Foto: Pixabay/Unsplash

Wir müssen reden …

Ich muss euch etwas mitteilen. Nein, geratet jetzt nicht in Panik! Ihr habt nichts falsch gemacht, es liegt an mir. Ich muss euch etwas gestehen. Es ist jetzt 22.39h und ich war gerade draußen und bin planlos mit dem Handy durch die Gegend gerannt, weil mir angezeigt wurde, dass ein Schiggy in meiner Umgebung gespawnt ist.

Ich gestehe: Ja, ich habe mir Pokémon Go installiert und möchte, ebenso wie der Rest der Welt, mit euch darüber reden. Im Gegensatz zum Rest der Welt habe ich allerdings nicht vor euch „Tipps für angehende Pokémon-Trainer“ zu geben oder darüber zu meckern, dass jetzt wirklich alle nur noch auf ihren Bildschirm starren. Für letzteres konnte man sicher gut einen der Smombie-Artikel von 2014 wiederverwerten.

Ich möchte einfach meine Faszination für dieses Phänomen mit euch teilen und auch ein paar schöne und eher unschöne Erlebnisse, die damit zusammenhängen. Für alle, die es (wie auch immer ihr das geschafft haben solltet) nicht mitbekommen haben: Pokémon Go ist eine App von Nintendo (bzw. Niantic), bei der man die niedlichen kleinen Monster, die man früher als Karten gesammelt oder am Gameboy eingefangen hat, per Augmented Reality in der Wirklichkeit einfangen kann. So. Und diese App ist sehr krass eingeschlagen, so krass, dass nach dem Launch die Server der App des öfteren  vor dem Ansturm der Pokémon-Sammelwütigen kapitulieren. Woraufhin wiederum Twitter mit einer Welle von „Mein #PokemonGo klappt nicht, repariert eure Server!!! ;_;“-Nachrichten rechnen kann.

Mit 10 Millionen Downloads innerhalb von rund zwei Wochen ist die App im Google-Playstore auf Platz 1 bei den Spielen, vor Clash of Clans, Candycrush und wie der ganze andere Mobile Games Kram sonst noch so heißt. Bei den Top-Apps ist es vor Whatsapp, wird also momentan heruntergeladen wie blöd, die Messenger-App wird aber vorerst vermutlich von den Gesamt-Downloads her nicht überholt werden. Denn das ist nur eine unbedeutende Milliarde. o.O Aber Slither.io (quasi die neue Version vom Ur-Handyspiel Snake) ist sicher zu schaffen, das hat nämlich „nur“ 50 Millionen Downloads. :D

Wie auch immer. Die App wurde jedenfalls im Vorhinein bereits monatelang gehyped, weshalb es kein Wunder ist, wenn möglichst viele Nutzer die Sache ausprobieren wollen. Denn hier werden gleich drei Gruppen angesprochen:

  1. Die Leute, die schon in ihrer Kindheit Pokémon gespielt haben und es aus Nostalgie-Gründen und/oder, weil sie das Spiel total toll fanden, jederzeit wieder spielen würden.
  2. Die Leute, denen die Idee von Virtual und Augmented Reality gefällt und die alles ausprobieren möchten, was in diese Richtung geht.
  3. Die Leute, die ohnehin meistens auf ihrem Handy spielen, weil sie sich unterwegs damit beschäftigen.

Wie funktioniert die App überhaupt?

Das System basiert zum Teil auf einer vorherigen App, die vom gleichen Hersteller, also Niantic Labs, stammt. Bei dieser App namens „Ingress“ gehören Spieler einer von zwei Parteien an, die gegeneinander kämpfen und in ihrer Umgebung bestimmte wichtige Punkte einnehmen können. Ein wenig virtuelles „Capture the Flag“ an historischen oder generell interessanten Punkten in der realen Umgebung also. Bei Pokémon Go werden nun quasi die gleichen Karten und sogar die gleichen Punkte verwendet, in deren Nähe Spieler bestimmte Dinge tun können. Später soll man auch Pokémon untereinander tauschen können. Auf diese Funktion bin ich schon sehr gespannt, denn ich fange gefühlt immer nur die gleichen …

Ein aktivierter Pokestop.

Ein aktivierter Pokestop vor meiner virtuellen Nase und weiter hinten sieht man noch eine Arena

Bisher gibt es für Pokémon-Spieler nur zwei Arten von Punkten: Pokestops zum Items-Sammeln und um wilde Pokemon anzulocken und Arenen, in denen man gegen andere Spieler bzw. deren Pokémon antreten kann. Gerüchten zufolge lassen sich die Aufenthaltsorte der Pokémon auch durch eine Analyse der Umgebung in Ingress genauer feststellen als in der Pokémon-App selbst. Falls ihr da mehr wissen solltet, weil ihr beides spielt, bin ich immer für Erklärungen offen. ^^

Machen die damit auch Geld?

Die Hersteller werden ihr Geld übrigens mit Mikrotransaktionen machen, denn die App ist kostenlos und momentan wird auch (noch?) keine Werbung eingeblendet. Für Coins kann man im Spiel jedoch bestimmte Items kaufen, die einen voranbringen – jedoch keine Items, um die Pokémon an sich weiterzuentwickeln, was ich sehr gut finde, da es sonst ein richtig krasses Pay-to-win-Prinzip werden würde. Coins erhält man entweder, indem man Arenen leitet oder indem man richtiges Geld in die App investiert.

Falls ihr neugierig sein solltet. Lasst euch vom guten "Wechselkurs" nicht täuschen, denn 20 Pokébälle kosten 100 Coins, 8 der Lockmodule 650 Coins und 8 Glückseier (mit denen man 30 min lang mehr Erfahrungspunkte bekommt) kosten 500 Coins.

Falls ihr neugierig sein solltet. Der „Wechselkurs“ in der App.

Lasst euch vom guten „Wechselkurs“ nicht täuschen, denn 20 Pokébälle kosten 100 Coins, 8 der Lockmodule 650 Coins und 8 Glückseier (mit denen man 30 min lang mehr Erfahrungspunkte bekommt) kosten 500 Coins. Um die 10 € kann man also relativ schnell los sein. Ach und die Nintendo-Aktie hat innerhalb von 10 Tagen ihren Wert fast verdoppelt. Ob das auf Dauer so bleibt, ist natürlich unklar. Ladenbesitzer sollen übrigens bald das Privileg des Pokémon-Spawns buchen können, als sogenannte „Sponsored Locations“. Eine 1a-Geschäftsidee, wie ich finde, da man so mehr Kunden anlockt, die wiederum im Fall von Cafés oder Restaurants von WLAN, Steckdosen und gutem Kaffee und Essen profitieren können.

Weiterhin hofft Nintendo natürlich darauf, dass die abgeschlagen hinter den Playstations und sogar Xboxes dahindümpelnde Wii (U)-Konsole sich wieder besser verkaufen wird, wenn die Leute erst wieder mehr Nintendo-Spiele spielen. Oder sich alle gleich die für 2017 geplante neue Wii-Konsole kaufen. Damit wäre das eigentliche Kerngeschäft nämlich wiederbelebt und die gehypte Aktie wäre nicht unberechtigterweise so teuer. Aber im Notfall müssen wir zur Rettung Nintendos einfach alle so ein tolles Armband in Pokéball-Optik kaufen, um uns per Vibrationsalarm benachrichtigen zu lassen, wenn ein Pokémon in der Nähe ist.

Oh, wir brauchen da Server für? Hups …

Das Unternehmen Niantic Labs wurde übrigens als Start-Up innerhalb von Google gegründet, den Umgang mit riesigen Datenmengen kann man den Mitarbeitern also vermutlich zutrauen. Und den müssen sie auch drauf haben, denn die Position von mehreren Millionen Spielern weltweit gleichzeitig per GPS zu erfassen und ihnen die Interaktion mit zufällig generierten Pokémon zu erlauben, ist vermutlich nicht das einfachste Ding der Welt. Eben deswegen geben die Server vermutlich ab und an mal den Geist auf  und man kann sich stundenlang nicht einloggen – Release in 26 Ländern gleichzeitig? Klingt super! – oder das GPS springt plötzlich um 200 m nach vorne, wilde Pokémon verschwinden sofort wieder oder die App stürzt einfach ab. Also so richtig rund läuft es noch nicht. Es gibt sogar schon Seiten, auf denen man live verfolgen kann, ob die Server gerade down sind oder nicht. Wobei ich schon festgestellt habe, dass sich teilweise neben einem mehrere Leute einloggen können, man selbst aber nicht. (Sprich: Die App mag mich nicht … :<)

Diesen Screen habe ich dieses Wochenende am häufigsten angeschaut ...

Diesen Screen habe ich dieses Wochenende so häufig gesehen …

Das Durchhaltevermögen der Server wird sich aber hoffentlich bessern, sobald die Entwickler Zeit hatten, sich damit auseinander zu setzen. Oder sobald die Nutzerzahl wieder sinkt. Denn ich glaube die Zukunft der App hängt ganz stark davon ab, wie schnell diese Bugs behoben werden und ob Niantic Labs/The Pokémon Corporation/Nintendo es geschafft haben, genügend Motivationsfaktoren ins Spiel einzubauen, damit die Nutzer unterbewusst von „Oh, das ist neu, das will ich mal ausprobieren“ zu „Das ist wirklich cool, dafür kann ich mich länger als drei Wochen begeistern“ wechseln.

Go, mein Team, go! :D

Dafür dass es klappen könnte, sprechen einige Sachen. Denn zuallererst einmal war das nicht in die Realität integrierte Pokémon schon ultra erfolgreich. Mittlerweile sind Nintendo doch sogar die Farben für die Spielbenennung ausgegangen und sie wechseln zu astronomischen Bezeichnungen! (Für alle Nicht-Fans soll das heißen, dass nach den Editionen rot, blau, gelb, xyz, ichhabdenüberblickverloren bald Edition „Sonne“ und „Mond“ erscheinen werden.^^) Die Integration ins reale Leben hat außerdem auch gewisse Reize. Denn so kann man wie bei den vorherigen Spielen zusammen mit Freunden spielen, uhuuund! Man kann Arenaleiter werden und eigene Arenen leiten, in denen man dann gegen andere reale Spieler spielt. Arena-Leiter sind also keine Codeschnipsel im Handheld oder Smartphone, sondern könnten auch Bekannte aus dem echten Leben sein. Die sich in dem Fall vielleicht leider für das falsche Team entschieden haben und jetzt platt gemacht werden müssen, muahahahahaha …. sorry. :D

Aber ja, um zurück zu den Farben zu kommen: Es gibt wieder drei Teams und zwar rot, blau und gelb. Je nachdem welchem Team der Arenaleiter und man selbst angehören kann man dort trainieren oder sie nur angreifen. Dadurch bekommt das Spiel wieder einen gewissen Wettbewerbscharakter. Denn man will nicht nur sinnlos immer mehr Pokémon sammeln und diese aufleveln, man will diese natürlich nur um des lieben Frieden der Nachbarschaft willen aufleveln, damit man die nächstgelegene Arena für das eigene Team sichern kann. Damit wird ein gewisses „Fußballfeeling“ geschaffen, wie ich es jetzt einfach mal nenne, weil bei EMs und WMs ja auch irgendwie fast jeder zum Fan zu mutieren scheint, um „sein Team“ anzufeuern, das übertrieben ausgedrückt ja eigentlich auch nur zufällig die gleiche Flaggenfarbe besitzt, wie die am eigenen Balkon (oder Auto oder wo auch immer).

Draußen? Kann man das essen? o.o

Ein weiterer Punkt ist, dass man das Spiel – sofern die Server denn ebenfalls mitspielen möchten – nebenher, unterwegs und gleichzeitig mit Freunden spielen kann. „Ey, hier is ein Pikachu, komm sofort in den Park!“ Ich möchte an dieser Stelle noch einmal kurz auf einen 9gag-Post hinweisen:

Good Guy Nintendo. Trying to get people to play outside since 1996Und zumindest momentan funktioniert die Idee ziemlich gut. Durch den Release im nordhalbkugelschen Sommer bietet es sich ohnehin an, mal das Haus zu verlassen und wenn man sowieso schon draußen ist, dann kann man ja noch eben kurz die zweihundert Meter weiter zum nächsten Pokestop gehen und oh, da hinten ist ein Pokestop aktiviert worden, mal sehen was da so für Pokémon rumlaufen und dahinter ist dann ja auch noch ein Pokestop, an dem man noch nie war und so kann man einfach mal anderthalb Stunden lang spazieren gehen. SPAZIEREN GEHEN! GEHEN! Draußen rumlaufen! Seid ehrlich, wer tut so etwas schon häufiger heutzutage? ^^ Ob dieser Reiz auf Dauer weiter bestehen wird, bleibt natürlich abzuwarten, aber zum App-Start hat es auf jeden Fall so einige Menschen nach draußen bewegt.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht meiner Ansicht nach übrigens auch ohne Teams bereits, wenn man an einen aktivierten Pokestop kommt und sieht, dass dort bereits 20 andere Leute stehen und wild die Gegend nach seltenen Monsterchen absuchen. :D Zwei Tage nach Release hat mir bereits die erste Freundin davon erzählt, dass sie während sie die App genutzt hat mit einem anderen Spieler ins Gespräch kam und die beiden nun ein Date ausgemacht haben. Joa. „Pokémon Go – Connecting People!“ oder so. :D

Die Nachteile der anspruchsvollen App

Man kann Pokémon Go zwar auch drinnen spielen, aber das ist vermutlich eher langweilig, weil man wahrscheinlich noch häufiger als ohnehin schon die gleichen Pokémon erhalten wird. Und Pokestops sowie Arenen wird man so auch nur dann erreichen, wenn man sehr günstig wohnt und gleich welche vor dem Fenster hat. :D Ein Vorteil vom heimischen Pokébälle werfen ist übrigens, dass man vermutlich WLAN und Steckdose in unmittelbarer Reichweite hat. Die App zieht nämlich innerhalb von zwei Stunden locker 20 % Akkuleistung und je nachdem, was man alles macht, bestimmt noch einmal 10 – 20 MB mobiles Datenvolumen. Wer also nur eine geringe monatliche Datenmenge oder einen schlechten Akku und keine Powerbank dabei hat, kommt mit der App vermutlich nicht allzu weit.

Ihr seht also, trotz all der Flauschigkeit hat natürlich auch diese App ihre negativen Seiten. Von der Unzuverlässigkeit der Server und ersten Bugs abgesehen, steht generell die Frage im Raum, ob es datenschutztechnisch so klug ist, einer Firma Zugriff auf die gesamten Bewegungsdaten zu ermöglichen und mit einem Google-Konto zu verknüpfen. Aber hey, Google hat ja ohnehin schon alle unsere Daten, oder? Zumindest ist das so die häufigste Reaktion, wie mir scheint. Zu Beginn mussten iOS-Nutzer der App sogar den kompletten Zugriff auf ihr Google-Konto inklusive E-Mails und so weiter erlauben, weil die App-Hersteller sich laut eigener Aussage vertan haben. Eigentlich habe man nur die Möglichkeit zum Einloggen abfragen wollen und keinen Allround-Zugriff auf ein privates Konto mit allen Daten. Man habe auch nich drin gelesen, habe man nich. Hm, okay? Kann ja jedem mal passieren? Installiert haben es sich natürlich auch da schon Millionen Menschen, denn wie wir alle bereits wissen, liest so gut wie niemand  wirklich die AGBs …

Aber die App wirft auch andere Sicherheitsaspekte auf. Waren wir ohnehin schon alle unfallgefährdet, weil wir während des Laufens Nachrichten geschrieben oder wichtige Dinge gegoogelt haben, so bremsen Leute nun abrupt ab, weil auf dem Weg ein Pokémon erschienen ist, oder sie laufen unberechenbare Wege, um eine möglichst große Fläche abzudecken und kein Pokémon zu verpassen. Da können schon mal Kollisionen entstehen. Auf dem Rad und im Auto ist das Spielen glücklicherweise verboten, sonst wäre die Unfallgefahr noch viel größer. Aber gut, depperte und verpeilte Menschen gibt es schließlich immer.

Ich mag unsere Gesellschaft manchmal nicht.

Eine Sache, die bei mir persönlich einen faden Nachgeschmack hinterlassen hat, ist aber noch einmal eine ganz andere Art von Sicherheit. Ich habe ja erwähnt, dass ich spätabends aus dem Haus gegangen bin, um ein Schiggy zu fangen. Da das nicht geklappt hat und ich immer noch kein zweites Schiggy besitze, dürft ihr mich jetzt alle bemitleiden und ich hatte die Idee stattdessen einfach den nächsten Pokestop aufzusuchen. Wie ich dann allerdings festgestellt habe, befindet sich dieser am Eingang zu einem Park. Okay. Im Dunkeln in einen unbeleuchteten Park zu gehen ist vielleicht nicht die intelligenteste Idee, weshalb ich ausnahmsweise einmal versucht habe, intelligent zu wirken und den Rückweg angetreten habe.

Anderthalb Stunden später (also kurz nach 0 Uhr) war dann aber ein Pokestop weiter die Straße runter aktiviert und ich dachte mir „Hey, ich schreibe ja gerade eh einen Artikel darüber, also kann ich doch nochmal schauen, ob ich nicht ein seltenes Pokémon quasi während des Artikelschreibens fangen kann!“ Super Idee, oder? Auf meinem Weg die (beleuchtete!) Straße entlang habe ich dann überlegt, ob sich eigentlich auch böse Menschen solche Pokestops in einsameren Gegenden zunutze machen könnten/würden, um ahnungslose Pokémon-Sucher dort zu überfallen. Oder ob es einfach nur Menschen waren, denen freitagnachts langweilig war und die Pokémon fangen wollten. Habe ich es herausgefunden? Nein. Denn natürlich ist die App 500 Meter vom Pokestop entfernt wieder einmal abgeschmiert. Bzw. die Server. Fast genau in diesem Moment bin ich appneustartend dann an einer Gruppe junger Männer vorbeigelaufen und wurde daran erinnert, warum mir Leute gerne unterstellen, dass ich leichtsinnig bin.

Während ich also im Dunkeln auf mein Handy starrend vorbeilief wurden mir nämlich im Imperativ formulierte Sexpraktiken inklusive vorheriger Zwangsintoxikation entgegengerufen. Ich war kurz davor zu antworten „Nein danke, Analsex habe ich grundsätzlich, ebenso wie Vaginalsex, nur ohne mich vorher zu betrinken.“, habe dann aber entschieden, dass ich meine Chancen auf ungewollten Analsex mit gleich mehreren fremden Typen dann doch nicht unnötig erhöhen wollte und bin weiter geradeaus gelaufen. In solchen Momenten bin ich immer wieder sehr dankbar für meine Kopfhörer, mit denen ich wenigstens so tun kann, als würde ich solche Dinge nicht einfach ignorieren, sondern würde sie schlichtweg nicht hören.

Ich will doch nur Pokémon fangen … ._.

Jedenfalls habe ich mich in diesem Moment sehr unfair behandelt gefühlt. Während ich die Straßenseite ein paar Meter weiter gewechselt und die Deckung eines Paares für den Rückweg genutzt habe, ging mir ständig im Kopf herum: „Ich will doch nur Pokémon fangen! Warum muss ich mir Sorgen machen, wenn ich nachts alleine unterwegs bin? Warum kann ich nicht einfach nachts alleine zu einem aktivierten Pokestop laufen, ohne dass ich mir vorwerfen lassen muss, dass das total leichtsinnig und dumm ist?“

Ich will mir keine Gedanken darüber machen müssen, ob ich lieber die Straßenseite wechseln sollte, wenn ich ein zweites Mal an einer Gruppe männlicher Menschen vorbeilaufe. Ich will mir darüber Sorgen machen können, ob ich das Raupy mit meinem Pokéball treffe und ob ich mein Pokémon jetzt weiterentwickeln oder darauf warten soll, das gleiche mit einem höheren Kampfwert zu finden. Ich will überlegen dürfen, ob es intelligent ist, eine Arena anzugreifen, weil meine Pokémon noch zu schwach sind und nicht überlegen müssen, ob es intelligent ist, zu dieser Arena hinzulaufen.

Nachts spawnen angeblich andere Pokémon als tagsüber. Heißt das ich sollte mir demnächst eine Gruppe zum nächtlichen Pokémon sammeln suchen? Nun ja, bei diesem grundliegenden Problem könnt ihr mich wohl leider auch nicht helfen und das hat ja auch nicht speziell etwas mit dieser App zu tun, sondern fiel mir nur während der Nutzung auf. Tut mir leid, dass dieser Artikel jetzt so spontan eine negative Wendung genommen hat, aber die Vorstellung, dass ich nicht einfach überall herumrennen sollte, wo ich gerne rumrennen würde, hat mir (zusammen mit dem Servergedöns) gestern doch ein wenig den Spaß an der App verdorben.

Nichtsdestotrotz finde ich als VR- und AR-Begeisterte die App sehr toll und bin, wie ihr ja gemerkt habt, auch schon etwas dem Sammelwahn erlegen. :) Wie ist das bei euch? Habt ihr die App und falls ja gefällt sie euch? Falls nicht: Reizt sie euch? Warum oder warum nicht? Habt ihr früher Pokémon gespielt? Wie findet ihr es, dass nun alle möglichen Leute ebenfalls Pokémontrainer werden möchten? Freut ihr euch oder findet ihr es eher albern, weil alle auf den Hypetrain aufspringen? Oder redet ihr nun vielleicht nur noch mit den Leuten, die in eurem Team sind? ^^ Was war euer bisher spannendstes oder lustigstes Erlebnis mit einer solchen App? Also ich fand es ja sehr interessant, dass an einem sonnigen Abend wirklich zwanzig Leute in Gruppen um einen Brunnen herum saßen und darauf gewartet haben, dass Pokémon auftauchen. :D Oder beobachtet ihr das als Außenstehende und haltet die anderen alle für bekloppt? :D Und wie haltet ihr es mit den Sicherheitsaspekten?

Einen sehr flauschigen und Tag voller einwandfrei funktionierender Server wünscht euch
eure 0utofjoint =)

PS: Verzeiht mir übrigens, dass ich mir den Accent auf dem Pokéstop gespart habe, aber irgendwie finde ich es anstrengend, dauernd alles zu accentisieren. ^^‘

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13 Kommentare

  1. Aaaaach Pokémon Go. :) Schönes Thema. Viele sind leider schon sehr genervt davon, aber ich glaube die haben ihre Kindheit scheinbar vergessen oder so.
    Ich finde es faszinierend wie viral das Thema ist und was das für einen Hype ausgelöst hat. Wenn im Central Park Aquana auftaucht, drehen alle durch und die Massen rennen … und Nerds gehen plötzlich raus und spielen draußen. Das ging ja bis vor kurzem mal so gar nicht. Ingress war ja auch nicht so der Riesenwurf. Aber schreib Pokémon drauf und es läuft. Unglaublich, dass das nach 20 Jahren immer noch so ein Riesending ist. Das freut mich sehr!

    Natürlich schade, dass die Menschheit (wie immer) alles schöne zunichte machen muss. So lauern sie an Pokéstops Spielern auf und überfallen die – wie in den USA geschehen. Schade. Immer wieder dasselbe mit Menschen. Von daher würde ich dir tatsächlich raten dir eine Nachtwanderungs-Truppe zu suchen. In meiner Stadt wurde sowas letztes Wochenende veranstaltet. Vielleicht gibts das in deiner Stadt auch. Einziger Trost: es ist nicht nur Pokémon Go was von kriminellen Individuen genutzt wird, um unschuldige Leute aufzugabeln …

    Und ich selber … bin ein Riesen-Pokémon-Fan. Noch heute spiele ich alle Spiele, habe mir eigentlich nur dafür einen Nintendo 3DS zugelegt. Blau, Rot, Gelb, Gold, Silber, Kristall, Rubin, Saphier, Smaragd, Perl, Platin, Diamant, Weiß, Schwarz, X, Y, ohne Scheiße – ich hab sie alle gespielt. Aber Pokémon Go finde ich … langweilig ._. Sorry. Ich freue mich zwar über den Erfolg an sich und finde die Idee witzig und so als ob sie total für AR geschaffen wäre. Aber mir ist öde. Wenn ich mit schlechter Datenrate gerade keinen Pokéstopp abgrasen kann oder 45 min kein Pokémon auftaucht, ist mir das einfach zu öde. Da ist normal spazieren gehen irgendwie interessanter … (ja ich bin eine von denen die das regelmäßig macht). Aber trotzdem … ich finds witzig, das mit Pokémon Go.

    Gefällt 2 Personen

    1. Freut mich, dass jemand das Thema endlich mal differenzierter betrachtet – danke! :) (Meistens erhält man da ja nur Reaktion „YAAAAAY!!!“ oder „Meh. Hör mit dem Hype-Scheiß auf.“)
      Ja, lustigerweise war die Idee hinter Ingress doch eigentlich viel revolutionärer, das Spiel ist allerdings nie so wirklich populär geworden. Ich wollte es mir damals auch anschauen, habe mich aber letztendlich dagegen entschieden, weil ich niemanden gehabt hätte, mit dem ich es zusammen hätte spielen können. Und weil ich mein Zimmer nicht verlassen wollte. Geben wir es doch zu.

      Oh, ja siehst du mal, das hatte ich noch nicht einmal mitbekommen. Dann muss ich mir das mit den nächtlichen Pokémonsuchen wohl wirklich abschminken oder mich einer Gruppe anschließen. Hier gab es auch schon mehrere Treffen wurde mir gesagt. Aber ich bin da nicht so informiert, da müsste man ja dann mit Menschen kommunizieren! :D

      Ich dachte mir am Anfang auch, dass es viel Hype um nicht wirklich viel App sein könnte, aber letztendlich ist es ein netter Zeitvertreib, vor allem wenn man sonst keinen richtigen Grund hat rauszugehen. Wenn man auf der Suche nach einem Pummeluff ist, dann hat man nämlich ein Ziel beim Spaziergang und läuft nicht nur planlos in der Gegend herum, sondern verläuft sich (in meinem Fall) gezielt! :D Naja, mal sehen ob ich mich in einem halben Jahr auch noch dafür begeistern kann. ;)

      Ich bin sehr beeindruckt, große Pokémonmeisterin Missbooleana! O_O Ernsthaft, sowas beeindruckt mich immer. :) Mich haben die Spiele irgendwie nie angesprochen, ich glaube ich bin eine absolute Banausin was manche Dinge angeht. RPG-typische rundenbasierte Kämpfe schläfern mich nämlich zum Beispiel ein … ^^“ Aber ich hatte ja sowieso eine furchtbare Kindheit ohne Spiele und hole jetzt erst ein bisschen davon nach, weshalb ihr mir das sicher verzeiht. Oder? Oder?!? ^^ Ich hoffe halt auch immer, dass hardcore Fans der Pokémon-Reihen es mir nicht übel nehmen, dass ich da teilweise eher mit der Mentalität „Oooh, das is niedlich, das will ich einsammeln!“ rangehe. :D Manche Menschen sind glaube ich doch ein wenig beleidigt, dass solche „filthy casuals“ ohne Ahnung und vorheriger Auseinandersetzung mit dem Universum plötzlich behaupten Pokémontrainer werden zu wollen … Wobei mir solche Leute glücklicherweise noch nicht begegnet sind! ^^

      Gefällt 1 Person

  2. Meine Kindheit hat mir nie Pokémon beschert und so hole ich das jetzt (dank Ferien) alles nach. Allein Nachtwanderungen würde ich allerdings nie unternehemen liegt aber auch daran dass ich in der Nähe von 2 Parks wohne und nun ja Parks bei Nacht sind eh nicht so der Renner.

    Was ich schade finde, dass sich das Pokémon fangen langsam als wirklich schwierig und teilweise als nervig herausstellt. Denn wenn dir ein Shiggy angezeigt wird und drei Pfoten heißt es von nun an suchen, suchen, suchen da die Richtung ja nicht vorgeben ist was mich irgendwie nervt.

    Ich bin allerdings auch eher der Eier- Ausbrüte-Typ denn 20km pro Tag zu Fuß laufen sind schon mal gerne drin… Hundebesitzer sind hier klar im Vorteil :D

    Stolz wie Bolle bin ich gerade auf mein Blitza und Pikatchu…

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    1. Nachholen is immer gut! ^^
      Ja, leider. Dabei mag ich es eigentlich nachts rauszugehn. :(
      Da hast du Recht. Momentan gibt es ja leider diesen Bug, bei dem es nur noch drei und nicht mehr eine oder zwei Pfoten gibt. Du kannst allerdings schauen, wo dein Pokémon in der Liste steht. Links oben isses am Nächsten dran und rechts unten am Weitesten von dir weg ;)
      Hui, das is ne Menge :D Bei mir is die App leider sehr unzuverlässig, was das Schritte zählen angeht. Da lauf ich 2km und mir werden am Ende nur 500m angezeigt … -_- Also momentan is echt der Wurm drin, was Bugs und Abstürze angeht^^
      Uuh, Glückwunsch! ^~^

      Gefällt 1 Person

  3. Pokemon Go… ich würds so gerne spielen, aber mein Smartphone ist nicht kompatibel :'(
    Wenn ich Berichte sehe, welche Unfälle entstehen, die durch die Spieler entstehen, denke ich nur eins: „Das liegt nicht an Pokemon Go. Das liegt an Idioten.“ :D

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    1. Oh noooo! O.O Wie ärgerlich :( Wobei es übrigens auch für Leute auf dem Dorf auch ätzend sein soll, weil da einfach nie Pokemon vorbeikommen :D Also gibt leider noch genug „Meh“ an der Sache. Aber vielleicht wird es ja genau dann wenn du ein kompatibles Handy hast DIE App, bei der alles funktioniert. ;)
      Jepp ^^ Das gleiche is ja auch schon vorher passiert. Ich kann auch Bücher lesend auf die Straße latschen, das krich ich hin! :)

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