Natürlich künstlich mit einem Hauch von Haze – Singapur

Singapur ist ein spannender Stadtstaat mit etwas mehr als 5 Millionen Einwohnern, die verschiedene ethnische Hintergründe haben (Chinesen, Malaien und Inder) und in dem auch viele Ausländer arbeiten, weshalb wir dort gar nicht soo sehr aufgefallen sind. Außerdem ist Singapur was das Durchschnittsgehalt angeht, reicher als Deutschland, dort findet man also sehr viele schicke Menschen und sehr viele hübsche Menschen. Ob letztere auch durch das hohe Gehalt entstehen, weiß ich nicht, es waren jedenfalls so einige davon da. Immer diese hübschen Asiatinnen, die einem das Selbstbewusstsein zunichte machen! :D Der Staat ist gerade mal 50 Jahre alt und der vor kurzem verstorbene Staatsgründer hat Singapur innerhalb weniger Jahrzehnte vom Entwicklungsland zu dem internationalisierten Stadtstaat gemacht, der nun auf Platz vier der Städte mit den höchsten Lebenshaltungskosten weltweit ist. (Die teuerste deutsche Stadt ist nach dem gleichen Ranking übrigens München und liegt auf Platz 87, nur so als Vergleich.)

Mit diesem Reichtum wird auch gerne mal angegeben – ebenso wie in Kuala Lumpur und Dubai – und so haben wir nicht nur große Malls bewundert, sondern auch Marina Bay Sands, eines der bekanntesten Luxushotels, das aussieht, als hätte sich ein Schiff auf dem Dach einiger Türme niedergelassen. Außerdem befindet sich auf diesem „Schiff“ ein Skypool, in dem alle Hotelbewohner vermutlich permanent angeberische Selfies machen. Würde ich auch, aber uns war es mit um die 200 € pro Person und Nacht dann doch zu teuer. ;) Falls ihr euch anhand meiner phänomenalen Beschreibung kein Bild davon machen könnt: Fear not, I hath made pictures!

marinabaysands

Das Hotel Marina Bay Sands von weitem. Ich bin gerade zu faul um es schöner zu photoshoppen, sorry. :D

Überhaupt waren wir in diesem Urlaub größtenteils nur damit beschäftigt Fotos zu machen. Die Freundin mit der ich unterwegs war ist nämlich noch fotografierbegeisterter als ich. Und ich habe schon rund 800 Fotos allein von Singapur gemacht. Dabei allerdings auch jedes Motiv ungefähr fünf Mal fotografiert, weil wir so in Eile waren und ich immer einen um einen Millimeter verschobenen Ausschnitt fotografiert habe und anderen Blödsinn. Im Nachhinein könnte ich also vermutlich 500 Fotos davon löschen. :D

So viel Grüüüün! :o – Gardens by the Bay

Was sehr beeindruckend war, war der Garten, der sich in der Nähe des Hotels befindet. Unseren letzten Abend haben wir damit verbracht, diesen „Garden by the Bay“ zu bewundern. Darin befinden sich nämlich zwei Kuppeln mit künstlichen Biotopen. Im Cloud Forest kann man einen künstlichen Berg besteigen, um den herum künstlicher Nebel schwirrt und künstliche Wasserfälle nicht-künstliche Blumen bewässern.

Und so viel … äh, Leucht! :D

Außerhalb der beiden Glaskuppeln war es aber nicht minder beeindruckend. Denn dort gibt es riesige künstliche Bäume, die einem nachts eine Lightshow zur Musik spendieren. Was gelinde gesagt überwältigend ist. Denn man sitzt zwischen diesen RIESIGEN Bäumen, wird von Lautsprechern angeblastet und gleichzeitig leuchtet um einen herum einfach ALLES. Fucking overkill. o_o Aber seht selbst. Ein Video wäre sinnvoller, aber das kann ich hier leider nicht hochladen. Vielleicht reichen ja auch ein paar Bilder von den Bäumen, um euch einen Eindruck zu verschaffen.

Zuallererst: EIngangstür for scale. Das kleine Quadrat unten links ist eine große Eingangstür. Jetzt dürft ihr rechnen, wie verdammt groß diese Bäume sind. :O

Zunächst: Eingangstür for scale. Die kleinen Quadrate unten links sind die Fenster einer großen Eingangstür. Jetzt dürft ihr rechnen, wie verdammt groß diese Bäume sind. :O

Nachdem ich euch nun hoffentlich alle angemessen beeindruckt habe, fragt ihr euch aber vielleicht, weshalb der Himmel auf den Fotos teilweise so stark rötlich reflektiert oder warum man nicht wirklich weit schauen kann. Nein, das liegt nicht nur daran, dass ich im Dunkeln schlecht fotografiert habe. Ihr glaubt mir nicht? Moment, ich lade einfach noch ein paar Beweise hoch. ;)

Ausblick? Wer braucht den schon? :/

Zweimal nachts und am nächsten Tag tagsüber. Wieder einmal Marina Bay Sands, vom anderen Ufer aus. Wir haben sehr viel Zeit damit verbracht, dieses olle Hotel zu fotografieren, jepp. :D

Das was ihr auf den Fotos seht war leider kein angenehm kühler Nebel, sondern „Haze“, die lokale Art von Smog. Im Fall von Singapur wird dieser aber nicht von Autoabgasen verursacht, sondern stammt aus Indonesien und Malaysia. Dort wird – weil billig und schnell – zur Rodung der Wälder einfach alles abgefackelt. Durch die Brandrodung erhalten die beiden Länder dann allerdings nicht nur fruchtbaren Boden, sondern auch jede Menge Rauch gratis dazu. Dieser weht dann je nach Windverhältnissen wunderbar hinein nach Singapur, sodass die Luft dort unatembar wird.

Also natürlich kann man noch atmen, aber man sieht nichts mehr und möchte vielleicht im Moment der Atmung auch nicht an die Zukunft der eigenen Lungenbläschen denken. Es gibt eigene Apps und Webseiten, die sich nur damit beschäftigen, wie hoch der aktuelle Verschmutzungswert der Luft ist – dieser heißt PSI oder „Pollutant Standard Index“. Dieser setzt sich aus dem Gehalt von Staub, Feinstaub, Schwefeldioxid, Stickstoffdioxis, Ozon und Kohlenstoffmonoxid in einem Kubikmeter Luft zusammen. Alle diese Stoffe sind überhaupt gar nicht mal so gesund und das merkt man auch, wenn man sich länger draußen aufhält. Ich persönlich hatte bereits nach ein paar Stunden an einem der „is jetzt nich sooo gesund“-Tage das Gefühl, nicht mehr tief einatmen zu können und bin meistens lieber mit Atemmaske rumgerannt. Generell ist man wohl schneller erledigt und sollte sich Sport an der frisc- an der Luft eher sparen.

Ach komm hier, krichter noch 'n Selfie mit einer unpraktisch verrutschten und Ohren plattdrückenden N95-Maske, damit ihr mir auch glaubt. ;)

Ach komm hier, krichter noch ’n Selfie mit einer unpraktisch verrutschten und Ohren plattdrückenden N95-Maske, damit ihr mir auch glaubt. ;)

An unserem letzten Tag durften wir abends, bevor es mit dem Bus weiter nach Malaysia ging, dann auch mal das örtliche Fernsehen schauen. Das hatte, da Singapur wirklich sehr sehr international ausgerichtet ist, englische Untertitel bzw. es wurde englisch gesprochen. In der Meldung des Tages ging es darum, dass am nächsten Tag die Schulen geschlossen werden würden, weil das Level der Luftverschmutzung zu hoch war.

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Wie die nette Dame uns mitteilte: Der PSI war an diesem Abend bei 316.

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Und hatte den Tag über zwischen 219 und 270 geschwankt.

Die Höhe des PSI wird in verschiedene Stufen eingeteilt, in gut, moderat, ungesund, sehr ungesund und „hazardous“, also „FUCKING BETTER DON’T GO OUTSIDE“. Zwischen 200 und 300 liegt er bei „sehr ungesund“ und bei einem PSI über 300 ist die Luft gesundheitsgefährdend. Die Luft! Und immer noch gab es Menschen, die durch diesen sichtbaren Nebel (es wurde empfohlen vorsichtig zu fahren, weil man mit dem Auto nur begrenzte Sichtweiten hatte!) und bei dem Geruch nach Feuer ohne Atemmaske draußen herumrannten, als sei nichts. Ich empfindsames Wesen bin jedenfalls wie erwähnt vorsichtshalber mit der gar nicht mal so bequemen Gesichtsmaske herumgelaufen, da ich auf das Geschenk der „guten Luft aus Indonesien“, wie es der indonesische Staatschef wohl dreisterweise formuliert hat, durchaus verzichten kann.

Tausche reine Luft gegen Profit

Warum Indonesien und Malaysia so viel Brandrodung betreiben? Ich habe nicht sehr tiefgründig recherchiert, mir reichte eine Fahrt durch die „Wälder“ von Malaysia auf dem Weg in die Highlands, um zu einer Schlussfolgerung zu kommen und das darauffolgende Nachlesen bei Wikipedia. Palmöl. Fährt man durch die nicht urbane Gegend in Malaysia kann man fünfzehn Minuten lang an Palmwäldern vorbeifahren. Nebendran finden sich teilweise Stellen, die vor kurzem gebrandrodet wurden und auf neue Palmsetzlinge warten.

Palmen.

Palmen. Nichts als Palmen …

So sieht das Gelände zwischen den Palmfeldern aus.

So sieht das Gelände zwischen den Palmfeldern aus.

Der ganze Regenwald in Malaysia schrumpft seit Jahren dramatisch (das Land hat in den 90ern seine Bäume mit der vierfachen Geschwindigkeit dessen abgeholzt, was noch nachhaltig wäre, ließ die Weltbank verlauten). Dabei gehören die Regenwälder in Malaysia zu den artenreichsten und schützenswertesten der Welt … Doch nicht nur das, dabei wird auch noch schön die Luft verpestet, sodass sogar reiche Stadtstaaten etwas davon haben, die sich damit rühmen, zu den saubersten der Welt zu gehören. Ein Anlass, um wieder etwas das Thema zu wechseln.

A propos Müll.

Das Gerücht, dass man in Singapur keinen Müll auf der Straße findet, ist übrigens nur ein Gerücht. Dass man dort Strafe zahlen muss, wenn man Müll irgendwo hinwirft, ist jedoch keines. Es gibt Strafen für alles mögliche und generell ist der Staat sehr strikt und alles mögliche wird den Bürgern vorgegeben. Doch gerade in den nicht so reichen Stadtteilen wie Chinatown findet man dann doch mal herumliegende Zigarettenstummel oder anderen Müll und in der Gegend wo wir wohnten ist uns abends auch einmal eine Kakerlake über den Weg gelaufen. Zum ersten Mal eine in echt gesehen, krass! :O Wobei die Reaktion meiner Freundin eher „IIIIIIIHHHHHHHHHH, Woissieaaahlassweitergehnaaahnichdassdiehierherkommt!!!“ war, was ich wiederum sehr amüsant fand, weil die ja nur da herumgelaufen war, die Kakerlake und uns nichts getan hat. Ich bin schon gemein manchmal, ja. :D

Solche Zwischenfälle bedeuten übrigens nicht, dass Singapur nicht trotzdem hundert Mal sauberer ist als viele Ecken von Deutschland, wo der Boden traditionell aus angetrockneten Kaugummis besteht. :P Kaugummis kann man dort tatsächlich nicht einfach so im Laden kaufen und theoretisch darf man wohl auch keine mitbringen. Eine Tatsache, die mich als passioniertes Zahnpflegekaugummi-sonst-krieg-ich-nen-trockenen-Hals-Opfer sehr schockiert hat. Verboten scheint überhaupt so einiges zu sein und wenn es das ist, dann darf man auch gleich mit saftigen Geldstrafen rechnen. Umgesetzt wurden diese Sachen in unserer Gegenwart nicht, aber ich bin mir nicht sicher, ob ahnungslose Touristen verschont bleiben würden, wenn sie mit einem Kaffee in die Bahn steigen oder ob die Umsetzung der Strafen wirklich mit aller Härte erfolgt. Da Singapur aber offiziell zu den Städten mit den unglücklichsten Einwohnern gehört, könnte ich mir das schon vorstellen … Zumal es sogar noch die Todesstrafe gibt, die zuletzt 2014 umgesetzt wurde. Die wird bei Mord, aber auch bei Drogenhandel angewendet und das definitiv auch bei Touristen.

Hier noch ein paar Schnappschüsse, die die Singapurer Mentalität verdeutlichen:

Urlaub ja – hinziehen nein danke.

So, jetzt brauch ich noch ein Fazit, oder? Also alles in allem fand ich Singapur sehr cool und hätte dort auch noch ein paar Tage länger bleiben können. Auf Dauer wäre mir die Stadt aber wohl zu streng gewesen, ich meine, come on, kein Kaugummi? ;_; Auch dass man seinen Urlaub wahrscheinlich so planen muss, dass man die jährliche Haze-Saison verpasst, würde mich etwas nerven. Ganz zu schweigen von dem klitzekleinen Problemchen, dass dort keinerlei Pressefreiheit existiert. Alle Medien werden vom Staat zensiert, malaysische Zeitungen sind in Singapur verboten und Pornographie ebenso. Also zumindest der Print-Playboy, streamen funktioniert generell wohl schon. Für diejenigen, die gerade leicht in Panik geraten sind, wie denn die armen Singapurer überleben. :D

Wo wir gerade bei Sex sind, kann ich noch ein weiteres deprimierendes Kapitel des Strafrechtes ansprechen: Homosexualität zwischen Männern ist in Singapur verboten – Lesben werden vom Strafrecht hingegen einfach ignoriert. Wie irgendwie häufiger. Glücklicherweise wird dieses unschöne Gesetz scheinbar nie umgesetzt, dennoch ist Homosexualität wohl eher ein Tabuthema in der Gesellschaft, in der übrigens Oral- und Analverkehr für heterosexuelle Paare ab 16 Jahren (laut Wikipedia) auch erst im Jahr 2007 erlaubt wurde. Alles was nicht der absoluten Norm entspricht ist da wohl nur diskret im eigenen Schlafzimmer möglich …

Für einen Besuch, bei dem man sich sicher ist, nichts illegales zu tun, vorher geschaut hat, ob gerade wieder Waldbrände in der Gegend ihr Unwesen treiben und genügend „Aaahhh“’s und „Ooooohhh“’s für die ganzen angeberischen leuchtenden Malls, Gebäude, Gärten und Shows hat, dafür ist diese faszinierende Stadt geeignet. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, wie das Land trotz seines Strebens nach Internationalität mit einem starken Fokus auf Arbeit, materiellen Erfolg und Geldausgeben noch in einem Korsett aus strikten Regeln steckt, das für viele Bewohner Singapurs sicher bequem ist, weil sie wenige eigene Entscheidungen treffen müssen, für viele aber bestimmt auch beklemmend eng ist. Das ist eine Gemeinsamkeit der drei großen Städte in denen wir waren: Der schöne Schein, auf den diese sehr viel Wert legen …

Ich hoffe ich habe euch mit den letzten Abschnitten nicht die Reiselust verdorben, aber ich wollte auch die negativen Aspekte nicht einfach ausklammern. Über die netten und nicht so netten Menschen und das Essen werde ich wohl in einem gesonderten Artikel schreiben, dann kann ich für mich direkt alle Orte vergleichen, die wir in der kurzen Zeit besucht haben. :)

Wie sieht’s bei euch aus? Plant ihr schon den nächsten Urlaub? Wart ihr vielleicht sogar schon mal in Singapur oder habt ihr vielleicht vor dorthin zu fliegen? Wenn ja, wie habt ihr die Stadt erlebt bzw. wie stellt ihr sie euch vor? Was war eure spannendste Reise bisher? Seid ihr auch so leicht von leuchtenden überdimensionierten Gärten und Gebäuden zu beeindrucken? :D Auch zu den strengen Regeln in Singapur interessiert mich natürlich eure Meinung und zu meinem Gefasel und ach, zu allem! Also immer raus mit den Kommentaren. ;)

Einen flauschigen, beeindruckenden Tag wünscht euch
eure 0utofjoint =)

PS: Das Titelbild ist der sogenannte „Merlion“ (quasi ein „Meerlöwe), der in Singapur als Wahrzeichen in der Bucht gegenüber des Marina Bay Sands herumsteht und von gefühlt Milliarden Touristen als Fotomotiv und Selfie-Hintergrund genutzt wird. Der ärmste. Er soll jedenfalls ein Zeichen für glückliche Neuanfänge sein und deswegen auch beliebt bei Paaren auf Hochzeitsreise. Nur falls ihr da was in Planung haben solltet. ^^

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