Comic-Laden hautnah

Ich war ja nu in Hamburg und hatte mir fest vorgenommen mindestens einen Comicladen zu besuchen und ich habe es tatsächlich nur in einen geschafft, weil der Kurs einfach viel zu stressig war. Glücklicherweise durften wir einen Text über ein von uns gewähltes Thema schreiben. Und worüber schreibt so eine 0utofjoint in diesem Fall, wenn man sie das Thema selbst aussuchen lässt? Richtig, über den Comic-Laden. :D

Ich bin also auf der Suche nach einem gut porträtierbaren Laden oder Ladenbesitzer über den Hamburger Comic-Laden Kappler & Tittel OHG aka. „Comix“ am Mundsburger Damm gestolpert. Meine Erlebnisse in wunderbar kritisierbarer Textform will ich euch natürlich nicht vorenthalten. ;)

Eine eigene Welt

Hamburg, eine vierspurige Straße zur Mittagszeit. Niemand würde diese Gegend als Flaniermeile bezeichnen, doch genau hier will ich hin. Schnell betrete ich den Laden. Inmitten von Comicheften, Büchern, DVDs und Sammelfiguren ersetzt leiser Classic Rock den Straßenlärm in meinen Ohren. Eine junge Frau steht an der Ladentheke zwischen Vitrinen mit Sammelkarten und Regalen voller Comics. Vor ihr hängen Schlüsselanhänger; niedliche Anime-Kätzchen mit riesigen Augen neben Kenny von Southpark. Vom Boden bis zur Decke reichen die Regale, auf Tischen in der Mitte liegen die neuesten Ausgaben und sogar die Decke wurde, ganz nach IKEA-Manier, als Stauraum genutzt. Dort hängen in Plastikboxen verpackte Actionfiguren von Batman und Jedi-Rittern. Sheldon Cooper hätte seine helle Freude und ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll.

Nachdem ich die Reizüberflutung überwunden und es zur Kasse geschafft habe, beruhigt mich Comicverkäuferin Simone. Sie kommt ursprünglich aus dem von ihr selbst als „Comic-Wüste“ bezeichneten Dithmarschen und erzählt, dass sie bei ihrem ersten Besuch hier ähnlich überwältigt war. Mittlerweile arbeitet sie bereits seit 14 Jahren hier und schmeißt zusammen mit zwei weiteren Kollegen den Laden. Einer ist im Urlaub und der andere sitzt im Hinterzimmer und gibt die Nachbestellungen auf. Es müssen schließlich immer neue Comics reinkommen. Ohnehin müssen Comicverkäufer vieles organisieren: Bestellungen aufgeben, die Kataloge nach Neuerscheinungen durchforsten, Pakete annehmen und aufgeben, Kunden-Abos von US-Comics verwalten, die dann in den Laden oder zu den Kunden nach Hause geliefert werden.

Neben der Buchhaltung kann Simone aber auch ihre kreative Seite ausleben. Angefangen hat sie hier nämlich, um sich ihr Studium zur Illustrationsdesignerin zu finanzieren. Die Comics haben es ihr aber so sehr angetan, dass sie doch im Laden blieb. Jetzt profitieren Flyer und die Homepage des Comicladens von ihren Illustrationen.

Abgesehen von ihrem Dr. Who-Shirt entspricht Simone so gar nicht dem Klischee des unattraktiven, sozialphobischen Comicbuchverkäufers, das die Simpsons oder Big Bang Theory vermitteln. Ob denn viele überrascht seien, dass sie hier arbeitet, frage ich Simone. Sie bejaht: „Viele denken, dass Frauen gar nichts mit Comics anfangen können, aber das stimmt nicht.“ Spätestens seit den ersten Comicverfilmungen finden auch Frauen ihren Weg in die Comicläden und greifen nach Batman– oder Spiderman-Heften. Überhaupt entsprechen nur wenige Kunden den Klischees. „Wir haben auch Physiker unter unseren Kunden – und keiner ist wie Sheldon!“, merkt Simone grinsend an, bevor sie bei einem jungen Pärchen abkassiert. Er kauft Superhelden-Comics, sie eine Manga-Box. Gleichzeitig klammert sich eine Mutter am einzigen Nicht-Comic-Buch im Laden nahezu fest (ein Roman aus der TV-Serie Castle der aus Versehen bestellt wurde). Ihr ungefähr 17-jähriger Sohn unterzieht währenddessen den ganzen Laden einer Schnellanalyse und greift schließlich auch zu ein paar Panini-Heftchen.

Es gibt aber auch ernsthafte Sammler unter den Kunden. Die kommen alle paar Monate mit einer mehrseitigen Liste vorbei, stellen viele Nachfragen – und zahlen den schwankenden Comicstapel am Ende mit einem Fünfhunderter. Das Hobby kann also auch sehr teuer sein. Viel verdienen kann man als Comicbuchverkäufer trotzdem nicht, erklärt Simone, nachdem sie dem Herrn seine 250 € Wechselgeld ausgezahlt und die Comics in zwei Tüten verstaut hat. Es ist und bleibt ein Beruf aus Leidenschaft.

Auch drei Bauarbeiter*, in leuchtend-orangefarbenen Jacken und Hosen, nutzen ihre Mittagspause, um ein paar Comics zu kaufen. „Du, ich hab früher als Kind immer Spirou und Fantasio gelesen, haben die das hier auch?“, fragt einer von ihnen seinen älteren Kollegen, der durch diverse Hardcover-Ausgaben blättert. „Oh, da mussu die Simone fragen“, antwortet dieser mit leichtem Hamburger Akzent. Ein Stammkunde also, der weiß, dass Simone das richtige Regal auch im Schlaf findet. „Ja, die meisten unserer Kunden sind Stammkunden, wir bekommen eigentlich kaum Laufkundschaft“, bestätigt sie, als die drei wieder gegangen sind. „Dafür liegen wir einfach nicht in der richtigen Ecke.“ Da hat sie wohl Recht, denke ich mir, als ich später aus dem Laden trete und mir der Lärm der vorbeibretternden Autos entgegenschlägt. Ich blinzle in der Sonne und mache mich auf den Heimweg. Aber ich werde definitiv wieder in diese Ecke kommen.

*=Eigentlich waren es Mitarbeiter der Stadtreinigung in hübsch leuchtendem Orange, aber ich weiß leider nicht, wie man die gut benennt, sodass sich da noch jeder was drunter vorstellen kann. ^^

Flauschiger Mops ist flauschig. ^^

Flauschiger Laden-Mops ist flauschig. ^^

Für alle Hamburger heißt das: Der Laden ist nur zu empfehlen. Ich hab mich sehr nett mit Simone, Fabian und dem zeitweise rumhibbelnden Mops unterhalten und die Auswahl war echt groß. :) Wiederkommen werde ich wirklich, wenn ich das nächste Mal in Hamburg bin. Bei dem reinen Anime- und Mangashop „Sakura/Eldorado“ hatte ich übrigens auch angefragt, aber die wollten sich den Stress nicht geben, dass jemand ne Stunde vorbeikommt und nebenher ein paar Fragen stellt. Im Nachhinein bin ich aber sehr froh, dass ich bei Comix gelandet bin, weil es mir dort echt gut gefallen hat. ^-^

Einen schönen Sonntag und viele tolle Comicladenbesuche wünscht euch

eure 0utofjoint =)

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14 Kommentare

  1. Hey super! Für die nächste Hamburgfahrt vorgemerkt oder auch nicht weil ich sonst zu viel Geld ausgebe….Trotzdem guter Text ;)
    Zwei Dinge sind mir aufgefallen:
    „Ob denn viele überrascht seien, dass hier arbeitet, frage ich Simone.“ Ich war sehr überrascht, dass hier arbeitet und
    „da mussu die Simone fragen“, is das der HH-Akzent oder ein Tippfehler?
    Danke nochmal ;)

    Gefällt 1 Person

    1. Sehr gut! ;) Ist auch direkt an der Haltestelle „Mundsburg“. :)
      :D Das mit dem „mussu“ soll wirklich der Hamburger Dialekt sein, sorry fürs schlechte Nachahmen, aber er hat’s so gesagt! ^^
      Also was du mit dem überrascht sein meinst, versteh ich leider gerade nicht. Da war kein Akzent, aber vielleicht überles ich auch die ganze Zeit nur meine eigenen Tippfehler! :)

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      1. Ich nahm an, es soll heißen: „dass sie hier arbeitet“ oder sowas, möglicherweise habe ich das aber auch falsch interpretiert :D
        Ich schreibe das so, weil es meistens auffällt wenn man den gleichen fehler 2x hintereinander liest, da das hier anscheinen nicht der fall ist, ist es wohl auch kein fehler :D

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    1. Ach sooo! Mensch, bin ich heut schwer von Begriff! :D Da war aber auch immer ein Zeilenumbruch, der mich abgelenkt hat! *rausred* ;)
      Danke auf jeden Fall nochmal für deine Kommentare! Es freut mich immer, wenn jemandem meine Texte gefallen – und er sie sogar so gründlich liest, dass ihm Fehler auffallen! :) :) :)

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  2. :o ein Traumland!! Ich will da auch hin *Q*
    das nächste mal stopfst du mich bitte mit meinen 1,55 cm
    in einen deiner Koffer *^* dann bin ich auch hautnah dabei!!
    Meehh!

    :D lg

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    1. :D hahaha, das können wir gerne versuchen! Aber auf der Rückfahrt müssen dann die Comics in den Koffer :3 Ich hätte auch gern so einen Laden überall wo ich wohne. Allein mit gucken und „Oooohhh“ sagen kann man da Stunden verbringen. ^^
      Liebe Grüße zurück und danke fürs rebloggen! ^-^

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