crimson moon

Monster unter dem roten Mond – Crimson Wolf

Bevor ich was zum Inhalt von Crimson Wolf sage, will ich eins loswerden: Ich halte den Manga dauernd falschrum. :D

Crimson Wolf, Seishi Kishimoto, Egmont Manga
Crimson Wolf Band 1, Seishi Kishimoto, Egmont Manga

So herum gehört das gute Stück, aber da der Kopf des männlichen Charakters größer ist und ich buchhaltetechnisch eben doch westlich geprägt bin, schlage ich den Manga immer instinktiv falsch auf. ^^ Tut man das, versteht das eigene Hirn aber auch irgendwann, was genau auf dem Cover zu sehen ist: Der männliche Hauptcharakter kniet auf dem Boden und blickt nach oben in die Kamera, während der weibliche Hauptcharakter daneben, drüber … liegt, schwebt, whatever. Das Cover muss ja nich physikalisch korrekt sein. Jedenfalls hat Rotkäppchen Ayame den etwas verzweifelt dreinblickenden Yoichi mit Ketten gefesselt, was ein wenig nach Loli-Bondage anmutet, aber glücklicherweise im Inneren nicht so ist. Innendrin findet ihr eine actionreiche und – wie immer ;) – leicht abgedrehte Story.

Wer sind die beiden Bondage-Leute auf dem Cover?

Im Manga geht es um Yoichi, einen aboluten Loser, der von seinen Mitschülern nicht ernst genommen und von einem sehr unsympathischen Exemplar regelmäßig verprügelt wird. Doch Yoichi unterdrückt seine Wut und nimmt jede Demütigung schweigend hin, da er Angst hat, dass seine Peiniger ihm dann noch gründlicher die Fresse poli .. ihn noch begeisterter verprügeln. Auftritt Akatsuki Ayame. Eine neue Mitschülerin, die so ziemlich das komplette Gegenteil von Yoichi ist. Sie zeigt keinerlei Angst und weiß gar nicht, wie man ein Blatt vor den Mund nimmt. Ihre erste Begrüßung der neuen Klasse ist in etwa: „So eine ätzende Klasse, hab ich ein Pech.“, was sie raushaut, ohne eine Miene zu verziehen.

Es wird ziemlich schnell klar, warum Ayame auf diese Schule gewechselt ist, denn während Yoichi Prügeleien einsteckt, geht gleichzeitig jemand um, und verprügelt Schüler. Nee, warte mal, irgendwie … also es geht nachts jemand um und schlägt Schüler gezielt nieder, was anscheinend schlimmer ist als immer den gleichen zu Brei zu hauen, denn die Polizei sucht in diesem Fall sogar nach dem Täter. :D Hierbei unterstelle ich dem Manga allerdings nicht unrealistisch zu sein, sondern bedauerlicherweise ziemlich realistisch rüberzukommen.

Schäfchen vs. Creepy Monster

Als sich jedenfalls herausstellt, wer die Schüler angreift (keine Sorge, das spoilere ich nicht), wird Yoichi in eine sehr seltsame Situation hineingezogen. Ayame greift den „Bösewicht“ an, um ihn dazu zu bringen, sein wahres ich zu zeigen: den bösen Wolf. Jepp. Aber das hier ist kein fancy-Sixpack-Werwölfchen, sondern der „Wolf“ stellt die fiesesten und stärksten Begierden eines Menschen dar und ist entsprechend der japanischen Monster-Darstellungsweise sehr unhübsch gemacht. o_o Im Normalfall gleichen sich negative Begierden und die Zurückhaltung aus und das „Schaf“ hält den „Wolf“ davon ab, etwas allzu dummes zu tun. Wird der Wolf einer Person jedoch stärker als das Schaf, kann diese Person auf einmal den roten Mond sehen. Das wiederum kann dann Ayame erkennen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, böse Wölfe zu jagen. Und schwupps landet Yoichi mit ihr in dieser Welt des roten Mondes und will eigentlich gleich wieder heim. ^^

Um gegen die bösen Wölfe zu kämpfen braucht Ayame jedoch auch ein Schaf, vermutlich um sich selbst im Zaum zu halten. Sie besitzt nämlich keines, was auch der Grund ist, weswegen sie alle ihre Gedanken einfach so raushaut und laut sich selbst keine Fassade einer freundlichen, netten Person aufbauen kann, wie das sonst jeder tut. Unser netter Yoichi, der alles schweigend hinnimmt, anstatt sich zu wehren, ist glücklicherweise das ideale Schaf. Ob das jetzt so ein geiles Kompliment ist, weiß ich nicht, da Schäfchen ja eher nicht mit so coolen Sachen assoziiert werden. :D Wie dem auch sei, Yoichi kann Ayame die Bitte natürlich nicht abschlagen und so wird er mitten im Kampf mit Schafshörnchen versehen und an Ayame gekettet. Daher auch das Cover des Manga. Das Schaf des ersten Wolfs wird übrigens nicht als zweite Persönlichkeit, sondern als Fußfessel, also so eine olle Metallkugel an einer Kette dargestellt. Hätte jedes Schaf noch eine eigene Persönlichkeit würde vermutlich das ganze System nicht funktionieren und der Kampf wäre vielleicht auch zu unübersichtlich.

Fightoooooooo!

Dummerweise stellt sich heraus, dass Ayame den Wolf töten möchte, der übermächtig geworden ist und dass diese Aktion dazu führen würde, dass der dahintersteckende Mensch nur noch als sowas wie ein Wachkoma-Patient sein Leben fristen könnte. Was jetzt nich so geil wäre, wenn man die Person kennt oder generell eher dafür ist, dass Menschen noch mehr Hirnfunktionen als atmen drauf haben sollten. Deswegen sucht der weichherzige Semi-Held Yoichi natürlich spontan nach einer Möglichkeit, den Wolf einfach wieder so klein zu bekommen, dass das dazugehörige Schäfchen ihn wieder unter Kontrolle hat. Das wäre dann sozusagen eine praktische und faustlastige Version der moderneren Psychotherapie, verglichen mit einer Lobotomie (also dem Herumwurschteln im Hirn, das mal netterweise als „Psychotherapie“ eingesetzt wurde und auch in Klassikern wie „Einer flog übers Kuckucksnest“ thematisiert wird), die oft auch zum „Gemüse“-Zustand bei ihren Patienten führte.

Der gesamte Kampf und die kurzen Sprünge in (vermutlich) Ayames Unterbewusstsein sind recht creepy dargestellt und der Wolfspelz, den Ayame im Lauf des ersten Kampfs „überzieht“, erinnert mich unangenehmerweise ein wenig an Pride von Fullmetal Alchemist. Der Wolf, den Ayame verwendet ist laut ihr der von Yoichi, was mich dann wieder etwas verwirrt hat. Anscheinend ist Yoichis Schaf besonders stark, da sein Wolf ein richtig übler Bursche und ziemlich hardcore drauf ist, Yoichis Schaf es aber im Alltag mit Leichtigkeit schafft trotz aller Demütigungen zu verhindern, dass Yoichi einfach so Amok läuft. Ich hoffe trotzdem, dass das Prinzip dahinter im zweiten Band noch mehr erläutert wird. Denn Ayames Lebensgeschichte wird auch nur durch die beunruhigend Bilder, die Yoichi zwischenzeitlich sieht und gewisse Andeutungen ein wenig umrissen. Aber natürlich interessiert uns, wie zum Henker man dazu kommt in einer Fantasiewelt Monster zu killen! Wir erfahren immerhin, dass sie eine Schwester hat, die anscheinend auch sehr sehr gerne Wölfe umbringt und sich dabei nicht zurückhält.

Nach dem ersten Kampf wird jedenfalls klar, dass Ayame und Yoichi nicht nur ein seltsames, aber irgendwie funktionierendes Team darstellen, sondern auch bald gegen einen fiesen Gegenspieler antreten müssen, der jemanden aus Yoichis Umgebung bedroht. Dädäääämm, Spannung! ^^

*Expertenbrille aufsetz* Hat Crimson Wolf also Potenzial?

Ich mag ja die Idee, dass in uns allen immer mehrere Teile gegeneinander ankämpfen und wir gut oder böse handeln, je nachdem welcher gewinnt. Ich liebe auch diese Story, die angeblich auf die native Americans zurückgeht. Daher finde ich den Grundgedanken des Manga ohnehin schon mal awesome. ;)

Außerdem gibt es viel Spielraum zur Charakterentwicklung. Yoichi hat bereits im ersten Band den Schritt vom völlig passiven, ängstlichen Loser (sorry Yoichi-kun :D) zum zögerlichen, aber überzeugten Kämpfer für äh weiß-er-auch-noch-nich-so-genau geschafft. Die Hauptsache ist für ihn wohl, dass niemand allzu sehr verletzt wird, wenn ich seine Handlungen da richtig deute. ^^ Auch im privaten Bereich wird auch Yoichi und Ayame wohl noch ein äh interessantes Team, denn, wie sich das in lustigen Mangas gehört, hat Ayame es voll drauf, sich bei Gesprächen über einen Kampf dermaßen zweideutig auszudrücken, dass anwesende Klassenkameraden das eigentlich nur als Beschreibung heißer Sexszenen interpretieren können. Armer Yoichi. :D

Die Zeichnungen von Seishi Kishimoto gefallen mir sehr gut und erinnern mich ein wenig an Blue Exorcist, was aber auch nur an den recht ähnlich aussehenden Hauptcharakteren liegen könnte. Generell ist Crimson Wolf wesentlich detaillierter gezeichnet und hat viele anatomisch wunderschön deformierte Monster. Zusätzlich gönnt der Zeichner Yoichi ein großes Spektrum an Gesichtsausdrücken. So schafft Kishimoto es unerwarteterweise, die Anfangsszene, in der Yoichi verprügelt wird, lustig zu gestalten. Damit hatte ich nicht gerechnet. :) Yoichi darf einerseits realistische Gesichtsausdrücke drauf haben und ab und zu trotzdem die typischen bescheuerten Manga-Faces zu machen. Fun Fact: Es ist kein Zufall, wenn euch der Name „Kishimoto“ bekannt vorkommt, denn Kishimoto Seishi ist der jüngere Zwillingsbruder von Kishimoto Masashi, dem Zeichner von Naruto. ^^

Alles in allem gab es nur einen kleinen Punkt, wo ich leicht verwirrt war durch das Prinzip dieses „Schaf/Wolf/anketten“-Gedönses, ansonsten kann ich den Manga uneingeschränkt weiterempfehlen! Stellt euch auf Humor, Action, eine abgedrehte Story, ein wenig Tiefgründigkeit und viele creepy Monsterzeichnungen ein. Ich freue mich schon auf den nächsten der angekündigten vier Bände und wünsche euch viel Spaß beim Lesen! ;)

Habt ihr schon vom Manga gehört oder ihn bereits gelesen? Wie findet ihr das Thema? Immer fleißig kommentieren ^-^

Einen monsterfreien Sonntag wünscht euch
eure 0utofjoint =)

 

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4 Kommentare

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