Zeichen der Vegan Society auf Hokkaido Kürbis

Warum sind Veganer unbeliebt?

Ich muss jetzt doch mal einen Beitrag zum Thema „Warum mag denn eigentlich keiner die armen Veganer?“ verfassen, da ich in letzter Zeit so oft lustige (oder eher „lustige“) Posts dazu sehe, dass mich das im Moment nicht loslässt. Also da müsst ihr jetzt durch. :D

Veganer gelten gemeinhin als seltsame Spezies, die sich nur von Gras und Pfützendreck ernähren, im Supermarkt „GO VEGAN“-Aufkleber auf die Milchtüten kleben und bei keinem Gespräch unerwähnt lassen, dass sie ja Veganer sind, sich vegan ernähren und die vegane Ernährung überhaupt die ideale Lösung für alle Probleme dieser Welt sei. Diese Mischung aus Prediger und Hippie sorgt bei den meisten erst einmal für eine gehörige Portion Skepsis, denn niemand will sich einen halbstündigen Vortrag über Euterentzündungen bei Kühen anhören, weil er die harmlos klingende Frage „Möchtest du Milch in deinen Kaffee?“ gestellt hat.

Wir basteln uns einen Klischee-Veganer

Doch warum ist das so? Nun, nicht jeder Veganer ist so. Kann ich euch garantieren. In jeder Gruppe fallen immer die lautesten oder eben anstrengendsten Exemplare auf und so ist das auch bei den Veganern. Viele mümmeln einfach friedlich ihren Salat und fragen ganz lieb, ob es Sojamilch gibt und wenn nich, dann nich. Unser Klischeeveganer war aber auch nicht immer so. Basteln wir uns doch mal einen, damit ihr seht, wie es dazu kam, dass ihn keiner mehr für voll nahm.

Er oder sie wurde irgendwann mit dem Thema Veganismus konfrontiert und hat sich dann informiert. Vermutlich online. Und dort gibt es eben unzählige Foren, die sich mit naja, ALLEM beschäftigen. Auch mit Veganismus. Sagen wir, unser interessierter Besucher entscheidet, dass der Veganismus das Richtige für ihn ist und informiert sich weiter. Und hier kommt das Problem. Denn sucht man in den passenden Foren nach Informationen zum Thema wird oft ausschließlich das gepostet, was man als Anti-Tiere-essen-Propaganda bezeichnen könnte. Neben den generellen Vorteilen des Veganismus, die unserem Veganer nun eingeprügelt werden, findet man viel zu häufig auch vollkommenen Blödsinn, was die Gesundheit veganer Ernährung (*s.u.) angeht. Wer das nun nicht alles filtern kann und ständig damit konfrontiert wird, wie grausam/ungesund/klimaschädlich/ignorant/etc. es ist, nicht vegan zu leben, bei dem entsteht ganz schnell der Eindruck, dass Veganismus der Stein der Weisen und die einzig richtige Art zu leben ist. Die Omnivoren (aka Fleischesser), die davon ja gar nichts mitbekommen, während sie ihr Steak essen, werden dadurch irgendwann als Leute wahrgenommen, die ganz unverständlicherweise und entgegen jedweder Vernunft komische Sachen essen.

Redebedürfnis, er hat doch nur Reeedebedürfnis!

Hat sich unser Veganismus-Neuling also ausgiebig über das Thema informiert und mindestens 78 Schockier-Videos über Schlachtungen, Massentierhaltung, Tiermisshandlung oder Tierquälerei gesehen, quillt er natürlich über vor lauter Emotionen. Das ist eine Sache, die ihn beschäftigt. Er will das jemandem mitteilen, das ist grausam und hat ihn schockiert, er muss darüber reden! Er will sich austauschen! Doch weil wenige Menschen gerne über so unangenehme Themen reden, wenn man ihnen die einfach an den Kopf knallt und mit möglichst unschönen Bildern garniert, ist die erste Reaktion wahrscheinlich eher verhalten, wenn unser Veganer-Newbie sich mit jemandem austauschen möchte. Gerade weil das Klischee des Veganers sehr negativ besetzt ist, reagieren viele Leute recht unbegeistert auf so eine Ankündigung wie „Hey, ich bin jetzt Veganer!“. ^^

Negative Rückmeldungen als Verstärker

Gehen wir also davon aus, dass die Rückmeldungen eher negativ bis spöttisch ausfallen, weil die Umgebung unseres Veganers nicht so recht weiß, wie sie mit diesem Phänomen umgehen soll. Unser Veganer hat aber doch für sich die Entscheidung getroffen das zu machen und er hält das auch für richtig. Viele Menschen im Internet stimmen ihm zu. Andererseits muss er sich im realen Leben ständig mit der Frage „Warum?“ und dem Unverständnis seiner Mitmenschen herumschlagen. Und wie das so ist, wenn einem viele Menschen im Internet, aber nur wenige zuhause zustimmen: Man wird mitunter sozial unangepasst(er) und somit seltsam. Vergräbt sich in Foren, in denen immer hardcorerere Menschen immer straightedger sind.

Holier than Thou

Wenn dir tagtäglich wieder ins Gedächtnis gerufen wird, dass Tiere zu essen etwas schlechtes ist, du andererseits aber nur mit Unverständnis konfrontiert wirst, wenn du diese Botschaft weitertragen willst, dann macht dich dieser Zwiespalt vermutlich irgendwann aggressiv. Unser Veganer wird also, wenn er sich weiterhin unverstanden fühl und seine Ansichten woanders immer weiter ins Extreme gepusht werden, einen etwas aggressiveren Umgangston an den Tag legen. Außerdem hat er ja das Gefühl, dass er das Richtige tut und er sich deswegen nicht immer rechtfertigen müssen sollte, verdammt! Was wiederum dazu führt, dass die Heiligkeit des Veganismus dem Veganer imaginäre Flügel verleiht, die ihn über den Pöbel der Fleischesser und der scheinheiligen Vegetarier erheben. Selbst wenn das nur bei wenigen Veganern so extrem sein sollte (ich hab über die Veganfundamentalisten-Verteilung noch keine Studien gemacht, sorry^^), so kommt diese Haltung zumindest bei vielen so an. Oder wie sonst wäre der Urheber von „Scott Pilgrim“ auf die Idee mit der „Vegan Police“ gekommen? :P

Und deswegen, liebe Kinder, erzählt der klassische Klischee-Veganer während des Grillfestes seinem Sitznachbarn, wie grässlich sich doch das arme Rind gefühlt haben muss, das sein Gegenüber gerade mit der Gabel aufgespießt hat. Und wisse man überhaupt wie furchtbar groß die Wasserverschwendung sei, wenn man Fleisch esse und hier wäre ja noch ein informatives Splatter-Videos aus Massentierhaltungs-Betrieb soundso. Während sich der Sitznachbar vergeblich bemüht, dem Veganer nicht das tote Tier aufs Handydisplay zu spucken (das wäre ja unhöflich) und panisch nach einer Fluchtmöglichkeit sucht, meint das der Veganer also vielleicht gar nicht so ätzend, wie es meist rüberkommt.

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig näher bringen, wieso Veganer so sind wie sie sind – und dass die gerne herbeizitierten Klischees eigentlich nur die Extrembeispiele sind! Also bitte denkt nicht immer das Schlechteste! :D Und an alle Veganer da draußen: Behaltet euren Humor und seid auch lieb zu Menschen, die keine Lust darauf haben, sich ihr Essen schlechtreden zu lassen. Auch wenn ihr nicht versteht, warum sie Tiere und tierische Produkte als Essen definieren. Danke. :)

Das Prinzip, dass wir uns der Gruppe anpassen, bei der wir uns am meisten verstanden fühlen, lässt sich übrigens auf die meisten Lebensbereiche übertragen. Von enthusiastischen Hobbybastlern bis hin zu Sektenmitgliedern ist vermutlich alles dabei, es kommt halt nur darauf an, wie sehr sich diese Gruppe dann vom Rest der Welt abspaltet. Um es mal krass auszudrücken. :)

*Noch eine Anmerkung, die mir wichtig ist: Bei Fragen zur Gesundheit von veganer Ernährung bitte immer gerne draufloskommentieren und fragen, ich berate und erkläre gerne! Falls ich was nicht wissen sollte, recherchiere ich einfach. Ich hab so was ja gelernt. ;) Das wollte ich noch einmal anbieten, da wie erwähnt stellenweise viel Blödsinn im Internet kursiert, was z.B. Proteine oder Vitamin B12 angeht, auch wenn mittlerweile glaube ich einige große Seiten die wichtigsten Infos gut zusammengestellt haben. :)

Ich wünsche euch ein wunderschönes, harmonisches und predigten-freies Wochenende! ^-^
Eure 0utofjoint =)

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10 Kommentare

    1. Das antwortet eine Freundin von mir immer auf die Frage „Was kannst du denn dann noch essen?!“ und dazu gab es glaub ich sogar mal ne StudiVZ-Gruppe. Der Spruch ist also leider nicht auf meinem Mist gewachsen. Aber ich find ihn so schön :D

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  1. Warum zur Hölle habe ich den Artikel erst jetzt gelesen!? Ich schreibe ja gefühlt schon seit Weihnachten an meinem Eintrag zu meinem kulinarischen Jubiläum. Glaube ich werde darin nochmal auf deinen Artikel verweisen. Weil toll, ne.^^

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    1. Hehe, danke! :D Und man kann ja nich alles im Blick haben, ich übersehe garantiert auch immer Artikel, wenn mal wieder drölfzillionen neue Beiträge auf einmal in meinem Reader rumwuselten. o.o

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