Dystopie, Mystery und … Boys Love? – NO. 6 Review

Nummer 6 heißt sie, die perfekte Stadt. In diesem Manga geht es um eine Gesellschaft in der Zukunft, in der alles perfekt für die Bewohner von „NO. 6“ ist. Aber natürlich wäre es ein langweiliger Science-Fiction-Roman, wenn die Zukunft einfach nur rosig wäre. Der Manga steigt auch direkt mit den Werbesprüchen der Stadt ein. Null Prozent Verbrechensrate! Fortschrittliche Medizintechnologie, die einfach mal alles heilen kann! Alles super! Wer da als Leser nicht misstrauisch wird, der hat wohl noch nie einen dystopischen Roman gelesen. ;) Dystopien, das waren die Dinger, bei denen eine Gesellschaft in der Zukunft gezeigt wird, die man entweder schon auf den ersten Blick als völlig verrottet erkennt oder die so sehr glänzt und funkelt, dass einem die Augen wehtun und man erst beim zur Seite blicken feststellt, dass die schattigen Stellen umso grässlicher sind. Also kurz gesagt: Das Gegenteil einer Utopie. Und weil ich so sehr auf Gesellschaften stehe, die noch schlimmer sind als unsere (*schenkelklopf*), hab ich bei diesem Manga zugegriffen. ^^

Darin geht es um den zwölfjährigen Shion, der durch seinen megahyperhohen IQ zur absoluten Elite gehört und deswegen alles hat, was man sich wünschen kann. Damit, dass auch in der Stadt NO. 6 nicht alles unglaublich friedlich und toll und super ist, wird Shion erst konfrontiert, als plötzlich ein fremder Junge in sein Zimmer platzt – verletzt und gar nicht mal so freundlich.

NO. 6; Atsuko Asano und Hinoki Kino; Egmont Manga

NO. 6; Atsuko Asano und Hinoki Kino; Egmont Manga

Da Shion ein naiver Gutmensch ist, macht er sich trotz dessen Widerspenstigkeit gleich daran, die Verletzungen des anderen Jungen zu behandeln. Dieser stellt sich als „Nezumi“ vor und ist völlig irritiert, als Shion ihm helfen will. Scheinbar hatte er ein ziemlich hartes Leben am anderen Ende der Nahrungskette – daher wohl auch sein Name, der eigentlich „Ratte“ bedeutet, und sein Misstrauen gegenüber elitären Menschen. Shion reagiert jedoch nur mit naiver Faszination auf diesen andersartigen Menschen und zeigt keinerlei Angst – und das obwohl Nezumi ein gesuchter Schwerverbrecher ist und Shion sich durch seine Hilfeleistung bereits strafbar macht.

Eins noch vorweg: … Ai

Die beiden geben ein sehr seltsames Paar ab. Was nicht bedeuten soll, dass dies ein Yaoi-Manga ist. Allerdings … allerdings gibt es insgesamt einige Szenen, in denen die beiden Jungs sich ziemlich nahe kommen und äh, also wenns ein Shounen-Anime wäre und einer von den beiden weiblich wäre, dann wärn die beiden ineinander verliebt. Ich war einfach mal so frei und hab gegoogelt, ob sich da denn noch was entwickelt, auch auf die Gefahr hin, mich damit selbst ein wenig zu spoilern. Man liest ja bei solchen Suchen immer mehr als man eigentlich will, weil einen die eigenen Augen durch automatische Spoilersuchen verraten. ^^ Die Erkenntnis des Tages mithilfe der Wikipedia-Kategorisierung war jedenfalls: NO 6. zählt zum Genre „Shounen Ai“ (oder „Shonen Ai“), was bedeutet, dass es in die Kategorie „Romanze zwischen zwei Kerlen, ohne explizite Szenen/Sex“ fällt. Uuuuund mir fällt gerade auf, dass ich Shonen Ai und Yaoi glaub ich vorher nie so ausdrücklich voneinander getrennt hab, lalalaaaa …. aber so viele Reviews dazu warn’s ja noch nich. :)

Alle Nicht-Fans dieses Genres müssen jedenfalls nicht weiterlesen, wollte ich damit eigentlich sagen. Ich fühle mich übrigens verpflichtet zu erwähnen, dass es ein wenig romantisch werden könnte, weil auf dem Manga selbst nur „Fantasy/SF“ bzw. auf der Rückseite „Mysteryhit aus Japan“ steht. Da ich aus Erfahrung weiß, dass nicht jeder von Romantik überrascht werden möchte (oder von Penissen), wollte ich euch lieber vorwarnen. Was hab ich das wieder schön ausgedrückt. Ich sollte glatt das Schreiben zum Beruf machen. :D

Das finstere Geheimnis von NO. 6

Die Story gefällt mir eigentlich ganz gut, auch wenn ich nach dem ersten Band irgendwie das Gefühl hatte, dass noch nicht allzu viel passiert ist. Was seltsam ist, da Shion nach dem Besuch von Nezumi erst mal zu einem Normalo degradiert wird, der nicht mehr im Mega-Eliteviertel „Chronos“ wohnen darf und später keinen der angesagtesten Jobs machen dürfen wird. Die Regierung hat ihre Augen nämlich überall und so steht innerhalb von gefühlten Sekunden nach Nezumis Abreise (aka Flucht) das Ordnungsamt vor Shions Tür und schmeißt ihn und seine Mutter aus Chronos raus.

Vier Jahre später. Shion ist nun 16 und arbeitet bereits. Plötzlich ereignen sich um ihn herum seltsame Todesfälle – da kommt wohl das „Mystery“ vom Mangarücken her – und er gerät wieder ins Visier des Ordnungsamtes. Nur mithilfe von Nezumis Hilfe kann er auf angenehm actionreiche Weise fliehen. ^^ Zusammen werden die beiden hoffentlich herausfinden, was hinter den Todesfällen steckt und welches Geheimnis die angeblich so perfekte Stadt verbirgt. Tadhaa, ein Manga in unter 10 Sätzen erklärt. Das hatte ich noch nie! :D Ich glaube, dass mir der Manga deswegen so kurz vorkam, weil am Anfang erst einmal die Charaktere aufgebaut werden und man deren Gespräche und Handlungen mitverfolgt. Es kommen nämlich auch noch ein, zwei andere Charaktere vor, die im Laufe der nächsten Bände sicher noch einmal eine Rolle spielen werden. Danach gibt es zwar auch coole Action, aber gerade wenn es spannend wird, ist der erste Band auch schon wieder rum.

Mehr Infos im Preview als im Manga? ^^

Der Manga basiert auf einer Light Novel der Schriftstellerin Atsuko Asano und ist in 9 Bänden abgeschlossen. Also wieder eine Mangaumsetzung eines Buchs. Zuerst gesehen hab ich den Manga übrigens im EMA-Preview, wo der Verlag recht ausführlich die Hintergrundstory erklärt. Besagtes Shinkan (also dieses gratis Preview von EMA, ne?) könnt ihr hier als pdf angucken und darin findet ihr auf Seite 129 den Eintrag zu „NO. 6“ mit Leseprobe. Ich hoffe es reicht dann, wenn ich zum Zeichenstil nur kurz sage, dass ich ihn recht standardmäßig, aber okay fand. Es war auf jeden Fall eher Shounen-Stil als Shojo, glitzernde Riesenaugen kamen nicht vor. :P Dämlicherweise ist das pdf-Dokument falschrum aufgebaut, weswegen der Manga nicht wie in der Printversion auf Seite 2, sondern eben auf Seite 129 steht. -.- Hach ja, Technik …

Im ersten Band des Mangas wird seltsamerweise gar nicht erwähnt, warum die Stadt „Nummer 6“ heißt und wie sich diese entwickelt hat. Das tut EMA dafür netterweise kurz im Preview, wo erklärt wird, dass es nach einem Atomkrieg nur noch sechs Städte gibt, in denen menschliches Leben möglich ist. Ahaaaaa, das hätte man aber auch mal im Manga kurz anreißen können. :D Naja gut, vielleicht weiß unser armer Shion das selbst noch gar nicht, weil er abgeschottet in besagter sechster Stadt aufwuchs und ich bin mir sicher, dass wir im nächsten Band noch einiges darüber erfahren werden, was außerhalb der Städte so abgeht.

Ich kann mich doch so schlecht entscheiden!

Tja, jetzt muss ich ehrlich zugeben, dass ich kein so eindeutiges Fazit wie bei vielen anderen Mangas ziehen kann. Die beiden Hauptcharaktere fand ich interessant und auch die Storyidee sehr cool, einfach weil ich Dystopien fast immer spannend finde. Allerdings weiß ich, dass mir in Filmen die zwangsweise eingefügten Romantik-Szenen immer derbe den Spaß an der Action vermiesen, weswegen ich hoffe, dass die Romantik hier nur an passenden Stellen eingebaut wird. Also eben nicht: „OH MEIN GOTT, DAS GEBÄUDE EXPLODIERT IN DREI MINUTEN! Lass mich dir noch kurz meine Liebe gestehen und neuneinhalb Minuten lang die Zuschauer mit romantischem Firlefanz nerven, damit auch diejenigen den Kinobesuch als lohnend empfinden, die von ihrer besseren oder schlechteren Hälfte mitgeschleppt wurden.“ Haaaarrrrgh … Ähem. Da ich ja noch nicht weiß, wie es weitergeht, werde ich vermutlich (wagemutig wie ich nun einmal bin! o_o) den zweiten Band kaufen, der am 4. Dezember erscheinen soll. Danach weiß ich dann hoffentlich, wie das romantiktechnisch so wird. Euch kann ich den ersten Teil jedenfalls ans Herz legen, wenn ihr keine Romantik-Allergie (und kein Problem mit Junge liebt Junge) habt und die Grundidee des Mangas gut findet. Denn hauptsächlich wird es ja wohl um die krass in Elite und Abschaum aufgeteilte Gesellschaft und Shions und Nezumis Spurensuche rund um mysteriöse Todesfälle gehen und nicht um eine Lovestory. Hoffe ich. Uah. Meine Wunschvorstellung ist jedenfalls, dass der Manga in den nächsten Bänden noch einiges an Fahrt aufnimmt.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein actionreiches und unromantisches Wochenende – oder halt eben andersrum, wenn euch das mehr liegt. Aber wer würde denn schon ein romantisches Wochenende wollen, also ehrlich! :D
Eure den Begriff Dystopie toll findende 0utofjoint ;)

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