Küchenrolle, Kekse und Kirschblüten

Agentin 0. Joint war wieder einmal unterwegs, um eine wichtige Mission zu erfüllen. Ohne ihre Fähigkeiten würde das Land dem Untergang geweiht sein! So oder so ähnlich habe ich versucht, mich zu motivieren, als ich an den ersten blühenden Bäumen vorbei Richtung Supermarkt lief. Gedanklich epische Musik beim Überqueren einer Straße zu unterlegen, auf der weit und breit nichts gefährlicheres als ein kleines Mädchen auf einem pinkem Tretroller in Sicht ist, will eben gelernt sein! Und wenn man noch dazu vor sich hin schnieft, weil gerade eben jene Frühjahrs-Saison beginnt, in der die Pollen einem zu schaffen machen, ist das sogar schon der Experten-Verblendungsmodus. Das Schniefen bringt mich aber schon zum Grund für meine äh nahezu gefährliche Reise ans andere Ende von … äääh also … halt so zehn Minuten zu Fuß von mir zuhause entfernt. Ich lass es ja schon bleiben, alles umdichten zu wollen. :D

Warum teile ich meine Einkaufsliste mit euch? Man weiß es nicht …

Ich brauchte auf jeden Fall Küchenrolle. Ja, Küchenrolle. Schon mal was unepischeres gehört? Nein? Kommt gleich. Die Küchenrolle nutze ich hier nämlich als Taschentuchersatz, weil man hier in Japan irgendwie keine Taschentücher verwendet, weil das bääääh ist. Und die Taschentücher, die man kaufen kann, sind gefühlt 0,5-lagig und halten dementsprechend einer trötenden 0utofjoint’schen Allergienase nicht im Entferntesten stand.

Weil ich außerdem Hunger hatte, mein Tee alle war und ich neuen „Brotaufstrichersatz“ brauchte und man das alles nicht in jedem Laden hier findet, kamen halt noch versehentlich-vegane Kekse (anders vegan kriegt man hier kaum), Reistee und Tomatenmark auf die Einkaufsliste. Und weil ich durch einen 100-Yen-Shop gegangen bin, landeten auch noch Onigiri-Behälterchen (bzw. Omusubi) in meinem Einkaufskorb, weil ich in letzter Zeit immer Reisbällchen mit zur Arbeit nehme. Zu sehen alles auf dem qualitativ hochwertigsten Foto, das in den letzten Jahren von jemandem in meiner Tokioter Vorstadts-WG-Küche vor der Zubereitung eines Genmaicha (gerösteten Reistees) aufgenommen und mit den schlechtestmöglichen Filtern der Foto-App eines Handys verschlimmbessert wurde.

Während ich so durch die Gegend gelatscht bin, ist mir jedenfalls ein bisschen was aufgefallen. Erstens: Ich bin immer noch fasziniert von der japanischen, sehr oft zufällig zusammengewürfelt aussehenden Architektur. Zweitens: Ich bin immer noch fasziniert, wie krass nah an der japanischen Realität manche Animeserien doch sind, wenn ich mich hier so umschaue. Drittens: In nicht einmal zwei Monaten bin ich wieder in Deutschland.

Jepp, bald fliege ich zurück

Da ich keinen Job gefunden habe, der ansprechender als mein Putzjob ist und mir mehr Stunden bietet als meine Arbeit im Sprachcafé, habe ich letzten Monat entschieden, dass ich Mitte Mai wieder zurück nach Deutschland fliegen werde. Bevor ich hier noch mehr Geld verschwende, aber gleichzeitig kaum etwas unternehmen kann.

Aber ich dachte mir, es ist nun an der Zeit, mir mal zu überlegen, was ich von diesem ganzen Auslandsaufenthalt nun so hatte. Nun, in letzter Zeit hatte ich davon vor allem einige Selbsterkenntnisse. :D Dann habe ich festgestellt, dass ich an der japanischen Kultur einige Sachen sehr angenehm finde und andere wiederum furchtbar anstrengend. Reisen wiederum finde ich ebenfalls gleichzeitig sehr schön und sehr anstrengend. Da ich darüber eigentlich noch gar nicht ausführlich berichtet habe, werde ich in den nächsten Wochen ein paar Artikel zusammenschreiben, in denen es hauptsächlich um meine Reise von Fukuoka im Süden Japans nach Tokio gehen wird und in denen ich noch einmal überlege, welche Sachen an Japan bzw. an den Leuten, die ich hier so getroffen habe, ich vermissen werde, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Ich will wieder mehr schreiben

Eine weitere Erkenntnis ist übrigens die, dass ich mich mit zwei Blogs überfordert habe, weil ich nicht mehr wusste, auf welche Seite ich mich nun konzentrieren soll und dann vor lauter Hin und Her und genereller Demotivation einfach gar keine Artikel mehr geschrieben habe. Und das, obwohl ich doch eigentlich so gerne hier mein Gegrübel mit euch teile! Seit meinem letzten Artikel, in dem ich äh ein wenig psychoanalytisches Selbstbashing betrieben habe, ist auch schon wieder eine Woche vergangen. Eine Woche, in der ich eigentlich gar nicht so viel zu tun hatte und theoretisch Blogartikel hätte schreiben können. Youtubevideos zu gucken ist aber nun mal so viel einfacher … ^^

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Brace your noses, spring is coming!

Der Grund weshalb ich gerade jetzt versuche, doch wieder mehr Struktur in mein Leben zu bringen, ist einerseits, nein, kein Küchenrolleneinkauf und auch keine Frühjahrsallergie, sondern die Tatsache, dass ich, seit ich in Japan bin, wesentlich weniger Sport gemacht habe als zuvor. Das klingt jetzt seltsam, aber ich habe einfach sooo viel weniger Energie, wenn ich keinen Sport mache, dass es schon etwas gruselig ist. Vor allem, weil es mir selbst gar nicht so sehr aufgefallen ist, weil ich durch den Sport halt vorher keine 10 kg abgenommen habe oder so, sondern einfach fitter war. Da ich aber vor etwa einer Woche endlich eine Sportapp gefunden habe, die zu mir passt, habe ich nun auch endlich wieder mehr Bewegung und das Gefühl, nicht mehr nur den ganzen Tag vor mich hin zu dösen. Ich überlege gerade, ob ich über Fitness an sich nicht auch schon einen ganzen Artikel schreiben könnte, da ich mich mit dem Thema schon ein wenig länger herumschlage. Falls euch die Sache interessiert, könnt ihr mir das ja einfach mal in die Kommentare schreiben. :)

Struktur ist mein zweiter Vorname! Ok, nicht in dieser Dimension, aber irgendwo bestimmt.

Heute bin ich endlich mal wieder dazu gekommen (als ob ich vorher keine Zeit dazu gehabt hätte …), anderermenschen Blogs zu lesen. Dabei bin ich auch auf einen Artikel von krimskrams gestoßen, in dem es um ihre Blogstatistik geht. Darin erwähnt sie auch, dass sie einen Artikelplan hat, mit dem sie sicherstellt, dass jede Woche bzw. jeden Monat genügend Artikel auf ihrem Blog erscheinen. Ich schreibe ja an sich immer spontan vor mich hin, überlege aber, ob das für mich auch funktionieren würde. Die meisten Blogger, die einen solchen Plan haben, haben allerdings auch feste Kategorien auf ihrem Blog. Also den Media Monday zum Beispiel, der sich für mich als Nicht-Filme-Schauerin eher nicht so anbietet. Andere Menschen bringen Reviews oder Rezensionen zu Büchern oder ebenfalls zu Filmen und Serien. Fällt aber bei meinem momentanen Medienkonsum noch viel mehr weg.

Deshalb, und weil ich das Gefühl habe, dass ich euch da noch etwas schulde, werde ich in nächster Zeit vermutlich erstmal die erwähnten Reiseberichte aus Japan aufarbeiten, die ich schon längst hätte schreiben sollen. Ich hoffe, dass mein grottenschlechtes Gedächtnis mir ausnahmsweise einmal gewogen sein wird und es mir erlaubt, euch zumindest einige schöne Erinnerungen von meinen Reisen zu präsentieren. Ich durchforste dann am besten noch einmal die Artikel des letzten halben Jahres. Mal sehen, was ich überhaupt bisher so alles über Japan geschrieben habe.

Eine peinliche Niederlage, könnte man sagen

Dann gibt es noch das „Problem“ meines englischen Blogs und des dazugehörigen Youtubekanals, der irgendwie nur aus zwei Videos oder so besteht. Hier gilt das gleiche, wie beim Rest meines Lebens: Ich war irgendwie nich so richtig motiviert, zu planlos und joa … Was sehr schade ist, da ich mich vorher wirklich darauf gefreut habe, das Projekt durchzuziehen. Nur leider habe ich mir meine Reise im Vorhinein wesentlich entspannter vorgestellt als sie es im Nachhinein dann war. (Und aus irgendeinem Grund mich selbst als Menschen mit wesentlich mehr Durchhaltevermögen imaginiert. ^^)

Vermutlich werde ich ein oder zwei Abschlussvideos drehen, um dem Kanal zumindest fünf Videos zu gönnen. Was ich mit der Webseite machen werde, weiß ich noch nicht genau. Wenn ich mich wieder mehr um crazyth1ngs kümmere, könnte ich eigentlich diesen Blog über den Hoster, den ich für die englische Seite habe, laufen lassen. Aber da bin ich mir noch nicht sicher, so ein Umzug ist ja immer nervig.

Generell würde ich eigentlich immer noch gerne Youtube-Videos machen, aber ebenso wie bei vielen Artikeln hier, fehlt mir ein übergeordnetes Thema. Und einen Kanal mit „random Gedöns“ aufzumachen, ergibt glaube ich dann auch nicht sooo viel Sinn. :D Außerdem muss ich mir noch Gedanken machen, ob ich weiterhin immer auf Deutsch oder auch mal auf Englisch schreiben werde. Denn manchmal habe ich wirklich mehr Lust englische Texte zu schreiben oder ein englisches Video zu drehen. Und dann habe ich wieder mehr Lust auf Deutsch draufloszulabern. Auf das Schneiden des Videos habe ich aber unabhängig von der Sprache in den seltensten Fällen Lust. Tjaaa, Faulheit. Ein Sprachgewirr babylonischer Ausmaße wäre es zwar nicht, wenn ich mal englische und mal deutsche Artikel oder Videos bringe, aber verwirrend und anstrengend garantiert. Da muss ich nochmal in mich gehen.

Tiriliert mich an, bitte! ^^

Eine weitere Sache, die mir aufgefallen ist: Ich nutze kein Twitter mehr. Eigentlich fand ich Twitter immer recht interessant, weil man da neben den neuesten Blogartikeln anderer Bloggerwesen auch Nachrichten aus diesem Intörnett und dem komischen Real Life (gute Grafik, durchwachsenes Storytelling) vor der Nase hat. Aber seit Monaten habe ich sowohl die Twitter-Webseite als auch die App auf meinem Handy vernachlässigt. Was jetzt nichts an sich grässliches ist, weil man sich so auch sehr viel unnötigen Online-Beef erspart, aber dazu beigetragen hat, dass ich noch seltener auf Newsartikel, Blogperlen und interessante Themen gestoßen bin.

Falls ihr Spaß an Motivationsversuchen habt, dann könntet ihr übrigens interessante Dinge an mich twittern oder mich dort generell anträllern (darf auch in normaler Tonlage sein), denn sobald ich die App einmal geöffnet habe, scrolle ich normalerweise immer auch durch die aktuellsten Tweets und finde meistens zumindest ein oder zwei Dinge, die ich mir durchlesen möchte.

So. Ich glaube damit hätte ich erstmal alles gesagt, was für mich so einigermaßen wichtig ist. Falls ich Fragen aufgeworfen oder unbeantwortet gelassen haben sollte oder ihr weitere Anmerkungen, Themenwünsche, Vorschläge für Verbesserungen oder random Geistesblitze haben solltet, dann immer rein damit in die Kommentare. Ich freue mich auf jeden Fall, jetzt wieder häufiger hier vorbeizuschauen und gehe jetzt erstmal Onigiri-Döschen spülen. :)

Einen produktiven und motivierten Tag wünscht euch
eure 0utofjoint =)

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6 Kommentare

  1. Japan muss man aktiv leben und nicht nur passiv erleben. Aber das ist schwer, selbst für mich. Ich stehe immer eine Weile neben mir, wenn ich zurück bin und frage mich, was die eigentlich alle von mir wollen. Für Yuki, die einen weniger rebellischen Geist besitzt, ist es einfacher sich schnell wieder anzupassen. Ich trete in mindestens ein Fettnäpfchen pro Tag. :D Das gibt sich natürlich schnell wieder. Aber … ich bin trotzdem untypisch. Auch in Japan bin ich kaum anders, als in Deutschland und schieße „scharf“, wenn mir Mann dumm kommt.

    Wenn ich dir einen Rat geben darf, nimm Japan einfach nicht als Deutsche wahr. Das funktioniert nicht. Sonst vergleichst du ständig, ärgerst dich vielleicht oder zerfließt vor Heimweh. Nimm Japan als Mensch wahr und an. Klar haben wir komische Sitten, wenn du es mit deutschen Augen siehst. Das denken die JapanerInnen auch von den Deutschen, aber sie sagen es nicht.

    Vielleicht versuchst du bei einem zweiten Besuch eine Gastfamilie zu finden, die vielleicht auch vegetarisch isst. Japaner sind sehr nett und wenn du akzeptiert bist, wirst du ein anderes Japan erleben können, das außerhalb touristischer Augen liegt. Wichtig ist es, den Respekt von Japanern zu erlangen. So wirst du schneller akzeptiert. Versuch das in Korea und du wirst scheitern, die sind da sehr eigen.

    Vielleicht gäbe es die Möglichkeit beruflich als Journalistin in Japan zu arbeiten? Was du auch brauchst ist ein Netzwerk von in Japan lebenden Ausländern, die dich auffangen und unterstützen können. Ja, das hätte ich dir auch schon vor Monaten schreiben können. Aber hättest du mir geglaubt? ;-)

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    1. Hallo nandalya und danke für deinen ausführlichen Kommentar :)
      Also ich glaube es ist nahezu unmöglich für mich, Japan nicht als Deutsche wahrzunehmen. :D Aber ich hab mich ja auch nicht beschwert, dass alles in Japan furchtbar ist. ^^ Ich finde es nur sehr interessant, wie unterschiedlich die beiden Länder sind und zu schauen, welche Dinge ich in Deutschland gerne hätte, die hier selbstverständlich sind und umgekehrt, welche Dinge ich hier vermisse. Heimweh hab ich eigentlich nie, ich vermisse immer nur einzelne Dinge (wie beispielsweise Brot!), da musst du dir also keine Sorgen machen. ^^

      Den zweiten Besuch müsste ich vor allem mit wesentlich besseren Sprachkenntnissen antreten, wenn ich mich so integrieren möchte, wie du das beschreibst. Aber das hast du mir ja in dem Fall wirklich schon vor Monaten gesagt. ;)
      Das mit dem Respekt könnte sich dennoch als sehr schwierig herausstellen, da ich momentan noch ein paar Probleme damit habe, die zurückhaltenden Menschen hier zu deuten.

      Beruflich weiß ich nicht einmal, ob ich in Deutschland große Chancen habe. Nur sehen die dort aufgrund meiner Sprachkenntnisse und der gewohnten Kultur eben wesentlich besser aus als hier. :)

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  2. Also zu aller erst würde ich mich sehr über mehr Geschreibsel von dir freuen… Die Reiseberichte stelle ich mir sehr unterhaltsam vor.
    Bist du eigentlich gegen Kirschblüten allergisch?
    Als Themenwünsche fallen mir spontan irgendwie die Artikel ein, die du vorgeschlagen hast und vielleicht was du mit Manga/Anime verbindest oder Weshalb es dir so „viel bedeutet“ (kann man dass so sagen?)^^

    Mehr fällt mir gerade nicht ein… Wo sind denn bloß meine Notizen….

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    1. Danke, ich hoffe ich komme morgen dazu, schon mal irgendwas vorzubereiten. :D
      Das sehen wir dann in einer Woche oder so … :D Wurde beim Allergietest glaube ich nicht überprüft.
      Hm … Manga und Anime hatte ich schon mal in einem meiner allerersten Artikel besprochen. Aber Anime und Manga in Japan kommt sicher nochmal als einzelner Artikel. ;)
      Notizen sind schon echt hilfreich … du kennst ja mein Kurzzeitgedächtnis! ^^“

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  3. Ha – das mit Twitter geht mir ähnlich. Ich teile da noch Artikel und tausche mich eigentlich sehr sehr gerne über Twitter mit den Leuten aus. Aber Feed lesen? Mmmmh … ich habe wahrscheinlich den Fehler gemacht zuviel zu abonnieren bzw zu followen. Und jetzt überfordert mich die nie enden wollende Flut an Tweets.
    Ich würde mich auch freuen mehr von dir zu lesen ;)

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