Hamburg Teil 3: Der Volo-Kurs

Die letzten Tage waren echt spannend und ich dachte mir, ich erzähl euch mal, was wir im Volontärskurs bisher so gemacht haben. :) Gelogen, eigentlich fasele ich fast nur über Nervosität, Interviews und darüber den Text vergessen zu haben. Aber falls euch das interessiert: weiterlesen! ;)

Meistens sitzen wir während der Kurse wie in einem Seminar an der Uni in einem Raum und lassen uns von einem „Prof“ aka Dozenten beschallen. Allerdings kann man währenddessen wesentlich schlechter als das gerüchteweise an Unis vorkommen soll Karikaturen des Vortragenden in den Block des Sitznachbarn kritzeln oder Bullshit-Bingo mit den Monologen besonders repetitiver Vortragender spielen. Was einerseits daran liegt, dass wir ja dieses Mal wirklich da sind, um was zu lernen (dummer Witz des Tages) und andererseits die Vorträge oft auch wirklich interessant sind. Außerdem sind es ja nur ein paar Wochen und nicht mehrere Semester Gelaber, die man über sich ergehen lässt. ;)

Gummivampire for the Wi…interview!

Aber Spaß beiseite, die meisten Kurse waren bisher richtig gut. Ihr erinnert euch vielleicht noch daran: Es geht um Journalismus. Da die Dozenten richtig praxisbezogene Sachen erklären und in den meisten Fällen mitten im Berufsleben stehen, sind die Vorträge oft anschaulich und interessant. In den letzten zwei Tagen war zum Beispiel das Thema „Interviews“ dran und die Dozentin hat uns erst einmal Mut gemacht und erklärt, dass auch Volontäre manchmal das Interview bekommen, dass niemand sonst bekommt – einfach weil sie Glück, Charme oder Haribo Gummivampire haben. Jepp. Mit kleinen Gesten bekommt man anscheinend manchmal auch die großen Stars vors Mikro oder die Kamera. :D

Der zweite Interview-Tag war allerdings ganz anders anstrengend als die davor, denn wir saßen nicht einfach von 9 – 18 Uhr auf unseren Hintern, haben zugehört und zwischendrin Übungs-Nachrichten oder ähnliches geschrieben. Nein, wir wurden in Teams eingeteilt und durften nacheinander eine von vier Personen zu verschiedenen Themen interviewen. Das lief folgendermaßen ab. Es gab fünf sehr interessante Leute, die unterschiedlicher kaum sein könnten, über die wir aber nur ganz knappe Informationen bekamen, nämlich Name, Alter und drei Stichworte. Dann durften wir entscheiden, ob wir zum Beispiel lieber Johann (56), den freischaffenden Autor und Bekannten einer kürzlich verstorbenen Berühmtheit, oder Brunhilde (32), die alleinerziehende Firmenchefin interviewen wollten – und wer von uns mit Johann über welches Thema reden möchte.

Kamerascheu o.o

Ich habe natürlich den Interviewpartner gewählt, der das lockerste Thema hatte, erst Mitte 20 war und von der Beschreibung her so klang, als würde er einem bei Nervosität nicht gleich das Wasserglas an die Birne knallen. Ich bin ja eher so der softe Thementyp. In meiner Gruppe brainstormten also alle herum und wir hatten am Ende um die 40 Fragen zusammengestellt und in Themenkomplexe eingeteilt. So hat jeder von uns vier ein eigenes Themachen bekommen, über das wir den guten Interviewten löchern durften. Dann besprachen wir das Thema mit der Dozentin, die uns sagte „Mensch, frag doch einfach noch das und das, fänd ich viel spannender!“ und generelle Tipps gab. Ungefähr fünf Minuten lang durften wir uns dann auch noch zum rantasten mit unserem Interviewpartner unterhalten und kurz nachhorchen, ob wir mit unseren Themen vielleicht doch vollkommen daneben lagen und in letzter Sekunde unser Konzept umschmeißen müssten.

All die Vorbereitung änderte natürlich nichts an dem Punkt, der bei fast jedem von uns für unglaubliche Nervosität sorgte: Wir sollten das verdammte Interview vor einer Fernsehkamera führen. So eine richtig echte, die aufnimmt! Uns – also mich! Argh! Der Sinn der Sache wird recht schnell klar, denn normalerweise sieht sich schließlich niemand beim Interviews führen. Und wenn man sich das später zusammen mit dem gesamten Kurs (;____;) anschaut, dann erkennt man viel schneller (und alle anderen auch ;_;), welche Fehler man macht oder ob man schlechte Angewohnheiten beim Reden hat. Also voll sinnvoll und total gute Sache, aber es hat wirklich für Nervosität unter allen Interview- bzw. Fernseh-Newbies gesorgt. ^^“

Dat Intaview!

Als wir schließlich an der Reihe waren, war ich die erste unserer Gruppe. Die anderen wurden in den Flur vor dem Aufnahmeraum gepfercht und dann ging es los. Die Atmosphäre war recht entspannt, was ich nicht erwartet hätte. Aber es waren ja auch nur mein Interviewpartner und ich, 10,000 Watt Beleuchtung, die Kursleiterin, der Kameramann, zwei Profimikrofone und eine drei Tonnen schwere Fernsehkamera da – war also easy peasy vor Ort eine Kuschelatmosphäre zu schaffen. ;)

Ich fand das Gespräch gut, was aber wirklich hauptsächlich daran lag, dass mein Interviewpartner sehr sympathisch und gechillt war. Hätte ich einen der anderen gewählt und wohlmöglich eine unstoppable Labertasche vor mir gehabt oder jemanden, der unfreundlich oder zickig ist (was glücklicherweise keiner unserer Gäste war), dann weiß ich nicht, wie ich damit umgegangen wäre. So weiß ich, dass mich die Kamera etwas verunsichert hat und ich mich nicht getraut habe, sonderlich viel nachzufragen oder einfach auf meine übliche Art und Weise völlig flapsig oder spontan zu reagieren. Ich dachte mir irgendwie, dass ich vielleicht nicht vor allen anderen „Echt jetzt, du zeichnest selbst? Voll krass ey! Was denn so?“ rausposaunen wollte. Aber die Hemmungen hab ich dann vielleicht ohne Kamera nicht. Hoffe ich. :D Immerhin wurde mir gesagt, dass ich sympathisch rüberkomme und ich habe wohl den Stempel „Interview-geeignet“ aufgedrückt bekommen. Finde ich toll! Aber ich glaube immer noch, dass es mit einem der anderen Gäste wesentlich schwieriger gewesen wäre den Stempel zu bekommen. ;)

Die Besprechung im Kurs war echt lang, aber ich glaube sie hat fast allen etwas gebracht. Die meisten haben ebenso wie ich gemerkt, dass sie mehr Nachfragen stellen müssen oder sich nicht so sehr an ihrem Fragenzettel festklammern müssen (im wörtlichen, wie übertragenen Sinne^^), da sich oft aus spontanen Aussagen der Interviewpartner die coolsten Anekdoten entlocken lassen. Vieles liegt aber auch einfach daran, dass wir alle nervös waren oder einfach recht wenig Erfahrung im Interviews führen haben. :)

Der schlimmste Fall – gar nicht so schlimm

Ein ganz wichtiger Punkt zum Schluss: Was tun, wenn ihr vom Interviewpartner so aus dem Konzept gebracht werdet, dass ihr eure Fragen vergesst? Der Alptraum aller zukünftigen Interviewführenden ist eigentlich oft gar nicht so dramatisch, wenn man richtig reagiert. Bei einem Live-Interview ist die Situation natürlich etwas peinlich, aber in den meisten Fällen kann man einfach zugeben, wenn man gerade einen Blackout hat. Ist auf jeden Fall besser als wie ein Kaninchen im Scheinwerferlicht zu erstarren und immer panischer zu werden. Das verwirrt ja schließlich auch eure Interviewpartner. ;) Die meisten Interviewten werden einem verzeihen!

So geschehen während eines Interviews, das eine meiner Mitvolontärinnen führte. Ihr Gegenüber hat ihr (zwar unbeabsichtigt, aber trotzdem sehr abrupt) die ersten beiden Fragen des Interviews zerhauen und sie so kurzzeitig völlig aus dem Konzept gebracht. Aber besagte Volontärin hat einfach zugegeben, dass sie den Faden verloren hat und gerade nicht weiß, was sie fragen soll und so die Situation entschärft. Denn die Aussage „Ahhh, nein, jetzt hab ich den Faden verloren!“ war eher lustig als dramatisch und sorgte dafür, dass die beiden wieder einen Gesprächsanfang finden konnten. :) Schweigen ist da denke ich viel schlimmer, denn euer Interviewpartner kann ja nicht in euren Kopf gucken und wird bestimmt ebenfalls nervös, wenn ihr ihn einfach panisch anstarrt, ohne etwas zu sagen. Am Ende muss vielleicht sogar Werbung eingeblendet werden und das will doch niemand! :P

So, das waren meine prägendsten Erlebnisse aus dem Interview-Teil des Volontärskurses, die ich mal mit euch teilen wollte. So ein Seminar lohnt sich auf jeden Fall. Bevor ihr es sagt, sage ich es: Ja, es mag niemand Filmaufnahmen von sich selbst angucken, ja, man sieht immer schei..schlechter aus, als man in Wirklichkeit aussieht und ja, ihr klingt in Wirklichkeit viel tollerer – aber wenn ihr mal die Gelegenheit habt, euch selbst bei so einer Situation (z.B. einem Bewerbungsgespräch) filmen zu lassen, dann nehmt die Möglichkeit trotzdem wahr! :) Ihr müsst das Video ja nicht gleich bei Youtube hochladen und ihr werdet garantiert etwas dabei lernen.

Ein wunderschönes, unnervöses Wochenende wünscht euch
eure 0utofjoint! =)

PS: Die Interviewpartner habe ich mit Absicht nicht näher beschrieben (bzw. mir die Beschreibungen ausgedacht^^). Die haben ja auch eine Privatsphäre und ein Recht darauf nicht randomly in Blogs erwähnt zu werden, von denen sie noch nie gehört haben. Gerade wenn sie schon so nett sind und sich freiwillig den halben Tag von uns ausquetschen lassen. :)

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9 Kommentare

  1. Das klingt extrem spannend – ich wünschte mir echt, dass ich ein ähnlich sinnvolles Seminar erlebt hätte, das mich auf das Berufsleben vorbereitet. Gerade in den letzten Wochen musste ich feststellen, dass mich die Uni sogar noch viel schlechter auf den Ernst des Lebens vorbereitet hat, als ich bisher dachte.

    Und was das mit dem Video angeht: ich kenne das Gefühl XD Habe mal an so einem Seminar teilgenommen, dessen Zweck es war sicher in Vorstellungsgesprächen zu reagieren, zu lernen wie man verhandelt, ab wann verhandeln peinlich ist, übliche Fragen in Gesprächen etc. – und da haben wir auch ein Gespräch vor der Kamera geführt und hinterher angeschaut. Schlimm. Youtuber müsste man sein, dachte ich mir da. Die haben Erfahrungen und wissen nach ner Weile wann man vor der Kamera scheiße aussieht.

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    1. Das hat die Uni oft an sich, so wies scheint. In welchem Gebiet arbeitest du denn? (Also falls du sowas online sagen magst.) Ich hab mir nur Informatik-irgendwas gemerkt und da weiß ich grad nich wo ich so nen Kurs einbauen würde ^^

      Oh Gott wie grässlich, da war mein Interview ja pille palle dagegen! :D Hats dir denn was gebracht? :)
      Und Youtuber könntest du doch immer noch werden! ;)

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      1. Ja … Informatik halt. Softwareentwickler. Naja, es wäre zum Beispiel eine Hilfe gewesen, wenn man mit uns mal richtige Softwareentwicklungsdurchläufe erprobt hätte. Hamse nich.

        Naja .. das würde ich nicht sagen. Das war bestimmt gleich schrecklich. ;) Bei mir gab es keine Beleuchtung und keine Riesen-Kamera. Das war bestimmt weniger einschüchternd als bei dir ;)

        Ich glaube zum Youtuber bin ich nicht geboren. Außerdem ist das doch die Volks-Flaming-Plattform. Nee nee. Das kann ich nicht gebrauchen.

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        1. Oh, da war ja noch ein Kommentar! :o Die doofe App hat mir den gar nich angezeigt gestern… daher die falsche Reihenfolge meiner Antworten :)

          Also ihr lernt ebenso wenig wie manche Biologen, wie dann im Endeffekt der Arbeitsalltag aussieht. Das heißt man darf nach dem Studium nochmal bei null anfangen, was die Arbeitsabläufe angeht, toll toll. Nicht. -.-

          Das stimmt. Aber die Situation im Vorstellungsgespräch gegrillt zu werden stell ich mir fieser vor als mit nem sympathischen Menschen „und? Was machst du so beruflich?“ durchzuinterviewen. Ich würde sagen wir sind gleichauf! ;)

          Schade schade ^^ aber ich trau mich ja auch nich :D

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          1. Ja so kann man das fast sagen. Programmieren können wir natürlich, aber nicht auf dem industriereifen Stand. Mir fallen sofort so viele Techniken und Tools ein, bei denen ich denke: warum haben wir das nicht kennen gelernt? Warum haben sie nicht etwas mehr durchgezogen? Stattdessen haben wir tonnenweise Mathematik gehabt. Und ich sehe das noch nicht, dass ich viel davon in der Industrie brauche.

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            1. Echt ärgerlich sowas! Und da kommt ja immer das Argument, dass Mathe zu den Grundlagen gehört, fürs Verständnis und so. Aber ich denke, wenn man von Mathe als“Aussiebefächer“ absieht sind beim Rest vielleicht einfach viele Profs zu weit entfernt von der Industrie und wissen gar nich (mehr), wie da so die Schwerpunkte sind. Es sei denn ihr hattet viele, die nebenher noch in Firmen gearbeitet haben. Dann wollten die euch wohl einfach ärgen oder waren bei sehr seltsamen Firmen für die arithmetische Buchhaltung zustandig oder so …

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      2. Achso … obs mir was gebracht hat – ja, hat es. Wir haben richtige Techniken besprochen, wie man sich aus unangenehmen Situationen herauswinden kann und davon habe ich mehrmals Gebrauch gemacht. Vor Allem wie man aus Fragen im Vorstellungsgespräch die einen schlecht dastehen lassen und Schwächen aufdecken noch was Gutes machen kann. War echt gut.

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