Comic-Reisetagebuch Japan – „Moresukine“

Geben wir es doch alle zu: Jeder von uns Otakus würde doch gerne mal nach Japan reisen, oder? Der Comiczeichner Dirk Schwieger hat das 2006 gemacht und dachte sich „Hey, wenn ich schon mal da bin, kann ich doch auch was besonderes daraus machen, oder?“. Er gab seinen Lesern damals die Möglichkeit, ihm Aufgaben zu stellen, die er in Japan erfüllen musste und die hat er dann zeichnerisch in „Moresukine – Wöchentlich aus Tokyo“ verewigt. Ich weiß, es ist 2014, das Buch hab ich damit natürlich ewig viel zu spät erst im Second-Hand-Regal im Comicladen gefunden, aber die verschiedenen Einblicke in die japanische Kultur fand ich immer noch faszinierend.

Moresukine, wöchentlich aus Tokyo; Dirk Schwieger; Reprodukt, 2007

Moresukine – wöchentlich aus Tokyo; Dirk Schwieger; Reprodukt

Coole Alltagsstories :)

Der Zeichenstil ist überhaupt gar nüscht mangaartig, wer also ausschließlich auf Manga steht, der sollte sich einen kleinen Einblick ins Buch im Livejournal gönnen. Online gibt’s zwei Kapitel zu sehen. Ich steh nich so auf die Zeichnungen, hab es für den spannenden Inhalt aber konsequent ignorierrt. :) Sechs Monate lang ließ sich Schwieger von seinen Lesern quälen und berichtete jeweils auf zwei Doppelseiten zum Beispiel darüber, wie es sich anfühlt Dinge zu essen, deren Namen Europäer meist nicht mal aussprechen können (Okonomiyaki), deren Konsistenz abenteuerlich-eklig wirkt (Natto) oder die gemeinhin als lebensgefährlich gelten (Fugu/Kugelfisch). Natürlich war er dafür nicht nur mit essen beschäftigt, sondern zeichnete auch, wie es sich in Tokyo so wohnt, wie er sich für einen Leserauftrag in einem „Love Hotel“ einmietete, an Veranstaltungen wie einem „Trance Dance“ teilnahm oder ins Studio Ghibli Museum ging. Also eine bunte Mischung von 24 Aufträgen, die sogar kleinen Otakus wie mir noch das ein oder andere beibringen können. ^^

Bin ich Superman und kann durch die Seiten gucken?

Das einzig nervige am Tagebuch war für mich, dass sich ausgerechnet das Thema „Geschlechterwahrnehmung“, mit dem Schwieger sich auseinandersetzen sollte, auf einer Ausklapp-Seite befand, die ich hochkonzentriert und unter Aufbietung all meiner feinmotorischen Fähigkeiten entfalten wollte – und die trotzdem nicht ganz unbeschädigt davonkam. Aber gerade dieses Thema fand ich sehr interessant. Denn auch wenn es mittlerweile schon wieder etwas veraltet sein wird, finde ich es spannend, wie verwirrend und vielschichtig dieses Thema (auch für einen spontan vorbeikommenden Ausländer) sein kann.

Abschließend vergab Dirk Schwieger auch noch einen Auftrag an zehn internationale Webcomic-Zeichner, die sich auch am Ende des Buchs finden. Der Auftrag lautete: Komm mit einem Japaner in deinem Land ins Gespräch und berichte. Teilweise kamen dabei sehr lustige und unerwartete Stories heraus, aber der Humor lag mir natürlich nicht bei allen. Ist ja jeder anders, nich wahr? ^^

Was ich nirgendwo gefunden habe, war eine Erläuterung des Namens „Moresukine“. Nun, ich klischeebehaftete Europäerin, die zu viele Animes geschaut hat, in denen keiner Englisch spricht, würde es jetzt wagen zu erwähnen, was ihr zuallererst in den Sinn kam: Das Buch erinnert sehr an das allerorts beliebte schwarze Notizbüchlein „Moleskine“ – und „Mo-re-su-ki-ne“ könnte es von Japanern ausgesprochen werden, die nicht besonders darauf achten, einen Begriff englisch auszusprechen. ^^ Falls ich damit jetzt total auf dem Holzweg sein sollte: Sagt es mir und erklärt mir, ob der Titel vielleicht doch einen anderen Sinn hat. ;)

Alles in allem finde ich das Projekt aber richtig cool und wenn ich in 10 Jahren oder so mal nach Japan fliegen sollte, dann würde ich mir doch glatt auch solche Aufträge (minus das glibbrige Tierchen essen) geben lassen. ^^

Einen spannenden Tag voller neuer Dinge wünscht euch
eure 0utofjoint =)

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2 Kommentare

  1. Klingt toll! Klasse Idee mit den Aufgaben. Hab jetzt richtig LUst meinen SUB zu ignorieren und das sofort zu lesen. Apropos Stapel ungelesener Sachen … nicht, dass du dich wunderst, aber ich lese aus Angst vor Spoilern keine Artikel in irgendeinem Blog die z.Bsp. über den 3. Band eines berichten, den ich noch nicht kenne. Weil … vllt. will ich den ja noch irgendwann lesen oder Band 1 oder 2 und dann weiß ich ja schon soviel …. mh… . Soviel dazu.
    Jedenfalls klingt das Buch toll!
    Mit deiner Interpretation des Namens wirst du wohl recht haben. Moleskine ist bestimmt in Anlehnung an die Form des Buchs und das sich Notizen machen, so wie er sich die Aufgaben notiert hat. Macht das Sinn?
    Moresukine wird es zwangsläufig geschrieben, weil die japanische Sprache eine Silbensprache ist. Da gibt es also immer Silben wie Mo, Ma, Me, Ro, Ra, Ru etc. aber nicht viele alleinstehende Buchstaben. Deswegen gibt es auch kein aufeinanderfolgendes „sk“ wie in „Moleskine“ und deswegen füllt man die Silben so auf. Dabei richten sich die Japaner nicht nach der englischen Schreibweise, sondern versuchen die Wörter so umzuformen, dass man möglichst nah an die Aussprache kommt.

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    1. Ich musste jetzt echt ne Minute überlegen, was denn bitte ein SUB ist … xD aber das kenn ich, bei mir wandern auch oft Sachen dazwischen und halten mich vom Stapel abarbeiten ab ^^“
      Klar, das is ja auch logisch :) Ich reviewe sie einfach immer, weil man ja manchmal unsicher ist, ob es sich lohnt weiterzulesen und vllt kann ich ja dem ein oder andern dabei helfen. ;)
      Oh cool, danke für die Erklärung! ^-^ Doch doch, macht voll Sinn, keine Sorge :D
      Und ich hab total Lust bekommen ne große Reise zu machen, als ich das Buch gelesen hab. Also sei froh, dass es dich „nur“ zum lesen animiert! ;)

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