Hamburg oder: Wofür ich bis jetzt noch keine Zeit hatte.

Hamburg ist auf jeden Fall spannend – auch wenn ich dank des Kurses noch nicht allzu viel davon gesehen habe. :D Dafür gibt es mehrerere Gründe, die ich euch dann gleich mal erläutern kann – zum Beispiel warum ich hier permanent das Gefühl habe zu verdursten, meine Beinmuskeln trainiere, die Öffis hasse, pleite bin und was ich an neuen kulinarischen Genüssen entdecken durfte. ^^

Zunächst mal zum Kern vieler Probleme: Wo wohne ich denn? Ich hatte das Glück ein Zimmer in der Akademie zu bekommen, wo auch meine Kurse sind. An sich wirklich praktisch und cool, da ich hier eine kleine Küche habe und sogar ein Radio! ^-^ Denkt euch dazu bitte den Klassiker „It’s raining meeeeeeeeeeeeen“ im Hintergrund  düdelnd dazu. :D Alles in allem also kein schlechter Deal. Fünf Minuten bis zum Kurs, selber kochen, passt.

Wenn es da nicht ein „aaaaaaaber“ gäbe. Und zwar die Lage. Denn die Akademie liegt direkt am Bahnhof Dammtor, was total toll für die Anreise ist, aber ein echt besch…ungünstiger Stadtteil, wenn man IRGENDWAS einkaufen möchte. Denn ohne Öffis brauche ich zum nächsten Rewe über 20 min zu Fuß und zum nächsten Edeka oder Netto sind es sogar 30 min. Und wenn es – wie diese Woche – fast immer um die 30 °C sind und das Zimmer im vierten Stock unterm Dach liegt, dann möchte man doch eigentlich ab und an etwas trinken, oder? Leitungswasser scheidet dabei leider für mich persönlich aus, da das bisher aus meinem Wasserhahn in der Küche nur lauwarm bis kochend heiß kam und ich ungern warmes, abgestandenes Wasser trinke. :/

Die öffentlichen Verkehrsalpträume

Also dachte ich mir am Anfang „Gut, musste eben fahren“ und begab mich blauäugig und naiv mit der Vorstellung, dass das ja sicher einfach sein würde auf die Reise. Zunächst wuselte ich zum Dammtor-Bahnhof. Dort studierte ich die Fahrpläne und fand heraus, dass das Rathaus (wo der Rewe ist) keine 5 Stationen weit weg ist. Dann fand ich heraus, dass man für diese Stationen ein Kurzstreckenticket erwerben kann. Da ich an der Bushaltestelle keinen Ticketautomaten gesehen hatte, kaufte ich kurzentschlossen eins am HVV-Automaten (steht glaube ich für „Hamburger-Verkehrs-Verwirrung“) und trabte mit dem Ticket in der Hand zu einem der Busse, die in die richtige Richtung fuhren.

Der Busfahrer zog kritisch eine Augenbraue hoch, als ich ihm das Ticket entgegenhielt und schob mich mit den Worten „Das Ticket gilt im Schnellbus nicht!“ kurzerhand rückwärts aus dem Bus. Wäre gut gewesen, wenn er mir erklärt hätte, was zum Henker denn ein Schnellbus überhaupt ist und wo ich die langsamen Busse finde. Konnte er aber nicht, da er einem Rollstuhlfahrer die Rampe aufbauen musste, damit der aus dem Bus kommt. Is ja auch nett. Aber verwirrten Touristinnen dann über die Schulter ein „Wo wolln se denn hin?“ zuzurufen, ermutigt die nicht gerade, weitere Angebote der Öffentlichen in Betracht zu ziehen. :D „R…rat..haus..?“ brachte ich zwar noch hervor, rechnete aber schon damit, dass er mir nun sagen würde, „Rathaus? Haben wir keins!“ oder so. Gottseidank wedelte er nur Richtung Anzeigetafel und meinte „Ja, da müssen se die 4 oder 5 nehmen.“ Puh. Ich hatte den richtigen Bus gefun- „-die fahrn aber alle ne Umleitung im Moment und halten nich am Rathaus.“ Mit diesen Worten schloss er die Tür und fuhr weiter.

Bahnsteigkarten? Wtf Hamburg und München?

Die kleine 0utofjoint blieb also völlig verstört am Busbahnhof zurück und stieg den Tränchen nahe in den nächsten Nicht-Schnellbus. Der nahm mich denn auch mit, es kam allerdings bereits nach 2 Minuten eine Durchsage, dass unter anderem die folgenden Haltestellen nicht angefahren würden: Jungfernstieg, Rathaus … Panisch, wie ich zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon war, stieg ich also schon zwei Haltestellen weiter am Gänsemarkt aus und stand dort, ohne jegliche Orientierung. Okay, die hab ich eh nie. Aber da hatte ich halt eben noch weniger als sonst. Nachdem ich mich dann in die U-Bahn nebenan hatte fallen lassen und vollkommen irritiert war, dass man hier (um Obdachlose von den Bahnsteigen fernzuhalten??) sogar zum durch-die-Station-Durchgehen ein Ticket brauchte, dachte ich mir, dass ich nun mal alle Fragen beseitigen sollte und sprang an meiner Zielhaltestelle in den nächsten Ticketshop. Vielleicht würde sich ja auch ein Monatsticket lohnen? Bevor ich für jedes Unterqueren einer Straße 50 Cent blechen musste …

Not my problem

Joa, die Dame am Schalter teilte mir denn auch mit, dass ich ein Passfoto für ein Monatsticket bräuchte. An sich wie in Stuttgart, wo man auch einen extra Ausweis für die „Zeitkarten“ braucht. Nur, dass hier bereits ein Automat nebendran stand, an dem man für nen Euro ein Billigfoto von sich machen lassen konnte. Zunächst wollte ich aber mal wissen, wieviel denn so ein Monatsticket kostet und welches ich überhaupt brauche. Ich sagte einfach mal „fürs Stadtgebiet“ und rechnete jetzt damit, dass mir die Dame etwas von „Zonen A+B“ (wie in Berlin) oder „Zone 10/20“ (wie in Stuttgart) oder „Bereich 1 – Stadtgebiet“ (Bielefeld) erzählen würde. Etwas logisches halt. Aber nein. Das wäre ja viel zu einfach.

Sie sagte: „Ja, dann brauchen sie ein Zehzehticket.“ Ich dachte ich hätte sie nicht richtig verstanden oder sie hätte gedacht, dass ich schon weiß, was das bedeutet, darum fragte ich noch einmal nach: „Äh, was für ein Ticket bitte?“
„Ein Zehzehticket.“
„Und was ist das?“
„Das was sie brauchen. Wolln sie jetzt eins?“
„Ich … les mir noch mal eben die Broschüre hier durch, ja?“
„‚türlich.“

Also nachdem ich 5 min hektisch mit der „Fahrkarten und Preise“-Broschüre rumgeraschelt hatte, fand ich dann auch das olle Ticket. Neben der allgemeinen Karte, der Senioren-Karte und der Azubi-/Studentenkarte gibt es nämlich noch das „CC-Ticket“. Leider wird nirgendwo erklärt, wofür diese Abkürzung steht. Ist es so unverständlich, wenn ich bei Zonen, die „A, B, C, D, E“ heißen, nicht raffe, was dann „CC“ dort zu suchen hat? Heißt das „City + C“ oder so?? Und für welche Zonen gilt es?!

Antwort: Es gilt für eine Zone außerhalb des Großbereichs „A+B“ oder zwei Zonen oder 3 oder 4 bzw. den Großbereich oder … ihr erkennt mein Problem mit diesem erklärungsbedürftigen Erklärtext? -.- Ach ja, außerdem gilt das Ticket nur von 9-16 Uhr und von 18-6 Uhr, also nicht zu Stoßzeiten. Warum die Dame mir das nicht mitgeteilt hat, weiß ich auch nicht, sie hat es mir aber auf Nachfrage bestätigt. Vielleicht ging sie einfach davon aus, dass ich das Kleingedruckte selbstverständlich auch lesen würde oder dass ich überfordertes Ding eh keinen Job habe und deswegen nur zu den Flautezeiten fahre oder sie dachte sich einfach:


See more on Know Your Meme

Ich hätte jedenfalls 57,60 € für nen Monat berappen müssen (CC-Ticket für 4 Zonen) und bin zu dem Schluss gekommen, dass sich das kaum lohnt. Zumal die werte offizielle Ticketberaterin auf mein verzweifeltes und als Hilferuf gemeintes „Warum ist das denn in Hamburg so kompliziert?“ zunächst einfach nur alle ihre Gesichtszüge auf „möglichst ausdruckslos“ stellte und schwieg. Während ich dann rausging empörte sie sich aber deutlich hörbar: „Pff, kompliziert! Als ob das kompliziert wäre!“. Und auch wenn ich vielleicht nich den Durchblick hab, was die Hamburger Verkehrsbetriebe angeht: Kann man mir vielleicht trotzdem das Gefühl geben, nicht völlig unterbelichtet zu sein? Herzlichen Dank. Da sie aber genau das Gegenteil tat, fühle ich als zickige Touristin mich jetzt persönlich angegriffen und kaufe so wenige Tickets wie möglich bei denen. :P

Naja. Zurück bin ich dann gelaufen. Ist schließlich auch gesünder und preiswerter. :D Damit das jetzt kein einzelner, ultralanger Text wird, schreibe ich jetzt einfach mehrere Artikel und werde die im Lauf der Woche online stellen. Außerdem habe ich schon wieder bei Mangas zugeschlagen und werde da auch noch ein paar Reviews folgen lassen. :)

Entspanntes bahnfahren, laufen und (schnell)busfahren wünscht euch
eure 0utofjoint ;)

Advertisements

8 Kommentare

  1. Ach … fühl dich da nicht dumm, mir erging es in Köln und Magdeburg ähnlich. Wobei ich so den Eindruck habe, dass es da weitaus einfacher als. CC-Ticket und lustige Sachen … naja, da in Köln und in Magdeburg und wo ich bisher war, bleiben sie bei sprechenden Namen und naheliegenden Bezeichnungen.
    Was ich schon mal wieder krasser finde, sind die Leute, die sich so gar nicht in andere Menschen hineinversetzen können und nicht raffen, dass das nicht für jeden offensichtlich sein muss. Sie sehen das den ganzen Tag und wohnten vllt. schon vorher in der Stadt und kenne alle Zonen und Tickets, da ist das kein Wunder, dass sie das einfach finden. Vieles an der schlechten Laune der Leute kann man vielleicht auch auf eine eintönige Arbeit schieben …

    Gefällt mir

    1. Hm, ich hatte vor allem häufiger auch nettere Menschen, die mir das dann erklärt haben. Entweder hat sie mein „Das is so kompliziert! ;_;“ als unhöfliche Kritik an Hamburg aufgefasst oder sie hatte, wie du sagst einen schlechten Tag/öden Job, was sie dann aber auch nicht unbedingt an potenziellen Kunden auslassen sollte. ;)
      Und JA! Du sagst es! Es treibt mich in den Wahnsinn, wenn Leute gar nicht auf die Idee kommen, dass irgendwas für andere Menschen anders sein könnte. Da werde ich innerlich zum Hulk! :D

      Gefällt mir

Mitreden :)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s