Hund und Scheren-Irre. Oookay. Dog & Scissors Manga Review

Also. Ich habe einen Manga gelesen. Was ganz neues, ich weiß. Dieser Manga hat mich zwar nicht auf Anhieb angesprochen, aber ich dachte mir „Hey, gib ihm eine Chance“, denn manchmal wird man ja positiv überrascht. Wurde ich nicht. Und ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich da eigentlich gelesen habe. Ich rede vom Manga „Dog & Scissors“ von Shunsuke Sarai und Kamon Ooba. In diesem Manga, ihr ahnt es sicher schon seit der Überschrift, geht es um einen Hund und eine Irre, die anderen Leuten viel zu gerne mit dem Einsatz von Scheren droht. Der Titel ist also so ziemlich der einfallsreichste ever. Ever, sag ich!

Dog&Scissors Band 1; Story: Shunsuke Sarai; Art: Kamon Ooba; Character Design: Tetsuhiro Nabeshima

Dog&Scissors Band 1; Story: Shunsuke Sarai; Art: Kamon Ooba; Character Design: Tetsuhiro Nabeshima

Aber fangen wir vorne an. Der Hauptcharakter Kazuhito Harumi ist ein totaler Bücherfreak und kann keine Sekunde seines Lebens ohne Büfher verbringen. Das könnte recht sympathisch wirken, ist aber weit entfernt vom Weirdo, der einfach nur Bücher liebt und vielleicht verschüchtert doch gerne mal Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen würde. Lesen ist sein einziger Lebensinhalt und andere Menschen scheinen ihm vollkommen egal zu sein. Warum er so monobegeisterungsfähig ist, bleibt unklar. So erfahren wir zwar, dass er eine Familie hat, aber auch, dass diese ohne ihn in eine andere Stadt gezogen ist. Weil er die Stadt mit seinem Lieblingsbuchladen nicht verlassen wollte … Kurz gesagt: Der Hauptcharakter ist mir so wenig sympathisch geworden und blieb ziemlich eindimensional, sodass ich seinen Namen bereits während des Mangalesens immer wieder vergessen habe. (Und das obwohl er auf dem Cover steht!)

Such drama, very lebensverändernd!

Eines Tages passiert dann etwas dramaaaatisches! Ein Überfall in einem Café, in dem Dingenskirchen gerade liest. Todesmutig stürzt er sich – warum weiß er selbst nicht – vor den bewaffneten Angreifer, um eine junge Frau zu schützen. Danach kann er OH.MEIN.GOTT. erstmal nicht mehr lesen. Er kann nicht mehr lesen!!!! Ein Schicksal, das dadurch verursacht wurde, dass der Gangster ihn leider erschossen hat und er nun tot ist. Aber das sind ja nur Nebensächlichkeiten, wenn einem die Bücher fehlen. :D Genauer gesagt ist Dingensens gar nicht richtig tot, sondern äh ein Hund. Also seine Seele ist in einen Hund gewandert (oder so) und er befindet sich in einem sehr bücherarmen Tierkäfig. An sich eine irre Situation, die Spaß machen oder für Spannung sorgen könnte, aber bei mir kam keines von beidem auf.

Doch verzweifelt nicht! Büchernerd wird kurz vor dem Buchstabenentzugstod errettet! Genau die junge Frau, die er im Café gerettet hat, stürmt in die Tierhandlung und nimmt ihn mit. Die Begründung dafür iet nicht etwa göttliche Fügung oder Mitleid – nein! Sie kann seine Gedanken hören und das geht ihr so auf den Sack, dass sie ihn zum Schweigen bringen möchte. Am liebsten mithilfe einer Schere, da sie Scheren sehr gerne mag. Vor allem, wenn sie damit anderen Körperteile abschneiden kann. Aber das habe ich glaube ich bereits erwähnt. Nicht, dass sie im Laufe des ersten Bandes ernsthaft gewalttätig werden würde, aber drohen und einschüchtern liegt ihr sehr und sie scheint permanent am Rande des absoluten sadistischen Scherenwahnsinns entlang zu wandeln. (Ein Spacestation Doggy gefällig? Nur um euch meinen „Dafuq am I reading?“-Gesichtsausdruck beim Lesen näher zu bringen. ^^)

Dementsprechend hat mich auch Hauptcharakter Nummer Zwei eher abgeturnt als begeistert. Der Rest des Manga besteht also daraus, dass Dingens-Wuffi vor Scheren-Hexe flieht und sich gruselige Beschreibungen anhören darf, was man denn alles mit ihm anstellen könne, wenn er einen falschen Ton bzw. Gedanken von sich gibt. Unglaublich spannend. Im Lauf des Manga wird die Olle, deren Namen ich mir auch nicht gemerkt habe (ich bin sogar zu faul nachzusehen, weil ich den Manga eh nie wieder in die Hand nehmen werde, aber ihr könnt ja einfach zum Cover hochschrollen ;) ), jedenfalls ein klein wenig netter. Trotzdem keineswegs liebenswert. Und die Geduld auf die große Erleuchtung zu warten, aufgrund welches Kindheitstraumas sie so ein grässlicher Mensch ist, das lohnt sich wohl eher nicht. Für mich zumindest nicht.

Nur Frauen dürfen böse sein, sonst ist das ja nicht lustig …

Die Zeichnungen fand ich eigentlich ganz gut, wenn auch recht standardmäßig, aber das ist ja nicht schlimm. Schlimmer ist, dass die Autoren auf den letzten Seiten noch einmal Einblicke bieten, was für verkorkste Charaktere sie geschaffen haben. Denn am Ende des Mangas findet sich ein aufschlussreiches „Interview“, in dem die beiden Hauptcharaktere über die Frage philosophieren, wie es wäre, wenn ihr Geschlecht vertauscht würde. Das habe man überlegt, am Schluss als kleine Episode sozusagen als Gimmick einzubauen. Dann haben sie sich jedoch dagegen entschieden, weil – All on board the sexism train! – weieeel das ja komisch wäre, wenn ein dominanter Kerl eine schwächere Frau bedroht, ihr gegenüber aggressiv ist und ihr permanent ankündigt ihr gleich den Körper mit einer Schere aufzuschlitzen. Ja, geht’s noch?!? Und wenn eine Frau das einem Mann androht, dann ist das vollkommen in Ordnung oder was?! Gewaltandrohungen sind immer beschissen und auszunutzen, dass das Gegenüber schwächer ist als man selbst (weil kleiner Dackel) oder auf einen angewiesen ist (weil Haushund/Mensch ohne Plan vom Leben), das ist Missbrauch, meine Fresse.

Warum fällt einem das bitte erst auf, wenn man die Geschlechter der Hauptpersonen vertauscht und warum sollte das lustig sein, wenn Frau Mann bedroht?? Weil sie eigentlich doch total lieb und niedlich ist und ihre Drohung, jemandem Körperteile abzuschneiden, ja nieee umsetzen würde? Weil Männer, die Frauen unterlegen sind, nicht das Recht haben, gewaltfrei zu leben? Weil diese Situation an sich schon komisch ist? „Haha, der Kerl ist voll die Pussy!“ oder wie? Also dieses Klischeedenken hat den Manga für mich noch schlechter gemacht, auch wenn das Gespräch zwischen den Hauptcharas für mich durch diesen unangenehmen Einblick in das Denken der Mangaka den interessantesten Teil ausmachte. Allerdings werden immerhin auch andere Manga dahingehend kurz analysiert, ob man bei ihnen denn die Geschlechter vertauschen könnte. Also könnte man nun die Sache auch so verstehen, dass die Mangaproduzenten einfach nur darauf hinweisen möchten, wie präsent dieses Klischeedenken noch ist. Da ihr eigener Manga jedoch auf genau diesem Denken basiert, kann ich mir das nicht so ganz vorstellen.

Wo ich schon dabei bin, zu meckern …

Da ich mich so aufgeregt habe, kann ich euch von dieser Story also nur abraten. Mag ja sein, dass die Autoren andere Intentionen hatten, aber für mich ging die Story echt nicht, weil sie langweilig war, die Charaktere beide unsympathisch und sie einen ziemlich schlechten Beigeschmack durch diesen seltsamen Sexismus hatte.

Was mir bei den Mangas von Egmont übrigens ein wenig negativ aufgefallen war (weil ich direkt hintereinander Dog&Scissors und NO. 6 gelesen habe), waren die vielen vielen Eigenwerbungsseiten am Ende im Vergleich zu Seven Deadly Sins (Carlsen) oder Hamatora (Kazé). Jetzt ist es allerdings so, dass bei anderen Mangas von Egmont durchaus nicht so viel Müll am Ende klebt (zum Beispiel beim vorherigen Band von NO. 6 oder bei Crimson Wolf), deswegen musste hier vermutlich nur eine bestimmte Seitenzahl erreicht werden, damit alle Druckbögen ausgefüllt sind und man nicht ein Blatt von Hand antackern muss. Schade und Papierverschwendung ist es trotzdem. Sieben bzw. zwölf Seiten nur Eigenwerbung ist halt etwas „meh.“, aber immerhin nicht so ärgerlich, wie die 300 drangeklatschten Minicomics bei Monster Hunter Orage, von daher … ich wollt ja nur noch weiter gemeckert haben. ^^

Was haltet ihr von der Story-Idee? Kennt ihr den Manga vielleicht schon? Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, was passieren würde, wenn ihr das Geschlecht der Charaktere in euren Lieblingsstories vertauschen würdet? ^^ Also so konkret habe ich das nicht, aber ich stelle mir jetzt schon die Frage, wie viele meiner Lieblingsmanga dann noch lustig wären oder ob es darin auch irgendwelche Klischees gibt, die mir erst dadurch auffallen würden. Falls ihr das Gedankenexperiment wagt, dann schreibt mir doch, wie das ausgegangen ist! :)

Einen meckerfreien Start in die Woche wünscht euch
eure 0utofjoint =)

PS: Ich war am Wochenende so produktiv! Ich war zwar nur einen dreiviertel Tag zuhause, weil samstags ein Düsseldorf-Trip anstand (Onigiriiiiii <3) aber sonntags habe ich immerhin zwei Maschinen Wäsche gewaschen, den Müll rausgebracht, Haare gefärbt, gestaubsaugt und das Bad geputzt. Yes! Ich bin so stolz auf mich! (Und ich habe Letsplays geguckt, aber das muss ja keiner wissen …) Ach ja und gestern habe ich ausnahmsweise noch einmal einen Film geschaut, aber keine Sorge, der hat mir gefallen. Das heißt, eventuell schaffe ich es noch, ein positives Review dazu zu schreiben. Mal was anderes als mein Genöle vom letzten Mal. ;)

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5 Kommentare

  1. Meh… Doppelmoral… *tooootal begeistert in die Partytröte puste* Yaaaaaay…

    Also in meinem Lieblingsanime (Phantom – Requiem for a phantom) würde eine Geschlechtsumwandlung beim Hauptcharakter nicht viel bewirken, außer dass die subtile sexuell-romantische Spannung zur Hauptnebenperson eventuell wegfallen würde.
    So wirklich Gedanken werde ich mir da aber jetzt nicht machen^^

    Ich war auch fleißig. Also… zumindest was Lets plays schauen angeht :P

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    1. Yaaay, eine Partytröte! :D Das einzige, was den Humor dieses Mangas noch retten kann. ^^
      Oh, den kenn ich gar nich :O *auffe To-watch-Liste bzw. Nachguck-Liste schreib*
      Naja, muss man auch nicht, hirnlos Spaß haben is‘ ja auch immer wieder schön. Aber hier fand ich’s echt würgreizerzeugend anstrengend. Trotzdem kriegst du natürlich ein Sternchen, weil dein Lieblingsanime bestanden hat! ^^
      Sehr gut! :D Oder eher „sehr töfte“ … :P

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