ist, ist dass die verschiedenen Charaktere nicht alle völlig gleich aussehen. Ich kritisiere es immer wieder gerne, aber in manchen Mangas kann ich die männlichen Hauptcharaktere nur anhand ihrer Haarfarbe oder der absolut übertriebenen Verkleidung auseinander halten. -.-

Bei Ousama Game gibt es mehr Variation. Frisuren (die aber alle noch normal sind), rundere Gesichtsformen, spitzere Gesichter, dickere Menschen, dünnere Menschen, ja, manche Leute haben sogar Nasen. Nasen! Da sind nicht immer nur zwei Punkte! *hyperventilier* Und die Gesichtsausdrücke sind teils angenehm realistisch. Natürlich gibt es die typischen übertriebenen Comic-Gesichtsausdrücke, aber eben auch andere. Gerade in den Szenen, wo die Charaktere um ihr Leben fürchten oder sich durch den Druck ihre schlechtesten Charaktereigenschaften zeigen, sind die Gesichtsausdrücke manchmal sehr unschön, geben der Szene dadurch aber umso mehr Tiefe. Mein Lob also an den Zeichner (die Zeichnerin?) Hitori Renda. Aber seht selbst:

Ausschnitt aus "Ousama Game" Band 2; Auf den zwei Seiten seht ihr eine schöne Auswahl an Gesichtsausdrücken, wie ich finde. :)

Ausschnitt aus „Ousama Game“ Band 2; Auf den zwei Seiten seht ihr eine schöne Auswahl an gequälten und Aggro-Gesichtsausdrücken, wie ich finde. :)

Lange Rede, kurzer Sinn

Bis zum zweiten Band bot „Ousama Game“ also für mich kurzweilige Spannung mit perfiden moralischen Zwickmühlen und Leuten, die ihre schlechtesten Eigenschaften zeigen, hatte also wirklich Potenzial, dieses wurde nur leider leider überhaupt nicht ausgeschöpft. Ich werde in Zukunft deswegen (natürlich nur bei abgeschlossenen Mangareihen) lieber etwas abwarten, bevor ich reviewe. Auch wenn ich bisher oft schon beim ersten Band einschätzen konnte, ob eine Reihe Potenzial hat, sind eben nicht alle Geschichten durchdacht bzw. nicht allen Zeichnern fällt während des Zeichnens eine schlüssige Gesamtstory in den Schoß. ;)

Ich hoffe ich habe jetzt selbst keine Logikfehler hier im Text, aber das ist ein Bastelwerk aus meinen Notizen zum Review des zweiten Bandes und meinem schlechtgelaunten Mitteilungsbedürfnis. Hoffentlich hat es euch trotzdem Spaß gemacht, das hier zu lesen. ^^

Einen schönen Sonntagabend wünscht euch
eure 0utofjoint =)

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11 Kommentare

    1. … ich war doch noch gar nicht fertig. *seufz*. was ich noch sagen wollte: das darf man nicht aus den Augen lassen. Die Situationen in denen die Personen gut aufpassen mussten und rumrätseln mussten, war auch echt gut. Ich erinnere mich da mal nur an Band 5 und den Aspekt „jemanden nennen“. Aber dann gibt es wieder diese Szenen wie die mit den Flammen … oh je. XD Da sind wir dem Manga irgendwie auf den Leim gegangen, was? ^^“
      Danke für die Verlinkung!

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        1. Hahaha, ja kein Ding, ich sende auch gern zu schnell ab ^^
          Jepp, also der menschliche „OMG, was tun wir jetzt bloß?!?“-Part war echt gut, nur die Hintergrundstory eben nich.. vielleicht sollte man noch ne dritte Person mit ins Manga-Boot holen, die sich schlüssige Stories ausdenken kann? ;)
          Und bitte gerne, du warst ja die Erste mit dem kompletten und guten Review :)

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