Holy Wohngemeinschaft – Manga Review „Saint Young Men“

Ich habe mir mal wieder einen Manga gekauft, den ich nur aufgrund seiner bescheuert wirkenden Story haben wollte. Dieses Mal handelt es sich um den ersten Band von „Saint Young Men“ von Hikaru Nakamura. Worum es geht? Ich zitiere mal den Klappentext: „Jesus lebt … mit Buddha in Tokio!“ Okaaaay … klingt seltsam, oder? :D

Saint Young Men; Hikaru Nakamura; Egmont Manga

Saint Young Men; Hikaru Nakamura; Egmont Manga

Mit abgefahrenen Themen kann man mich ja immer ködern. Manchmal geht es schief, manchmal regt es zum nachdenken an und manchmal ist es einfach nur grandios bekloppt und lustig. Bei Saint Young Men war ich natürlich neugierig, inwiefern das Ganze mit Religion zu tun hat oder worum es denn sonst gehen könnte, wenn man als Protagonisten deeeen Buddhisten schlechthin und deeeeen Begründer des Christentums wählt.

Es hat verhältnismäßig lange gedauert, bis ich mit dem Band durch war, da er mit 274 Seiten etwa 75 Seiten dicker ist als ein Standardmanga mit um die 200 Seiten. (Die Mangaka heißt leider auch so wie ein amerikanischer Schachgroßmeister mit japanischer Abstammung, das heißt, beim Googlen wird man zunächst vermutlich auf dessen Wikipedia-Eintrag stoßen. Einfach nicht verwirren lassen.) Hikaru Nakamura hat vor dieser Mangareihe bereits einen Manga mit dem Titel „Arakawa under the Bridge“ veröffentlicht, der wohl auch noch immer läuft, allerdings nie in Deutschland erschienen ist. Ihr Zeichenstil ist kein typischer 0815-Mangastil, sondern eignet sich sehr gut, um das unterschiedliche Äußere von Buddha und Jesus hervorzuheben und auch die anderen Charaktere haben durchaus Wiedererkennungswert. Ob man den Stil jetzt schön findet, ist denke ich Geschmackssache. Eine Leseprobe findet ihr theoretisch hier, leider hat die bei mir nicht funktioniert. (Falls sie es bei euch auch nicht tun solltet, schreibt das doch mal in die Kommentare.) Alternativ könnt ihr ein paar einzelne Panels aus dem ersten Band im Saint Young Men Werbevideo von Egmont bewundern. Auch wenn ich durchs Bild fliegende Mangaseiten nicht so für das Präsentationsmedium halte, aber gut. ^^ In Japan scheint Saint Young Men jedenfalls gut anzukommen, denn sie hat für die Reihe den Tezuka Osamu Cultural Prize erhalten und war 2010 laut dem Anime News Network unter den Top 10 Mangaka, was die Verkaufszahlen pro Jahr angeht. Womit die Reihe sich mit knapp halb so vielen verkauften Exemplaren wie Naruto direkt hinter Fullmetal Alchemist befand. Beeindruckend, oder?

Was machen Heilige und Messiase in einer WG?

Kommen wir zur spannendsten Frage. Was tun Buddha und Jesus bitte in Tokyo?? Die beiden haben sich gedacht, sie machen mal Urlaub und besuchen die irdische Welt, da die ihnen recht interessant vorkam. Da Alieninvasionen bekanntlich IMMER in Großstädten in den USA stattfinden, müssen scheinbar 90 % aller Mangas auch in Tokyo spielen. Wobei die Wahl meines Urlaubsortes natürlich auf eine ebenso überwältigende Stadt fallen würde. In der Pampa wären die Beschäftigungsmöglichkeiten vermutlich nicht so groß und der Kontrast zu den Stories, die man über die beiden schon kennt, wäre auch eher lasch.

Buddha und Jesus werden im Manga als ganz normale Typen dargestellt, die aufgrund der Tatsache, dass sie schon länger nicht mehr vor Ort waren, ab und an etwas weltfremd rüberkommen. Außerdem haben sie ein paar außergewöhnliche Probleme, die regelmäßig für alberne Situationen sorgen. So werden Buddhas lange Ohrläppchen mal mit U-Bahn-Haltegriffen verwechselt und Jesus verwandelt spontan Dinge in Brot, wenn er zu gute Laune hat.

Der Manga – im Original heißt er übrigens Saint Oniisan –  ist auf Unterhaltung ausgelegt, spielt aber auch oft auf die Lebensgeschichte der beiden religiösen Figuren an. Ob es noch tiefgründigere Handlungsstränge geben wird, kann ich nach dem ersten Band noch nicht beurteilen, dieser war nämlich eher in Episoden eingeteilt, sodass man – sobald man gewisse Grunddinge über die beiden Figuren weiß – die einzelnen Kapitel eigentlich auch unabhängig voneinander lesen könnte. Ein paar Dinge werden zwar immer wieder aufgegriffen, aber noch gab es keine schwerwiegenden Entwicklungen. Aber was soll sich auch schon entwickeln? Die beiden Charaktere zu verändern, würde ihnen ja ihre eigentlich immer besungene Perfektion rauben.

Andererseits werden Jesus und Buddha gar nicht als perfekt dargestellt. So ist Buddha ein sehr asketischer Mensch, der aber gleichzeitig Probleme damit hat, dass er in vielen seiner Bildnisse so pummelig dargestellt wird. Jesus ist leicht zu begeistern und kauft gerne Dinge. Zum Beispiel hätte er gerne ein neues Notebook, weil er permanent bloggt. Sympathisch. ^^ Buddha kocht dafür gerne und würde lieber einen neuen Reiskocher anschaffen. Aber man hat ja permanent Geldmangel, weil Japan so teuer ist! Oder Jesus sich Cosplaykostüme kauft. Oder Buddha einer Mangareihe über sein Leben nicht widerstehen kann. Mit letzterem ist „Buddha“ von Osamu Tezuka gemeint. Hey, war das nicht der mit dem Preis von vorhin? Genau der. Generell gibt es sympathischerweise Anspielungen auf andere Mangas, wie zum Beispiel Death Note, oder die WG-Bewohner schauen Serien, die auch den Lesern bekannt vorkommen dürften. An vielen Stellen werden auch Dinge aus den Lebensgeschichten von Jesus und Buddha erwähnt, die Laien wie ich noch nicht kannten. Würde man sich bei den Stories dann die Mühe machen, da mal weiter zu recherchieren, wäre man bestimmt bald Experte für buddhistische Schriften und christliche Überlieferungen, aber ich bin irgendwie doch zu faul dafür. :)

Mein Fazit: Humor ist Glaubenssache

Was halte ich von „Saint Young Men“? Nun, die Idee finde ich sehr interessant und ich denke auch, dass es der Mangaka gelungen ist, trotz ihrer Tendenz die beiden Heiligen als etwas trottelig darzustellen, in keine schwerwiegenden blasphemischen Fettnäpfchen zu treten. Außer natürlich man empfindet es schon als Beleidigung, wenn jemand überhaupt so einen Manga zeichnet, der sich mit einem fiktiven Leben von Buddha und Jesus auf Erden im 21. Jahrhundert beschäftigt. Aber so humorfrei sind wir hoffentlich alle nicht. :>

Ich fand die beiden Hauptcharaktere sehr sympathisch. Wobei, es klänge schon ziemlich komisch, wenn ich sagen würde, dass ich Jesus und Buddha voll unsympathisch finde. :D Und es wäre gemein den beiden gegenüber, denn Manga-Jesus und Manga-Buddha sind wirklich nett, nur halt ein wenig … besonders. ^^ Die Situationen, in denen Jesus‘ Neigung spontane Wunder zu bewirken die beiden immer wieder bringen, fand ich oft unterhaltsam. Da aber bisher noch eine große, zusammenhängende Story fehlt, hat mich der erste Band nicht wirklich mitgerissen und auch der Humor ist oft an mir vorbeigegangen. Das mag an meinem mangelnden Interesse für Religion oder meiner fehlenden Hintergrundbildung liegen – oder schlicht daran, dass ich einen anderen Humor habe. Manche Witze waren mir zu dämlich – ich bin mir noch nicht sicher, wie genau das überhaupt geht, aber es geht anscheinend. o.O Schließlich war der Humor nie wirklich unter der Gürtellinie oder so, sondern immer harmlos, denn die beiden Hauptcharaktere sind ja per Definition brav und drücken sich höchstens vor den Gebühren fürs Kabelfernsehn, indem sie es kabellos mithilfe von göttlicher Macht empfangen … Allerdings wiederholte sich das Motiv mit „wir geraten durch unsere Superkräfte in peinliche Situationen“ für meinen Geschmack viel zu oft. Vielleicht würde meine Begeisterung auch steigen, wenn es öfters längere Unterhaltungen mit anderen Charakteren gäbe und man die dauerhaften Anstrengungen der beiden mitbekommt, um inkognito zu bleiben.

Alles in allem werde ich mir vermutlich nicht den zweiten Band kaufen, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass „Saint Young Men“ anderen Leuten gut gefällt, wenn ihnen denn der Humor mehr zusagt. Falls ich irgendwann mal in die unwahrscheinliche Situation geraten sollte, dass ich nicht noch 30485932 Mangas auf meiner To-Read-Liste stehen hätte, wäre es jetzt aber auch nicht schlimm, dem zweiten Band doch eine Chance zu geben. :D Ich würde euch empfehlen, einfach mal reinzulesen und wenn euch die Anfangswitze nicht umhauen, dann werdet ihr vermutlich auch im Laufe des gesamten ersten Bandes nicht so richtig warm damit. Sorry Saint Onii-sans, das mit der Comedy solltet ihr nochmal überdenken. ;)

Kennt ihr den Manga? Wenn ja, was haltet ihr von ihm? Oder würdet ihr es überhaupt nicht in Betracht ziehen, den zu kaufen? Was haltet ihr generell davon, religiöse Personen in einem anderen Kontext darzustellen? Ich erinnere nur an die Aufregung um diverse Karikaturen oder Southpark-Folgen (eine ultramegahammerausführliche Auflistung der Vorgänge um die Folgen „Cartoon Wars“ 200&201 findet ihr hier).

Einen geseg … nee, das bring ich jetzt nicht. ^^“ Einen tollen Start in die Woche wünscht euch
eure 0utofjoint =)

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8 Kommentare

  1. Dieser Manga ist typisch japanischer Humor. Auch als Buddhistin habe ich kein Problem damit die Bibel zu lesen und mit christlichen Geistlichen zu diskutieren. Wobei das in meinen Augen wenig Sinn macht. Die Story finde ich witzig. Aber Tokio muss ein Schock für die beiden Protagonisten sein. Fahr mal selbst hin und du verstehst, was ich meine.

    Es gibt übrigens einen amerikanischen Film, den ich vor Jahren im Original gesehen habe. Dort gibt ein Lehrer eine Abschiedsparty und outet sich dort als 14.000 Jahre alter Cro-Magnon-Mensch. Er ist Buddha persönlich begegnet und hat später versucht dessen Lehren im Nahen Osten zu verbreiten. Du ahnst vielleicht, was das bedeutet. Buddha hat lange vor Jesus gelebt. Juden und Christen waren sehr kreativ, wenn es Weisheiten, Sitten, Bräuche zu übernehmen galt. Nicht umsonst stehen viele Kirchen auf heidnischen Opferplätzen.

    Fazit: Der Manga klingt interessant. Aber ich war noch nie ein wirklicher Fan und habe nur wenige gelesen. Bei dem könnte ich aber mal wieder eine Ausnahme machen. ;-)

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    1. Das glaube ich dir allein aufgrund der Fotos und Kurzvideos, die ich schon über die Stadt gesehen habe. ;)

      Ja, ich glaube die meisten Feste und Feiertage basieren eigentlich auf „Äh, wir übernehmen jetzt mal dieses heidnische Fest hier!“ und die Geschichten von diversen Heiligen und Messiasen ähneln sich in mancher Hinsicht auffallend. Da wurde bestimmt viel kreativ abgeschrieben :)

      Hm, interessant … Ob der Manga einfach Nicht-Manga-Fans eher zusagt als ein typischer Haudrauf-Manga und ich mich zu sehr an den anderen Stil gewöhnt habe? ^^

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  2. Hm, klingt speziell. Aber ich war überzeugt bei „[…] Jesus verwandelt spontan Dinge in Brot, wenn er zu gute Laune hat.“ ihn zu kaufen, also denke ich ich werde es versuchen ;)

    Habe übrigens den Anime zu ‚Arakawa under the Bridge‘ gesehen und möchte ihn an dieser Stelle mal empfehlen, „hammer geil“. Nach der ersten Folge habe ich fast am Boden gelegen und danach wurde es zwar weniger extrem, aber dafür gewann das ganze an Story.

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    1. :D Den Part fand ich auch sehr schön. Allerdings war der Humor an vielen Stellen wirklich nich so unglaublich begeisternd. Wäre also spannend, wie du ihn findest :)
      Ooooh, klingt gut! *-* Verdammt, schon wieder was für meine Liste. Die ich wirklich mal auf Papier führen sollte, so viele Sachen, wie das mittlerweile schon sind. :D

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      1. Soo, anderer Artikel :P
        Jetzt habe ich den Manga auch gelesen und sage: Genial, aber etwas zu lang.
        Ich habe ziemlich viel gelacht, die Darstellung ist super und allgemein die Art wie die Ereignisse derer Leben eingewoben wurden (zB Jesus Taufe :D) ist rihtig gut.
        Aber so die letzten 2 Kapitel waren etwas zu viel, immer noch gut, aber für den Gesamtumfang zu viel, auch wenn das Ende ganz gut gewählt ist.

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        1. Manche Witze haben zwar auch bei mir gezündet, aber dann kam der Humor bei dir offensichtlich insgesamt soch besser an als bei mir :D zu lang … naja, du weißt schon, dass da noch 8 Bände oder so kommen? ;) Würdest du demnach den zweiten Band eher nich kaufen oder testen ob der wieder besser is? :)

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          1. Zu lang für einen Band fand ich, da kann ruhig noch mehr kommen.
            Ich werde den zweiten auf jeden Fall noch holen, spätestens wenn ich mal wieder was lustiges und ruhiges brauche

            Mal am Rande: Habe meienr Religionslehrerin (eig. Pastorin und macht etwas Unterricht nebenbei) den Manga ausgeliehen, die hat sich ziemlich gefreut und ist gespannt:D
            Wenn ich den im Februar wieder kriege, dann meldich mich deswegen nochmal ;)

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