Eine dramatische Liebesgeschichte

Ich weiß, es ist so ziemlich der größte Luxus, sagen zu können, dass  man sich langweilt. Aber mir is trotzdem langweilig! Da sitzt die olle 0utofjoint in Tokio und anstatt tonnenweise Videos und spannende Artikel rauszuhauen, zu feiern und sich eine der gehyptesten Städte schlechthin anzuschauen, meckert sie nur rum, weil sie kein Geld hat, um eben diese Stadt genauer anzuschauen. Was soll man dazu noch sagen? Anscheinend eine ganze Menge, zumindest wenn es nach mir geht. Denn in letzter Zeit nerve äääh versorge ich so ziemlich alle meiner Freunde, wenn nicht mit Skypeanrufen, so doch mit mindestens zehnminütigen Sprachnachrichten, die dann anscheinend wahlweise zum Einschlafen, Aufwachen oder als Hörbuch-Ersatz beim Auto- oder Bahnfahren gehört werden. Vielleicht sollte ich anfangen zu podcasten oder so. Das Problem ist nur, dass ich denen ja auch nichts besonderes erzähle, sondern einfach nur so vor mich hin schwafele, wie ich das hier des öfteren schriftlich tue. Und dann kam mir der Gedanke, dass ich das ja auch noch einmal schriftlich tun könnte, vielleicht würde ich mich dann zumindest produktiver fühlen als zuvor.

Was habe ich in der letzten Woche gemacht? Ich war ein Mal arbeiten (yaaaay!), weil ich dort nicht mehr Schichten bekomme und bin einen nervenaufreibenden Tag lang durch Tokio gerannt. Nachdem ich eines Morgens verwirrt aufgewacht bin, weil mein Wecker nicht geklingelt hat, erlitt ich erst einmal den Schock meines Lebens (okay, des Monats). Denn mein Handy war über Nacht scheinbar verstorben und ließ sich nicht mehr anschalten oder aufladen. Ohne Handy, Geld und Rückflugticket in Tokio? Ich sah mich schon zum Flughafen trampen und dort Leute anbetteln, dass sie mich in ihrem Koffer mit an Bord schmuggeln …

Nach einem kurzen Test mit dem Ladekabel meiner Mitbewohnerin, die ich immer noch nicht sonderlich gerne mag, aber der ich nichtsdestotrotz sehr dankbar bin, stellte sich jedoch heraus, dass es gar nicht so weit kommen musste. Innerhalb von Minuten zeigte mein Smartphone wieder eine glaubwürdige Akkuleistung an und somit war der Schuldige gefunden: Mein deutsches Ladekabel hatte genug von meinem Handy und wollte lieber keinen Kontakt mehr zu ihm haben. Da ich natürlich nicht zusehen konnte, wie mein Handy ohne Lebenswillen nur noch vor sich hin existierte, bin ich sofort mit ihm zur angeblich größten Elektronik-Datingbörse in Tokio gefahren: nach Akihabara.

Verlaufen im Katzenland

Zunächst landeten wir in einigen Seitengassen, wo sich jedoch nur exotischere Partner und Hilfsmittel fanden, wenn es mit dem Stecker und den ausländischen Steckdosen nicht so klappte (aka Adapter). Kabel und Stecker so weit das Kameraobjektiv meines Handys auch blickte, von Ladegeräten, die seinen Akku wieder aufleben lassen würden fehlte jedoch keine Spur. Schließlich beschloss ich in einen der nächsten größeren Läden zu gehen. Die Produkte dort sahen zwar teurer aus, aber das Glück meines Handys ist mir eben wichtig! Doch die ersten Versuche führten uns nur zu unzähligen Ständen mit neuen Outfits, Zubehör und auch Ladekabeln … für iPhones.

Geknickt, weil uns unsere Unbeliebtheit so direkt vor Augen geführt wurde, quetschten wir uns in den nächsten Laden. Aufgrund des Wochenendes war dort leider jedoch eine ganze Busladung chinesischer Touristen unterwegs (wortwörtlich zu verstehen, bitte, der Bus holte sie gerade ab, als ich fertig war). Diese zeichneten sich durch penetrantes im Weg stehen, laut über mehrere Meter Entfernung ihren Mitreisenden etwas zurufen und sich unangenehm nah an um das Wohl ihres Handys besorgten 0utofjoints vorbeiquetschen aus. Entsprechend geschwächt und desorientiert kamen wir dann im Laden an, um festzustellen, dass „Kitty Products“ keineswegs eine niedliche Beschreibung von Haustierbedarf war, sondern tatsächlich ein halbes Stockwerk voller „Hello Kitty“-Produkte meinte …

Das Aufkeimen einer neuen Liebe!

Noch verwirrter fanden unsere Helden schließlich ein Stockwerk, in dem es Smartphone-Bedarf zu geben schien. Und ja! Neben einer Auswahl an iPhone-Zubehör gab es auch Ladekabel für Android-Smartphones! Doch würden wir hier auch ein passendes Partnerladekabel finden, das mit unserem Handy harmonierte? Nach dem Herantreten ans Regal waren jedoch alle Sorgen vergessen, es war Liebe auf den ersten Blick! Ein weißes Ladekabel hatte es unserem Handy angetan. Zwar ist selbiges schwarz, doch Liebe kennt ja bekannlich keine Farben. Abgesehen davon war das Kabel überaus gut gebaut. (Ganze 3,5 m lang, womit das Handy endlich nicht mehr dazu verdammt sein sollte, nachts auf dem Boden in der Nähe der Steckdose zu übernachten, sondern von seiner Besitzerin auch beim Ladevorgang zum Schauen von Youtube-Videos, äh, für wichtige nächtliche Recherchen verwendet werden kann! Das klang jetzt irgendwie falsch, oder? ~.~) Außerdem überzeugte es uns beide sofort mit seinem freundlich-niedlichen Charakter. Aber seht selbst! Welcher Unmensch und welches Unhandy könnte bei diesem Blick nur „Nein“ sagen???

Es ist so kawaii! *~*

Es ist so kawaii! *~*

Dank des Ladekabels, das es in dieser Form vermutlich nur in Japan gibt, geht es meinem Handy wieder gut und wir dürfen uns alle über ein Happy End freuen. Wie das Ladekabelchen dann in Deutschland funktionieren wird, wenn es eigentlich einen Adapter braucht, das erfahrt ihr dann in einer eventuellen Fortsetzung in ein paar Monaten. ^^

Kurzer, hungriger Psychologie-Exkurs

Also ich weiß jetzt auch nich so recht wie das passiert ist, aber irgendwie habe ich leicht überdramatisiert die Odyssee von Handy und mir beschrieben, die uns irgendwie nach Akihabara führte. Nach dem Kauf des Ladekabels habe ich übrigens den Fehler begangen in den riesigen Elektronikladen Yodobashi Kamera zu gehen, der einen großen Store in Akiba hat, inklusive Square Enix Café am Eingang. ^^ Leider war ich so hungrig, dass ich vergessen habe, Fotos von irgendwas zu machen. -.- Habt ihr übrigens schon mal davon gehört, dass man nicht hungrig einkaufen gehen soll? Ja? Haltet euch dran! :D Wenn ihr hungrig seid, dann seid ihr vermutlich unzufrieden, wodurch eure Hemmschwelle sinkt, diese Unzufriedenheit loszuwerden. Ist aber kein Essen vorhanden, dann geht das einerseits, indem man seine Umgebung an seiner schlechten Laune teilhaben lässt und sich mittels Gemecker und Streit vom Hunger ablenkt (bekannt als „hangry“ oder „Snickers-Syndrom“).  Andererseits kann man auch versuchen durch andere Dinge als Essen an Glückshormone zu kommen, aka sich schöne Dinge zu kaufen.

Und ich bin die Meisterin darin, in unterzuckertem Zustand in irgendwelche Einkaufszentren zu rennen. Meistens endet das glücklicherweise nur darin, dass ich mir für viel zu viel Geld bei einer Kaffeekette einen Kaffee mit Sojamilch kaufe. Das ist immerhin quasi auch schon fast Essen. :D Wenn jedoch keine trendige amerikanische Kaffeekette mit Hipsteroptionen wie Soy Matcha Latte vorhanden ist, dann könnte das dazu führen, dass ich Dinge kaufe, die ich unbedingt brauche (nicht.) und die ich auch genau jetzt in diesem Moment mitnehmen sollte (nicht.) … ihr versteht sicher, was ich meine, oder? ^^

Ich brauch das alles! O-O

Das einzige Foto, das ich bei Yodobashi Kamera gemacht habe ... :D

Das einzige Foto, das ich bei Yodobashi Kamera gemacht habe … natürlich in dramatisch gefiltert! :D

Aber keine Sorge, ich habe nicht all mein nichtvorhandenes Geld für die wunderhübsche lebensgroße Statue vor der Gaming-Abteilung rausgehauen. Auch wenn ich damit sicher die neidischen Blicke aller Dark Souls Fans auf mich gezogen hätte. Während ich die Statue alleine durch halb Tokio nach Hause trage und auf den einen Quadratmeter freien Platz in meinem Zimmer stelle … und dann im Flugzeug nach Deutschland einen zweiten Sitz für sie reserviere … Ääh … Okay. Vielleicht nicht der beste Plan, aber einer mit Stil! :D

Ich musste mich jedenfalls schon zusammenreißen, keine Brotdose mit niedlichen Star Wars Charakteren drauf zu kaufen. Damit meine ich nicht R2D2 oder BB-8, sondern generell Charaktere aus Star Wars im „Tsum Tsum„-Stil, quasi niedliche Röllchen, die zu einem Mobile Game gehören, bei dem man diese runden Nupsis antippt und äh naja, sowas wie „Vier Gewinnt“ halt spielt, nur mit Sachen auf die Disney Copyright hat. Das Spiel ist hier ultrabeliebt und kann auch in den berüchtigten Spielecentern an Automaten gespielt werden. Falls ihr euch übrigens wundert, warum es in einem Elektronikladen auch Brotdosen gibt, bei Yodobashi Kamera kann man teilweise sogar Anzüge kaufen und die Spielzeugabteilung nimmt glaube ich ein halbes Stockwerk ein. Und dort gibt es eben neben einem Haufen Star Wars Spielzeug auch einige Kinderbrotdosen, Stäbchen, Trinkflaschen und anderes Zeug, was der gehypte Fan so brauchen könnte.

Japan, das heilige Land der Fanartikel

Ich bin jedenfalls immer wieder erstaunt, welches Vermarktungspotenzial die japanische Unterhaltungsindustrie in so gut wie allem sieht. Ich war vor kurzem auch im „Jump!“-Shop, einem Laden, wo es ausschließlich Merchandise zu den bekanntesten Mangas aus dem Magazin „(Shounen) Jump“ gibt. Und ich hätte nicht gedacht, dass mich da noch etwas überraschen kann, aber mit einem Kontaktlinsenbehälter, der ähnlich wie ein kleines Brillenetui mit Stoff bezogen und mit „One Piece“-Motiven bedruckt ist, also damit hatte ich dann doch nicht gerechnet. Und wenn ich zuviel Geld hätte, würde ich sowieso schon längst Tonnen von Plüschis, Postern, Figürchen, Anhänger und was weiß ich noch an nutzlosem Firlefanz besitzen (Es gab Koro-sensei!!), der mein ganzes Zimmer ausfüllen würde.

Bisher habe ich eigentlich nur Geld für Schlüsselanhänger ausgegeben, weil die meistens noch bezahlbar sind, es die auch von Animes außer „One Piece“ und „Gintama“ gibt und ich mit denen nicht direkt drei Viertel meines Gepäckvolumens für die Rückreise fülle. Okay, ich habe auch ein Handtuch, eine Tasche und eine Hülle für mein Bahnticket, aber das Handtuch hätte ich mir sowieso gekauft (auch wenn es ohne „Anime“ drauf billiger gewesen wäre ^^), das Bahnticket wird sowieso mein Andenken werden, wenn ich wieder zuhause bin und die Tasche war zugegebenermaßen sinnlos, aber da war ich vermutlich wieder hungrig. :D

Jedenfalls gibt es hier zu jedem Manga oder Anime, der erfolgreich ist, für die Macher manchmal auch noch die Möglichkeit dessen Charaktere an Spielhallen (nicht zu verwechseln mit Game Centern) zu vermieten, in denen bei Pachinko und an Slot Machines über Umwege das Gehalt verspielt oder Geld gewonnen werden kann. In jedem zweiten Konbini bekommt man irgendwelche Fanartikel, die gerade im Sale sind, das reicht von Pokémon bis Harry Potter und manchmal gibt es sogar frische Nikuman (eine Art Riesendumpling/Dampfnudel) mit Fleischfüllung, die so designt wurden, dass sie wie Charaktere aus dem Yokai-Watch-Franchise aussehen. Jepp, ein 3DS-Spiel, das auch einen Anime hat, damit auch diejenigen Merchandise kaufen können, die keinen DS besitzen. (Womit ich jetzt nicht sagen möchte, dass Spiel oder Anime schlecht sind, nur nochmal betonen möchte, wie viele Vermarktungsmöglichkeiten sich hier doch finden.)

Zu wenig Freizeit, zu viele Fanartikel?

Hmmm, ich habe auch irgendwann mal Stecker oder Adapter von irgendeinem Anime gesehen, aber damals war mein Handy noch nicht auf der Suche, von daher … ^^ Mir gegenüber hat mal jemand die Vermutung geäußert, dass Japaner aufgrund ihren knappen Freizeit darauf getrimmt seien, sich mit Geld ihre Glückseligkeit zu erkaufen und es ihnen deswegen so einfach wie möglich gemacht würde, dieses für Krimskrams auszugeben, der einfach nur niedlich oder fandomig ist. Die Theorie ist eine Überlegung wert, aber irgendwie doch arg pessimistisch, denn das hieße ja, dass Japaner generell nur glücklich sind, wenn sie Zeug kaufen und das wage ich irgendwie zu bezweifeln. o.O Vermutlich ist es eher so, dass die in der Tat oft überarbeiteten Menschen hier eher ein Outlet brauchen, weshalb (abgesehen von den kleinen Wohnungen, die externe Treffpunkte erzwingen) sich vielleicht auch Game Center und Karaoke so großer Beliebtheit erfreuen. Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es solche Game Center auch bei uns gäbe. Und Karaoke wollte ich ja auch schon immer mal ausprobieren … :D

Aber genug der sozialkritischen Theorien. Wie ist das bei euch? Besitzt ihr viel unnötigen Krimskrams aus Fangirl/Fanboy-Gründen? Oder habt ihr vielleicht sogar sinnvollen Merch? Wenn ja, welche Art? Oder haltet ihr Fanartikel generell eher für sinnlos und unkaufwürdig? Und wart ihr von der dramatischen Geschichte meines Handys auch so berührt? Ich wünsche euch allenjedenfalls, dass eure Handys und Ladegeräte noch lange und glücklich zusammen bleiben! Den Kummer braucht ja keiner! Ich hoffe übrigens auch, dass ich mit dem Titel niemanden zu sehr verwirrt bzw. niemanden enttäuscht habe, weil die Geschichte ja vielleicht doch nicht ganz hollywoodreif ist, aber mir war danach. :D Oder habt ihr vielleicht sogar mit so einem unglaublich gewieften Plottwist gerechnet, weil ihr meine verworrenen Hirnwindungen und ihre Geschichtenproduktionsmethoden (Deutsch is eine tolle Sprache) schon kennt? ^^

Einen unhungrigen Tag voll überraschender Awesomeness wünscht euch
eure 0utofjoint =)

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12 Kommentare

  1. Hast du schon die ganzen Museen und Galerien abgeklappert? Die kosten ja nicht so viel. Oder vielleicht bewusst einen Fotografiertag einlegen. Romantisch wie ich vielleicht auf verschiedenen Friedhöfen inklusive fetten Katzen? Und gehe unbedingt in Akihabara zu dem veganen Inder. Da kannst du lustige Gespräche haben.

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    1. Mein Problem ist nich, dass ich keine Sachen finden würde, die günstig sind, sondern dass ich da eben erstmal hinkommen muss. Und die Fahrten kosten jeweils mindestens 370 Yen, pro Tag gehen also selbst für Gratis-Attraktionen mindestens 740 Yen drauf und wenn ich dann noch was essen will …. :( Hm, das in Akihabara hätte ich vorher wissen müssen. :D Da bin ich ja auch nur wegen des Ladegeräts hin. ^^

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  2. Wäre es vielleicht eine Idee gewesen, sich eine japanische Gastfamilie zu suchen? Mit Familienanschluss geht vieles besser. Du beschreibst, wenn auch mit viel Humor, die Probleme, die viele Ausländer in Japan haben und die sie dann oft sehr schnell wieder aus dem Land treiben.

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    1. Die Möglichkeit bestand bei der Sprachschule in Fukuoka, ich wollte es allerdings keiner japanischen Familie antun, mir veganes Essen zubereiten zu müssen und es wurde explizit gesagt, dass man bei diesem Programm gemeinsam isst. Ob ich mir für Tokio einfach selbst eine Familie hätte suchen können, damit habe ich mich aus dem Grund gar nicht erst beschäftigt. Ich hatte zwar nach Hosts gesucht, bei denen ich gegen Mithilfe übernachten kann, aber die meisten haben Babysitter bzw. Au-pairs gesucht.
      Hmm, ich glaube die Probleme wären einfach viel geringer, wenn ich mehr Japanisch spräche. Das wusste ich natürlich auch schon vorher. Allerdings wäre Japan auch mit Sprachkenntnissen kein Land, in dem ich unbedingt dauerhaft wohnen wollen würde. Dafür vermisse ich einfach zu viele Dinge. ^^

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