Statistik in unterhaltsam?! o.O – Buch-Review „Lügen mit Zahlen“

Ja, ich war genauso skeptisch wie ihr das wahrscheinlich gerade seid, nachdem ihr den Titel gelesen habt. Aber in diesem Review werde ich euch erklären, warum das Buch „Lügen mit Zahlen“ nicht so grässlich ist, wie man vielleicht vermuten würde, nachdem man das Cover gesehen hat „Iiih, ein Balkendiagramm!“ und den Untertitel gelesen hat „‚Wie wir mit Statistiken manipuliert werden‘? Da kommt Statistik drin vor! ;_; Und Verschwörungstheorien! Mach das weeeeg!“

Gerd Bosbach/Jens Jürgen Korff; Lügen mit Zahlen; Heyne Verlag

Gerd Bosbach/Jens Jürgen Korff; Lügen mit Zahlen; Heyne Verlag

Ich hab das Buch also nur gelesen, weil es mir der Freund meiner besten Freundin empfohlen hat (wie ich schon bei „5 Bücher für 2015“ gesagt habe), aber ich war positiv überrascht. Die Autoren sind ein Mensch aus Bielefeld und ein Statistik-Professor, es werden also sowohl die Bereiche Verschwörungstheorien als auch fundierteste Statistikkenntnisse abgedeckt. Nee, ernsthaft, es hat mich immer amüsiert, wenn die beiden unbedingt vergleichen mussten, wie die Dinge in Köln ablaufen und wie in Bielefeld. Aber das ist nicht die Kernaussage des Buchs. Es geht schlicht und ergreifend darum, wie man mit einfachen Fragestellungen Statistiken besser beurteilen kann, die einem in der Zeitung (hahahah, sorry), die einem im Internet begegnen oder auf die sich jemand anders beruft.

Alles Kriminelle im Vatikan! O_O

Das Buch steigt langsam mit ein paar überraschenden Beispielen ein und schockiert uns erst einmal damit, dass die Vatikanstadt die kriminellste Stadt auf Erden ist. Verwirrende Aussagen wie diese werden uns immer wieder entgegengeworfen und die Autoren rechnen natürlich damit, dass man nun erst mal sagt „Hä?? Das kann doch gar nicht sein!“, erklären dann aber, warum das statistisch gesehen eine vollkommen korrekte Aussage ist. In diesem Fall ist das zum Beispiel so, weil die Vatikanstadt eine sehr geringe Bevölkerungszahl (nur 500!) hat, aber jedes Jahr von Millionen von Touristen besucht wird, denen gerne mal Dinge geklaut werden oder die anderen Straftaten zum Opfer fallen. Wenn man jetzt alle diese Straftaten auf die Bevölkerungszahl umrechnet, dann müssten die armen 500 festen Einwohner der Vatikanstadt zu den gefährlichsten Leuten dieser Welt zählen. Was wir aber vermutlich zu Recht bezweifeln dürfen. So leicht lässt sich eine Aussage einfach dadurch beeinflussen, wie man die Statistik dahinter genau berechnet und was man z.B. als „Kriminalitätsrate“ definiert.

Im Laufe des Buchs kommen unzählige Beispiele dieser Art vor, die ich jetzt natürlich nicht alle wiedergeben möchte. Ich wollte euch nur einen kurzen Einblick bieten, wie das Buch funktioniert. Die Beispiele darin haben mich abwechselnd verblüfft und geärgert – das kann schon mal vorkommen, wenn man feststellt, dass an viel zu vielen Stellen Statistiken geschönt, aufgehübscht und schlicht völlig offensichtlich manipuliert wurden. Außerdem erfahren wir, dass Prognosen generell irgendwie nich so aussagekräftig sind und auch wenn sie von jedem wiedergekäut werden, niemand wissen kann wie die Zukunft aussehen wird. Noch nicht mal mit einem Doktor- oder Professorentitel oder wenn man die Wahlprognose im Fernsehn präsentieren darf! :O

 Statistiken sind unneutral

„Lügen mit Zahlen“ ist in verschiedene Kapitel aufgeteilt, die sich je mit einer Manipulationsmethode bzw. einem häufigen Grund für Missverständnisse beschäftigen. Unter anderem geht es um Grafiken, Prozente, Prognosen und Vergleiche verschiedener Werte aus unterschiedlichen Zeiträumen. Da alle Kapitel mit sehr interessanten Beispielen gewürzt sind, ist mir an keiner Stelle langweilig geworden. Okay, vielleicht doch ein wenig, beim „Exkurs“ über den Kult der Zahl. Da dürfen nämlich historische Persönlichkeiten zu Wort kommen, die sich mit der Bedeutung von Zahlen für die Menschheit beschäftigt haben und das war nicht unbedingt immer spannend. Dafür konnte ich in diesem Kapitel auch besonders grinsen, weil auch ein gewisser Herr Sarrazin kurz vorkommt. Sehr kurz. ^^ Total langweilig ist das Kapitel allerdings nicht, es ist nur ein völlig anderer Ansatz und eher philosophisch-soziologisch-psychologisch angehaucht als wirklich statistisch. Es bringt einen auf jeden Fall dazu, darüber nachzudenken, wer wieso und warum eigentlich mit Statistiken schummeln möchte und sich gerne hinter Zahlen versteckt. Insgesamt waren die meisten Beispiele sehr unterhaltsam und spannend und man wird an vielen Stellen zum Mitdenken aufgefordert – was ja angeblich immer gut sein soll. Hab ich gehört. In den Medien. :P

Ganz am Ende des Buchs findet sich noch eine Checkliste, die man gedanklich immer dann durchgehen sollte, wenn man mit Statistiken konfrontiert wird und die aus einfachen Fragen besteht und nicht aus komplizierten Formeln. Generell finden sich im Buch keine komplizierten Formeln und man muss allerhöchstens mal eine Prozentrechnung durchführen, oder addieren und subtrahieren und zumindest letzteres bekomme sogar ich als absoluter Statistik-n00b dann noch hin. ;) Danach kommt dann noch ein Übungskapitel mit Aufgaben zum selbst durchdenken.

Ich würde das Buch ganz klar jedem empfehlen, der sich mit Statistik nicht gut auskennt und einen Überblick bekommen möchte, wie man die alltäglich in den Medien wiedergegebenen hübschen Grafiken beurteilen sollte und an welchen Stellen eventuell Unwissen oder böse Absicht von bösen Menschen eine Statistik eingefärbt haben, damit sie das aussagt, was man gerne ausgesagt hätte. Mittlerweile bin ich mir jedenfalls sicher, dass ich an vielen Stellen selbst aus Unwissenheit schon Trilliarden solcher Schummler, Auslasser und Fehler übersehen habe. So ein Statistik-Verständnis-Kurs wäre vielleicht auch in der Journalistenausbildung mal ne Idee …

Was haltet ihr so vom Thema Statistik? Fandet ihr das bisher auch so furchtbar wie ich? :D Vertraut ihr Statistiken, die ihr irgendwo seht oder wart ihr schon immer skeptisch? Was haltet ihr vom Buch?

Einen statistisch signifikant positiven Tag wünscht euch
eure 0utofjoint =)

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2 Kommentare

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