Eine leicht verstörende Weltsicht?

Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, ob ich dabei bin, mein Leben auf die Reihe zu bekommen, ob mein Leben dabei ist, mich auf die Reihe zu bekommen – oder ob wir uns einfach beide etwas vormachen.

Triggerwarnung für diesen Artikel: Zynismus, Selbstmord, Lebenssinnmangel. Ich spreche generell über diese Themen, Also bitte nur weiterlesen, wenn ihr damit zurechtkommt. So, damit seid ihr hoffentlich angemessen vorgewarnt :)

Dieser Artikel ist mal wieder etwas random, daher erlaubt mir eine etwas längere Einleitung. Ich habe gestern einem meiner Sprachpartner erklärt, was „random“ bedeutet und war ein wenig stolz auf mich. Immerhin ist das ein ziemlich wichtiges Wort (für mich^^). Außerdem habe ich zwar noch nicht meine Steuererklärung gemacht, aber eine Unterkunft in Seoul gebucht, womit mein langer Urlaub nun endlich komplett feststeht. Whohooo! Auch wenn er mich insgesamt bisher (Flug plus Zimmer) bereits mehr als die Hälfte meines Monatsgehalts gekostet hat. (Brutto versteht sich. Wir wollen ja nicht übertreiben. ^^) Andererseits habe ich noch nie so viel verdient wie jetzt, weswegen ich entschieden habe, das jetzt auch auszunutzen (aka auszugeben). Eigentlich sollte ich mich so langsam mal um eine Altersvorsorge kümmern, aber irgendwie … ich weiß nicht. In diesem Fall bin ich sogar nicht einmal nur zu faul dazu, sondern habe vielmehr das Gefühl, einer anderen Generation anzugehören, als beispielsweise alle bei mir auf der Arbeit.

Dort sind alle mindestens zwei Jahre älter als ich, aber meistens eher 10 bis 20 Jahre älter. Aber selbst die Kollegin, die fast in meinem Alter ist, gehört zu den Menschen, die voll den Plan zu haben scheinen und zahlt bereits seit Jahren in eine Altersvorsorge ein. Eigentlich sind es sogar zwei. Löblich und doch fremd für mich. Ich weiß ja nicht, wie das bei euch aussieht. Vielleicht bin ich einfach nur sehr unvernünftig, aber irgendwie fühle ich mich eher der Generation (welche auch immer das sein mag) zugehörig, die online Witze darüber macht, dass man sich ja, bevor man in ein Altenheim gesteckt werden oder im Krankenhaus landen würde, einfach das Leben nehmen könnte. Ja, deswegen die Trigger-Warnung.

Das Ding ist, dass das keineswegs bedeutet, ich wäre momentan unglücklich oder wollte morgen vor einen Zug springen, es bedeutet einfach nur, dass ich – genauso wie sehr viele Menschen, die vermutlich oft jünger sind als ich – ziemlich resigniert auf diese Welt blicke. Es fällt mir einfach so schwer, mir eine nicht-bescheidene Zukunft vorzustellen (Altersarmut, Klimawandel/Naturkatastrophen, Kriege, politische Instabilität, Überbevölkerung – you name it), dass es einfacher ist, zynisch damit umzugehen, anstatt sich ernsthafte Gedanken zu machen, ob und wie man die Situation ändern könnte. Oder das Maximum an Vorsorge zu treffen, auf die Gefahr hin, dass es durch diverse Umstände dann doch nicht reicht und man im Alter mit 300 Euro pro Monat auskommen muss, während statt des Feinstaubs in der Innenstadt nur das Internet gefiltert wird und man im Livestream Waldbränden/Wintereinbrüchen, hungernden Menschen und Stürmen zuschauen darf. Moment, das wird jetzt doch etwas zu dystopisch, wenden wir uns lieber wieder den Gedanken zu, die ich hier eigentlich verfolgen wollte.

Faszinierend finde ich nämlich, dass solche Witze über das eigene Lebensende (so unlustig sie auch sein mögen) sehr viele andere Menschen größtenteils verwirren oder gar schockieren. Damit meine ich, dass mein Gegenüber dann nicht einschätzen kann, ob das ein geschmackloser Witz war, was für Empörung sorgen würde oder ob ich das vielleicht doch irgendwie ernst meine, worüber man dann schockiert wäre und nachfragen müsste, ob alles in Ordnung ist.

Ich glaube ich sollte eigentlich zu denen gehören, die schockiert sind, aber irgendwie … vielleicht habe ich zuviel Zeit im Internet verbracht und man wird hier so zynisch? Mein 22-jähriger Mitbewohner verbringt gefühlt 80 Prozent seiner Zeit mit Zocken und hat allgemein einen eher seltsamen Sinn für Humor (manche würden ihn gar „schlecht“ nennen), der hauptsächlich auf Schockwerten basiert und mir dementsprechend gerne mal auf den Keks geht. Gleichzeitig ist er dadurch aber auch jemand, der durch sein „lass mal schockierende Sachen sagen, dann lacht bestimmt jemand“ nicht mal mit der Wimper gezuckt hat, als ich meinte, dass ich vermutlich ohnehin keinen Grund hätte, allzu alt zu werden.

Die Frage ist nun … ist das gut oder ist das schlecht? Es ist sehr angenehm, so einen Gedanken mal aussprechen zu können. Gleichzeitig bin ich mir der Tatsache bewusst, dass es keine gute Idee ist, so einen Gedanken durch vermehrtes Aussprechen zu normalisieren.

So viel zum Thema „random“: Ein wenig random Motivation, falls euch das generelle Thema doch zu deprimierend war. ^^

Mich würde einfach mal interessieren, wie ihr mit Zukunftsängsten umgeht. Beziehungsweise ob ihr welche habt und ob euch dieses lapidare „Joa, dann muss ich dem halt früh genug ein Ende bereiten“ schon begegnet ist. Ich hoffe, ich habe euch nicht allzu sehr schockiert, das war nämlich nicht meine Absicht. Mir ist nur aufgefallen, wie unterschiedlich Menschen verschiedenen Alters ihre Zukunft anzugehen scheinen. Die einen scheinen nicht daran zu zweifeln, dass diese schon irgendwie zustande kommen und ganz okay sein wird. Die anderen scheinen davon auszugehen, dass es nur noch schlimmer werden wird und sich einen Notfall-Ausstiegs-Plan zurecht zu legen, um mit diesem Gedanken klar zu kommen. Es könnte natürlich auch so sein, dass man mit zunehmendem Alter automatisch eher nicht mehr nach so einem Plan sucht, weil bis zu diesem Punkt ja auch alles geklappt hat. Dennoch hat mich diese Verständniskluft ins Grübeln gebracht.

Ich habe jedenfalls gerade meinen Urlaub geplant, was ich exakt wegen des Themas dieses Artikels auch erwähnt habe. Denn erstens will ich nicht, dass sich spontan jemand um mich Sorgen macht, weil das hier nur eine theoretische Lebenseinstellungs-Rumüberlegung ist und zweitens wollte ich deutlich machen, dass diese Gedanken eben mehr oder weniger permanent anwesend, dabei aber keineswegs bedrohlich, sind. Ich hoffe ich konnte mich verständlich machen, habe niemanden getriggert, über die Maßen schockiert oder gar traurig gemacht. Ich werde mir jetzt einen Tee machen und überlegen, welche Sachen ich mir in Seoul anschauen kann. :)

Ich hoffe ihr habt einen flauschigen Tag und wünsche euch möglichst wenig Grübelei! :) Eure, sich trotzdem über jegliche Rückmeldungen freuende, zynisch in der Welt herumphilosophierende und sich sehr auf ihren Urlaub freuende 0utofjoint ^_^

PS: Ja, ich weiß, dass man für Zynismus eigentlich keine Triggerwarnung aussprechen müsste, aber ich wollte das mit angemerkt haben, damit man eventuell schlussfolgern kann, dass ich nicht detailliert ernsthafte Szenarien erläutere. Auch wenn das vermutlich trotzdem unnötig war.

PPS: Der Titel des Artikel ist übrigens aus meinem unterbewussten Versuch entstanden „world view“ und „Ansicht zu verschmelzdenglischen. Sorry dafür! 😅

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22 Kommentare

  1. … jeder ist seines Lebens Herrscher… so unterschiedlich, so verloren und doch kraftvoll… ganz ehrlich… habe Menschen gehen gesehen mit der totalen Altersvorsorge, die Versicherung hat sich gefreut… nix muss… alles darf in deinem Sinne…

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  2. Also ich bin garantiert älter als du, habe zwei Kinder, bin geschieden, mache diverse Jobs, die ich eigentlich nie machen wollte. Das was ich jetzt lebe, habe ich mir nicht ansatzweise so vorgestellt oder gar gewünscht. Und doch bin ich glücklich, weil mir auf diesem ungeplanten Lebensweg viele Dinge widerfahren sind, die spannend, berührend, unvorhersehbar, lustig, dramatisch, schrecklich oder auch mal traurig waren. Hätte ich mir viele Dinge anders gewünscht? Bestimmt. hätte ich meinen Weg beeinflussen können? Sicherlich. Aber oftmals war es für mich leichter in einer nicht so angenehmen Situation zu verharren, weil sie bekannt war, anstatt mich aufzuraffen und etwas zu ändern. Ich wünsche dir einen tollen Urlaub! ❤

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    1. Also danke erstmal für deinen langen Kommentar und für die Urlaubswünsche! ^^
      Und du hast schon Recht, in den allermeisten Fällen kann man das Leben nicht vorausplanen (sonst wär es ja auch langweilig). Das mit dem Verharren kenne ich allerdings auch und überlege mir gerade, wie ich das am besten angehe, um nicht komplett planlos zu sein, aber eben doch nicht immer nur aus Gewohnheit beim gleichen Alltag zu bleiben. :)

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      1. Wie gesagt, ich habe einen völlig neuen Lebensabschnitt begonnen, als ich meinen Mann verlassen habe. Ich dachte, es wird niemals wieder gut. Es gab sogar Tage, an denen ich dachte, vielleicht wache ich morgen einfach nicht mehr auf. Und dann ging es trotzdem weiter und irgendwie auch wieder bergauf.😘

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  3. In Anbetracht dessen, dass ich quasi noch jünger bin als du kann ich hier ja mal meine fünf Cent dazu tun.

    Ich habe eine ähnliche Einstellung wie du. Ich meine, wir kämpfen bereits jetzt aktiv mit Extremwettern dank des Klimawandels. Meine Generation wird vlt. gerade noch so von den wirklich schlimmen Folgen verschont bleiben, aber die Generation nach mir wird dort wohl voll reinreiten. Ich weiß nicht ob ich die Folgen noch miterleben möchte. Ich weiß auch nicht, falls sich das politische Weltklima nicht bald wieder ändert ob ich die weiterschreitenden Reformen noch miterleben möchte.

    In die Rentenkasse einzuzahlen kann eins sich heute absolut sparen. Ausgezahlt werden wird definitiv zu wenig. Gerade bei den steigenden Mitpreisen. Wir werden immer älter, bekommen immer weniger Kinder, haben deshalb immer weniger Pflegepersonal. Wer sagt, dass ich mit 65 noch einen völlig intakten Körper besitze, Nicht stelle ich mir schlimmer vor ans Bett gefesselt zu sein oder an Demenz zu erkranken. Mitbekommen, dass mein Gedächtnis verliert stelle ich mir schrecklich vor. Zumal ich nicht der letzte Mensch sei möchte, der sieht wie alle Freunde vor einem sterben.

    Ich will als dementer/ alter Mensch keinem zur Last fallen. Was dank der Altersarmut definitiv der Fall sein wird… Ich weiß aber auch, dass ich sehr zynisch bin. Vlt. liegt es an unserem Kulturkreis? Meine Ex-Mitschüler, deren Eltern aus den slawischen Ländern kamen waren völlig anders sozialisiert. Allerdings hat Altern und vor allem Familie dort einen ganz anderen Stellenwert.

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    1. Danke, danke, danke! 💜 Jemand, der mich versteht! :D Ich stimme dir und deinen fünf Cent vollkommen zu und du hast die Zukunftsunsicherheiten und Sorgen exakt benannt. Daaa 🍪<=glutenfreier virtueller Proteinkeks ^^
      Interessanter Punkt, an die Kultur habe ich Depp gar nicht gedacht! Wäre sehr interessant das mal zu vergleichen und zu schauen, ob es in Ländern, in denen die Familie einen höheren Stellenwert hat (und v.a. noch weiterhin als Modell existiert) anders ist.🤔 Ich hätte ja wirklich gerne mal Statistiken zu sowas … :/

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  4. Weder du noch ich können etwas am (nicht Menschen gemachten) Klimawandel oder der (nicht existierenden) Überbevölkerung ändern. Es sei denn, das ist nun richtiger Zynismus, dass wir uns zu Führerinnen der Welt aufschwingen und den „Roten Knopf“ gleichzeitig drücken. Alternativ decken wir vielleicht auf wer warum hinter Greta steckt und warum die USA arabische Länder in die Steinzeit bomben.

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    1. :D Herrje, nein, ich will lieber keine Weltanführerin werden, da muss ich mich ja mit noch mehr Menschen herumschlagen! Die Frage ist allerdings, wem man die Antwort auf Fragen wie Steinzeitbombungshintergründe dann mitteilt … Ich habe so das Gefühl, dass viele das einfach mit einem „Aha“ quittieren würden. o.o
      Äh und wieso ist der Klimawandel deiner Meinung nach nicht von Menschen verursacht? :)

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        1. Naja, ich weiß, dass es normale Klimaschwankungen gibt und auch schon definitiv nicht menschengemachte Eiszeiten ^^ Aber es is doch trotzdem allgemeiner wissenschaftlicher Konsens, dass der CO2(und Methan und blaaa)-Ausstoß so nicht gut für den Planeten ist und der sich deswegen krasser erwärmt als normal 😊

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            1. Der Weltklimarat oder das Bundesumweltministerium zählen für dich nicht als seriöse Quellen? https://www.bmu.de/download/fuenfter-sachstandsbericht-des-ipcc/
              Ansonsten gibt es da ein sehr aktuelles Video von einer Chemikerin, in dem sie einen Faktencheck des „infamous“ CDU-kritischen Videos eines anderen Youtubers macht: https://youtu.be/tNZXy6hfvhM Fand den Herrn Hirschhausen dabei zwar eher überflüssig, aber das Thema an sich sehr gut zusammengefasst. :) Und sie geht auch darauf ein, warum es wissenschaftlicher Konsens ist und in 97% aller Studien, in denen Ursachen des aktuellen Klimawandels erwähnt werden, „menschengemacht“ als Ursache gibt. (Quelle davon ist eine Übersichtsstudie veröffentlicht vom Institute of Physics. https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/8/2/024024 ) ☺️

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