Ich habe einen Film geguckt. Watt hat sisch datt jelohnt. :/

Hach ja. Man hätte es ahnen können. Wenn man sich den Trailer angeschaut hätte. Hat man aber nicht. Wir merken uns also vor: Trailer gucken ist wichtig! Warum ich hier so rumnöle? :D Weil ich zum ersten Mal seeeiiiit „Der Hobbit – Smaugs Langeweile“ im Kino war und mich das, was uns da präsentiert wurde, nicht unbedingt vom Konzept „Film“ überzeugt hat. ^^ Aber von Anfang an. Ein guter Kumpel ist über die Filmbeschreibung von „Los Veganeros“ gestolpert – dem ersten richtigen Film, der sich, naja, mit Veganern beschäftigt. Da er auch Veganer ist, schlug er spontan vor, sich das Filmchen anzuschauen. Wir schlenderten also ins Programmkino seines Vertrauens, wo passenderweise das erste vegane Restaurant Bielefelds vor dem Kinosaal PR-profimäßig die eigenen Speisen als Häppchen auftischte und dann kuschelte man sich in mehr oder weniger gemütliche Kinosessel und harrte der Bilder, die da kommen mochten. Mochten sie auch, nur wir mochten sie nicht soooo sehr.

Der Independent-Film war halt sehr äh, independent. Um nicht zu sagen: Man begann zu spekulieren, für wie viele der Menschen im Film es wohlmöglich ihre ersten Minuten vor der Kamera sein mochten. Ich habe sie ja angefeuert und gehofft, dass sie schnell lernen und während der 90 Minuten zu oscarreifen Leistungen auflaufen – leider war dem nich‘ so. Zur Verteidigung des Films sei hier gesagt, dass es sich bei den Darstellern um einige professionelle Schauspieler und 150 Laiendarsteller handelt. Letztere dürfen also ruhig noch üben und man sollte über ein paar Holprigkeiten hinwegsehen. Nur will ich dafür ja eigentlich nicht ins Kino gehen. :D Aber gut, ob ich mit 25.000 € und unbezahlten Schauspielern einen besseren Film hinbekommen würde?

In einem Kino voller Veganer :D

Worum geht es bei Los Veganeros? Um eine Veganerin, gespielt von Rosalie Wolff, die ähnlich wie ich einsam und zynisch ihr Dasein fristet und sich mit den ganzen omnivoren (also alles essenden) Menschen ihrer Umgebung herumschlagen muss. Und hier kommt auch schon einer der Punkte des Films, bei denen jeder im Kino lachen musste, was vermutlich daran lag, dass hier der Veganeranteil bei mindestens 80 % lag. ;) Denn in einer Szene mit ihren Eltern darf sich „Vicky“ die klischeehaftesten Sprüche zum Thema anhören, die jedem Veganer sicher schon einmal begegnet sind: „Aber Kind! Isst du immer noch kein Fleisch? Iss doch mal was Vernünftiges!“ Das Publikum erkennt sich also wieder und das ist humortechnisch immer gut.

Leider reagiert der Hauptcharakter Vicky immer recht aggressiv auf ihre uneinsichtigen Mitmenschen und das ist neben der an einigen Stellen eben doch noch nicht ausgereiften Schauspielkunst auch das Problem des Films. Während die Liebesgeschichte zwischen Vicky und dem gerade kennen gelernten und bald zum Veganismus bekehrten Matt so einigermaßen realistisch vor sich hin funktioniert, gehen einem alle veganen Hauptdarsteller mit ihrem Faktenwissen zum Thema Fleischkonsum ziemlich auf den Sack. Also mir zumindest. Der Film versucht sich an einem Spagat zwischen Informationsvermittlung und Unterhaltung, was sehr löblich ist, aber leider schiefgeht. Denn auch wenn ich es für wichtig halte, dass Fleisch konsumierende Menschen mal gehört haben, wie Tiere in Massentierhaltungsanlagen gehalten werden oder was sonst noch an grausigen Tatsachen oft untergeht … im Film kommt diese Botschaft für mich nicht an.

Einer der Punkte, der ausführlicher besprochen wird, ist ausgerechnet die Tatsache, wie viel Wasser ungefähr für 1 kg Fleisch verbraucht wird. Leider ist genau das ein sehr komplexes Thema, das man nicht einfach so pauschal mit den gerne zitierten „15.000 Litern für 1 kg“ angeben kann. Für diese wird nämlich mit sogenanntem virtuellem Wasser gerechnet, das zur Bewässerung des Futters für das als Essen eingeplante Tier verwendet wird. Und das kann je nach Region eben von selbst vom Himmel fallen oder künstlich beschafft werden, wodurch an anderer Stelle Trinkwasser knapp wird. Ich finde es auch unverantwortlich, dass in ultratrockenen Regionen wasserintensive Landwirtschaft betrieben wird und dass Tierhaltungen oft ganzdollvielwäh Wasser verschmutzen, aber die simple Rechnung ist mir ein wenig zu plakativ und so auch nicht 100 % korrekt oder auf alles anwendbar. Einen ausführlicheren Artikel zum Thema, warum virtuelles Wasser oft zu Unrecht als absoluter Wert verwendet wird, gab es schon 2012 bei brandeins.

Mir gefällt auch die Idee, dass die Fakten in verschiedenen Situationen eingestreut werden, so zum Beispiel als Vortrag eines Lehrers in der Schule oder in Form von anderen Gesprächen. Aber ein großer Teil der Gespräche zwischen Vicky und allen Leuten, die keine Veganer sind (oder Matt heißen) laufen so ab, dass sie überheblich, aggressiv und schnippisch mit ihnen auf Konfrontation geht. Natürlich steht ihr dabei der Massentierhaltung-Ekeltyp von nebenan zur Seite, den man so richtig schön unsympathisch finden kann. Anstelle einer normalen Konversation gibt es zwischen diesen beiden eher eine Art Bitch-Fight, bei dem man merkt, dass beide sich verabscheuen, weil sie an verschiedene absolute Wahrheiten über die Nahrungskette glauben.

Yay, wir sind alle radikal und besser als ihr! ^.^ Äh, Moment …

Weil sie gerade Stress mit Matt hat und sowas ja bekanntlich die beste Motivation ist, um sich strafbar zu machen, entschließt Vicky, dass es eine super Idee wäre, den Veganismus mithilfe einer hünsch radikalen Aktion zu fördern. Ihre Gruppe entführt also den fiesen Onkel mit der Schweinemast-Anlage. Sie wollen ihn in einem Gitterdingsbums auf dem Marktplatz ausstellen, damit er mal mitbekommt, wie sich seine Tierchen so fühlen. Abgesehen davon, dass ich den Gedanken „Damit du mal merkst, wie das ist!“ durchaus nachvollziehen kann, fällt sogar einigen der anderen veganen Menschen in Vickys Gruppe auf, dass das jetzt nicht unbedingt das beste Licht auf diese komischen veganen Spinner werfen könnte. Aber leider hört keiner auf die und deswegen muss man das Klischee vom Veganer noch mehr erfüllen als ohnehin schon und völlig radikal in der Gegend herum“veganern“. Weil wir alle nämlich in unserer Freizeit Leute entführen und in Abferkelanlagen sperren. Jawohl. o.O Fleischesser scheinen übrigens laut Film einfach nur dumm oder absolut mega-ignorant und verständnislos zu sein und deswegen den Veganern irgendwie unterlegen oder so. Da wisst ihr jetzt also auch Bescheid, ne?

Neben der Hochnäsigkeit und dem radikalen Bild, das von Veganern vermittelt wird, funktioniert auch der Humor nicht unbedingt immer. Wenn Vicky zu einer Currywurstbude geht und dort nachfragt, ob denn auch was vegetarisches auf dem Plan stünde, rechnet sie bereits damit, dass dem nicht so ist. Fragen tut sie trotzdem, nur damit ihr dann nach ihrem empörten Abrauschen auf dem Fahrrad, im Nachhinein eine junge Truckerin zur Hilfe eilen kann, die den beiden Budenbesitzern einen frechen Spruch aufs Auge drückt. Da hat sie es ihnen aber gegeben, jaha. Wäre vielleicht auch lustig gewesen, wenn man nicht bereits 20 Sekunden vor ihrem Spruch mit genau so etwas gerechnet hätte. Zitat meines leicht entnervten filmliebhabenden Kumpels: „Die eine im Hintergrund läuft jetzt gleich darüber und verteidigt sie.“

Dat Bildausschnitt!

Auch die Kameraführung war an ein paar Stellen etwas seltsam. Ja, es gibt ganz doll viele Perspektiven, die verschiedene Sachen aussagen, weil der Zuschauer sich dann auf etwas anderes fokussiert, aber an ein oder zwei Stellen war dieses „Wir bilden jetzt mal nur den Mund ab, während der redet, dann ist das dramatischer!“ irgendwie nur irritierend. Vielleicht weil ich in dem Moment gerne die Mimik um den Mund herum dazu gesehen hätte bzw. die Reaktion des Gegenübers vom Mund. Insgesamt war die Kamera völlig okay, also nicht dass ihr jetzt denkt, wir hätten uns im Kino verwackelte Handyvideos angeschaut. :D Aber es war eben keine meisterliche Regisseurleistung, soweit ich fernab jeglicher Expertise das beurteilen kann. Und wenn mich als Laie das schon stört, will das ja etwas heißen. ^^

Ach ja, um die 25.000 € aufzustocken haben einige vegane Firmen den Film gesponsort, man darf also im Lauf des Films mit Tonnen von Produkteinblendungen rechnen und einige Male wird sogar der Name erwähnt. Letzteres fand ich viel zu offensichtlich, der Rest war okay, da die Produkte meist während des Kochens oder an sinnvoll wirkenden Stellen eingeblendet wurden, bei denen man ohnehin Krams brauchte, den man zum Beispiel in die Pfanne werfen kann. Von wem dann letztendlich die Nudeln oder das Tofu stammen, ist mir herzlich egal. Und in einem Veganer-Film nicht zu kochen, um damit zu beweisen, dass das eben doch schmecken kann (auch wenn Matt da ein wenig zu begeistert wirkte …), das wäre schlicht nicht gegangen. Ernsthaft. Es geht um Ernährung, da muss auch irgendwo mal gekocht werden. ^^ Zum Schluss will ich euch den Trailer natürlich nicht vorenthalten, denn hätte ich den zuvor gesehen, wäre ich nicht ins Kino gegangen. :D Falls ihr trotzdem noch wollt, auf der Seite von Los Veganeros findet ihr eine Auflistung der bisherigen „Indie“-Kinos, die ihn zeigen.

Ich bin gespannt, was ihr von diesem Meisterwerk haltet. :D Ich habe bisher nämlich noch einige begeisterte Kritiken gesehen und bin ja vielleicht auch in der Minderheit mit meinem Genörgele. Vielleicht stehe ich einfach nicht auf Filme, deren Genre mich schon eine Augenbraue nach oben ziehen lässt. „Dramödie“? Was soll das denn sein? Oder vielleicht lag es an der Hauptfigur, die mir mit ihrem permanenten von oben herab Belehre auf den Keks ging. An sich kann ich mir aber gar nicht vorstellen, wie viel man mit 25.000 € und jede Menge Laiendarstellern so reißen kann … Film-Experten zur Rettung?! ^^

Wie sieht’s bei euch aus? Welcher Low-Budget-Film hat euch zuletzt begeistern können? Welcher Film hat euch total enttäuscht, weil ihr euch etwas ganz anderes erhofft hattet? Wie findet ihr denn die Idee, ein ernstes Thema in eine nette Lovestory (die zu Anfang sogar halbwegs realistisch rüberkommt) zu packen und äh ein wenig Aktionismus drüberzuwerfen und dann klappt das schon? Bzw. gibt es die Kombination aus Aufklärung/Fakten und Unterhaltungsfilmchen vielleicht schon in perfekt umgesetzt? ^^ Oder findet ihr, dass man durch so eine Verwurschtelung/Vertofuung zu viele Abstriche machen muss und zu schnell in Klischeedenken abdriftet? Und wie findet ihr die Idee ausgerechnet über Veganismus einen Film zu drehen? Hat euch das gerade noch gefehlt oder hat euch das „gerade noch gefehlt *Kopf–>Tisch*“? ;) So, ich hoffe, ich habe niemandem den Film verdorben, den er oder sie heute Abend noch gucken wollte. xD

Einen unradikalen Start ins Wochenende wünscht euch
eure 0utofjoint =)

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35 Kommentare

  1. Ich mag Independent-Filme. Vor allem der lesbische Film muss oft diesen Weg gehen. Seit einigen Jahren auch per Kickstart und als Web-Serie. Vielen Filmen fehlt dann leider ein guter Plot, oder die DarstellerInnen sind nur halbherzig dabei. Spielen Laien mit, wird es oft katastrophal. Als ein recht gelungenes Beispiel kann ich „The Four-Faced Liar – Liebe findet ihren Weg“ nennen. Vielleicht hast du schon von dem Film gehört.
    Mit Filmen, Zuschauern und Kritikern ist es auch immer eine Sache für sich. Ich kann mich für Horror- und Actionfilme begeistern, blutrünstigste Anime schauen und dabei noch herzlich lachen. Yuki bekommt dann die Krise, aber schaut tapfer mit. Und ich dann auch gern total schnulzige Liebesfilme mit ihr, die mir nicht immer gefallen. Vor allem bei Klischees über LGBT nicht!
    Nach deinem Review habe ich wenig Motivation, den Film zu schauen. Ich wüsste auch ehrlich gesagt nicht so recht wo. Vielleicht sollte ich ein Drehbuch wie „Die Veganer von der Venus“ schreiben. Wäre doch mal was ;-)

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    1. Ich habe ja auch nicht prinzipiell etwas gegen Indiefilme, nur eben gegen schlecht gemachte und welche bei denen mir die Botschaft widerspricht. So ähnlich wie du das von den lesbischen Filmen ohne Plot berichtest. Hm, der Titel sagt mir sogar etwas, aber gesehen habe ich ihn nicht. Muss ich mal googlen. :)
      Da sich die Geschmäcker so sehr unterscheiden, wäre es interessant zu sehen, wessen Geschmack die für mich oder dich „schlechten“ Filme treffen. ^^
      XD „Veganer von der Venus und Fleischesser vom Mars“? Ich glaube für Drehbücher bin ich nicht unbedingt geeignet, ich komme doch immer vom Hölzchen aufs Stöckchen. ^^

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          1. Noch ein weiteres Beispiel für Indie-Filme: Life Partners. Gute DarstellerInnen, recht guter Plot. Leider nicht mehr als Durchschnitt. Die Regisseurin wollte zuviel, die Story wirkt abgearbeitet. Leighton Meester und Gillian Jacobs sind die Akteurinnen. Man hätte mehr aus der Story machen können. Die Hänger kamen in der zweiten Hälfte. Und einige Schnitte waren definitiv zu hart. Es wirkt, als ob Teile fehlten um auf die richtige Kinolänge zu kommen.

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            1. Sind die Vorstellungen bei dir schon vorbei? In Bielefeld gab’s auch nur die eine, aber ich glaube es sollten noch weitere Termine angekündigt werden, wenn der Film gut läuft.

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  2. Vielen Dank für diese großartige Beschreibung :D
    Ich habe zwar vor den Film zu sehen, aber nicht im Kino. Ich befürchtete schon sowas in die Richtung, aber dann bin ich ja jetzt vorbereitet. Und bin fast noch ein wenig neugieriger darauf… Ich werde bestimmt berichten, wenn ich ihn auch endlich gesehen habe. ;)

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    1. Bitte gerne, freut mich wenn sie dir gefällt. Und lustig, dass du jetzt noch neugieriger bist :D Da bin ich doch umso mehr gespannt, was vorinformierte Menschen denn nach dem Genuss dieses Werkes davon halten. ;)

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  3. Oje, klingt nach einem „Zeigefinger-Film“ (mein Begriff für Filme, die tadelnden Charakter haben) – also nichts für mich xD
    Nicht wegen dem Thema an sich, aber ich mag es nicht wenn etwas nur von einer Seite beleuchtet und die andere dabei in den Dreck gezogen wird – ich finde das zu einseitig und ehrlich gesagt dann auch irgendwie langweilig …
    Hm, so wie du ihn beschreibst schöner Film um die Leute noch mehr gegeneinander aufzustacheln *hust*

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    1. Wie gesagt, die Hintergrund-Lovestory war ganz okay, wenn man unbedingt sowas braucht. Aber der Zeigefinger-Aspekt hat mich auch genervt. :)
      Ich hoffe nicht. Aufstacheln muss doch nicht. :/ Seltsamerweise hatte ich bis zum Schreiben der Review noch fast keine richtig krassen negativen Bewertungen gesehen.
      Ach ja und: Yaaay, Nekosani is baaack! ^-^

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