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Ritalin, ADS und ich – grüblerische Erkenntnisse

Na? Hattet ihr bisher ein schönes Pfingstwochenende? Ich schon, ich konnte nämlich endlich mal etwas tun, was ich schon seit Wochen tun möchte: nichts. Einfach nur nichts. Ich bin in den letzten Wochen ständig hin und her gehetzt und habe mal wieder keine Zeit für dieses wunderbare Nichts gehabt. Und damit meine ich jetzt nicht das „Nichts“ aus der unendlichen Geschichte, diese gruselige Abwesenheit von Awesomeness, die alle plüschigen Wesen verschlingt, sondern die Gelegenheit mit Entspannung gegen die Leere in meinem Hirn anzuarbeiten.

Wo wir gerade beim Thema Hirn sind: Durch Zufall (okay, weil es in meiner Abobox war) habe ich gestern ein interessantes Video über AD(H)S gesehen. Darin haben die sympathischen Internetmenschen Marti und Rick erklärt, was es eigentlich mit dem Begriff „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ auf sich hat, den bestimmt jeder von uns schon einmal gehört hat. Außerdem räumen sie mit den Vorurteilen auf, die man mit dieser Diagnose verbindet, besonders mit der Vorstellung, dass AD(H)S eine Entweder/Oder-Krankheit ist, bei der kleine Kinder permanent hibbelig und unkonzentriert sind und ohne Medikamente nichts auf die Reihe bekommen. Der Übergang vom ultrakonzentrierten Arbeitsmenschen, der sich null ablenken lässt zu „Ich muss das unbedingt heute ferti- Uuuuh, ein Eichhörnchen!“ ist nämlich eher fließend.

Während des Videos ist mir dann aufgefallen, dass ich selbst vermutlich auch so ein bisschen ADS’ig bin, worüber ich vorher noch nie nachgedacht habe. Aber die Symptome „sich nur auf bestimmte Sachen konzentrieren können“ und „kreativ sein“ in Kombination mit „wirre Hirnverbindungen haben, die zu komischen Zusammenhängen zwischen Themen führen“ … also das hat mich jetzt schon irgendwie an mich – Oh, mein Kaffee ist fertig! Okay, lassen wir die Scherze, ihr versteht sicher was ich meine. ^^

Aber woher kommen die Symptome? Reizüberflutung und mangelhafte Filterung der ganzen Reize im Hirn. Da kann ich nur sagen: Ja. Gerade in stressigen Zeiten erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich teilweise statt anständig die wichtigen und unwichtigen Dinge zu filtern, einfach sehr sehr viel ausblende und stattdessen vor mich hin träume. Es könnte also durchaus passieren, dass ich irgendwann mal gedankenverloren vor ein Auto laufe oder in der Bahn sieben Haltestellen zu weit fahre. Weil ich war doch gerade so schön dabei die Welt zu retten! In meinem Hirn jetzt. In der Wirklichkeit wäre ich da vielleicht ja auch wieder zu schnell abgelenkt. Hm, eine Superheldin mit meiner Aufmerksamkeitsspanne könnte entweder sehr gefährlich für ihre Umgebung oder aber sehr entnervend für ihre Gegner sein …

Fluffgirl rettet den Tag!

Mr Evildude: „Ich werde diese Stadt mit meiner Laserkanone in Schutt und Asche legen – und nicht einmal du wirst mich aufhalten können, Fluffgirl! Muhahahah…hörst du mir überhaupt zu?“

Fluffgirl: „Da sind kleine Vögelchen unter dem Tisch dahinten! Guck doch mal wie niedlich! Die essen die Brotreste von den Cafébesuchern.“

„Wä? Das … ich … Weltrettung? Müsstest du nicht jetzt mich bekämpfen und so?“

„Hm? Oh, sorry, ich hab nich zugehört … kannst du das nochmal sagen?“

„… Ich werde diese Stadt ZERSTÖ-“

„Oh mein Gott!“

„Genau, du kannst mich nicht aufhal-“

„Da sind sogar Babyvögelchen in dem Nest, die gerade gefüttert werden! Is das nich niedlich???“ *springt freudig um den Bösewicht herum*

„Was?! SAG MAL GIBST DU DIR EIGENTLICH GAR KEINE MÜHE?!? Ich habe hier einen Laser! Einen L.A.S.E.R!!“

„Oh, is das eine Abkürzung? Das is‘ doch bestimmt eine Abkürzung, oder? Moment, ich google das mal kurz!“ *holt ihr Smartphone raus und tippt darauf herum*

„Was? Ja, aber … nein, jetzt hör mir doch mal zuuuuuu! Bitte?!“

„Aah, also laut Google heißt das „light amplification by stimlated emission of radiation“. Wusstest du, dass es mittlerweile sogar Röntgenstrahlen-Laser gibt? Das klingt ja abgefahren. Was man nich alles lernt!“

„Ich .. aber … ich hab mir so viel Mühe gegeben! Der Laser war voll teuer und … und schwer zu bauen! Waaaaah, immer werde ich ignoriiiiiiiiiiiieeeeeeeeert …“ *bricht in Tränen aus*

„Wie? Oh nein, nich‘ weinen!“ *ein schockiertes Fluffgirl tätschelt den Bösewicht und vergisst dabei, dass sie ihre Superkräfte aktiviert hat, weswegen er sofort bewusstlos zusammenbricht* „Ups …“

Schlagzeile am nächsten Tag in der Bouelevard-Zeitung: „FLUFFGIRL RETTET STADT DURCH PSYCHOLOGISCHE KRIEGSFÜHRUNG!!!“

Die Dopanupsis im Hirn

Muss ich dem noch irgendetwas hinzufügen? :D Sagen wir einfach, dass ich mich sehr schlecht länger auf Dinge konzentrieren kann, die mir gar keinen Spaß machen, ich aber ohne Probleme auch drei Stunden durchlesen kann, wenn ein Buch gut ist. Bisher dachte ich immer, das läge an meiner Faulheit, aber im Falle von ADS wäre das zumindest nicht der alleinige Grund. Je weiter man gehirntechnisch nämlich in Richtung ADS geht, desto schwieriger wird das mit der Konzentration auf ödes Zeug, weil das Hirn insgesamt eher wenig Dopamin ausschüttet. Dieses Glückshormon ist wichtig für – der Name sacht et – Glücksgefühle. Wer generell weniger davon zur Verfügung hat, hat eine geringere Motivation Dinge zu tun, weil die eben einfach keinen Spaß machen. Wer ohnehin mehr Dopamin ausschüttet, empfindet auch bei der Erledigung von öden Aufgaben mehr „Yay“-Gefühl und kann sich daher besser motivieren und konzentrieren. (Die Definition von „öde“ kann dabei natürlich von Person zu Person ohnehin sehr unterschiedlich sein. Für manche Leute ist beispielsweise die Fehlersuche im html-Code noch relativ interessant, während andere wesentlich lieber Verkaufsgespräche am Telefon führen. Ihr dürft gerne raten, zu welcher Kategorie ich gehöre. :D)

Eine Tätigkeit bei der man man generell mehr Dopamin ausschüttet ist übrigens Bewegung. Daher auch das „H“ bei der direkt mit ADS verwandten Diagnose „ADHS“: Hyperaktivität. Hibbeligkeit oder Unruhe, weil man durch Bewegung zumindest ein bisschen Dopamin ausschüttet, wenn einen schon der Rest der Welt anödet. Übrigens ist der Dopamin-Haushalt im Hirn ein grundlegender Teil unseres Belohnungssystems, aber gleichzeitig auch sehr wichtig für die Kontrolle von Bewegungen. Andere Fehlfunktionen des Dopaminsystems hängen beispielsweise mit Parkinson zusammen oder könnten zusammen mit anderen Neurotransmittern (Signalstoffen) eine Rolle bei der Entstehung von Depressionen spielen. Neben Dopamin spielt auch Glutamat (ja, der Geschmacksverstärker, der zufälligerweise eigentlich ein Botenstoff fürs Hirn ist) eine Rolle bei der Entstehung von ADHS.

Ich muss allerdings sagen, dass ich doch irgendwie froh bin, als Kind eher introvertiert gewesen zu sein. Da man meine Träumerei dank Abwesenheit von Hyperaktivität nicht mit Aufmerksamkeitsdefizitgedöns assoziiert, hat auch nie jemand darüber nachgedacht, mich mit irgendwelchen Ritalin-Verschnitten zu behandeln. Oder es lag daran, weil es daaaaamals als ich in der Grundschule war, die Diagnose „ADS“ eventuell noch gar nicht so häufig gab. :D Ich konnte mich als Kind auch immer sehr gut auf meine Hausaufgaben konzentrieren, wenn ich das jetzt mal aus meinen Noten in der Grundschule schließen darf. Anscheinend fand ich da noch sehr vieles spannend – oder war ADS-technisch seeeehr weit vom Spektrum „Eichhörnchen!“ entfernt. Hm. Wäre ja eigentlich mal interessant zu wissen, lässt sich aber im Nachhinein natürlich schwer nachprüfen und auf einen Hirnscan, um meine Dopaminausschüttung zu überprüfen, hätte ich jetzt auch nicht so viel Bock. Vielleicht wegen zu wenig Dopamin, vielleicht aber auch nur, weil ich keinen Hirnscanner plus Forscherteam in meinem nichtvorhandenen Nebenzimmer stehen habe. :D

Mein Hirn, meine Regeln.

Die Behandlung von ADS und ADHS erfolgt mit verschiedenen Präparaten, von denen das Bekannteste wohl Ritalin sein dürfte. Zu erklären, weshalb ich froh bin, dass ich nie Ritalin bekommen habe, ist übrigens ganz einfach: Das greift in die Hirnchemie ein. O_O Hätt‘ ich das jetzt schlagzeilenmäßiger formulieren wollen, hätte ich einfach gesagt, dass der Mechanismus dem Wirkprinzip von Kokain ähnelt. Drogen! Panik! Aber eine Schlagzeile pro Artikel reicht. ^^

Methylphenidat, der Wirkstoff von Ritalin, verhindert, dass im Gehirn ausgeschüttetes Dopamin wieder aufgenommen wird, wodurch mehr davon um die Nervenzellen herumwuselt und mit den Rezeptoren an den Nervenzellen interagieren kann. Also quasi mehr „Yay“, weil der Yay-Auslöser nicht wieder aufgesammelt wird und durch mehr Yay werden auch längere Konzentrationsphasen möglich. Auch eigentlich nicht mit ADS diagnostizierte Menschen (aka Studenten) nehmen heute anscheinend manchmal Ritalin, wenn sie sich besser konzentrieren möchten. Das kann auch funktionieren – hängt aber davon ab, wie die eigene Hirnchemie aussieht und wieviel man davon nimmt. Weird fun fact am Rande: Laut Wikipedia wurde Ritalin nach der Ehefrau Marguerite „Rita“ Panizzon des Methylphenidat-Entwicklers Leandro Panizzon benannt. Deren Tenniskünste haben sich nach Einnahme von Methylphenidat wohl besonders verbessert. Jaja, die Rita …

Nun ja. Sehen wir nun einfach mal darüber hinweg, dass es bei Studien zu diesem Thema bei Studenten, die Ritalin genommen haben, zu keiner signifikanten Lernsteigerung kam (doi:10.1136/jme.2009.034421), okay? Könnte Ritalin potenziell die Leistung von jedem Menschen ultrakrass steigern, gäbe es da trotzdem noch ein Problemchen. Denn wie bei allen solchen verknüpften Signalwegen im Körper, existiert auch bei Dopamin und den anderen Flauschhormonen ein Gleichgewicht für die an diesen Signalwegen beteiligten Stoffe. Und das Wort „Gleichgewicht“ weist ja schon darauf hin, dass man dieses meistens recht schnell kaputt machen kann, wenn man sich einmischt. Denn jemand der bereits voll konzentriert ist, weil alle Signalstoffe in der optimalen Menge herumschwimmen, wird durch eine Einmischung in diese Signalwege eher unkonzentrierter, weil nun einzelne Stoffe nicht mehr in der idealen Konzentration vorhanden sind. Andere Auswirkungen von Methyl..ihr wisst schon … Andere Auswirkungen von dem Zeugs können sein, dass Müdigkeit, Appetit oder sogar Schmerzsignale unterdrückt werden, was schon auch ein bisschen gruselig klingt.

Ähm … Hoffen wir einfach auf keine Nebenwirkungen?

Um euch zu beruhigen, kann ich aber mal einwerfen, dass das Präparat prinzipiell als sehr sicher angesehen wird, genau deswegen auch so weit verbreitet ist und keine direkte Abhängigkeit erzeugt, wenn es richtig dosiert ist und nicht missbraucht wird. In diesem Zusammenhang lässt sich beobachten, dass Menschen mit ADS und Ritalin-Behandlung weniger gefährdet sind, Suchtmittel zu konsumieren als Menschen mit ADS und ohne Behandlung. Drogen (bzw. alles von Keksen bis hin zu Crack) nutzt man schließlich vorrangig ja auch dazu, um in die Hirnchemie einzugreifen und mehr Glückshormone auszuschütten.

Allerdings wird wie bei den meisten Medikamenten davon abgeraten, Ritalin spontan abzusetzen, da es die Symptome nur unterdrückt eigentlich nicht . Setzt man es also spontan ab und lässt die Wirkung des Ritalins nach, können beispielsweise Nervosität, Hyperaktivität oder Konzentrationsstörungen stärker als vorher zurückkehren, weil der Unterschied von „YAY, Dopamiiiiiiiiiiiiin!“ zu „Dopamin? ._.“ doch relativ krass sein kann. Ist vermutlich ähnlich, wie jeden Tag fünf Tassen Kaffee zu trinken und dann am Feiertagswochenende festzustellen, dass einem der Kaffee ausgeht. Spontaner Koffeinentzug = Müdigkeit und Kopfschmerzen meets Grumpiness. Und nein, das ist mir glücklicherweise nicht passiert. ^^

Natürlich hat auch Ritalin Nebenwirkungen. Zu den häufigsten zählen Schlafstörungen, es kann aber auch zu Herz-Kreislauf-Problemen, Aggressionen, Psychosen und sogar zu Suizidgedanken und Selbstmordversuchen führen. Leider muss ich an dieser Stelle anmerken, dass das Internet doch nicht so hilfreich ist, wie ich es gerne hätte. Denn um euch nicht unnötig zu beunruhigen wollte ich die Häufigkeit dieser doch etwas alarmierenden Nebenwirkungen herausfinden. Laut des Beipackzettels von Ritalin (10mg von Novartis) steht bei der Häufigkeit der Nebenwirkung „Selbsttötungsgedanken“ allerdings „gelegentlich“, was einer Häufigkeit von bis zu 1 von 100 Behandelten entspricht. Der wirkliche „Selbsttötungsversuch“ kommt anscheinend wesentlich weniger häufig vor und steht bei „Sehr selten – kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen“. Das ist zwar etwas beruhigender, nur leider nicht so beruhigend, wie ich mir das erhofft hätte. Eine einprozentige Chance auf Selbstmordgedanken? Niiiiiice …

Muss man für kreatives Denken nicht auch konzentriert sein?

Trotz allem bin ich mir immer noch unsicher, was ich von Ritalin oder dem Umgang vieler Ärzte und Eltern mit ADS/ADHS halten soll. Auch falls das Medikament sicher ist und funktioniert, indem es Kinder (oder erwachsene Menschen) konzentrierter macht, ist es immer noch eine Beeinflussung des Verhaltens. Wenn es die Kinder selbst fertig macht, dass sie sich gar nicht konzentrieren können und sie wirklich Probleme beim Lernen und dementsprechend auch im Alltag haben, dann kann es natürlich auch für das ADS-geplagte Kind eine Erleichterung sein, endlich mal stillsitzen und sich fünf Sekunden lang auf eine Sache konzentrieren zu können. Wenn einen selbst etwas stört oder es das alltägliche Leben schwer beeinträchtigt, dann ist es schließlich vollkommen gerechtfertigt, wenn man diese Umstände ändern möchte. :)

Andererseits hat der Autor Douglas Adams mal geschrieben, dass er vermutlich nie so krass kreativ gewesen wäre, wenn er nicht alle Gedankengänge innerhalb von zwei Sekunden hätte beenden müssen. In seinem Fall war das allerdings die Folge einer massiven Katzenallergie in Kombination mit – wer hätte es gedacht – einer Wohnung voller Katzen. Online habe ich zu diesem Thema nichts gefunden, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass diese nette Anekdote in „Salmon of Doubt“ vorkommt. Leider steht meine Ausgabe davon bei meinen Eltern zuhause, weshalb ich euch das jetzt nicht nachweisen kann. Aber glaubt mir einfach, wenn ich euch sage, dass der chaotische Pointenmaster Douglas Adams größtenteils mit kleinsten Aufmerksamkeitsspannen durch Niesanfälle arbeiten musste. Natürlich hat er diese Argumentation nicht allzu ernst gemeint, aber ich finde sie ist trotzdem ein interessanter Gedankenanstoß. ^^ Würde ich mich nicht so leicht ablenken lassen, hätte ich euch vielleicht nur von dem zu Beginn erwähnten Video berichtet und nicht zusätzlich noch drei Artikel bei Wikipedia, zwei wissenschaftliche Veröffentlichungen und die Amazon-Vorschau von „Salmon of Doubt“ durchforstet, um meine geliebten Querverbindungen herzustellen – von der Superheldinnen-Story mal ganz zu schweigen. :D

Gedächtnis-Training mal anders :)

Warum ich das alles so persönlich nehme? Nun, so ganz sicher bin ich mir da auch nicht, schließlich bin ich vermutlich kein schlimmer Fall von ADS und bis auf spontane Tanzeinlagen beim Zähneputzen wohl auch kein mit ADHS diagnostizierter Mensch. Die Eigenschaft sich wesentlich leichter auf Dinge konzentrieren zu können, die man toll findet, trifft vermutlich auf 90 % der Menschheit zu. Hier könnte also auch der sogenannte Barnum-Effekt aufgetreten sein: Ich habe etwas gehört oder gelesen, dass allgemeingültig ist, aber nicht so klingt, sodass ich es spontan auf mich beziehen kann. Aber wer braucht schon klare Ansagen? ;) Ob ich nun ADS oder irgendeine ähnliche Hirnandersschaltung haben sollte oder nicht, ändert jedoch nichts an meiner Grundhaltung. Wenn ich mir vorstelle, dass ich nicht so viel Zeit in meinem Hirn hätte verbringen dürfen, wie ich das bisher gemacht habe, finde ich das nicht allzu toll. Denn ich mag mein Hirn meistens doch sehr gerne. Hier is‘ flauschig und so. ^^

Die Idee, dass man Kinder mit Medikamenten fleißiger und umgänglicher macht, finde ich außerdem sehr schwierig. Ich weiß, dass ich jetzt aus einer Position heraus rede, in der ich nie mit hyperaktiven Nerv-Kindern zu tun haben muss, weshalb ich die Entnervtheit von Eltern und Lehrern nie nachvollziehen können werde, aber ich möchte da trotzdem meine Meinung zu loswerden. Ich kann mir vorstellen, dass es in einigen Fällen einfacher scheint, ein Kind zu „behandeln“ als ihm zu ermöglichen den Umgang mit seinem von Thema zu Thema springendem Hirn selbst hinzubekommen. Eigentlich sollte die Therapie von AD(H)S auch multimodal sein, das heißt neben Medikamenten liegt der Fokus vor allem auf anderen Ansätzen wie kognitiven Therapien, Verhaltens- und Lerntherapien oder sogar Elterntraining oder Familientherapien.

Vor kurzem erst habe ich mit einer Bekannten darüber geredet, dass deren mittlerweile kurz vorm Abi stehender Sohn in der Grundschule ein extremes Problem damit hatte, sich auf den Unterricht zu konzentrieren und nicht rumzuhibbeln. Intelligenz war zu genüge vorhanden, alles auf das er sich konzentrieren konnte, hat er innerhalb kürzester Zeit begriffen. Nur war die Konzentration meistens leider nicht da und der Sohn immer kurz davor wie ein Flummi durch die Gegend zu hüpfen. Die Lösung der Mutter war meiner Ansicht nach faszinierend und die Idee dahinter überraschend einfach: Vokabeln lernen beim Trampolinspringen. Er hüpft und jemand anders fragt ab. So konnte er lernen und gleichzeitig seine überschüssige Energie abbauen bzw. nach der ADHS-Theorie genügend Dopamin für die Konzentration aufs Vokabellernen freisetzen. Sich mit dem Kind zusammen hinzusetzen und Vokabeln durchzugehen ist (abgesehen von der Tatsache, dass man in diesem Fall dazu auch ein Trampolin braucht) natürlich immer noch eine Menge Arbeit und in der Schule wird das Kind dadurch nicht ruhiger. Trotzdem finde ich, dass das ein beeindruckender Einsatz der Mutter für ihren Sohn war, um ihm das Lernen zu erleichtern.

Wenn alle gleich sind, isses doch langweilig, oder?

Generell mag ich persönlich die Vorstellung nicht, dass alle Kinder gleich arbeitsam, ruhig und konzentriert sein sollen, weil das irgendwie meiner Definition des Begriffs „Kind“ ein wenig widerspricht. Außerdem klingt es nach wenig Individualität und Spaßverbot. Aber vielleicht konzentriere ich mich auch einfach nur zu stark auf den medikamentösen Teil der Therapie oder ihr habt ganz viele Argumente für den Einsatz von konzentrationsfördernden Mitteln wie Ritalin? Ich habe unter dem Video bereits einige Kommentare gelesen, in denen von sehr positiven Auswirkungen berichtet wurde. Habt ihr oder haben eure Freunde, Verwandten oder Bekannten eventuell selbst Erfahrungen mit Behandlungen von ADS oder ähnlichen Dingen gesammelt? Wenn ja, würde mich natürlich interessieren, ob die Resultate so positiv waren, wie man sich das erhofft und vor allem, ob ihr bei Medikamenten wie Ritalin Auswirkungen auf andere Lebensbereiche bemerkt habt. Und findet ihr es auch immer so gruselig, die Nebenwirkungen von Medikamenten zu lesen? o.o

Denkt ihr, dass Kreativität durch solche Abweichungen von der „normalen“ Hirnfunktionsweise gefördert wird? Eine gewisse Konzentrationsfähigkeit muss natürlich für alle Tätigkeiten außer Atmen vorhanden sein. Aber denkt ihr auch, dass häufige Themenwechsel oder seltsame Querverbindungen positiv sein können? Und glaubt ihr, dass es da einen Zusammenhang zu AD(H)S oder anderen psychischen „Anormalitäten“ geben könnte? Ich bin gespannt auf eure Meinung! :)

Zwei blogtechnische Fragen hätte ich noch: Nerven euch solche random halbwissenschaftlichen Themen eigentlich? Und wie sieht es aus mit solchen Wikipedia-artigen Erklärungen? Ich habe zwar die meisten Details weggelassen, bin mir aber unsicher, ob es nun zu einfach oder immer noch voller nerviger Drumrumerläuterungen ist.

Einen hyperaktiven Tag mit vielen flauschigen Themen wünscht euch
eure 0utofjoint =)

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4 Kommentare

  1. Da hast du dir aber wat ausgesucht. Puh.

    First of all, ich persönlich hatte nicht das Gefühl, dass du unter irgendeiner Krankheit leidest. Ich finde du sprichst die wichtigsten Sachen an. Joar. Ich gehöre ja zu den fehldiagnostizierten und kann dir ein Lied von den Nebenwirkungen von Medikinet (war leider nie cool genug für Ritalin. *lach*) singen. Halte es vor allem bei Kindern schwierig, da es zu Wachstumsstörungen etc. führt und soweit ich weiß keine Langzeitstudien gibt. Aber das Schulsystem dem heutigen menschlichen Hirn anzupassen etc. und zu verbessern ist anscheinend zu anstrengend.

    Zu deiner Selbstdiagnose: Schaue dich einfach mal in deiner Familie um. Ist ja immer eine schöne Mischung aus Genen und Umwelt, also wenn deine Eltern oder nähere Verwandte ADSler sind, weißte Bescheid.^^

    Interessant war auch ein Gespräch zwischen einer ADSlerFreundin und mir. Da hatte ich gerade meine Alle-sagen-ich-sei-ADS-aber-auch-da-fühle-ich-mich-nicht-recht-aufgehoben-Phase. Da haben wir den Unterschied festgestellt. Nach meinem Gejammer, dass Schule und Meschen etc. so anstrengend und langweilig und sowieso sind, ich mich auf nichts fokussieren kann und unruhig bin, oder wegdrifte, hat sie mich gefragt, ob es mir auch allein zu Haus so ginge. Ich verneinte, wohingegen sie das auch allein, in einer ruhigen Umgebung hat. Das ist der Unterschied zu einem Franzitier und einer klassischen ADSler.
    Und trifft das für dich zu?

    Gefällt 2 Personen

    1. Gut, wenn du findest, dass ich die wichtigsten Sachen erwähnt hab. Danke :) Naja, es ging mir primär jetzt nicht darum, mich selbst zu diagnostizieren, sondern eher die positiven Aspekte einer vermeintlichen „Störung“ rauszustellen und darüber nachzudenken, wo die Probleme bei einer Therapie liegen können.
      Ja, lustig, dass Medikamente zu verschreiben oft einfacher ist, als das Schulsystem zu ändern. Aber das eine bringt Geld und das andere würde Geld kosten … :/
      Ich hoffe du wurdest nicht kaputtdiagnostiziert. Das klingt so anstrengend :o Die Diagnose „Franzitier“ klingt allerdings sehr positiv und nicht nach „müssen wir wegtherapieren“ ^~^
      Ach, ich glaube ich habe von vielem ein bisschen. Da lege ich mich nicht fest. ;)

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  2. Ich selber besitze war ebenfalls ein kreatives Hirn, aber ADS oder ADHS habe ich nicht, nur manchmal „VerhaltensADHS/ ADS“ wenn ich im Matheunterricht sitze oder extremen Schlafentzug hatte. Erfahrungen habe ich mit AD(H)S Menschen allerdings zur genüge. Insgesamt wären es nämlich neun Menschen. Allerdings ist die Diagnose AD(H)S heutzutage gerne mal eben schnell vergeben, weshalb ich einfach mal nur 4 als ADHS Personen bezeichnen würde, einen als Autisten und den Rest als „extrem introvertiert/extrovertiert“

    In einem Fall waren es hyperaktive Zwillinge die mit Leistungsport, Ganztagsschule sowie Musikinstrumente erlernen (zwei gleichzeitig) bestens versorgt wurden. Mir gingen sie dennoch auf die Nerven, weil sie leider auch hochbegabt waren es wussten und deshalb jeden für dumm verkaufen mussten.

    In anderen Fällen sah es leider weniger glücklich aus… Der eine hat nicht nur Wachstumsstörungen vom Ritalin, nein auch hat er Herzklappenflimmern da sich ADHS, Ritalin und Litern von Red Bull auf Dauer nicht vertragen. Leider wird sich mit ihm selbst null beschäftigt und er selbst ist deshalb sehr personenfixiert, weshalb er nun ja gerne Menschen stalkt und ich meine wirklich stalkt.

    und der Andere hat ebenfalls Wachstumsstörungen, einen riesigen Minderwertigkeitskomplex mit dazugehörigen Psychosen… verweigert allerdings eine Therapie. :D Schon erwähnt, dass ich meinen Bekanntenkreis liebe?

    Ich bin ja Verfechter der Contra-Medikament-Fraktion. Beschäftigung, Beschäftigung und Beschäftigung sind da wohl das Zauberwort.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich glaube Schlafentzug hat bei den meisten Menschen so seine Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit. ^^ Und wenn dann auch noch ungeliebte Fächer dazukommen …

      Interessant, du siehst es also auch so, dass die Diagnose sehr leicht vergeben wird, auch ohne dass die eigentlich erforderlichen umfassenden Tests durchgeführt wurden.

      Hehe. Das hat aber vermutlich weniger mit dem ADS/ADHS zu tun, sondern eher mit einer generell unangenehmen Persönlichkeit und gewissem Geltungsdrang. Ich glaube die Sorte Mensch gibt es leider auch oft genug unabhängig von dieser Diagnose. :D

      Oh, das ist nicht gut. Ignoriert werden und/oder Einsamkeit und mangelnde Bestätigung sind glaube ich für keinen schön. Da entwickelt man schnell ungesunde Arten, um das zu kompensieren. :( Ich würde ihm ja wünschen, dass er einen anderen Ausgleich findet, aber das sagt sich jetzt so leicht dahin …

      Hm. Also Psychosen können ja auch von Ritalin ausgelöst werden. Das heißt er verweigert sich quasi der Therapie für die Therapienebenwirkungen? Was für eine blöde Situation. o.O Wenn ich über sowas nachdenke, werde ich auch gleich noch medikamentierunfreundlicher.

      Ach, du hast dafür einen spannenden Bekanntenkreis, das ist doch was. :P Nein, Spaß beiseite, trotz dieser Eigenschaften/Macken/Fehler/Störungen (wie auch immer man es nennen und bewerten will), haben sie ja vermutlich auch positive Charakterzüge, weswegen du mit ihnen etwas zu tun hast. Vorausgesetzt es ist kein erzwungener Bekanntenkreis. :D

      Uuuuund die Beschäftigung mit Dingen für die man sich motivieren kann! ^.^

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