Supernatural Mafia, yo! – Manga-Review „Fantasma“ 1

Ich bin im Buchladen schon ein paar Mal an „Fantasma“ von Yuji Kaku vorbeigelaufen und habe jedes Mal gedacht: „Hm, sieht irgendwie aus wie die Short Stories von Hiro Mashima, dann is das bestimmt wieder so ein Standard-Shonen-Dings …“ Außerdem war mir das Cover zu blass und gleichzeitig zu bunt. Ja, das geht, irgendwie und es ist schon seltsam an welchen Dingen ein Mangakauf manchmal scheitert. :D Aber dann dachte ich mir, in Ermangelung anderer mich begeisternder Neuerscheinungen: „Heey, lies doch mal den Klappentext!“ und dann habe ich festgestellt, dass es um einen Kerl geht, der als Mädchen für alles in einem Stripclub arbeitet und irgendwie der Sohn des verstorbenen Obermegahypermafioso schlechthin ist und dachte mir danach wiederum, dass das eigentlich abgefahren genug für meinen Geschmack klingt und im Zweifelsfalle könnt ich mich ja auch wieder über zu viele Brüste beschweren, weil Stripclub und so. Man muss die Wahl des Mangas schon gut durchdenken, damit man am Ende auch was zu kritisieren hat! :D

Cover Fantasma Band 1; Yuji Kaku; Kazé Manga

Cover Fantasma Band 1; Yuji Kaku; Kazé Manga

Eines vorweg: Hier wird nicht das gesamte Genre umgekrempelt, es IST ein typischer Shonen-Manga. Aber das muss ja nicht langweilig werden, außer man übertreibt’s. ^^ Den Zeichenstil fand ich gut, auch wenn er natürlich nicht ohne Grund Mashima-Assoziationen bei mir ausgelöst hat. ;) Falls euch das als Beschreibung nicht ausreicht: Kein Problem! Eine Leseprobe des kompletten ersten Kapitels von Fantasma Band 1 findet ihr hier bei Kazé Manga.

Du bist der Auserwählte, Harry … öhm, Neo … äh, NERO!

Worum geht es bei diesem Mafiosi-Schinken? Nun, der Waisenjunge Nero wächst in einem Stripclub auf – neugierig machendes Setting: check! Eines Tages wird Nero von einem seltsamen schwebenden Bettlaken-Katzengesicht-Nupsi aufgesucht (oder vielleicht eher heimgesucht), das sich Pucci nennt. Pucci ist ein sogenanntes Fantasma, eine Seele, die noch in dieser Welt vor sich hin schwebt und über bestimmte Kräfte verfügt. Als ehemaliger Untergebener des Megaübermafioso, Don Pasolini, hat er es sich zur Lebens … zur Leben-nach-dem-Tod-Aufgabe gemacht, den angeblich existierenden Sohn des Don zu suchen und diesem dabei zu helfen, die Unterwelt wieder auf Vordermann zu bringen. Denn mit dieser ist es seit dem Attentat und dem Tod des Don steil bergab gegangen. Ehre zählt nichts mehr und das geht Pucci, der den sehr auf Ehre bedachten Don fast schon vergöttert hat, gehörig gegen den Strich. Tja, und wer könnte sonst die ehrenvolle Aufgabe der Rettung der Unterwelt übernehmen, wenn nicht der leicht depperte, aber großherzige Nero, der von Klasse, Ehre und der Mafia im Allgemeinen keinen blassen Schimmer hat. Ähem. Pucci hat also eine schwierige Aufgabe vor sich, wenn er aus Nero den neuen Don machen möchte, der für (biegsames) Recht und Ordnung sorgt.

Stripclub-Gehilfe oder Mafiaboss?

Nero wiederum ist ebenfalls gar nicht mal so begeistert von dem schwebenden Bettlaken und muss erst davon überzeugt werden, dass dessen Fähigkeit, Nero in einen Badass-Baseballschläger-Schwinger zu verwandeln, sehr nützlich sein kann. Eigentlich möchte Nero seine Familie (also den Stripclub) vorerst nicht verlassen und nur irgendwann seine noch lebende Mutter suchen. Dass Pucci auch auf der Suche nach Neros Mutter ist und sich gleichzeitig die halbe Unterwelt entscheidet, Nero zu ihrem nächsten Anschlagsziel zu erklären, reicht dann aber doch, um ihn von einer gemeinsamen Reise mit Pucci zu überzeugen. Ein etwas verworren erklärter, sprunghafter Anfang, der aber keineswegs schlecht ist. Denn so überrumpelt, wie sich der Leser vielleicht fühlt, ist schließlich auch Nero. Schwebende Bettlaken, die ihm Superkräfte (und ein Badass-Aussehen :D) verleihen, ein Anschlag auf sein Leben und seine Familie und eine Chance, endlich seine leibliche Mutter zu finden. Und das alles auf den ersten 76 Seiten. ;)

Im Lauf des ersten Bandes trifft Nero natürlich auf jemanden, der mit ihm zusammen weiter für den Wiederaufbau der ehrenhaften Mafia kämpfen könnte und er prügelt sich noch das ein ums andere Mal im Mafioso-Gewand mit Puccis Hilfe durch die Gegend. Währenddessen lernen wir mehr über Puccis und Neros kombinierte Superkraft und auch darüber, weswegen Pucci überhaupt so verärgert ist und die ganze Zeit auf der Ehre der Mafia herumreitet bzw. -schwebt. Auf einzelnen Seiten zwischen den Kapiteln werden auch ein paar Hintergrunddetails erklärt, was „Mafia“ eigentlich bedeutet und wie diese Organisationen aufgebaut sind. Nicht nur in der Welt von Fantasma, sondern auch in der realen Welt. Ganz spannende Idee eigentlich.

Stimmt, ich wollte ja über Fanservice meckern!

Wie erwähnt, ist es ein Shonen-Manga, der Held entspricht also dem Klischee vom großherzigen, depperten Kerl, der für seine Freunde einfach mal in den Kugelhagel springt und hofft, dass sich das irgendwie richten wird. Und genau dafür bewundern wir sie doch, die Luffys unter den Mangacharakteren. ^^ Was mich auch beeindruckt hat, ist dass die Story zwar in einem Stripclub beginnt, aber wesentlich weniger Fanservice vorkommt, als ich erwartet hätte. Im Gegenteil, bis auf die knappen Outfits der Tänzerinnen (die ja ihre Rechtfertigung durch das Setting haben), hat nur die kratzbürstige Chefin des Clubs (namens Barbarella xD) eine anatomisch fragwürdige Oberweite bzw. einen schwerkraftbedingt gewagten Ausschnitt. Die Tänzerinnen an sich lehnen sich so gut wie nie vor, um uns ihr Höschen zu präsentieren und sind somit um Welten unschuldiger als die meisten Schulmädchen aus anderen Mangas, die bei windigem Wetter über die Straße gehen. Die haben einfach nur ihr Outfit an und laszivieren nicht dauernd in der Gegend rum, um uns von der Handlung abzulenken! Das bin ich nicht gewohnt! XD

Selbst als wir uns kurz in der Umkleide der Tänzerinnen befanden, gab es keinen Moment, wo sich der Mangaka dachte: „Wir müssen jetzt mal den Blickwinkel wechseln, wie wär’s wenn die Kamera plötzlich in ihrem Ausschnitt klebt und danach vom Fußgelenk aus nach oben filmt? *hust hust*“ – ich war geflasht! :D Danke also an dieser Stelle, Yuji Kaku! Ich habe übrigens leider nicht herausfinden können, ob Yuji Kaku ein Mann oder eine Frau ist, auch wenn ich „Yuji“ eher als Männernamen eingeschätzt hätte – aber man weiß ja nie, bei diesem fremdländischen Zeugs und meiner unglaublich umfassenden Kenntnis japanischer Namen. ;) Nach der Beschreibung des Manga von Kazé scheint es aber ein männlicher Mangaka zu sein, der uns hier sein Erstlingswerk präsentiert. An sich ist das ja auch egal, ich wollte nur nicht sagen „Yay, ein Mangaka, der weniger Fanservice macht!“, wenn es ausgerechnet bei diesem Manga dann doch eine weibliche Mangaka ist. :)

Ein Yay für den jungen Mafioso in Ausbildung! ^^

Ob das mit dem Höschenmangel auch in den nächsten Bänden der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Aber da Fantasma in drei Bänden abgeschlossen sein wird, habe ich noch Hoffnung, dass der Manga (in dem ja dauernd von Ehre und Dingenskirchen die Rede ist) so unschuldig bleibt, wie er das bisher ist. Der erste Band hat mich auf jeden Fall schon ausreichend begeistert, weshalb ich mir die nächsten beiden auf jeden Fall kaufen werde. Denn das Mafia-Thema ist zumindest für mich frisch und die Charaktere sind bisher nicht zu klischeebehaftet, sodass ich nicht bereits nach der Hälfte des ersten Bandes gelangweilt wusste, was als nächstes passiert. Außerdem mag ich ja bekanntermaßen dämlichen Humor, der auch gerne mit actionreichen Kampfszenen und ein paar dramatischen Hintergrundgeschichten kombiniert werden darf. Von mir bekommt Fantasma also das Prädikat „Lesbar und unterhaltsam! ^-^“. Band Nummer 2 erscheint übrigens am 2. Juli. :)

Wie sieht’s bei euch so aus? Mögt ihr doch lieber die klassische Mafia, bei der sich niemand in einen Baseballschläger schwingenden Hardcoretypen verwandelt, weil die Seele eines anderen Mafioso in einem Baseballschläger weiterle … äh … die klassische Mafia halt? So mit Kanonen und so? :D Oder ist euch schon deswegen weil der Hauptcharakter ein junger Kerl mit flatterndem Maskottchen ist, dieser Manga zu standardmäßig? Habt ihr das Shonen-Klischee schon satt? Was haltet ihr generell von kurzen Mangareihen mit zwei bis vier Bänden? Findet ihr die gut, weil man so nicht die nächsten zehn Jahre bis zum Ende hingehalten wird und die Story nicht spätestens ab Band 987 öde wird? Oder findet ihr eher die langen Serien gut, weil man da Charaktere besser ausarbeiten und komplexere Handlungsstränge einbauen kann? Oder hängt das vom Einzelfall ab? Oder oder oder. ^^ Falls ihr Fantasma gelesen habt, würde mich natürlich auch eure Meinung dazu interessieren. Vielleicht hättet ihr ja lieber mehr Fanservice gehabt? Oder ihr fandet den vorhandenen Hautanteil schon zu groß? Ach, generell interessiert mich doch eure Meinung zu allem und so! :)

Einen badass Mittwoch wünscht euch
eure 0utofjoint =)

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3 Kommentare

  1. Gute Mangas können gerne über 20 oder sogar 30 Bände gehen. Danach sollte aber ein Ende in Sicht sein. Bei Detektiv Conan drücke ich da ein Auge zu, weil ich die Story einfach liebe und den Anime schon seit Kindertagen verfolge. :)

    Bei kurzen Mangas bin ich meistens skeptisch. Warum besteht der Manga nur aus xy Bänden? Musste er wegen Erfolglosigkeit abgebrochen bzw. verfrüht beendet werden oder hatte der/die Mangaka keine Lust mehr?

    Bei solchen kurzen Mangas ist das Ende meistens so toll, wie Camping im Regen.

    Natürlich gibt es auch Außnahmen, aber die bestätigen bekanntlich die Regel.

    PS: KURZE Mangas bestehen laut meiner eigenen Definition aus maximal 3 – 5 Bände.

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    1. Ja, ein Ende in Sicht ist vor allem super, wenn es ursprünglich mal ein großes Ziel gab. Bei vielen dieser Endlos-Geschichten bekommt man nämlich sonst einfach nur noch das Gefühl, dass die Story mit wirren Kämpfen unnötig gestreckt wird, weil man damit ja noch Geld machen kann. ^^
      Edogawa Conan-kun darf auch 776 Folgen haben, jawohl! :D
      Ich glaube es gibt aber auch einige Kurzmanga, bei denen die Story von vorneherein auf wenige Bände angelegt war und dann kann das Ende echt gut sein. Bei Opus fand ich das zum Beispiel nicht, aber One-Shots gibt es auch ein paar gute und Monster Hunter Orage gefiel mir auch, obwohl es nur vier Bände waren. :)

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