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Menschen ändern sich nicht? Bullsh*t!

Man hört immer wieder, dass Menschen sich ändern können. Andererseits stimmen dann die Zyniker unter uns gerne grantigerweise ein mit einem „Als ob!“. Was stimmt denn jetzt? Tja. Beides irgendwie. ^^ Um euren Charakter zu ändern müsste sich entweder jemand anders sehr sehr SEHR viel Mühe geben und euch dazu zwingen euch zu ändern. Das geht aber fast nur durch unglaublich anstrengende und vermutlich unangenehme Methoden, die wir hier nicht näher erläutern wollen. Ach ja und wenn man verliebt ist. Dann geht das angeblich auch. Aber oft ist dieses Phänomen doch nur ein kurzzeitiges Verstellen, während man noch im rosa Plüschwölkchen-Himmel schwebt, von daher zählt das auch nicht. Aber was die grundliegende Einstellung zu vielen Dingen angeht, kann man sich durchaus sehr stark verändern und manchmal eben die berühmte und abgedroschene 180°-Wende vollziehen.

Zunächst bitte einmal mit überlegen: Was geht für dich absolut gar nicht? … *denken denken denken* … Also für mich waren das mal Röhrenjeans. Und was trag ich seit ein paar Jahren? Röhrenjeans. :D Das ist jetzt nur ein dämliches Beispiel dafür, dass sich Menschen eben doch ändern können. Wir passen uns an und das an fast jede Situation. Wenn dir deine Umwelt suggeriert, dass Röhrenjeans bescheuert aussehen, weil gerade welche mit Schlag in sind (Ihr erinnert euch vielleicht? Die sind immer mal wieder in, unter anderem in den 90ern^^), dann findet ihr die natürlich auch bescheuert. Is ja ganz logisch. Alles andere wäre eher ungesund, weil man sich ständig von den anderen abgrenzen müsste. Selbstverständlich gibt es auch immer Leute, die anderer Meinung sind und sich nicht dem verpönten Mainstream anschließen, aber erlaubt mir die Frage, ob so etwas Außenseitertum oder vernünftige Gegenmeinung ist, ein anderes Mal zu diskutieren.

Jetzt geht es nur darum, ob man seine Meinung auch ändern kann. Ja, kann man. Siehe mein unglaublich tiefgründiges Beispiel: Irgendwann waren schließlich doch wieder Röhrenjeans in und man hatte sich so sehr an deren Anblick gewöhnt, dass man irgendwann auch Jeans tragen mochte, die einem dank ihres tight cuts beim Laufen nicht gegen den Hintern klatschten, aber dafür einen Trichter zum Füße hineinstopfen mitgeliefert bekommen sollten. Dass Mode sich ändert ist natürlich nix neues und es wäre langweilig, wenn sich dieses Phänomen nur auf Kleidung und Haartrachten erstrecken würde. Menschen können aber im Laufe ihres Lebens ihre Einstellung zu so gut wie allem ändern.

Wie pubertär!

Falls euch das unwahrscheinlich vorkommt, dann liegt das einfach daran, dass wir uns immer im hier und jetzt als „ICH“ definieren. Alle Meinungen, die ich gerade habe, werde ich auch noch in 20 Jahren haben. Denke ich. Doch niemand kann genau einschätzen, wie sich die eigenen Lebensumstände ändern werden und was er oder sie dann von all dem halten wird, was er/sie gerade tut. Denn, mal im Ernst, wie viele von uns denken daran zurück, was sie zu Schulzeiten, zu Beginn des Studiums, in der Ausbildung, während des Studiums, als Berufsanfänger, whatever alles gemacht haben, ohne dass ihnen einer der folgenden Sätze durch den Kopf geht? „Welcher Honk würde denn so einen Blödsinn verzapfen?“, „Wieso um Himmels Willen würde man sich die Haare mintgrün-rosa-pastellorange-kariert färben??“, „Warum sollte man erst in der Nacht vor der Prüfung anfangen zu lernen???“ oder vielleicht sogar „Wieso würde man sich diesen Job aussuchen?“ Na? Erkennt sich da einer von euch wieder? :) Keine Sorge, das ist normal. Und es hat nichts damit zu tun, dass man zu Schulzeiten noch in dieser alles-erklärenden Phase der Pubertät steckt. Da macht man vielleicht anderen Blödsinn als später, aber wir werden wohl nie aufhören unsere persönlichen Facepalm-Momente zu produzieren. :P

Stella Chayenne Sandy Mutti <3

Ein wunderschön grafischer Beweis für unsere Illusion, dass wir immer gleich bleiben werden, ist die Liebe. Genauer gesagt, die Liebe, die manche Menschen so sehr beeindruckt und die so sehr „for evaaah“ ist, dass sie sich den Namen ihres liebsten menschlichen Mitwesens auf den Oberarm, Hintern oder andere möglichst peinliche oder gut sichtbare Stellen tätowieren lassen. Ich will mich damit jetzt nicht über Tattoos lustig machen, denn ich kann sehr gut verstehen, dass man jemanden oder etwas so toll findet, dass man eine Erinnerung daran ständig mit sich herumschleppen und allen zeigen möchte. Doch wie oft müssen solche Herzchen-Tattoos übermalt werden? Ich wage die These, dass die Rate dabei der vom Dauerbrenner des im betrunkenen Zustand gestochenen Ankers ähnelt. ;)

Das liegt aber nicht daran, dass die Leute nicht verliebt genug waren, sondern daran, dass sie gerade in dem Moment zu verliebt waren. Denn wenn man derbe glücklich ist, kann man sich gleichzeitig so gut wie überhaupt nicht vorstellen, dass man morgen vielleicht nicht mehr so glücklich ist. Das will man ja in dieser Sekunde auch gar nicht. Wir können sehr schlecht mehrere Emotionen gleichzeitig empfinden und genauso wenig sind wir gut darin uns selbst in der Zukunft vorzustellen. Klar, wir können uns schwebende Autos herbeiwünschen oder unseren Auftritt vor 30.000 Fans als Pro-Luftgitarrist erträumen, aber was zwischen der Taxifahrt mit Bruce Willis oder den kreischenden Mädels, die uns Höschen an den Kopf werfen, passiert … davon haben wir nicht die leiseste Ahnung. Genau deswegen gehen wir einfach immer davon aus, dass unser Vergangenheits-ICH irgendwie doof war, wir aber mittlerweile voll den Bogen raus haben und deswegen auch immer genau so bleiben werden wie jetzt.

Mit ähnlichen Meinungen waschen/Wash with similar opinions

Eure Meinung zu einem Thema ist ganz klar davon abhängig, welche Informationen ihr darüber habt. Wisst ihr mehr, könnt ihr euch eine viel genauere Meinung bilden. Bekommt ihr Propaganda-Infos, werdet ihr vielleicht zum glühenden Verfechter einer ziemlich blöden Idee oder zum knallharten Gegner einer total vernünftigen, aber unpopulären Sache. Genauso wie eigentlich neutrale Infos beeinflussen uns auch die Menschen um uns herum. Sind uns welche davon sympathisch, wuseln wir eher in deren Nähe herum und machen uns vielleicht eher deren Meinung über Dinge zu eigen, zu denen wir bisher gar keine Meinung hatten. Andererseits können wir auch eine schlechte Meinung von etwas bekommen, wenn uns die ganzen Verfechter dieses Themas damit permanent auf die Nerven gehen.

Ihr glaubt mir nicht? Welche Musik hört ihr und warum hört ihr sie? Lasst mich hellsehen und vorhersagen, dass 90 % von euch ihre Musikrichtung von der ihrer Freunde zu Schulzeiten abhängig gemacht haben. (Die anderen 10 % waren diejenigen, die mit dem Musikhören angefangen haben. ;) ) Natürlich nicht bewusst, aber unterbewusst klappt das ganz gut. Ist ja umgekehrt auch nichts schlechtes, wenn man Freunde hat, die den eigenen Musikgeschmack teilen. ^^ Gleichzeitig hört man manchmal von Leuten, dass sie musikalisch plötzlich eine vollkommen andere Richtung eingeschlagen haben, was vermutlich oft mit einem neuen Lebensabschnitt einhergeht.

Never change a running system …

Einige Menschen sind zugegebenermaßen ziemlich resistent gegenüber Veränderungen, was meist dazu führt, dass sie einem entweder eher unflexibel und steif vorkommen oder man sie dafür bewundert so ein Ruhepol zu sein, der sich nie ändert. ^^ Ich denke das hat einerseits mit dem Charakter zu tun und andererseits damit, wie vielen unterschiedlichen Einflüssen man im Laufe des Lebens ausgesetzt ist. Wenn deine Meinung, die du über etwas hast, immer und immer wieder bestätigt wirst, weil du genau den richtigen Menschen begegnest, die auch so denken wie du, dann wirst du höchstwahrscheinlich nicht eines Tages aufwachen und alles was du gestern noch toll fandest plötzlich scheiße finden. Passiert zwar auch ab und an, aber wirkt dann doch eher beunruhigend auf das eigene Umfeld. ;)

Im Idealfall hat jemand, der seiner Meinung treu bleibt, selbstverständlich einfach die „richtige“ Meinung vergleichsweise früh für sich entdeckt und findet auch umgeben von Andersmeinenden keinen Grund seine Meinung zu ändern. Im fürs Umfeld nich ganz so idealen Fall bist du einfach davon überzeugt der Geilste (oder die Geilste) schlechthin zu sein und versuchst allen anderen immer zu erklären, warum sie falsch liegen. Was dann dafür sorgen kann, dass Leute weniger in deiner Nähe herumwuseln und deine Meinung auch als unsympathisch wahrgenommen wird.

Damit möchte ich euch eigentlich nur mitteilen, dass nicht alle Dinge, bei denen ihr im Moment glaubt, ohne sie nicht leben zu können, euch auch wirklich euer ganzes Leben über begleiten werden. Als vor einem Jahr die erste groß aufgezogene Studie zu diesem Thema herauskam, gab es dazu einen sehr schönen Artikel in der New York Times: Why You Won’t Be the Person You Expect to Be.

So, ich hoffe ich konnte euch was Neues erzählen und ihr fandet den Artikel einigermaßen spannend! :) Dann macht euch mal Gedanken, was euer zukünftiges Ich so von eurem heutigen Wesen halten wird. ;) Findet ihr es vielleicht doch einfach, einzuschätzen inwiefern ihr euch ändern werdet? Habt ihr Dinge, bei denen ihr euch 100%-ig sicher seid, dass ihr die immer toll oder immer absolut furchtbar finden werdet? Wie ist das bei euch zum Beispiel mit Mangas/Animes/Büchern/Serien/Spielen/generellen Fandoms? Wie lange begleitet euch eure Leidenschaft für eine bestimmte Sache schon?

Ich bin gespannt auf eure Kommentare – und darauf, was ich in Zukunft von meinen eigenen Artikeln halten werde! :D
Stay awesome! Eure 0utofjoint =)

Nachtrag 16.11.: Im Nachhinein habe ich noch einen wunderschönen Artikel bei boingboing gefunden, der darauf eingeht, warum wir gar nicht wissen, was wir alles nicht wissen oder draufhaben. ^^ Wer sich also nicht scheut, 9.500 Zeichen auf Englisch zu lesen, wird hiiieeer noch einmal mit wesentlich mehr wissenschaftlichen Infos (zum Dunning-Kruger-Effekt) versorgt, als bei meinem Artikel. Was ich gerne ändern würde, aber noch rechne ich mir als Bloggerin nicht so viele Chancen aus, einen Interviewtermin bei tollen Profs zu bekommen bzw. habe einfach nicht die Zeit, mich nochmal wirklich in diverse Paper einzulesen. Schade, denn sonst könnte ich ab und zu mal tiefgründigere Ich-erkläre-die-Welt-Artikelchen schreiben. ^^‘

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9 Kommentare

  1. Hm – interessanter Artikel und war sehr lustig zu lesen. Tatsächlich ist es bei mir eher sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite habe ich meine Vorliebe für Medien/Fandoms/Manga/Filme etc. nicht wirklich geändert, wenn ich auf die letzten 5 Jahre schaue. Vielleicht sogar, wenn ich fast auf die letzten 10 Jahre schaue XD Es gibt sehr viele Dinge davon, die ich immer noch mag. Fast nur eigentlich XD Aber meine Meinung ggü vielem hat sich geändert und ich habe mich stark verändert. In eine Richtung, die ich mal mehr mal weniger gut finde. Wogegen ich aber nicht ankomme sind Trends. Schlaghosen habe ich auch getragen, als der Hype wieder aufkam XD Und jetzt kann ich mir das absolut nicht vorstellen. Wie dem auch so … ich war schon immer eine Anhängerin des Spruchs „Mutig ist, wer seine Meinung ändert“ – macht man das nicht, lernt man nichts dazu.

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    1. Danke für die positive Rückmeldung! ^-^
      Das ist doch cool, du bleibst quasi deinem inneren Fangirl/Otaku treu ;) Bei mir hat sich da einiges geändert und auch wenn ich viele Dinge weiterhin total toll finde kommen gleichzeitig immer neue dazu. D.h. ich bin permanent gespannt, was als nächstes kommen wird. :D
      Ist das Tagesform-abhängig, ob du’s gut findest oder meinst du manche Sachen sind besser geworden und manche schlechter? ^^
      Da hast du Recht! Guter Spruch. Wenn man gar nicht auf gute Gegenargumente von außen eingeht, ist das vermutlich oft eher Trotz oder Starrheit als „Stehen zur eigenen Meinung“. :)

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      1. Nein, die Tagesform spielt bei mir selten eine Rolle. Ich meinte manche Sachen sind einfach so besser geworden und manche schlechter.
        Was hat sich bei dir alles geändert – gibt es irgendeinen peinlichen Fandom, dessen Anhängerschaft du lieber für dich behälst? ;) Da könnte ich auch was aufzählen, wenn ich will…

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        1. Hm … das ist ne gute Frage. :D Aber eigentlich bin ich noch von fast allem peinlichen Fan, von dem ich früher Fan war, es sind nur neue Sachen dazugekommen. Oder ich hab es verdrängt! ^^‘ So richtig fing das mit dem Fandom bei mir nämlich erst mit Harry Potter an und die Buchreihe mag ich immer noch, auch wenn ich sie jetzt vielleicht nicht nochmal lesen würde. :)

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  2. Danke, toller Artikel.
    Trifft genau meinen Nerv :)

    Ich denke das Stichwort heißt hier „Gefühle“. Sie sind für uns selbst unkontrollierbar ( Manipulation ist was anderes und machts erstmal nur komplizierter).
    Ob sich dein Geschmack für Hosen nun mit oder gegen einen Trend dreht, ist ja im Grunde auch eher davon abhängig, was für ein Gefühl du gerade dafür hast.
    Ob sich jetzt dabei ein Stück deiner Selbst verändert? Würde ich nicht sagen
    Sicher ist der Mensch auch nur eine Summe seiner Teile, doch sind diese zu mindestens der Hälfte durch zwanghaftes Denken beeinflusst. (Allein, dass wir darüber reden/schreiben beweist das :P)

    Und da du die Liebe ja schon angesprochen hast:
    Ist das „verliebt sein“ nicht auch eine Art Manipulation des Selbst/Anderen?
    Die Liebe als solches ist dabei eher das finale Stück, welches diese Manipulation wieder aushebelt.

    Klar wir lernen dazu und werden beeinflusst. Aber sich selbst zu ändern (ob nun absichtlich oder unfreiwillig) ist doch weit mehr als nur eine andere Meinung zu haben oder ein anderes Gefühl zu verspüren.


    Bin nicht sicher ob ich mich hier verständlich ausgedrückt habe, ist irgendwie schwerer zu schreiben als zu sagen :D
    Ja da sind ein paar Lücken, aber mein Kommentar ist schon so lang…

    Und nochmal Danke für den tollen Artikel :)

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    1. Ja bitte, immer gerne! :) Freut mich, wenn dir der Artikel gefällt!

      Hmmnnn, aber da kann ich dir nicht ganz zustimmen. Ich würde nicht Gefühle sagen, denn die können sich ja alle zwei Sekunden ändern (zumindest bei mir :D). Ich würde eher sagen man ändert seine Einstellung zu etwas. Denn die Einstellung ist nicht ein riesiges Stück deines Charakters tief in deinem Inneren (was dich glaube ich gestört hat) und die kann man abhängig von Fakten UND flüchtigen Gefühlen ändern. :)

      Ja, das meine ich ^^ Die Einstellung zu ändern ist wesentlich einfacher als den grundliegenden Charakter zu ändern (das is viel äh arbeitsintensiver :D ), aber allein durch unsere Einstellung zu Tattoos/Kleidung/Musik oder ähnlichem können wir ja auf andere Menschen völlig anders wirken. Und wenn sich da ein krasser Umschwung ergibt, dann können wir das ebenso wenig wie die Gefühle ^^ vorhersehen. :)

      Oh Gott, ich glaube das Thema „LIebe“ in den Kommentaren abzuhandeln, dit geht nich xD Da kann man glaub ich ganze Enzyklopädien drüber schreiben, also vielleicht handeln wir das lieber mal in ganzen Blogbeiträgen ab, was meinst du? ;)

      Gefällt 1 Person

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