Wer sind die Guten? – Tokyo Ghoul Band 3

Langersehnt und endlich gelesen: Tokyo Ghoul Band 3 ist vor Kurzem erschienen. Im Buchladen habe ich ihn panisch aus dem Regal gerissen, da von Band 3 bereits alle bis auf einen verkauft waren. Winterschlussverkauf-Feeling in der Manga-Abteilung quasi. ^^ Dem Manga habe ich wirklich entgegen gefiebert, da er im Moment meine absolute Lieblingsreihe von den neueren Mangas ist – und ich muss sagen, Sui Ishida hat mich nicht enttäuscht. :) Im letzten Band traten ja bereits die Ghul-Jäger auf (hier klicken, falls ihr das Review dazu noch nicht gelesen habt) und im dritten Teil geht es richtig zur Sache. Falls ihr jedoch erst noch den zweiten Teil (oder gar den ersten?! :O) lesen müsst, dann ACHTUNG, Spoileralarm! Ich verrate ein paar Geschehnisse aus dem zweiten Teil.

Tokyo Ghoul Band 3; Sui Ishida; Kazé Manga

Cover von Tokyo Ghoul Band 3; Sui Ishida; Kazé Manga

Der Anime zum Manga – Kurzer Streaming-Exkurs

Der Zeichenstil gefällt mir immer noch sehr gut. Dieses Mal gab es im Manga sogar ein besonderes Gimmick. Nein, kein Merchandise, sondern Werbung. Eine Postkarte, die für den Anime beim Streaming-Portal „Anime on Demand“ wirbt. An sich wäre das eher nervig, aber ich finde es echt sinnvoll, dass mal jemand für legale Streaming-Portale wirbt. Sonst wird das mit dem Anime in Deutschland doch nie was. :P Bei AoD gibt es eine ziemlich große Auswahl, unter anderem: BTOOOM!, Black Butler, Death Note, High School DxD, Ikki Tousen, Maid-sama, Vampire Knight und eben nun auch Tokyo Ghoul. Nur um mal welche von den bekannteren zu nennen, von denen ich selbst auch nicht alle kenne, aber den Namen schon öfters gehört habe. Leider werden die meisten Animes als deutsche Synchronfassung angeboten, was mir dann schon wieder nicht so sehr liegt. Aber Tokyo Ghoul kommt gerade erst raus, deswegen gibt es den noch als Original mit Untertiteln. Wenn ich irgendwann mal zuviel Zeit und Geld habe, werde ich wohl mal ein paar Streamingportale durchtesten. :) Also z.B. noch Peppermint Anime, die eine kleinere, aber durchaus nette Auswahl haben. Ich sage nur Akama ga Kill, Black Bullet und (zukünftig auch) Steins;Gate!

Die Postkarte. Da kommt auch schön zur Geltung, dass Ken damit wie ein absoluter Irrer aussieht. :D

Die Postkarte. Zeichentechnisch ist der Anime wohl relativ nahe am Manga, aber hier kommt auch schön zur Geltung, dass Ken mit Maske wie ein totaler Irrer aussieht. :D

Es gibt kein Schwarz und Weiß

Die junge Hinami ist traumatisiert, da sie nun nicht nur ihren Vater verloren hat, sondern auch ihre Mutter. Toka ist währenddessen kaum zu bremsen und vollkommen auf Rache aus. Sie überredet Ken ihr bei den „Ermittlungen“ zu helfen, um herauszufinden, wie viel die Ghul-Jäger über Hinami wissen und wie man an diejenigen herankommen könnte, die Hinamis Mutter getötet haben. Dabei begeben sie sich in ziemlich brenzlige Situationen und kommen den Ghul-Jägern für Kens Geschmack viel zu nahe.

Doch auch die Tauben – also die Ghul-Jäger – werden in diesem Band noch ein wenig mehr porträtiert. Einige von ihnen haben ihr Leben im Kampf gegen die Ghule verloren und man sieht, wie ihre Kollegen um sie trauern. Viele scheinen einerseits in ihrer Vergangenheit jemanden durch einen Ghul verloren zu haben und andererseits das CCG zu einer unfehlbaren Institution zu verherrlichen. CCG steht übrigens für „Commission of Counter Ghoul“ also „Anti-Ghul-Einheit“. Eine creepy Eigenart dieser Einheiten wird auch noch näher erläutert. Sie kämpfen mit sogenannten „Quinken“ (im japanischen wesentlich ansehnlicher „Kagune“ genannt“), das sind Ghulwaffen, die sie ermordeten Ghulen entnommen haben. Der Ermittler Mado, der ohnehin nicht so wirkt, als hätte er noch alle Tassen im Schrank, verfügt sogar über ein ganzes Sammelsurium an Waffen und ist stets darauf aus neue Exemplare zu bekommen. Er ist aber vermutlich ein Sonderfall unter den Ermittlern, was die Freude an der Jagd auf Ghule angeht.

Die Hintergründe und Geschichten bringen einem die verschiedenen Ermittler näher und sorgen dafür, dass man selbst, ebenso wie Ken, manchmal ins Zweifeln gerät. Wer sind denn nun die Guten? Diejenigen, die Ghule unterdrücken und töten, weil sie in ihnen allen Monster sehen und Menschen vor Kreaturen retten wollen, die sie als nicht lebensberechtigt ansehen? Oder diejenigen, die versuchen unter Menschen zu leben und mit der Unterdrückung zurecht zu kommen, von denen einige aber wirklich Mörder sind? Eine Frage, die man sich bei fast jedem Konflikt zwischen zwei Parteien stellen kann. Denn unter solch komplexen Voraussetzungen gibt es keine klare Antwort. Klar sind wir alle dafür, dass Ken gewinnt, weil er der sympathische Hauptcharakter ist, aber wahlloses Töten durch Ghule oder die Weltherrschaft der Ghule fänden wir sicher auch nicht so cool. Insgesamt spürt man ganz klar, wie sehr die Atmosphäre in Tokyo von Hass gegen die Ghule geprägt ist. Ken und dem Leser wird immer deutlicher, dass es für die Ghule keine Möglichkeit zu geben scheint, einfach nur friedlich und ohne Angst unter Menschen zu leben.

So pretty … not.

Am Ende des zweiten Bandes bittet Ken die kampferprobte Toka darum, dass sie ihm das kämpfen beibringt, damit er in Zukunft andere Leute beschützen kann. Das Gefühl der Machtlosigkeit während unschuldige Menschen (bzw. Ghule) gequält werden, ist ja gerne die Motivation für unsere Lieblingshelden, um stärker zu werden und am Ende den Bösen durch mehrere Hauswände zu schmettern. Hab ich prinzipiell nix dagegen. ^^ Im Laufe des Mangas kommt es zu mehreren Kämpfen zwischen Ghulen und Jägern. Dabei wird auch zum ersten Mal Kens neue Maske in Aktion gezeigt. Zur Erinnerung: Die Masken tragen Ghule, wenn sie sich mit Ermittlern herumschlagen, damit diese nicht so einfach ihre Alltagsidentität aufdecken können und Ken hat im letzten Band eine hübsch… äh, auch eine Maske angefertigt bekommen. In der kommt schön zur Gelt… ähm, sieht man besonders gut sein rotes Auge, wenn er wütend ist. ^^

Ken verfügt theoretisch über die „Superkräfte“ der Ghula, deren Organe ihm eingesetzt wurden, kann mit denen aber noch nicht so einhundertprozentig umgehen. Das liegt aber auch daran, dass Ken immer noch nicht begeistert von dem Gedanken ist, echtes Menschenfleisch zu essen und sich deswegen mit der Ersatzvariante des Cafés gerade so über Wasser und eben nicht bei Kräften hält. Noch. In Zukunft wird das vermutlich nicht mehr möglich sein, da er in Extremsituationen gerade durch seinen nie anständig gestillten Hunger völlig unkontrollierbar und somit gefährlich für alle Menschen werden kann.

Hast du eigentlich ne Wohnung, Ken?

Der einzige Kritikpunkt war für mich, dass Ken weder im zweiten Band noch in diesem mal so wirklich zuhause ist. Er ist entweder im Café und arbeitet dort oder unterhält sich mit Toka, dem Chef oder Hinami oder er ist unterwegs. Aber so gut wie nie ist er alleine und nicht gerade in Gefechte oder under cover Operationen verwickelt. Für mich war das ein wenig verwirrend, weil im zweiten Band zumindest noch kurz Kens Freund und Mitstudent Hide vorkommt, der nun ja quasi als Kens Verbindung zur Menschenwelt fungiert. Doch im dritten Band fehlt jede Spur von ihm. Dadurch weiß der Leser nicht, ob Ken gerade Semesterferien hat, noch krankgeschrieben ist (dann würde er aber nicht jobben, oder?) oder ob er das Studium spontan geschmissen hat.

Natürlich kann dieser Eindruck auch daran liegen, dass im Manga nur zwei Tage besonders ausführlich beschrieben werden und eben gerade Wochenende ist oder genau die paar Stunden ausgeblendet werden, in denen Ken an der Uni ist. Ich würde mich trotzdem freuen, wenn Hide im nächsten Band wieder auftaucht. Denn gerade jetzt ist Ken innerlich zerrissen und macht es sich vermutlich zur Aufgabe, den Frieden zwischen Ghulen und Menschen herzustellen, was eine ziemlich große Ansage ist. Genau da wäre doch jemand hilfreich, der ihm neben den ganzen Ermittlern noch einmal ins Gedächtnis ruft, warum Menschen auch nett sein können, oder? (Auch wenn ich das bei ziemlich vielen Exemplaren dieser Spezies ziemlich oft bezweifle …) Außerdem hatte ich bei Hide ein wenig das Gefühl, dass er wusste, was mit Ken passiert ist – und trotzdem nett zu ihm ist. Und wenn man kitschiges Unterbewusstsein da Recht haben sollte, dann wär das doch die mangatechnische Gelegenheit uns eine von diesen tollen Freundschaften zu präsentieren, die einem immer gleich die Tränchen innie Augen steigen lassen! ;_;

Manga-taugliches Französisch müsste man sprechen ^^

Die Story bleibt weiterhin sehr spannend und ich bin vor allem neugierig, ach was, ich lechze nach der Antwort auf die Frage, wo sich die Geschichte hin entwickeln wird! Denn im Moment sieht es für mich danach aus, dass Ken versuchen wird, den Ghul-Messias zu spielen (darf man sowas überhaupt sagen? o.O) und zu versuchen zwischen Jägern und Ghulen zu vermitteln. Doch wie er das anstellen wird? Keine Ahnung. Zusätzlich würde dieser Weg wohl sehr schwer werden und vermutlich mit einigen schmerzhaften Erfahrungen verbunden sein. Nichtsdestotrotz: Go, Ken, go!

Bis November werde ich also neidisch sein auf die Franzosen, bei denen Band 4 anscheinend schon im März erschienen ist. Im Määääärz! :'(

Einen schönen Start in die Woche wünsche ich euch, ohne Zweifel daran, auf welcher Seite ihr steht! ;)
Eure 0utofjoint =)

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6 Kommentare

    1. Ja, ich finde es auch immer sehr schade, beim Synchronisieren fällt oft so viel vom Original unter den Tisch. ^^ Aber es gibt ja glücklicherweise noch Simulcasts – zumindest manchmal. :)

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