philosophie

This is not a bowl ... ;)

Tellerränder und Suppenschüsseln

Manchmal bin ich selbst erstaunt davon, in was für einem kleinbürgerlichen Umfeld ich aufgewachsen bin. Ich komme vom Dorf und habe selbiges auch bis zum Studium auch nur verlassen, um mich beim betreuten Strandplantschen mit den Eltern oder gelegentlichen Shoppingtouren mit den besten Freundinnen in der nächstgrößeren „Stadt“ zu vergnügen. Nach meiner Landei-Zeit wurde mir dann immer bewusster, wie groß diese Welt doch eigentlich ist. Versteht mich nicht falsch, ich habe mich nie als engstirnig gesehen (okay, wer tut das auch schon? :D) und ich habe als Kind sehr sehr viel gelesen – meine Freizeit bestand quasi aus fast nichts anderem. Und ich habe auch früher gerne mal zwischen Harry Potter, Schiller und den Drei Fragezeichen gewechselt, habe also nicht vollkommen einheitliches Schreibgut konsumiert, in dem ausschließlich Leute, die so sind wie ich auch genau dasselbe tun wie ich. Das fände ich auch heute wohl noch ziemlich öde. ^^ Nein, stattdessen wollte ich mich in andere Welten versetzt fühlen, wo es Magie gibt, spannende Geschichten lesen und miträtseln oder mitfühlen, wenn tragische Helden in einer Geschichte vor unlösbare Aufgaben gestellt werden oder Schicksalsschläge erleiden. So habe ich gewissermaßen vom heimischen Kinderzimmer aus meinen Horizont erweitert und ich wusste: Es gibt noch sehr vieles, was du nicht gesehen hast und sehr vieles, was du nicht erlebt hast.

Als ich also, hochnäsig wie das junge Menschen nun einmal gerne sind … Hm, vielleicht bin ich das auch immer noch, der erste Absatz klingt irgendwie ein wenig so, sorry, falls dem so sein tun sollen täte! :D Ähem, als ich jedenfalls ins Studium gestartet bin, war ich quasi der Meinung, mein Tellerrand wäre bereits wunderbar weit, herzlichen Dank, denn ich hatte mich ja darauf eingestellt, dass es viele Menschen mit anderen Meinungen, Erlebnissen und schlichtweg vollkommen anderen Lebenswegen dort draußen geben würde. Mein Tellerrand war also auf Weitsicht eingestellt und so konnte ich mich total kosmopolitisch fühlen und überhaupt und so.

Worauf ich nicht vorbereitet war, war … das Leben. :D Denn abgesehen vom Tellerrand, der zugegebenermaßen immer noch ein Stück weiter werden kann, als er bereits ist, stellte ich fest, dass sich noch mehr Geschirr auf meinem metaphorischen Tisch befand. Ich stand nicht nur auf einem Teller, nein, ich stand mitten in einer ziemlich kleinen und ziemlich steil aussehenden Suppenschüssel. Wo kam die denn auf einmal her? Und wieso stand sie auf meinem gepflegten weitsichtigen Tellergelände? Mir war leider entgangen, dass ich zwar schon viel gelesen und dadurch viele Erfahrungen pseudo-miterlebt hatte, aber dass ich diese eben nicht selbst gemacht hatte. Nur von der Kuschligkeit des heimischen Kinderzimmers aus liest es sich zwar ganz gut, man kann aber schlecht nachvollziehen, wie es anderen Menschen wirklich geht und wie kompliziert es manchmal ist, richtig mit denen zu interagieren.
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Foto: Pixabay/Unsplash

Was ist Menschlichkeit?

Einer der Gründe – abgesehen vom bescheuerten Humor – warum ich Manga und Anime so liebe, ist die Tatsache, dass darin oft sehr tiefgründige Fragen gestellt werden. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist zum Beispiel die Frage: Was macht einen Menschen zum Menschen? Wie definiert man „Menschsein“? Es gibt ja die Standard-Sprüche wie „Wir sind doch alle nur Menschen.“ oder „Das ist doch nur menschlich!“, die meistens verwendet werden, um Charakterfehler oder Schwächen zu rechtfertigen, die nachvollziehbar und sehr häufig sind. Andererseits bezieht sich der Ausspruch „Wie unmenschlich!“ meistens auf besonders grausame Taten, die an anderen Menschen begangen wurden, seien es Mord und Totschlag oder schlechte Arbeitsbedingungen. Menschen sind also relativ nett zu anderen Menschen, wenn die Umstände das zulassen, haben aber je nach anderen Umständen und Charaktereigenschaften auch Schwächen. So weit, so einfach zu definieren.

Vielfalt in Anime und Manga <3

Was jedoch Anime und Manga meiner Meinung nach von „normalen“ Medien unterscheidet, ist dass das Thema von unglaublich vielen verschiedenen Blickwinkeln angegangen wird und man so manchmal schon ins Grübeln gerät, ob sich Menschlichkeit überhaupt anständig definieren lässt. Natürlich gibt es auch abseits von Anime Filme wie „I, Robot“ oder „Ex Machina“, in denen über das Thema künstliche Intelligenz ähnliche Fragen aufgeworfen werden. Doch bei diesen geht es meistens ausschließlich um die Frage, ob von Menschen geschaffene Roboter dazu in der Lage sind, Gefühle zu entwickeln und etwas zu empfinden.

Das ist zwar eine sehr spannende Frage, doch wie häufig stellen wir uns eigentlich die Frage, wann ein Mensch kein Mensch mehr ist? Kann man jemandem die Menschlichkeit absprechen? Und wenn ja, wann? Im von mir geliebte Anime „Ghost in the Shell“ ist die Technologie so weit fortgeschritten, dass Menschen bis auf wenige Gehirnzellen komplett als Cyborgs durch die Gegend laufen können. Allein in den paar übriggebliebenen natürlichen Hirnzellen sitzt ihr „Ghost“, also ihre Persönlichkeit und somit quasi ihre Identität. Der Rest ist hochmodern, optimiert und austauschbar. Würden wir heute solche Leute noch als „menschlich“ wahrnehmen? Oder würden wir uns denken „Whoa, sieht aus wie ein Mensch, aber besteht eigentlich aus Terminator-Material, creeeeeepy!“? ^^ Da die Fast-Cyborgs jedoch weiterhin über ihre Identität und Persönlichkeit (also quasi über ihre „Seele“ verfügen), müssten wir sie eigentlich abgesehen von garantiert aufkommendem Cyborgismus als Menschen akzeptieren können. (mehr …)