random Twitter-Reaktionen zu #proudofmelina

Wie einen Hashtags ins Grübeln bringen können

Was tut man, wenn man eigentlich Bewerbungen schreiben müsste, aber nach einem telefonischen Urlaubsübernachtungsgelegenheitssuch-Telefonmarathon einfach zu nichts mehr aufraffen kann? Genau, man schaut Youtube-Videos und entdeckt, wie viele Hashtags und Twitter-Auseinandersetzungen man in der letzten Zeit eigentlich verpasst hat. Nahezu skandalös!

Das heißt, egal ob es euch interessiert oder nicht: Ihr werdet nun informiert über Youtube-Deutschland und einen unglaublich weltbewegenden Hashtag über die Schädlichkeit veganer Lebensmittel ganz am Ende des Beitrags. ^^ Aber zunächst erhaltet ihr gratis meine tiefgründige Interpretation eines anderen Hashtags, der eigentlich schon fast einen Monat alt ist, aber mir irgendwie immer noch im Kopf herumschwirrt. Ein Hashtag der da lautet:

#ProudOfMelina

Stolz auf Melina! So heißt der Hashtag. Falls ihr den Rummel darum nicht mitbekommen haben solltet, dann fragt ihr euch jetzt vielleicht: Wer ist Melina? Und warum sollten wir stolz auf sie sein? Melina ist eine relativ erfolgreiche deutsche Youtuberin, deren Kanal „MelinaSophie“ (vorher „LifewithMelina) kurz vor einer Million Abonennten steht. Diese Melina hat am 31. Juli ein Video veröffentlicht, in dem sie folgendes erklärt hat: Sie ist lesbisch. Das war’s auch schon. :D Etwas aus der Kategorie „Aha? Okay.“ also, das den meisten von uns vermutlich vollkommen und absolut latte sojamacchiato sein kann. Nach diesem Video trendete allerdings ewig lang der erwähnte Hashtag „#proudofmelina“, da ihre Fans bzw. Follower der Meinung waren, ihren Schritt unterstützen zu müssen, dass sie mit ihrer sexuellen Orientierung an die Öffentlichkeit geht.

Das interessanteste dabei ist aber meiner Meinung nach nicht, dass Fans das tun, was Fans nun einmal tun und mit Herzchen und Kuss-Emojis um sich werfen, nein, das interessanteste waren die negativen Reaktionen. Die meisten der Leute, die sich negativ über das Video geäußert haben, waren nicht schockiert von Melinas Geständnis lesbisch zu sein, die meisten waren einfach genervt davon, dass das in einem überall aufplöppenden Hashtag resultierte. Außerdem gibt es mittlerweile einige Parodien des Videos bzw. Videos über das Video, in denen klargestellt wird, dass wir ja im Jahr 2015 leben und solch ein Video gar nicht mehr bräuchten. Denn erstens ginge die sexuelle Orientierung von Youtuber Soundso niemanden außer etwaigen Partnern etwas an und zweitens wären doch alle schon so aufgeschlossen, dass Homosexualität nichts außergewöhnliches mehr sei.

„Ich bin ja tolerant, aber nerv mich doch nicht.“

Hallooohoooo??? Noch jemand zuhause bei euch im Oberstübchen? Natürlich ist es toll, dass die meisten bei Twitter einfach davon ausgehen, dass eine nicht heterosexuelle Orientierung kein Ding mehr ist, aber das heißt doch noch längst nicht, dass das überall so ist? Ich verstehe, dass man der Dame Clickbaiting vorwerfen kann (also der Versuch mit einem scheinbar kontroversen Thema möglichst viele Menschen ihr Video schauen zu lassen), aber generell zu erwähnen, dass man schwul/lesbisch/whatever ist, halte ich trotzdem für sinnvoll. Wer nicht darüber reden möchte, der muss das ja nicht, aber ich finde es sehr wichtig, dass auch unter den Youtubern, die nunmal eben viele 14-Jährige als Zuschauer haben, „Vorbilder“ dabei sind, die offen mit ihrer Ausrichtung umgehen. Klar, Lesben werden weniger diskriminiert als Schwule – aber oft anscheinend nur deswegen, weil gutaussehende Lesben immer gleich in Gedanken in einem Porno landen und man ihnen sagt, man sei ja froh, dass sie nicht „so furchtbar männlich“ aussähen wie „die anderen Lesben das meistens tun“. Doch, ich sehe es sind alle sehr aufgeschlossen hier, ja. -.-

Ich möchte an dieser Stelle mal ein Video verlinken, das genau auf diese Aussagen eingeht. „WE GET IT, YOU’RE GAY.“ von Ashley Mardell, in dem sie poetisch und sehr wortgewandt erklärt, warum sie den heterosexuellen Teil der Welt immer wieder mit ihrer „Gayness“ nervt. Sehr anspruchsvolles Englisch, aber so gut.

Nicht unbedingt ein Vorbild – einfach nur jemand wie du.

Zusätzlich finde ich es gut, dass Melina (auch wenn das Video mit 7 Minuten schon relativ lang ist) auf ihren Selbstfindungsprozess eingeht. Ich nenn‘ das jetzt einfach mal so. Sie spricht darüber, wie sie gemerkt hat, dass sie nicht auf Männer steht und wie ihr Coming Out verlaufen ist. Dass sie selbst quasi erst einmal googlen musste, woran man erkennt, dass man auf Frauen steht und wie lange es gedauert hat, bis sie sich das selbst auch eingestehen konnte. Ihr Video ist dem Coming Out Video einer amerikanischen Youtuberin namens Ingrid Nilsen sehr ähnlich, auf das Melina sich auch bezieht. Ebenso wie diese hatte Melina Schwierigkeiten damit, sich selbst einzugestehen, dass das mit den Beziehungen zu Männern nicht unbedingt klappt. Ingrid Nilsens Video ist dabei allerdings mehr als doppelt so lang und wesentlich emotionaler, da sie auch auf ihre Schuldgefühle gegenüber den Männern eingeht, mit denen sie Beziehungen hatte (einfach nur, um „normal“ zu sein) und wie sehr sie die Unterdrückung ihrer eigenen Gefühle auf Dauer belastet hat. Das Video von Anfang Juni hat übrigens mehr als 11 Millionen Aufrufe. Englischsprachige Videos sind echt something else … o.O

Man kann natürlich nun argumentieren, dass es kein ganzes Video braucht, um klarzustellen, dass man z.B. schwul oder lesbisch ist. Das haben auch genügend Leute getan. Selbstverständlich muss man das nicht und es steht jedem frei, in einem Nebensatz zu erwähnen „Oh, übrigens, ich stehe auf Männer/Frauen/beides/niemanden.“ aber gerade weil es im Moment noch nicht überall und für jeden zur Normalität gehört, ist so eine nebensächliche Erwähnung noch nicht drin. Denn ebenso wie viele nun Melina (und Ingrid Nilsen) Aufmerksamkeitsgeheische vorwerfen, würde bei einer dahergenuschelten Erwähnung im Nebensatz jeder Dritte denken, es sei nur ein Scherz gewesen, es sei nur eine Phase oder einfach das Video, in dem so etwas erwähnt wird, vollkommen ignorieren und anfangen Millionen Fragen zu stellen.

Genau deswegen finde ich es wichtig, dass trotz Klickgeilheits-Vorwürfen auch deutsche Youtuber und Youtuberinnen ein Coming Out inszenieren dürfen, wenn es ihnen wichtig ist, offen damit umzugehen. Denn immerhin ist unsere Sexualität ein Teil von uns und für viele wäre die Nichterwähnung wirklich ein Verschweigen von Teilen der eigenen Persönlichkeit. Außerdem zeigt es, Menschen, die selbst gerade unsicher sind, wer sie eigentlich sind, dass sie nicht alleine mit ihren Gefühlen sind und sogar, dass auch Leute erfolgreich und beliebt sein können, die irgendwie „anders“ sind. Ob man diese erfolgreichen Leute generell mag oder ihre Videos/Arbeit toll findet, tut für mich persönlich dabei erstmal nichts zur Sache, denn auch Menschen mit einem anderen Geschmack als ich brauchen Inspiration. :)

Auf die vielen Reaktionen im Sinne von „Wen interessiert denn das heutzutage noch?!?!“ hat Melina übrigens auch geantwortet.

Da war noch was! Zu viel Twitter ist schlecht fürs Hirn. :D

Ach ja, für alle die so weit gelesen haben: Es gab auch noch einen zweiten Hashtag! Der Bescheuertheit halber möchte ich den auch noch mit euch teilen. Er lautet #Veganschnitzel und wurde in die Welt gesetzt von der Community rund um Simon Unge. (An den sich zumindest die Jan Böhmermann-Fans noch erinnern werden, Mediakraft und #freiheit und so, ne?) Der kam auf dank eines Tweefs (also Twitter-Streits) zwischen der Beautytante Dagi Bee und Simon Unge. Kurz gesagt hat er ihr vorgeworfen nicht ehrlich zu ihren Zuschauern/Fans zu sein, weil sie mit ihrem Freund nicht mehr zusammen sei, aber noch so tun würde als wären sie zusammen. Dagi und LionT waren nämlich eines deeeer Traumpärchen der deutschen Youtubeszene. Daher ist das ganze ein kleiner Skandal. Muss man glaube ich für die Uneingeweihten unter uns dazu sagen. :D

Jedenfalls warf Dagi dem an dieser Stell irgendwie etwas eloquenter wirkenden Simon dann vor, ihm sei das vegane Schnitzel zu Kopf gestiegen (ja, er is Veganer) und tadhaaaa, schon war der Hashtag #Veganschnitzel geboren unter dem sich über Dagi Bee lustig gemacht wurde. Das war jedenfalls am 12. August und heute, am 23. August, kommt ein Video heraus, in dem Liondingens und Dagiblubb offiziell zugeben, seit zwei Monaten bereits kein Paar mehr zu sein, was aktuell wieder unter dem neuen Hashtag #dagmo trendet. Hach ja. ^^ Falls ihr euch den kompletten „Streit“ noch einmal anschauen möchtet (warum auch immer), hab ich den hier bei Storify zusammengefasst. Ansonsten verabschiede ich mich einfach mit einem:

Zu den ernsteren Teilen des Artikels dürft ihr mir natürlich auch sehr gerne eure Meinung mitteilen! :) Was haltet ihr von Coming Outs, wenn sie so öffentlichkeitswirksam passieren? Unnötig oder sinnvoll? Und findet ihr meinen Artikel mal wieder viel zu spät, weil nun die ganze tolle Aufregung ja längst wieder vorbei ist oder habt ihr von all dem Kindergarten überhaupt nichts mitbekommen und wart da bisher auch sehr froh drüber? ^^

In diesem Sinne wünsche ich euch einen Twitter-Streit-freien Restsonntag, einen guten Start in die Woche und viele vegane Schnitzel, falls euch solche absurden Beleidigungen auch so erheitern wie mich! Andernfalls … Brot oder so. Brot geht doch immer, oder? :D

Fluffige Grüße von
eurer Trash-Web-Expertin 0utofjoint ^^

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18 Kommentare

  1. Was habe ich diesen Sonntag gemacht: „Schwiegertochter gesucht“ und die neue Folge des Neo Magazins zum zweiten Mal schauen. *lach* Und ich habe deinen Artikel gelesen, fand das längere Video gut, aber Youtuber immer noch scheiße.

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    1. Yaay, immerhin etwas positives! ^^
      Okay, also du warst auch sehr produktiv, ich finde mein Artikel zählt als mindestens 50 % Produktivität, zu „Schwiegertochter gesucht“ sag ich jetzt mal nix … :D

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  2. Also zu den Videos muss ich sagen, dass mir so herzlich egal sind. Ich finde sie gut und wichtig, wenn sich mit diesem Thema beschäftigt wird, aus den oben genannten „moralisch und ethischen“ Gründen, dennoch schaue ich sie mir selbst nicht an, da ich keine Verwendung dafür habe. Nun hatte ich das Glück bzw. habe es immer noch, dass mein Umfeld mit allem d’accord wäre. Hauptsache ich bin glücklich. So sehe ich es eben mit anderen Menschen auch, genauso wie mit meinen Freunden. Wenn sie auf neongelbe- Stricksocken stehen. Ja hey, herzlichen Glückwunsch werde glücklich! Und da das Inernet ein relativ „freier“ Ort ist, bin ich ja auch nicht gezwungen mir diese Videos anzuschauen. Also, fein das es sie gibt! Ich hoffe ich werde sie nicht brauchen, jeder mich akzeptiert wie ich bin und ich keinen „fremden“ Beistand brauche. :D (Ich hoffe, das kam gerade nicht all zu emotionslos rüber habe gerade Nachrichten geschaut. Danach bin ich immer so… :|

    Und zu dem zweiten Punkt. Deshalb habe ich kein Twitter :D Ich will keine „TweeS?“ (wie hießen die Teile noch) mitbekommen. Lion und die Fräulein Biene mochte ich eh nie und habe sie mir außer einmal auch nie weiter angeschaut. Für Herrn Unge gilt übrigens das Selbe… Zu anstrengend. Ist dich Fräulein Bienes Ding ob die ehrlich mit ihren Zuschauern ist, ist doch ihre Community. Die Menschen sind hoffentlich intelligent genug um festzustellen, wann sie beschießen werden oder nicht :)

    So, jetzt ist die Luft abgelassen… By the way ich fordere eine FSK 18 für sämtliche Nachrichten-Shows!

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    1. Klar, du musst sie ja auch nicht schauen. Das ist immer eine gute Methode, um unnötiges Aufregen zu vermeiden ;)
      Gute Einstellung. Und nee, emotionslos fand ich’s nicht, aber ich habe ja auch vorher ein paar Asi-Kommentare zu den Videos gelesen. :D

      Tweef heißt sowas. xD Belämmerte Kombi aus „Tweet“, also einer Twitter-Nachricht und „Beef“, dem jung-modern-deutschen Wort (von vor ein paar Jahren) für „Streit“. Ich hoffe das hat deine Verwirrung geklärt. :D
      Jepp, ich fand sie auch immer anstrengend. Fand es nur faszinierend, wie öffentlichkeitswirksam die beiden sich streiten. ^^ Meh. Ich befürchte irgendwie, dass es immer genügend naive Menschen geben wird, die erst viel zu spät merken, wenn sie übers Ohr gehauen werden. :(

      :D Ich glaube da wirst du Pech haben, denn das wär ja dann quasi ein Bildungsverbot für Minderjährige. ^^

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  3. Thema Unge vs. Beauty-Bi… äh -queen:
    Finde beide extrem unsympatisch, weshalb ich das Ganze nicht so sehr verfolgt habe. Sollen sich die beiden herkloppen, mir egal :D

    Zum Thema Melina habe ich aber etwas mehr zu sagen. Ich gehöre nämlich zur Fraktion „Nervt mich nicht damit“. Dazu möchte ich zuerst auf eine deiner Fragen antworten: Ja, in meinem Oberstübchen ist jemand zuhause (von Toleranz predigen und dann sowas raushauen… Naja…).

    Es stimmt, dass Homosexualität nicht überall toleriert wird. Das war immer so und wird auch immer so sein. Es wird immer irgendwelche Menschen geben, die sich daran stören werden, egal wieviel Aufklärungsarbeit geleistet wird. Das heißt man soll dieses Thema für alle Zeit an die große Glocke hängen? Homosexualität ist nichts Besonderes, was auch für Heterosexualität gilt, weshalb man keines davon groß zur Schau stellen muss. Schonmal jemanden gesehen, der verkündet hat, er/sie sei hetero und daraufhin tausende Leute applaudiert haben? Ich jedenfalls nicht.
    Was ich damit sagen will: Egal auf welches Geschlecht man steht, es ist normal und einfach nicht wert ein großes Theater darum zu machen.

    Mir ist es völlig gleich, ob ein Mensch homo-, hetero- oder bi-sexuell ist. Wenn die Leute darüber reden wollen, ist das völlig in Ordnung. Meinetwegen können sie ein Video darüber machen. Ich finde es nur extrem nervig, wenn dann plötzlich die halbe Welt am Rad dreht, das Internet sich überschlägt und die Fangemeinde eine Party schmeißt, weil… weil… achso, weil Melina auf Frauen steht.
    Erst wenn Homosexualität nicht mehr als etwas Besonderes angesehen wird, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne, wird die Intoleranz zurückgedrängt.

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    1. Mir ist sehr wohl klar, dass ich das erstens nicht nett formuliert habe (ich rege mich eben manchmal auf. Tut mir leid, aber die Reaktionen auf dieses Video waren echt teilweise so ignorant, dass ich da mal verallgemeinert hab. Zweitens ist es wirklich nervig, wenn die ganze Welt deswegen am Rad dreht. Ich verstehe deine Einstellung und fände es auch besser, wenn Sexualität weder positiv noch negativ hervorgehoben werden müsste. Ich finde es auch übertrieben, wenn man gleich mit Herzchen um sich schmeißt, wenn einem jemand die eigene sexuelle Orientierung beichtet und möchte damit auch nicht immer „genervt“ werden. Aber es ist eben nicht die Norm homosexuell zu sein. Klar interessiert es mich nicht, ob Person XYZ schwul ist, wenn ich mit der Person nix am Hut habe, aber alle die mit Person XYZ was am Hut haben werden darüber informiert und diejenigen unter ihren Fans/Zuschauern/Followern, die bisher davon ausgegangen sind, dass sie furchtbar unnormal sind, bekommen dadurch vielleicht die Erkenntnis, dass sie eben auch ein normaler Mensch sind. Man muss da keinen Artikel drüber schreiben oder Antwortvideos drüber drehen, aber wenn dir nie jemals jemand sagen würde „Hey, ich bin übrigens so wie du!“, dann fragt man sich vielleicht auf ewig, ob das nicht doch komisch ist, weil um einen herum ja niemand sonst so ist. Und ja, es gibt genügend Jugendliche, denen niemals klar gemacht wurde, dass Menschen einfach Menschen sind, egal wie deren sexuelle Orientierung sein mag. Meiner Meinung nach ist es das wert, so lange das Theater zu ertragen, bis sich niemand mehr aufgrund von Diskriminierung das Leben nimmt. Normalerweise sind wir ja meistens recht ähnlicher Meinung, aber nee. Fangemeinden toll finden muss man nich, aber „Andersartigkeit“ ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken, das muss drin sein, finde ich. Ich hoffe das war nachvollziehbar und klang weniger beleidigend. :)

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  4. Aus lauter Zeitmangel habe ich die Videos zwar nicht geschaut, aber den Text gelesen…
    Was ich besonders interessant finde: Dass ja gerade Heterosexualität – oder besser gesagt „Heteronormativität“ – von dieser immerwährenden „nebensächliche Erwähnung“ lebt, von der du ja auch schreibst, dass sie bei Homo- oder Bisexualität eben (noch) nicht nebensächlich funktioniert. Und bis wir so weit sind, falls das jemals passiert, können solch öffentlichkeitswirksame Coming Outs durchaus hilfreich sein, finde ich! Heterosexuelle outen sich doch quasi ständig, wenn auch meist unbewusst, als eben solche und tragen damit dazu bei, dass ihre sexuelle Orientierung in der Selbstverständlichkeit der Norm verborgen bleibt und nicht zum großen Thema gemacht wird…

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Auch wenn das jetzt etwas sehr verspätet von mir kommt. ^^‘ Mein Blog ruht gerade ein wenig.

      Ich bin da ganz deiner Meinung. Keine Frau muss, wenn sie sagt „Ich bin mit meinem Freund zusammengezogen.“ mit Kommentaren rechnen wie: „Was? Du bist heterosexuell? Das hätt ich ja jetzt nicht gedacht! Wie lange denn schon?“

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  5. Also ich gehöre auch zu den Leuten, die diese Outings eigentlich überhaupt nicht interessieren. Genauso wenig wie das Privatleben der Promis, ich bin der Meinung die sind auch nur Menschen und die habe ich auch im Alltag vor der Nase. Ich finde die „Infobedürftigkeit“ mancher Leute, nur weil es um einen „Promi“ geht, sowieso total übertrieben.
    Die machen genauso ihren Job, nur dass der halt mehr in der Öffentlichkeit auffällt, wie vielleicht einer von tausenden Dachdeckern. Sind trotzdem auch genau die selben Menschen, manche tun so als wären Promis eine eigene Spezies o.o

    Ich finde solche Outings vermitteln zusätzlich den Eindruck, dass Homosexualität „unnormal“ wäre. Denn wieso muss ich den Menschen eine Erklärung darüber abgeben, dass ich auf das selbe Geschlecht stehe? Muss ich mich auch rechtfertigen, wenn ich auf südländische Personen, Beachpeople, Milchgesichter oder was weiß ich stehe? Das sollte doch jedem frei stehen. Wirklich frei damit umgehen würde für mich heißen, dass man, nur weil der Partner das selbe Geschlecht hat, ihn nicht verheimlicht. Homosexuelle Personen neigen dazu, zu Happenings immer alleine zu gehen und lange etwaige Beziehungen zu verheimlichen. Und dann kommt irgendwann das:“Ich bin schwul/lebisch.“ Für was?
    Wenn bei den Happenings einfach der Partner mitgenommen wird, werden es auch ohne „Outing“ (eigentlich ist das Wort schon ziemlich falsch, wenn man es irgendwann als „normal“ gelten lassen will) alle checken.
    Oder sollten manche Männer in Zukunft lieber in einem Interview zugeben, dass sie auf doofe Blondinnen stehen, damit die Welt vorbereitet ist, wenn der das nächste Mal so eine Tante mitnimmt?

    Schrecklich, wenn die Welt immer von solchen Tragödien wie Youtuber-Trennung und Veganschnitzel heimgesucht wird. Eine dunkle Welt haben wir ~
    (Wenn man nach Twitter geht, sind solche Sachen ja meistens weit wichtiger wie Hungersnot, Verfolgte, … da fragt man sich schon ab und zu .__.)

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    1. Nein, ich glaube nicht, dass man sich zu „doofe Blondinen“-Fetischen äußern muss. ;) Aber so ein Outing ist eben dazu da allen anderen ins Bewusstsein zu rufen, dass es (z.B.) homosexuelle Menschen auch gibt und nicht nur das „Standardmodell“. Klar wäre es schöner, wenn man das nicht extra rausposaunen müsste, aber die Leute haben eben immer noch oft ein Problem damit oder wissen nicht wie sie damit umgehen sollen. Eben weil man „diese komischen Menschen“ überspitzt gesagt oft nur als das Klischee aus dem Fernsehn kennt, das rosa Tütüs trägt, damit der Zuschauer auch erkennt „Aha! Dieser Mann ist schwul!“
      Ich muss leider sagen, dass ich nicht beurteilen kann wie viele Leute ihre Partner verschweigen, wie du das beschreibst. Das ist natürlich wirklich doof für den Partner und verwirrend fürs Umfeld, wenn dann auf einmal ein Announcement kommt. Aber ich glaube so etwas geschieht aus Angst vor Ablehnung (in den USA kannst du zwar jetzt heiraten, aber ebenso in vielen Bundesstaaten noch entlassen werden, wenn du schwul oder lesbisch bist) oder weil man sich selbst noch nicht öffentlich eingestehen möchte, dass man nicht „normal“ ist. Der Wandel dazu, dass man sich als Mensch egal welcher Orientierung als wertvoller Teil der Gesellschaft fühlen „darf“, ohne Angst vor Ausgrenzung zu haben, passiert eben gerade erst heute. Daher finde ich, dass die Videos dazu beitragen, dass irgendwann kein Hahn mehr danach kräht, ob jemand LGBT oder sonstwas ist. Und bis dahin signalisieren die eben anderen Leuten ein lebenswichtiges „Hey, ich bin so wie du“. Je öfter so etwas passiert, desto mehr landen doch alle Variationen von Menschen auch in unserem Unterbewusstsein. :)

      Ja, Twitter is wirklich teilweise einfach nur hysterisch :D Zwar wird da auch über Flüchtlinge oft getwittert. Die haben nur eben keine so hashtag-affine und organisierte Fangemeinde. Vielleicht sollten Flüchtlinge Beautytutorials machen, damit das klappt … O.o

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      1. Ich verstehe schon was du (und die „outer“) meinst, aber für mich ist das schade, dass es bei den Promis so sein muss. Klar, wenn man in gewissen Ländern lebt, ist es nciht leicht – und wahrscheinlich auch besser das Outing zu lassen, denn es gibt immer noch Länder, wo das sogar indirekt „strafbar“ ist.
        Aber wenn ich eh in einem Land lebe, wo es akzeptiert wird und ich mich den Schritt in die Öffentlichkeit traue, würde ich es eine viel schönere Geste finden den gleichgeschlechtlichen Partner einfach in die Öffentlichkeit mitzunehmen, statt ein großes Statement abzugeben. Ich finde das symbolisiert viel mehr „Normalität“ wie jede große Rede.
        Klar finden so viele Menschen „Gleichgesinnte“, aber ich finde jetzt nicht, dass es damit „normaler“ scheint. Eher wie ein „Zusammenfinden einer Minderheit“ und das hat für mich gar nichts mit „als normal akzeptieren“ zu tun. Wenn du derzeit Leuten direkt sagst, dass du z.B. Manga/Anime-Fan bist, wirst du teilweise immer noch komisch angeschaut. Obwohl immer mehr Leute durch Merchandise (Taschen,…) zeigen, dass sie Fans sind und es immer publiker ist. Zeige ich den Personen aber, wie viele Hollywood-Produktionen auf Animes/Mangas basieren, dann wird mein Hobby auf einmal richtig interessant gefunden. Hab ich shcon oft probiert xD
        Das ist statt einem Outing einfach zeigen, wo es nicht schon überall „unentdeckt“ vorherrscht :3

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        1. Naja, aber wer sagt denn, dass die Leute bereits einen Partner haben? ^^ Auch wenn ich die zustimme, dass es sinniger ist, wenn man einfach ein Pärchen sieht als großartig ankündigen zu müssen. Ich glaube wenn man sich auf diese Weise outet, wird man auch wieder von vielen Menschen befragt, ob man denn nun schwul sei. Und bei Frauen werden viele sicher einfach nur davon ausgehen, dass man einfach nur gut befreundet ist, wenn man nicht gerade auf der Straße rummacht – was nachvollziehbarerweise den meisten Menschen sicher etwas unangenehm wäre, weil Privatsache und so. :D
          Und wenn sich nun die Hollywoodproduktionen nie als Animebasiert geoutet hätten, hättest du keinen Vergleich. So! :D Ich glaube wir kommen da argumentationstechnisch nicht zusammen. ^^ Und sorry, dass ich so lange zum antworten brauche, ich habe ein wenig Pause gemacht – eventuell dauert die auch noch ein bisschen. ~ Sorry :3

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          1. *lol* bei den anime-basierten Hollywoodfilmen kennt man auch einfach öfter die Vorlage ;)

            Kein Ding, dafür sinds ja auch immer lange ~ Antworten x3 (und viel zum Lesen von mir xDDD)

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  6. So treffend! So gut!
    Persönlich fand ich das Outing mutig und passend! Wenn man bedenkt, dass sie über 1Millionen Abonnenten auf Youtube hat und 1.7 Follower auf Instagram, welche im Jugendlichenalter sind – bin ich sehr gespannt was da noch auf uns zu kommen könnte!

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    1. Dankeschön für dein Lob! :)
      Inwiefern? Meinst du, dass sie das noch öfter thematisieren wird oder meinst du, dass sie jetzt mit mehr Pseudokritik an ihrer Person rechnen muss? Oder meintest du was ganz anderes ooooder bist du ohne bestimmte Erwartungen gespannt? :D

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      1. Nun ja, sie erreicht eine sehr große Zahl an Jugendlichen, welche sie als Vorbild sehen – egal welche Sexualität sie haben. Ich glaube, dass es eine Möglichkeit gibt einen normaleren Umgang damit zu finden und ich glaube, dass Melina Sophie einen Einfluss auf die kommende Generation haben kann! Um das jetzt mal ein bisschen überspitzt zu sagen.
        Desweiteren bin ich ohne bestimmte Erwartungen gespannt :)

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        1. Das stimmt natürlich. Darauf hoffe ich auch sehr! Es wäre wirklich schön, wenn durch solche Dinge mehr Toleranz entsteht und das Thema sexuelle Orientierung irgendwann einfach keine Rolle mehr spielt, sondern es genauso normal ist nicht-hetero zu sein wie hetero zu sein. :)

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