Youtube-Kommentare: The Good, the Bad and the UGLY – #2 The Ugly Ones

Herzlich Willkommen zur zweiten Folge von „Die Abgründe der Youtube-Kommentare“! Ich habe lange und aufopferungsvoll recherchiert und ziehe nun eine Bilanz, welche der bisher von meiner Wenigkeit erblickten Kommentare die grässlichsten überhaupt waren. Im ersten Teil ging es um die Sorte Kommentare, die dafür sorgt, dass man facepalmt oder einfach keine Ahnung hat, was mit den Leuten abgeht, die solche Kommentare schreiben. Oder wie die es überhaupt geschafft haben, sich einen Youtube-Account anzulegen …

Im zweiten Teil werde ich am Ende ein wenig philosophieren, wie es zu diesen seltsamen und nutzlosen Kommentaren kommt. Zunächst geht es aber hauptsächlich um die berüchtigste Sorte von Kommentaren, die … ach, ich lasse einfach jemand anders für mich sprechen. Dieser Kommentar findet sich unter einem Video des Erklär-Channels „Kurzgesagt – In a Nutshell„, in dem es um das Thema Flüchtlingskrise geht:

comment_kurzgesagt

Falls ihr euch nicht den Tag verderben lassen möchtet, dann solltet ihr diesen Rat beherzigen. Zumindest wenn es um die großen Reizthemen unserer Zeit geht. Doch selbst wenn man bei Themen wie der Flüchtlingskrise von politischen Agenden (Ja, das is die Pluralform, ich hab nachgeguckt ^^) der jeweiligen Rechts-/Links-/Mitte-/Angst-Fraktion ausgeht, bedeutet das nicht, dass die Auswüchse im Youtube-Kommentarbereich allein bei weltumspannenden Themen unschön werden. Soll ich euch sagen, was in letzter Zeit das gruseligste Beispiel für Kommentare war, das ich mitbekommen habe, bei denen ich wirklich kurz an der Menschlichkeit der Kommentarschreiber gezweifelt habe? Also noch mehr als ich nach manchen Dummbrot-Kommentaren aus dem ersten Artikel an deren Intelligenz zweifle.

Wie plötzlich Spaß zu Rufen nach virtueller Steinigung wird.

Für mich waren die Kommentare am schockierendsten, die sich unter einem Letsplay-Projekt fanden, das ich persönlich sehr cool finde: „Minecraft Freedom“ von Paluten. Kurz zur Erklärung: Es ist ein Roleplay-Projekt in Minecraft, bei dem Paluten zusammen mit wechselnden Mitspielern eine Story „erlebt“, die sich nach und nach weiterentwickelt. Sehr vereinfacht gesagt ist es der Kampf gegen Bösewichter, die die Frau eines Kumpels von ihm entführt haben. Palutens Community hat dieses Projekt sehr gefeiert und dementsprechend natürlich viel zu viele der Nerv-Kommentare produziert, die wir bereits aus dem ersten Teil kennen. „Wo bleibt Freedom?!/Wann kommt Freedom??“ ist auch nach 100 Folgen noch Bestandteil der Kommentarspalte unter Palutens Videos. Auch wenn bisher alle 100+ Folgen ziemlich pünktlich täglich um 14 Uhr erschienen sind. Es könnte ja sein, dass die Folge morgen zu einem anderen Zeitpunkt kommt, weil der Letsplayer spontan die Zeitzone wechselt. Oder so. o.O

Nun ja, das beiseite geschoben haben mich ein Teil der bisherigen Storyline und die Reaktionen der Zuschauer darauf sehr überrascht. Zunächst eine kleine Info: Spieler können in dieser aufgemotzten Version von Minecraft mit NPCs (also Nicht-Spieler-Charakteren) interagieren und sie sogar heiraten. Was unspektakulärer ist als es klingt, aber der Story ein wenig mehr Realismus gibt, weil so auch andere Charaktere für gewisse Dinge in die Story eingebunden werden können, ohne dass man ständig andere Letsplayer verpflichten muss mitzuspielen. (Was sich vor allem bei weiblichen Charakteren schwierig gestalten könnte, da es in Deutschland gefühlte drei bekanntere Letsplayerinnen gibt, die sich mit Minecraft beschäftigen. Aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema.) Generell sind die meisten NPCs in diesem Projekt entweder relativ unwichtig oder irgendwelche Schergen des Bösewichts, weshalb sie ignoriert oder ohne große Überlegung umgebracht werden können. Wie das halt in Spielen oder im nächstbesten Actionfilm so läuft. Es gibt jedoch auch Ausnahmen.

Die Story hatte sich so entwickelt, dass die NPC-Frau namens Kate, die Paluten im Spiel geheiratet hat, ihn betrogen hat und zur Seite des Bösewichts überlief. Das fand Paluten nicht so geil und hat deswegen spontan erklärt, dass das „Tribunal“ der Zuschauer entscheiden könne, ob sie leben oder sterben soll. Was schon eine krasse Ansage ist. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet an diesem Punkt spontan ins Mittelalter versetzt zu werden als ich in die Kommentare geschaut habe. Nicht nur stimmten 88 % der Leute für den Tod dieses computergenerierten und in eine Story hineingeschriebenen Wesens, nein, die Kommentare unter diesem Part bestanden ungefähr zum gleichen Prozentsatz aus Dingen wie „bring die hure um“ oder „Töte diese H***“ und die Aggressivität der Zuschauer hat mich doch etwas schockiert. In der nächsten Folge nachzufragen, wie er sie denn am besten umbringen sollte, also, das war vielleicht auch nicht die beste Idee aller Zeiten. Beschränken wir uns hier auf die häufigste Antwort: möglichst schmerzhaft. o_o

„BRING DIE ***** ENDLICH UM!!“

In der nächsten Folge gab es dann die Auswahl per Umfrage: Folterkammer, TNT-Explosion, Scheiterhaufen oder Vergiftung. Weitere vier Folgen später wurde die Entscheidung Folterkammer dann umgesetzt und zwischendrin durfte sich der selbst durch die heftigen Reaktionen seiner Community leicht verstörte Paluten immer wieder hasserfüllte Kommentare durchlesen, in denen capslock-lastig gefordert wurde, dass er die „hier Beleidigung einfügen“ nun doch ENDLICH umbringen solle. Da Paluten zwischenzeitlich krank wurde verzögerte sich die virtuelle Exekution nämlich um ein paar Folgen. (Man kann sich an dieser Stelle die Frage stellen, ob die Reaktionen auch so heftig ausgefallen wären, wenn der Charakter männlich oder es das Projekt von einer Letsplayerin gewesen wäre. Mag sein, dass Reaktionen oder Strafe dann je nach Beziehungsart und Geschlecht des armen NPC-Wesens/Youtubers milder ausgefallen wäre, aber da ich keinerlei vergleichbare Situation kenne, kann ich euch diese Frage leider nicht beantworten.)

Das Scrollen durch die Kommentare hat mich jedenfalls wirklich beunruhigt, weil es mal wieder zeigt, wie gering der Unterschied doch zwischen einer Gemeinschaft und einem wütenden Mob manchmal sein kann. Besonders gruselig ist für mich die Vorstellung, dass so ein Mob allein wegen der Tatsache ausrastet, dass ein nicht-realer Charakter in einem Spiel den in gewisser Weise „Chef“ des Mobs (also den Youtuber) betrogen hat und sich die Wut so weit verselbstständigt, dass am Ende der eigentliche „Chef“ kritisiert wird, weil er nicht genügend Durchsetzungskraft beweist. Da kommen mir direkt irgendwelche Clan-Leader in den Kopf, die von ihren Clan-Mitgliedern äh entsorgt werden, weil sie nicht vehement genug Rache an allen üben, die sich gegen das Idealbild des Clans und das „wir-Gefühl“ stellen, sondern vielleicht eher auf Friedensverhandlungen und Verzeihen aus sind.

Nun gut, ihr könntet euch jetzt denken: Ist doch nur ein Spiel! Immerhin hat sich das Projekt danach ganz normal und ruhig weiterentwickelt, es wurden keine Heugabeln mehr virtuell in die Luft gestreckt und auch noch keine weiteren Scheiterhaufen für irgendwen gefordert. Ich hoffe auch, dass es so bleiben wird. Aber da ihr ja jetzt schon in Stimmung seid: Kommen wir doch jetzt einfach zu den richtig miesen Kommentaren, die sich auf reale Menschen beziehen, okay?

Prinzipiell gilt als Regel, dass alle Videos, in denen größere Youtuber mit einer eher ähm spontan-motivierbaren Fanbase kritisiert werden, mit einem Shitstorm rechnen können. Ähnliches gilt für Videos zu den Themen: Homosexualität, Feminismus und ähnliche „genderige“ Themen, bei denen die Kommentare gerne direkt von „Genderwahn“ und ähnlichem sprechen. Ein Klassiker, aber in letzter Zeit noch präsenter ist natürlich dank dem Reizwort „Flüchtlingskrise“ (siehe Einleitung) auch das Thema Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und das Gutmenschentum versus die besorgten Bürger. Dabei ist es krass, wie sehr die Negativität der Kommentare auch von den einzelnen Kanälen abhängt, die involviert sind.

ITZ Ä PRÄÄÄÄNK, BRO!!

Ein Beispiel hierfür ist meiner Ansicht nach MrTrashpack, der jede Woche die aktuellen Gerüchte etc. aus der Youtubeszene präsentiert und zwar informiert, aber auch oft boulevardesk rüberkommt. Seine Community wechselt soweit ich das beurteilen kann stark, je nachdem über welche Youtuber er berichtet, da sich natürlich eher die Leute ein Video anschauen, deren Lieblingsyoutuber aktuell darin vorkommen. Natürlich hat er auch Abonnenten, die ihn regelmäßig gucken, aber ich glaube seine Zuschauerschaft ist im Vergleich zu anderen Youtubern sehr fluktuierend. MrTrashpack hat jedenfalls über einen dieser Pranks (habe ich schon erwähnt, dass ich Pranks für den größten Schwachsinn seit der Erfindung der Pollenallergie halte?) berichtet, die in den letzten Monaten überall aufgetaucht sind und danach waren mal wieder die Kommentare wäh.

In dem Fall ging es darum, dass ein Heini, von dem ich noch nie etwas gehört hatte, seinem Vater erklärt hat, er sei schwul und der Vater ihn daraufhin verprügelt und angeschrieen hat. Juchhe. Dann ging es darum, ob Leute, die den Vater kritisieren, vielleicht rassistisch seien, weil dieser äääh nicht-deutsch ist. Ich habe das Video ehrlich gesagt nur in der MrTrashpack-Zusammenfassung gesehen, da ich dem Heini nicht noch mehr Klicks bescheren wollte und weiß deswegen nicht genau, woher der Vater des Youtubers oder der Youtuber ursprünglich stammt. Is‘ ja auch wurscht, jedenfalls war der Kommentarteil unter dem Video zu dem Prank-Video ein Schlachtfeld – insbesondere nachdem der Prank-Hansel erklärt hatte, das Video sei gar kein echter Pränk, sondern ein Präänk gegenüber dem Rest der Welt, weil sein Vater eingeweiht gewesen wäre und deswegen haben dann die Heini-Zuschauer erklärt, dass ja MrTrashpack „VOLL MEGA GEPRÄÄÄNKT!!“ wurde, „Alter, ich schwöre, hör auf mit Youtube, du ************ ********************* ******************* *********** ************* ************!!!!!!“ (*** = möglichst viele BPS = Beleidigungen per Satzbaustein.)

Da höre dann sogar ich auf zu lesen, weil in diesen Kommentaren abgesehen von ein paar verstörten „Was passiert hier? O_O“-Fragenden absolut nichts konstruktives mehr zu finden ist und hier nicht einmal mehr das Prinzip „Autounfall, ich kann nicht wegschauen“ greift. Ihr wollt keinen Link zu dem Video, oder? Nee, wollt ihr nich. Was mich überrascht hat, ist, dass hier ein männlicher Youtuber bei den Beleidigungen ebenfalls oft auf sein Äußeres reduziert wird. Das kannte ich bisher eher von Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen. Yay, Gleichberechtigungen bei Beleidigungen … andersrum wär’s irgendwie cooler. :/ Können wir nicht einfach niemanden sinnfrei aufgrund seines oder ihres Äußeren runtermachen? Aber auf mich hört ja sowieso niemand. Wo waren wir? Ach ja, bei den wie Heuschrecken von Video zu Video wandernden Haterschwärmen.

Gratis zu ihrer Community: Alles-andere-Hater!

Jetzt gehe ich ja doch wieder auf das Stardom der Youtuber ein, Mist. Scheinbar kommt man da aber nicht so leicht drum herum. Denn generell ist einer der Kommentarstile, die zu einer wirklich hässlichen Atmosphäre unter vielen Videos beiträgt dieses ins Extreme verklärte Fangirlen/Fanboyen der Zuschauer ihrer Lieblingsyoutuber. Wie im ersten Artikel erwähnt finde ich es nervig, aber nicht dramatisch, wenn in jedem Kommentarstream ein paar Mal „Du bist der beste Youtuber der Wääält!“ auftaucht. Da freuen sich die Leute die das schreiben und dann is‘ gut, denn das kann der Rest der Welt ohne große Mühe einfach ignorieren. Wenn jedoch fanatische Fans auf Kommentare von anderen Nutzern oder Videos von anderen Youtubern treffen, die es gewagt haben, irgendeine Kritik an ihrem Helden zu äußern, dann wird’s unangenehm. Denn dann wird drauflosbeleidigt, was die Tastatur oder das Smartphone-Display aushält.

Youtuber Soundso sei ja viel schlechter als der geliebte Dingensens und was erdreiste der sich sich überhaupt zu dem zu äußern, unerhört! Das wird dann gerne umgesetzt, indem man die Person, die vielleicht wirklich nur konstruktive Kritik geäußert hat, aufs übelste beleidigt. Falls ihr das auch mal vorhaben solltet, hier ein paar Tipps: Euer Gegenüber ist prinzipell immer total scheiße und unintelligent, geht noch zur Schule (was ja immer ein Zeichen von mangelnder Intelligenz ist! o.O), labert Müll und soll doch selber erstmal erreichen, was xyz erreicht hat! Geht ihr auf ein Video ein, dann vergesst nicht zuallererst die Abonnentenzahlen eures viel besseren Youtubestars mit denen des Kritikers, sorry, des Blasphemikers, zu vergleichen.

Danach könnt ihr dann auf alle körperlichen Makel eingehen, die ihr bei genauer Durchsicht des Videos entdecken könnt. (Das schaut ihr natürlich ohne Ton, man will den Inhalt dieses grässlichen Videos ja nicht mitbekommen!) Lasst euch bloß nicht von sachlichen Argumenten aus der Bahn werfen oder ablenken – denn dann könntet ihr am Ende ja noch feststellen, dass euer Gegenüber Recht hat. Und wer will denn das schon?! Wozu sind wir denn sonst auf einer sozialen Plattform, wenn nicht dazu, um asozial unsere eigene Meinung durchzusetzen?!!!?

0utofjoints „Kann ich gefahrlos Kommentare lesen?“-Guide

Was kann man bei so einer Haterwelle als Videomensch überhaupt noch tun? Als Videoersteller muss man das Gehate vermutlich einfach aushalten und mit der Tatsache leben, dass plötzlich eine ganze Armee von Leuten auf den Daumen nach unten klickt, vielleicht ohne das Video überhaupt geschaut zu haben. Richtig abartige und beleidigende Kommentare kann man natürlich löschen, jedoch gestaltet sich allein das Durchschauen bei mehreren tausend Kommentaren (von denen man 90 % vermutlich gar nich lesen möchte) sicher sehr schwierig.

Alternativ kann man sowohl die Kommentare als auch die Bewertung für das Video abschalten, was bei Videos zum Thema Feminismus regelmäßig geschieht, weil dort anscheinend alles immer direkt eskaliert. o_o A propos Bewertungen: Als Faustregel nimmt mein Unterbewusstsein automatisch eine Schutzhaltung ein, wenn ein Video auf den ersten Blick einen deutlich angeschlagenen Bewertungsbalken hat. Denn das bedeutet entweder, dass das Video ganz einfach nach Meinung der meisten Zuschauer schlecht ist oder aber, es geht darin um ein Thema, das allein dadurch, dass es im Internet angesprochen wird, Hate-Kommentar-Schreiber magisch (oder algorythmisch) anzieht. Sei es nun Klimawandel, Immigration, Gleichberechtigung oder Vorurteile in der Gaming-Szene, es gibt einfach Themen, bei denen vor allem aggressive Menschen mit- bzw. andere totreden möchten.

Links oben sehen Sie: Ein normales, gut gehendes Video. Rechts daneben ein Video mit wesentlich mehr Downvotes. Ungefähr ab einem solchen Verhältnis fange ich an vorsichtshalber tief einzuatmen bevor ich mich den Kommentaren widme. Links unten: Die Kommentare sollten besser nur an guten Tagen gelesen werden. Rechts unten: Das Video ist entweder nachvollziehbarerweise zu 99 % schlecht bewertet worden, weil es schlecht gemacht ist oder zum Beispiel mithilfe eines Clickbait-Titels sehr viele Zuschauer angelockt hat, die dann vom wahren Inhalt des Videos enttäuscht waren.  Oder es gilt das Prinzip: Zu viele Menschen hassen das Thema des Videos, um darüber konstruktiv zu diskutieren. Als Beispiel kann man mal wieder das ewige Reizthema Feminismus wählen. In solch einem Fall … nicht einmal, wenn ihr flauschige Katzenbabies auf dem Schoß herumwuseln habt und gerade von Regenbögen beschienen werdet, bestünde eine sonderlich große Chance, dass ihr nach dem Lesen der dazugehörigen Kommentare noch einen Funken Glauben in die Menschheit übrig behalten würdet. Daher sind die Kommentare ebenso wie die Bewertungen abgeschaltet. ^^“

Ein Hauptgrund für krasse Hass-Kommentare sind natürlich die Themen. Denn wenn es um Dinge geht, wo man verschiedener Meinung sein kann und sich eine Seite von jeglicher Aussage angegriffen fühlen kann, dann führt das beinahe zwangsläufig zum Ausrasten der Kommentare. Fachleute nennen dieses Phänomen übrigens das „Alles im gesamten Internet auf sich beziehen“-Syndrom, wenn es bei bestimmten trollifizierten Individuen bereits themenübergreifend und argumentations- und therapieresistent ist. Traurig sowas.

Ich will auch dazugehören, NEHMT MICH WAHR!1!!einself!

Aber gehen wir einmal davon aus, dass das Thema eures Videos nicht gerade das Kontroverseste ist. Ihr habt keine pro-Fleischkonsum oder pro-Veganismus Videos veröffentlicht, euch nicht mit der Anzahl der weiblichen Videospielprotagonisten und deren Darstellung auseinandergesetzt, niemanden mit einer großen Community beleidigt und noch nicht einmal (unrealistisch, ich weiß) schmerzhaft dumme Aussagen von euch gegeben.

Wie kommt es nun dazu, dass unter eurem Video trotzdem so viele Kommentare stehen, die keinem irgendetwas bringen? Warum würgen so viele Menschen völlig unsinnige Fragen oder Aussagen in die Kommentare oder werfen grundlos mit Beleidigungen um sich? Einerseits liegt das vermutlich an mangelnder Medienkompetenz, die man prinzipiell irgendwie fast jedem unterstellen kann. Andererseits finde ich es irgendwie unfair, es einfach 60 % aller Videozuschauer nicht zuzutrauen, eine Infobox öffnen und diese lesen zu können oder einfach nur das Video zuende zu schauen.

Deswegen ist meine Theorie ja die folgende: Das Kommentargewust kommt daher, dass wir mittlerweile Popularität als Währung ansehen und wir doch fast alle gerne reich wären. Natürlich war das eigentlich schon immer so, schließlich waren bereits in der Schule die coolen Kids meistens deswegen die coolen Kids, weil sie bei fast allen beliebt waren. (Selbstverständlich gilt das nicht immer und es gibt verschiedene Gründe, warum jemand ursprünglich beliebt wurde, aber wir verallgemeinern das jetzt mal.) Heute ist es allerdings nicht mehr so, dass wir nur die Leute auf unserem Schulhof cool finden können, dank des Internets können wir nun Leute auf jedem Schulhof der Welt anhimmeln, die gerade beliebt sind.

Tja, und heute hoffen nicht nur wir selbst auf die Aufmerksamkeit der coolen Kids, auch große Firmen möchten in die Clique der coolen Kids aufgenommen werden. Oder diese zumindest dazu bringen, ihren Status zu Werbezwecken zu nutzen. Hätten Firmen bereits vor 30 Jahren die Meinungsmacher auf den Schulhöfen direkt vor Ort ansprechen und ihnen Produktplatzierungen verkaufen können, hätten die Schulpausen damals vermutlich sehr anders ausgesehen, weil Jaqueline uns von ihrer neuesten Errungenschaft in Sachen Mascara von Augenwisch™ erzählt oder Kevin-Pascal uns sein neuestes Skateboard der Firma BrettPitt™ vorgeführt hätte. (Longboards war’n damals noch nich so das Ding, glaub ich.)

VIPs sind wertvoll – egal ob Schulhof oder roter Teppich

Weil wir nicht auf unserem realen Schulhof wahrgenommen werden, wollen wir vielleicht am virtuellen Schulhof endlich ein wenig Aufmerksamkeit abstauben. Deswegen ist es manchmal vielleicht nicht nur mangelnde Medienkompetenz oder Faulheit die jemanden dazu treibt Infoboxen zu ignorieren und stattdessen einen Kommentar mit einer unnötigen Frage zu posten. Denn vielleicht antwortet mir der awesomeste Typ auf dem Schulhof ja doch, wenn ich ihn frage, von welcher Firma das Skateboard nochmal stammt, auch wenn er auf dem Virtual-Schoolyard™ (gibt’s bestimmt bald von Google …) extra Flyer mit den Infos zum Board verteilt hat.

Alternativ kann ich auch einfach quer über den Schulhof rufen, wie toll ich Kevin-Pascal oder Jaqueline finde und darauf hoffen, dass die das registrieren und sich – vielleicht – zu einer Antwort herablassen. Was schwierig werden könnte, weil sie damit beschäftigt sind die 743 anderen Leute auszublenden, die gerade genau das gleiche tun. Und das Gebrüll auszublenden ohne dabei unfreundlich wirken zu wollen oder den Verstand zu verlieren, braucht eventuell schon etwas Training. Meiner Ansicht nach wollen wir alle Aufmerksamkeit. Doch leider wollen sehr viele von uns diese von den gleichen Leuten, weil die ihrerseits bereits so viel Aufmerksamkeit haben. Was irgendwie paradox klingt, aber wir erhoffen uns eben unsere 15 Sekunden Ruhm, wenn JaquisBeautyPalace uns die Frage nach ihrem Mascara beantwortet oder DerpLetsPlay uns antwortet, wann er die nächste Runde Blöckchencraft spielt.

Aber warum haten wir dann auch DerpLetsPlay, wenn er Jaqui kritisiert oder umgekehrt? Weil wir gerne zu Gruppen gehören. Viele Youtuber geben ihrer Community Namen, bei diesem Beispiel könnten das etwa die „Derpis“ sein, und geben ihren Zuschauern damit das Gefühl von Zusammengehörigkeit. Und wie es bereits seit der Steinzeit einprogrammiert ist, wissen wir: Alles was unsere Gruppe und deren Häuptling kritisiert ist böse und muss vernichtet werden! Das ist einer der Gründe, warum einige Youtuber entweder von vorneherein versuchen zu vermeiden, dass ihre Zuschauer zu einer Art Kult mutieren, weil sie das selbst gruselig finden. Oder bei Kritik, die sie an anderen Youtubern äußern, direkt dazusagen, dass das keine Aufforderung zum Hate ist und die Zuschauer das bitte lassen sollen. Traurig, dass so etwas für nötig befunden wird und noch trauriger, dass es wohl viel zu oft gerechtfertigt sein wird.

Eure Kommentare sind erwünscht! ^^

Nun noch etwas Positives am Schluss, wo wir schon so viel über das Thema „Hate“ geredet haben. Also ich hab geredet und ihr habt’s ertragen, aber das klingt immer so egozentrisch und das bin ich ja … äh, das äh, wir kommunizieren hier ja auch, weil ihr auch Kommentare schreibt und so! Puh, gerettet! :D Ich bin jedenfalls sehr froh, dass beim Bloggen die Kommentarkultur soweit ich das mitbekommen habe, eine ganz ganz andere ist als bei Youtube. Die schwachsinnigen Kommentare fehlen eigentlich meistens und die Hate-Kommentare gibt es zumindest ein wenig seltener. Was ich eigentlich sagen wollte: Es gibt beim deutschen Youtube auch Aktionen gegen Hass, die leider viel zu wenig Beachtung finden: #YouGeHa kurz für Youtuber Gegen Hass“, eine Aktion die 2016 bereits zum zweiten Mal stattfindet. Das wollte ich an dieser Stelle nur mal erwähnt haben. :)

Wie beim letzten Mal nun meine Fragen an euch. Lest ihr die Kommentare bei Youtube oder anderen Plattformen? Fallen euch Unterschiede auf? Seid ihr schon einmal den typischen Hate-Kommentaren begegnet oder wurde vielleicht sogar mal ein Artikel oder ein Video von euch damit beglückt? Wie seid ihr damit umgegangen? Gibt es eurer Meinung nach einen guten Weg, wie man mit Hatekommentaren, Trollen und Eskalationen in den Kommentaren umgehen kann? Findet ihr meine Begründung für den ganzen Murks, der in den Kommentaren stattfindet nachvollziehbar oder denkt ihr die Gründe liegen ganz woanders? Was haltet ihr von den von mir spontan gewählten Beispielen? Interessiert euch das Thema überhaupt? :D Also Youtube, Kommentare und die Kommunikation zwischen Content-Creator und Community? So heißt das ja jetzt auf Neudenglisch. ^^

Im nächsten Artikel wird es dann wieder wesentlich netter zugehen, da beschäftige ich mich nämlich mit den positiven Kommentaren (Ja, es gibt sie!) und damit, was man aus Kommentaren so alles machen kann. Wann der Artikel erscheint hängt ehrlich gesagt ein weeeenig davon ab, ob ich noch ein paar gute Beispiele finde und wie motiviert ich diese Woche bin, mich in Dark Souls III umbringen zu lassen und davon, wie motiviert die Natur selbiges in der Realität in der Form von Pollen versucht … :D

Ich wünsche euch jedenfalls einen positiv-kommentarfreudigen und allergiefreien Abend!
Eure den Umgang mit dem Controller übende Kommentarleserin 0utofjoint =)

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10 Kommentare

  1. Youtube Kommentare… etwas was ich eigentlich nie lesen will und wo ich dann doch immer wieder lade. Für mich sind 90% der Kommentare nicht nachvollziehbar und einfach nur daneben und ich merke immer wieder, dass, wie du schon sagst, Blogkommentare etwas vollkommen anderes sind.
    Was ich bisher noch nie gehört habe ist „BPS = Beleidigungen per Satzbaustein“ was es allerdings genau trifft. Es ist unglaublich wie heftig es unter manchen Videos wird.

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    1. Danke für deinen Kommentar! ^~^
      Hmm, da wäre ja dann die interessante Frage, warum du sie trotzdem liest. Neugier? :) Ja, ich bin so glücklich, dass hier alle so lieb und konstruktiv sind!
      Das mit den BPS habe ich mir auch während des Schreibens spontan ausgedacht. Wäre aber lustig, wenn wir das als neue Maßeinheit einführen. :D Ich frage mich auch jedes Mal wieder, ob die hassenden Menschen auch in ihrem realen Alltag so sind. Das kann doch nicht gesund sein …

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      1. Hmm, ich glaube meistens lasse ich mich einfach zu leicht reinziehen. Ich bin jemand der gerne durch Infoboxen sieht, was es da so an Informationen gibt, aber sobald man auch nur in die Nähe von Kommentaren kommt, fällt einem was ins Auge und … zehn Kommentare später fragt man sich warum man das liest.
        Obwohl ich auch sagen muss, es kommt auf die Videos an. Bei den meisten Kanälen die ich sehe sind die Kommentare entweder sehr gut moderiert oder einfach wirklich nicht so fies. Da lese ich dann Kommentare weil man manchmal auch da sehr nette neue Kanäle findet ;)

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  2. Die Entscheidung des Let’s Player ist aber schon grenzwertig, Todestrafe ist heut zutage eigentlich unzumutbar. Da verstehe ich irgendwie auch kein Spaß und es ist dich logisch, dass Menschen auf soetwas ansprungen. Aber leider erschreckt mich diese Resonanz und dieser Elan immer wieder… Ich meine sie war/ist virtuell! Das ist irgendwie schon krankhaft.

    Ich achte generell nie auf das Verhältnis Thumbs/ Views, sollte ich vielleicht mal anfangen und aus diesem Grund könnte ich YT niemals als Job machen. Dann lieber bloggen, hier auf solchen Plattformen sind doch recht viele human.

    Um Feminismus oder Vegan Videos mache ich mittlerweile einen großen Bogen und um Tolrenz/ Askzeptanz Videos auch. Die Hass-Kommentare sind mir zu hirnverbrannt… Da will man am liebsten selber anfangen znschön zu kommentieren und deshalb hasse ich Trolle.

    deshalb hier noch mal was nettes ;-) :

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    1. Ich fand es gar nicht logisch, dass so viele Leute darauf anspringen. Aber vielleicht hast du Recht und man muss immer mit so einer Reaktion rechnen :(
      Denkst du dass dich zu viele dumme Kommentare in den Wahnsinn treiben würden oder dass dich die Hasskommentare zu sehr mitnehmen würden?
      Ja, bloggen ftw :)
      Kann ich voll verstehen. Ist halt nur schade, wenn man dadurch eigentlich wichtige Themen umschiffen muss.
      Danke! Die schaue ich heute Abend, wenn ich dran denke. Unterwegs ist das immer etwas unpraktisch :D

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      1. Naja, in der Gruppendynamik gibt es doch immer ein Alpha-Männchen, dass anfängt und die meisten laufen ihm dann hinter her… Sieht man auch auf dem Schulhof jeden Tag. Wehe da kommt der „Wurm“….

        Ich kenne mich selbst gut genug um zu wissen, dass ich nach außenhin vermutlich die coolste „Sau“ wäre, aber sobald alle wegschauen ich eingeigelt heulen und depressiv in der Ecke liegen würde mich selbst hassen und dass ist nicht übetrieben :D

        Haben gerade in Englisch, das Thema Culture Wars- Abortion in the USA… Daran merke ich schon zu was alles der Mensch fähig sein kann… Ich finde man kann sehr human über ein Thema disskutieren. Was sicherlich nicht immer leicht ist!

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        1. Joa, aber es war für mich trotzdem unerwartet, dass sich die Leute da so reinsteigern. Immerhin wurden sie ja nicht ernsthaft angestachelt, sondern nur „spaßig“. Es erschreckt mich glaub ich einfach immer wieder, was andere Menschen so alles sehr sehr ernst nehmen können ^^“
          Awwr, nein! :D Dann mach bitte kein Youtube, ich möchte nich, dass du kaputt gehst! :)
          Uuh, ja, das Selbstbestimmungsrecht der Frau und das Recht auf Leben. Das ist auch ein grässlich emotionales Thema. :/
          Es ist definitiv nicht immer leicht, aber du gehst ja quasi mit gutem Beispiel voran! ;)

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          1. Oh, warte habe gerade gesehen, dass meine Gegenfrage noch fehlt… Das du ja vielleicht planst Vligs zu drehen, denke ich mal du bist ein Mensch der mit einer Kamera reden kann? ;-) Wäre für mich noch so ein Punkt mit dem ich gar nicht umgehen kann :D

            Ich bleibe Blogger forever… xD Together… Hilfe, ich hasse diesen Song.

            Danke für das Lob, aber hast du schon mal drüber nachgedacht einen Roman anzufangen? Die länge der Kapitel hättest du mal schon und Meinungen kannst du gut differenzieren. Ein cooles Sachbuch wäre mal toll wir von den Science Busters :D

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            1. Naja, ich habe zumindest schon äh drei bis viermal in meinem Leben vor einer Kamera gestanden oder gesessen und wenn ich nicht über Themen oder mit Leuten reden muss, die mir zu komplex bzw. unsympathisch sind, dann funktioniert das glaube ich ganz okay. Aber das siehst du ja dann, falls ich das hinbekomme mit den Vlogs xD
              Foreeeever Bloooog(ger), I wanna be foreever Blooog(ger)! Besserer Ohrwurm? ^^
              Danke ebenfalls! XD Ich weiß nicht. Ich habe zwar mal drüber nachgedacht, so etwas eigenes zu kreieren wäre schon cool. Aber ich weiß nicht, ob ich lange genug beim Thema bleiben könn- Oh, ein Eichhörnchen! Du verstehst was ich meine? :D Ich wechsle ja gerne mal wild die Themen. Und bei einem Sachbuch hui, da müsste man ja erstmal einiges recherchieren und mit Experten reden. Wäre ebenfalls cool, aber dafür braucht man glaube ich viiieeel Zeit. :) Auch wenn du die Frage sicher nicht so ernst gemeinr hast, wie ich sie gerade beantwortet habe :D

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