Manchmal möchte ich gar keine Journalistin mehr sein …

Manchmal möchte ich auf eine einsame Insel ziehen. So ohne Medien, Panikmache, Hysterie und Verurteilungen. Einfach alles ignorieren. Leider geht das nicht. Ich habe es im Fall des abgestürzten Germanwings-Flugs versucht, indem ich nicht bei Twitter online gegangen bin oder nur sehr wenig dort gelesen habe. Trotzdem habe ich natürlich mitbekommen, wie viele Redaktionen mit dem Thema umgegangen sind. Und da ist mir ehrlich gesagt mal wieder klar geworden, warum laut einer Umfrage nur rund ein Viertel der Deutschen Journalisten für glaubwürdig hält. Wenn mir jemand während solch eines Medien-Amoklaufs erklärt, dass Journalisten vernünftige Menschen und vollkommen vertrauenswürdig sind, würde ich demjenigen vielmehr an die Stirn fassen und ihn wegen Fieberträumen ins Bett schicken. So weit isses schon gekommen. Allein die Wochen und Monate vor dem Absturz war die Berichterstattung über Griechenland schon so ein Reizthema.

Denn mittlerweile ist Jan Böhmermann, den ich vor ein paar Monaten noch als den Ar…den netten Herrn kannte, der aggro auf Youtubern rumhackt, für mich und viele andere glaubwürdiger geworden als zum Beispiel Günther Jauch. Wir wissen alle warum. Nachdem Böhmi noch einmal mit meiner Ansicht nach vielleicht sogar bei irgendwem ankommenden Argumenten gegen andere Youtuber wetterte, veröffentlichte er den grandiosen Songerfolg „V for Varoufakis“ und mischte sich damit in das Thema Griechenland ein. Mittlerweile hat das Video (vermutlich auch dank der Untertitel in Griechisch, Deutsch, Portugiesisch und Spanisch) über 2 Mio. Aufrufe und es ist auch einfach ein Ohrwurm … Für alle, die es immer noch nicht gesehen haben sollten: Darin macht er sich über deutsche Klischees lustig und stellt den griechischen Finanzminister Varoufakis als Übergott dar, der Deutschland fertig machen wird. Hintergrund ist natürlich, dass während der Griechenlandkrise alle darüber wetterten, man habe „den gierigen Griechen“ ja schon genug Geld gegeben und nun sei aber auch mal gut. Ab dem Zeitpunkt, wo ich Böhmermanns humoristischen Ansatz mit der Berichterstattung in diversen Medien verglichen habe, war er mir dann plötzlich um einiges sympathischer.

Die anstrengendsten „Journalisten“ zuerst: Die Bildzeitung hatte zum Beispiel ernsthaft zu einer Selfie-Aktion aufgerufen, bei der man sich zusammen mit einer Seite aus der Bild fotografieren sollte, auf der ein riesiges „NEIN!“ prangte – ohne Capslock und Ausrufezeichen können die Bild-Leute ja anscheinend nicht. Mit diesem „NEIN!!!11!!1!!einself!“ sollte „den Griechen“ gezeigt werden, wo der Hammer hängt und dass alle Deutschen natürlich dagegen seien, einem so faulen Land wie Griechenland weitere Milliarden Euro in den Hintern zu schieben. Ich finde es erschreckend, dass Menschen daran teilgenommen haben, aber gut, so sind wir halt als Spezies, ziemlich egoistisch, kurzsichtig und durch unsere Uninformiertheit manchmal einfach nur scheiße. Falls ihr einen Artikel ohne Aufregung und mit gut durchdachter Wortwahl meinerseits möchtet, solltet ihr diesen hier vielleicht überspringen. ^^

Wer sind die Protagonisten?

Habt ihr die Griechenland-Berichterstattung verfolgt? Dann ist euch vielleicht auch aufgefallen, dass Varoufakis nach seinem Antritt als Finanzminister nicht gerade geliebt wurde. Besonderen Hate erntete er dafür, dass er sich gegen die weitere Zusammenarbeit mit der sogenannten Troika sperrte. Die Troika ist eine Institution aus Personen mit diplomatischer Immunität, die niemandem gegenüber Rechenschaft ablegen müssen und deren Beschlüsse von den in Geldnot befindlichen Eurostaaten befolgt werden müssen, weil diese sonst keine Chance auf die Notkredite haben, die von der Troika verwaltet werden. Klingt doch nach einem super System, das überhaupt nicht anfällig für Missbrauch ist, oder? Ich meine, dass einzelne Idioten sich von eventuellen Lobbyisten beeinflussen lassen, das kam ja noch nie vor. Und die Mitglieder der Troika müssen ja auch nicht vor Ort sein, um die Lage in den verschiedenen Staaten zu erspüren, die sie gerade zum Untergang weih- äh, denen sie großherzigerweise Geld leihen, unter der Auflage ihnen alle Erstgeborenen zu opfern. Da kann doch gar nichts schief gehen, warum sollte man also gegen die Troika sein? Komischer Kerl scheinbar, dieser Varoufakis.

Aber wer ist dieser unbeliebte Kerl überhaupt? Abgesehen davon, dass Böhmermann ihn cool findet, ist der gute Mann Wirtschaftswissenschaftler, hat bereits an der Uni in Athen und zeitweise an der University of Austin, Texas gelehrt, diverse Artikel und Bücher über die Eurokrise und den Umgang damit geschrieben und sogar zwischenzeitlich mal für Valve gearbeitet und dort das Vertriebssystem Steam analysiert. Jepp. ^^ Auch Verkäufe von Waffenskins in Counter Strike haben etwas mit Finanzen und Wirtschaft zu tun. Ach ja und bloggen tut er sogar auch. Falls ihr euch für sein „Modest Proposal“ also den bescheidenen Vorschlag für die Euronationen interessiert, könnt ihr dieses online auf seinem Blog yanisvaroufakis.eu nachlesen. Ob dieses Proposal sinnvoll oder umsetzbar ist, darüber streiten sich die Experten und ich enthalte mich, da ich hierfür leider wirklich zu wenig Finanzwirtschaftsexpertentum studiert habe. Ich finde es nur spannend, dass er sich schon vor Jahren über das Thema aufgeregt hat und vermutlich recht machtlos dabei zusehen musste, wie der griechische Staat so langsam in Schulden und den damit einhergehenden Problemen versank, während hier noch kein Hahn danach gekräht hat.

Ich bestreite übrigens auch nicht, dass Varoufakis radikal ist und vielleicht gerne im gleichen Zug in dem er Griechenland aufbauen will auch den Kapitalismus teilweise abbauen möchte. Aber Griechenland wird mittlerweile so wie zuvor Zypern stückweise an den Meistbietenden versteigert, da kann man schon mal etwas allergisch auf den Kapitalismus reagieren, oder? Ach, verzeihung, nicht an den Meistbietenden, nur an den mit dem meisten Geld, der rein zufällig der einzige Bieter ist, weil alle anderen leider gar keine Zeit hatten, sich schnell genug anzumelden. Aber das ist selbstverständlich alles nur Zufall. Ich will ja hier keine Verschwörungstheorien aufstellen.

Wo Staatenverbünde nicht helfen, ist Selbsthilfe angesagt

Mittlerweile gibt es in Griechenland übrigens schon Aktionen, die alternative Währungen einsetzen – denn wo kein Erspartes oder Gehalt in Euro vorhanden ist, die Leute aber trotzdem arbeiten und essen möchten, da bietet es sich an, auf ein altmodisch wirkendes Tauschsystem zu setzen. Ich repariere ein Dach, dafür bekomme ich X Währung und davon kann ich mir dann etwas zu essen oder vielleicht den Arztbesuch leisten. Denn krankenversichert zu sein, ist in Griechenland längst nicht mehr der Regelfall. Dadurch, dass ihr euer Geld nicht dauerhaft ansparen dürft, bleibt es im Umlauf und das System und somit der Handel bleibt lebendig. Während hierzulande also noch über die Griechen gemeckert wird, gibt es in Griechenland Journalisten, die alternative Zeitungen und Radiosendungen betreiben, um den Mainstream-Medien in Griechenland etwas entgegenzusetzen.

Arte-Dokus sind für mich eine erleichternd tiefgründige, wenn auch deprimierende Alternative zum Gefasel von vielen schnelllebigen Twitter-Timeline-Postern. Deswegen hier noch eine, die ihr mit anderthalb Stunden Zeit und Konzentration vielleicht schauen mögt: „Macht ohne Kontrolle – Die Troika“ bei Youtube. Darin geht es darum, weswegen es eigentlich eine ziemlich bescheidene Idee war, irgendwelche Leute als Kontrollorgan ganzer Staaten einzusetzen, die ihrerseits niemandem gegenüber so wirklich Rechenschaft ablegen mussten. Und natürlich darum, an wie vielen Stellen während der Entstehung der Eurokrise Ungereimtheiten entstanden sind. Leider gibt es die Doku nur noch bei Youtube und nicht mehr in der Mediathek von Arte. Dort könntet ihr allerdings nach einer Zusammenfassung per email fragen. ^^

Altah, droh mir nicht damit, Gehälter auszuzahlen!

Im Moment sieht es übrigens so aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den griechischen Banken sozusagen ein Notfallgeld (ELA=Emergency Liquidity Assistance) in Höhe mehrerer Milliarden zusteckt, damit diese weiterarbeiten können. Die Banken wiederum halten einen großen Anteil der griechischen Staatsanleihen und sind die größten Geldgeber des griechischen Staates. Die EZB wiederum darf die griechischen Banken nur so lange weiter unterstützen, wie die Banken solvent sind, also selbst noch Geld haben. Dass die Banken nicht bankrott sind, liegt unter anderem daran, dass sie die griechischen Staatsanleihen als Sicherheit vorweisen können. Denn diese haben in der Theorie noch einen bestimmten Wert, den man wunderbar als theoretische Sicherheit angeben kann, auch wenn die Anleihen de facto keiner mehr gegen bares Geld eintauschen würde. Zumindest die EZB tut das seit Anfang Februar nicht mehr und gewährt nur noch die erwähnten Notfallkredite. So weit so gut. Allerdings muss Griechenland Löhne und Renten überweisen (1,7 Mrd. €) und bis zum 9. April auch noch eine Kreditrate an den Internationalen Währungsfond zurückzahlen (466 Mio. €). Macht also zusammen: viel. Ich möchte an dieser Stelle einfach mal Spiegel Online zitieren:

Es ist die letzte in einer Reihe von Provokationen aus Athen: „Wenn bis 9. April kein Geld fließt“, kündigt der griechische Innenminister Nikos Voutsis gegenüber dem SPIEGEL an, stünde infrage, ob sein Land 450 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen werde. Erst werde man Gehälter, Renten und Pensionen an die Bevölkerung überweisen, dann über eine Verschiebung der Rate verhandeln. Denn sein Land habe nur noch bis Mitte April Geld. Voutsis gilt als einer der engsten Vertrauten von Premier Alexis Tsipras in dessen Kabinett.

[…] Bei den Geldgebern ist man über die neue Drohung aus Athen entsetzt: „Das würde sehr, sehr schlecht aufgenommen“, sagt ein Vertreter der Institutionen (früher Troika genannt), die Griechenlands Finanzen derzeit überprüfen. Die bevorzugte Bedienung seiner Kredite ist oberste Voraussetzung, damit der IWF einem Land Hilfskredite gibt.

vollständiger Artikel hier

Der Artikel heißt übrigens „Griechenland-Verhandlungen: Hellas‘ Wahnsinn“. Habe ich das richtig verstanden? Es ist eine Drohung, wenn ein Land zugibt „Ey Leute, wir haben kein Geld mehr, möchten aber gerne unseren Mitbürgern ihr Gehalt und die Rente zahlen, damit die Essen und vielleicht sogar ihre Miete bezahlen können. Die Internationalen Währungsinstitute kommen dann später. Also es sei denn, ihr leiht uns vorher noch Geld, dann können wir das quasi auch an besagte Institute weiterleiten. Habe ich was nicht mitbekommen? Wo ist denn da bitte eine Drohung? Ich glaube ich bin einfach zu wenig Expertin, was diese ganzen internationalen Geldleih-Beziehungen angeht. Für mich klang das vollkommen logisch, auch wenn man natürlich nicht möchte, dass jemand auf ewig neue Kredite bekommt und einfach nie seine Fristen beim Bankinstitut einhält, ist das doch immer noch keine Drohung, oder? Ich werd hier noch kirre.

Den Gürtel enger schnallen … welchen Gürtel?

Wenn man sich die Ausgabe der „Anstalt“ von Ende März 2015 anschaut, dann kommen einem die Tränen. Leider nicht immer vor Lachen. Denn die Anstalt ist so ehrlich, dass es weh tut. Ihr erinnert euch daran, dass viele Griechen keine Krankenversicherung mehr haben? Wovon sollen sie die auch bezahlen, mit durchschnittlich 86 % weniger Einkommen als vor der Krise? Krebsmedikamente gibt es einfach nicht mehr. Dennoch gibt es weiterhin ein paar Krankenhäuser, auch wenn mittlerweile 2/3 davon geschlossen wurden, um Kosten zu sparen. Claus von Wagner erzählt in der Sendung, dass die Mütter, die ein Krankenhaus zur Verfügung haben, immer öfter ihre Kinder direkt nach der Geburt im Krankenhaus lassen, weil sie Angst haben, ihr neugeborenes Kind nicht mehr ernähren zu können. „Und dann heißt es aus Brüssel und Berlin: Zuerst müssen die Schulden gezahlt werden. Wenn man über seine Verhältnisse gelebt hat, dann muss man halt erst mal kürzen. Und sei es an der eigenen Lebenszeit. Das sind die europäischen Werte, die wir derzeit verteidigen.“

Bisher konnte die griechische Regierung einfach einen neuen Kredit bei den inländischen Banken aufnehmen. Die EZB hat nun allerdings die griechischen Banken angewiesen, dem Staat kein Geld mehr zu leihen, da der Kreditrahmen ausgeschöpft ist. Im Sinne von „Nun is aber auch mal gut, viel länger können wir uns das nicht leisten!“. Hat nun allerdings der Staat kein Geld mehr, um die herannahenden Löhne und Kreditraten zu begleichen, ist er nicht mehr nur irgendwie so theoretisch insolvent, sondern auch praktisch. (Als irgendwann keiner mehr griechische Staatsanleihen gekauft hat, mussten die sogenannten EU-Rettungsschirme einspringen. Dadurch wurden die Schulden von privaten Gläubigern, also den Banken, zu 80 % verlagert und zwar in die öffentliche Hand aka zu den Steuerzahlern in der EU. Juchhe.) Aber ich glaube andere Leute können das alles knapper (und fast so wie die Sendung mit der Maus) erklären, daher als Zusatzinfo hier ein Video bereits aus dem Jahr 2011, in dem es um die Eurokrise und Griechenland geht.

Ich weiß auch grad gar nicht, warum wir die Fragen aus diesem fast vier Jahr alten Beitrag auch 2015 noch nicht geklärt haben …

Durch eine Insolvenz des griechischen Staates würden wiederum alle Banken, deren eigene Kreditwürdigkeit auf den griechischen Staatsanleihen basiert, ebenso ihre Kreditwürdigkeit verlieren. Staat pleite, Banken pleite, Gläubiger panisch, europäischer Finanzmarkt eventuell erschüttert. Ich bin keine Finanzexpertin, deswegen kann ich hier nur vermuten, aber ich denke, dass die drohende Erschütterung der gesamten Eurozone einer der Gründe ist, warum überhaupt so lange Kredite gewährt wurden. Das Problem an der Sache lässt sich leicht erkennen: Aus diesem Kreditkreislauf kann nur entkommen, wer es schafft im eigenen Land wieder für Finanzkraft zu sorgen und das ist lange Zeit nicht geschehen, weil Griechenland ein Sparkurs verordnet wurde.

Diese eine olle schwäbische Hausfrau

Die Idee, unnötige Geldverschwendung und vor allem die Korruption zu vermeiden, die den griechischen Bürgern besonders schwer zu schaffen gemacht hat, ist natürlich nett. Leider sorgt ein Hardcore-Sparmodus über lange Zeit, auch wenn unnötige Ausgaben vermieden werden, nicht unbedingt dafür, dass die Wirtschaft wieder läuft. Denn wer soll hier welches Geld in was investieren, wenn die Arbeitslosenquote bei über 25 % liegt und von den 15-24-Jährigen sogar gut die Hälfte keinen Job hat? Das Arbeitslosengeld erhält man übrigens nur ein Jahr lang, danach ist man dann auf Schwarzarbeit angewiesen. Die dann übrigens, ebenso wie lebensrettende Spenden von Verwandten oder Freunden, noch einmal besteuert werden. Irgendwie alles irre. Wer einen kurzen, aber erschütternden Einblick möchte, schaut beim Deutschlandradio vorbei, dort findet ihr ein paar knappe anonyme Statements von arbeitslosen Griechen, die die Hoffnungslosigkeit vor Ort zeigen.

Die Ausgabe der oben erwähnten „Anstalt“, in der die schwäbische Hausfrau, auf der die Ökonomie der Eurozone bzw. die umgesetzte Sparpolitik basiert, mit der Realität verglichen wird, ist dabei einfach genial. Auch wenn man mit dem Sparen aufhört, lässt sich an der jetzigen Situation nicht so einfach etwas ändern. Denn die Schulden sind ja immer noch erdrückend. So müsste ein Schuldenschnitt, bei dem einem Schuldner einfach so größere Teile der Schulden erlassen werden, gekoppelt werden, an Maßnahmen, die wirklich den Bürgern Griechenlands helfen. Denn random in der Gegend herumreformieren, weil es gut klingt, zu erklären man habe ja Reformen gefordert und umgesetzt, bringt auf Dauer herzlich wenig.

Wer hat jetzt Geld bekommen?

A propos Reformen, wo ist eigentlich das ganze Geld gelandet, das wir brave deutsche Steuerzahler (blärch) den Griechen in den Rachen geworfen haben? Hm?? Das müsste doch so langsam mal reichen, oder? Laut der Boulevardzeitung unser aller Vertrauen waren es ja schließlich Abermilliarden Euro. Um genau zu sein waren es um die 252 Milliarden €, wenn ich das (ohne Bouelevardblättchen) richtig verstanden habe. Wie die „Anstalt“ es passend formulierte: „Die Griechenland-Hilfe war sehr effektiv. 89 % der gesamten Euro-Rettungsgelder, die sind da gelandet, wo sie am dringendsten benötigt wurden: im Banken- und Finanzsektor. […] Damit wurden Schulden gezahlt und Zinsen. Nur ein Bruchteil ist überhaupt im griechischen Staatshaushalt angekommen. […] Dann hätte man das Ganze ja auch Bankenrettung nennen können. Hätte man, aber das wär ja dann … ehrlich gewesen.“ Wer noch einmal eine kurze Zusammenfassung ohne Zahlenkoller möchte, wie es zur Griechenland-Krise kam, der schaut sich dieses Video an.

Gegen Ende noch etwas positivere Nachrichten: Immerhin die Süddeutsche Zeitung hat noch etwas Hoffnung für Griechenland. Denn schließlich verschulden sich auch andere Staaten des öfteren.

Die griechische Staatsschuldenquote liegt bei 170 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Doch steigt die Wirtschaftsleistung in den kommenden Jahren wieder deutlich an, wie es der IWF vor dem Regierungswechsel in Athen prognostiziert hatte, würde die Quote schnell sinken. Schon 2020 könnte sie wieder unter der Italiens liegen. In diesem Fall hätte sich die vermeintliche Insolvenz Griechenlands als vorübergehende illiquide Phase entpuppt.

– Zum vollständigen Artikel bei der SZ

Ist das Leben nicht wunderbar?

Insgesamt habe ich mal wieder eines festgestellt: Ich hasse Menschen. Oder zumindest diese Organisationen, die irgendwie aus Menschen bestehen und doch meistens das Unmenschlichste tun, was man sich vorstellen kann. Der Umgang Deutschlands mit den Kriegsreparationen – also die finanzielle Entschädigung für Deutschlands Gemetzel in Griechenland während des zweiten Weltkriegs – ist auch nur ein Beispiel davon. Zwar spielt die „Anstalt“ damit eindeutig eine emotionale Karte aus, das aber zurecht, wie ich finde. Denn so verhärtet wie die Fronten scheinbar dank der Bildzeitung und einigen anderen Medien sind, kommt das Thema wohl nur mithilfe von Emotionen auch bei irgendwem an. Glücklicherweise gibt auch neutrale und nette Medien, wie zum Beispiel das Handelsblatt, bei dem ich bisher keine wertenden Artikel mit „also diese Griechen …“ gesehen habe. Dort „droht Griechenland die Zahlungsunfähigkeit“, aber Griechenland droht nicht mit Zahlungsverweigerung, was ich psychologisch gesehen für einen großen Unterschied halte.

In diesem Artikel habe ich nur einige Aspekte der seit Monaten andauernden Debatte herausgepickt, da man über jedes Unterthema vermutlich fünf Bücher schreiben könnte. Ich wollte aber unbedingt darauf hinweisen, dass unter diesen ganzen Straf-, Spar- und Kaputtreformier-Maßnahmen vor allem die einfachen Bürger Griechenlands leiden. Ich verlasse mich dabei stark auf Satire wie die „Anstalt“, aber mittlerweile sind mir die nicht-satirischen Medien sehr oft viel zu einseitig geworden, weil ganz oft dieser Tonfall vorherrscht, der mir vermittelt „Wir sind toll und Griechenland ist selbst schuld!“, was meiner Ansicht nach aber eine sehr platte Darstellung des Themas ist. Alternativ gibt es Berichte über die Schulden (doof), die Griechen (arm), die Troika (tut Dinge) und die Politiker (sind dafür, dass alles besser wird und dass Griechenland zahlt). Zusammengenommen ergibt das aber eine derart seltsame Mischung, dass ich als Leser keine Ahnung habe, was die mir gerade mitteilen wollen. Klar ist neutrale Information sinnig, aber ich habe bei den meisten Artikeln das Gefühl, dass jeder Artikel auf seine eigene uneinheitliche Art unneutral ist. Da nehme ich lieber ein klar voreingenommenes Medium und informiere mich damit. Auch wenn das die gleiche Logik ist, mit der Leute die Bildzeitung lesen. Was ja schon wieder sehr traurig ist, weil ich jetzt quasi die Bildzeitung dafür gelobt habe, dass sie ausnahmsweise mal eine einheitliche (wenn auch beschissene) Meinung vertritt.

Ich muss jetzt erst mal kurz raus an die Sonne. Kommt wer mit? Falls nicht, lasse ich euch mal zur Aufmunterung etwas da: Everything is beaauuuutifuuuuuuul!

Einfach weil ich den Videostil so gerne mag und ihr ja vielleicht auch mal einen Ausgleich zu diesem aggro-machenden Thema möchtet. Ich hoffe jedenfalls, ich konnte euch das Thema etwas näher bringen, ohne euch ebenso aufzuregen, wie ich hier hyperventiliert habe. :D Kann man so ein Thema überhaupt irgendwie verständlich herunterbrechen? Falls ja, habe ich das hinbekommen oder etwas vergessen oder missverständlich dargestellt? Zögert nicht, mich auf Fehler hinzuweisen! :) Welchen Medien traut ihr bei der Berichterstattung über Griechenland? Habt ihr euch überhaupt schon mit dem Thema beschäftigt oder seid ihr gleich nach dem ersten Schwall von Meldungen vor lauter Gehetze geflüchtet? Da ich mich mit Lösungen für die Aufrechterhaltung von Staatshaushalten und Währungsunionen ja immer etwas schwertue, frage ich jetzt einfach euch: Hat irgendjemand eine Idee, wie alles wieder gut werden könnte und wir die Welt retten können? Falls ja, dann immer raus damit! O_O

Einen krisensicheren und trotz des Themas angenehmen Ostermontag (jaja, Media Revolution Sunday, ich weiß) wünscht euch
eure leicht mitgenommene 0utofjoint =)

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17 Kommentare

  1. Politikunterricht sei danke, wir hatten das Thema. Vor ab, ehrlich gesagt finde ich den Rettungsschirm auch langsam etwas zu gross o.O Ich meine die Zahl kann ich mir noch nichteinmal vorstellen. Aber das es der Bevölkerung bescheiden geht finde ich auch bescheiden. Ich mein solange die Bürger kein Geld haben werden sie es auch nicht investieren, in was auch immer und so ist das komplette Finanzwesen still gelegt. Also: Die 252Milliarden Euro hätten nicht an die Banken gehen sollen sondern an die Bevölkerung, aber ist es nicht immer so dass immer die Regierung Schuld ist?! Wer ist eigentlich die Regierung, ich meine klein Vieh (also die Griechen die gerne Steuern unterzogen haben) machen auch Mist. Auf jeden Fall haben wir versucht aller zusammen im Kurs durchzusprechen wie man Griechenland retten könnte… Nach 1,5 Stunden waren wir wieder am Anfang. Ehrlich gesagt, ich glaub da geht absolut nichts mehr… Und ich will dich nicht entäuschen aber SZ hat eigentlich immer Hoffnung zu jedem Thema, sie haben auch die besten Kritiken etc. Ich glaube die nehmen einfach Stimmungsaufheller :D

    Ich habe tasächlich mal einen Journalisten der Klatschzeitschrift gefragt, wie er das aushielte. Er: Gar nicht. Denn die Zeitung sucht sich gerne irgendwelche Bilder und die Texter und Redakteure arbeiten völlig unabhänig von einander. Teamwork= NOPE…
    Also, ich und Nachrichten sind generell eher wie Plus und Minus.

    Wie die Griechen das jetzt allerdings Lösen wollen ist schwierig. Ich denke der einzige Weg ist tasächlich, entweder sie krepieren alle an Armut und Bürgerkrieg oder sie zeigen aus der EU aus und gehen in die Inflation. Denn eine neue Währung in der Währungsunion funktioniert nicht wirklich gut, da alle anderen Ländern von denen abhänig sind.

    Böhmermann schaue ich eigentlich gar nicht muss ich sagen :/ Er ist nicht so mein Humortyp, aber das kann ja jeder selbst entscheiden.

    Ein gutes hat es, der Urlaub ist wunderbar günstig…

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    1. Das sollte man mal jemanden bei der SZ fragen :D Ich glaube Zusammenarbeit findet in viel zu vielen Redaktionen nicht statt und das ist fatal für das was am Ende rauskommt. :/
      Ja, ich bin auch sehr gespannt, ob da bald mal etwas passiert. Im Moment treten ja alle auf der Stelle und Griechenland wendet sich an China und Russland, um eventuell dort noch Kredite zu bekommen. Das missfällt aber der EU und schon sind wieder alle schlecht drauf. Ein Dilemma in 252 Milliarden Akten, echt … Ich hoffe jedenfalls, dass es für die Bevölkerung bald wieder bergauf geht.
      Ja, ich mag ihn auch erst seit dem Varoufake etwas mehr und finde immernoch viele seiner Witze unlustig bis unnötig. Trotzdem finde ich es gut, wenn jemand auf wichtige Sachen hinweist. Selbst wenn er ein Ar … ein arg unsympathischer Mensch sein kann. ;)
      Das war in diesem Zusammenhang einer der zynischsten Sätze, den ich seit langem gehört habe. O.O „Die Bevölkerung krepiert, aber heeey, Urlaub is billig!“

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      1. Also das mit dem Krepieren ist natürlich nicht wünschenswert. Nun ja, aber wenn der Urlaub billig ist dann müssten dort rein theoretisch mehr Leute hin fliegen/ fahren wie auch immer. Und zahlen dann vor Ort an die Zivilbevölkerung Eintrittspreise, Hotelmieten, und auch mal was am Kiosk kaufen. Das Geld kommt den Menschen dann zur Gute und sie könnten ganz vielleicht sich davon etwas kaufen etc. Also auf nach Griechenland!!!
        Ich würde da gerne mal hin…

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        1. Ich verstehe was du meinst und mehr Touristen sind sicher gut für Griechenland. Es klang eben nur in dem Zusammenhang sehr krass nach „die krepieren, lass Party machen!“ Hab aber schon vermutet, dass du es nicht unbedingt so meinst. :)
          Spricht also nichts dagegen hinzufahren, sofern man das Geld hat – außer vielleicht man trägt gerne Merkel-Fanshirts …

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  2. Als BWLerin könnte ich viel zum Thema sagen. Aber Politik ist nicht mein Ding. So wenig, wie die Schmierschmuddelschreiber von der B*** (würg)
    Lobbyismus, Rücksichtnahme auf Werbepartner, Einfluss der Politik waren Gründe warum ich zu keiner Zeitung ging. Und meine Aufträge suche ich mir immer aus. Griechenland würde ich vermutlich abwickeln und die Schuldigen hart bestrafen. 10 Jahre Bau wären da locker drin.
    Radikale Grüße ;-)

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    1. Aufträge aussuchen wäre echt ein Traum! ^^ Ich habe ja die Hoffnung, langfristig bei einem dieser idealistischen Blätter zu landen, die nicht von Anzeigen und Lobbyisten abhängig sind. Und dort bezahlt zu werden. Blauäugig, ich weiß. ;)
      Magst du nicht einfach kurz Griechenland wieder auf die Beine helfen? Das klingt bei dir so einfach und du würdest dich sicher auch nicht von Bestechungen und abgekarteten Auktionen oder politischen Nebeninteressen ablenken lassen. Na, wie wärs? :D
      Hoffnungsvolle Grüße (auf einen guten Ausgang der Misere) zurück ;)

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      1. Was machst du dafür, um bei einer solchen Zeitung zu landen? Und geschickt verpackt lässt der Chefredakteur auch eine eigene Meinung gelten.
        Europa wackelt zur Zeit. Dazu habe ich eine eigene Meinung, die aber den Rahmen eines Kommentars sprengt. Finanziell zumindest ist die EU ein Desaster. Aber (Macht)Politik fragt danach nicht.

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        1. Hast du Vorschläge? Ich befürchte ja, networken und Eigeninitiative sind ganz hoch im Kurs und diese Dinge liegen mir nur, wenn ich mich wirklich für etwas begeistern kann und nicht, wenn man aus Prinzip immer hochmotiviertestenst an alles herangehen soll.
          Auch wenn ich nun wie meine Großmutter klinge: Herrje, wo soll das noch enden? Nichts hat mehr Bestand. Veränderungen sind zwar oft toll, aber Instabilität und mangelnde Lebensqualität ist eher selten eine positive Auswirkung. Ich hoffe du sagst Bescheid, wenn dir auffällt, dass es kippt …
          Die fragt scheinbar nur danach, wie sich die eigenen Finanzen aufbessern lassen, ohne Blick über den Tellerrand.

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          1. Lass mich dir kurz von meinem bisherigen Weg erzählen: Trotz meines unruhigen und flexiblen Geistes, trotz kreativer Ader, habe ich das sichere und nüchterne BWL als Weg gewählt. Mir war immer klar, dass ich mich damit und dadurch selbst verwirklichen kann. Nicht sofort, aber irgendwann. Der Tag kam dann bereits letztes Jahr. Was nun nicht heißt sich zu verkaufen. Mein alter Job war ganz okay.
            Du hast ein Hobby, das du liebst. Schau vielleicht mal in diese Richtung.

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            1. Das klingt auf jeden Fall, als hättest du von Anfang an einen guten Plan gehabt. Ich arbeite noch an meinem. Mit dem Hobby hast du allerdings Recht, das werde ich wirklich versuchen. Denn wenn ich etwas in der Richtung machen könnte, wäre das wirklich toll, awesome und vermutlich auch yay! ;)

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  3. Ich gestehe, ich versuche die Realität so selten wie möglich in mein Leben zu lassen. Und nach dem Artikel ist mir wieder bewusst geworden, wie wenig Ahnung ich von Business und Co habe oder haben will. Hallelujah…

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    1. xD das ist ein guter Plan. Sorgt auf jeden Fall für weniger Heulkrämpfe beim Nachrichten lesen und seltenere Aggressionsanfälle beim Infovideos gucken … :/ Ich werde dich das nächste Mal vorwarnen, wenn wieder „Business“-Realität dran kommt, okay? :)

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  4. Hm…
    Ich glaube die neue Regierung hat in Griechenland einen riesigen Sauhaufen übernommen. Sie versuchen so viel wie möglich für Griechenland heraus zu holen und testen, auf was ihnen die EU noch eingeht und wo die Grenzen liegen.
    Es ist im Endeffekt egal wie schlau die neuen Mitglieder der Regierung sind, eine offensichtliche Lösung gibt es da glaube ich nicht.
    Die Leute in Griechenland können einem echt Leid tun – ich habe einen Bericht eines Mannes aus Seekirchen (ist in Salzburg Land – Österreich) gesehen, der eine Aktion gestartet hat und jetzt regelmäßig Medikamente nach Griechenland bringt. Den Krankenhäusern fehlt echt das Elementarste und kaum einer kann sich eine Behandlung leisten.

    Aber ich verstehe schon auch die andere Seite. Denn es ist nicht so, dass alle anderen Länder in der EU superreich sind und nur mit ihrem Geld zu geizig. Nein, es gibt genug Staaten die selbst harte Sparprogramme fahren müssen, weil ich Geld nicht reicht. Und wenn sie dann bei ihrem knappen Budget Hilfszahlungen an einen Staat leisten müssen, der die Raten nicht zurück zahlen kann/will, ist das natürlich ein Aufreger. Weil sie das Geld selbst auch dringends gebraucht hätten. Deswegen ist es so ein schweres Thema – weil die meisten Mitgliedsstaaten nicht gerade in Geld schwimmen und die Beziehungen miteinander immer mehr bröckeln. Ich frage mich oft, wie lange die EU auf die Weise noch weiter bestehen wird. Das System gehört eindeutig überarbeitet, oder es wird noch kollabieren. Aber ich kenne mich in Politik und Wirtschaft zu wenig aus, dass ich da was Konkretes sagen könnte …

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    1. Da hast du Recht, einwandfrei einfach wieder alles aufbauen klappt wohl eher weniger durch die ganzen „Altlasten“ :(
      Ja, aber ich finde es halt komisch, dass gerade hier in Deutschland so viel gemosert wird, wo ich eigentlich davon ausging, dass wir zu den reicheren Ländern gehören, die das nicht sooo krass beeinflusst.
      Aber es stimmt natürlich auch, dass der ganze EU-Raum im Moment sehr chaotisch ist und man nicht genau abschätzen kann, wie gut eine so inhomogene Gemeinschaft durch solche Krisen kommt. Ich habe leider auch gar keine Ahnung, wie sich ein Zusammenbruch dann konkret auf uns auswirken würde, befürchte aber ganz doof formuliert, dass es gar nicht mal so toll wäre.

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